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rheinische ART 11/2019

OFFENBACH-JUBILÄUM
Ein Jacques für alle


Zuneigung kann manchmal eine einseitige Sache sein. Der „Vater der Operette“, Jacques Offenbach, wurde in Paris ein weltberühmter Komponist und vergaß seine Geburtsstadt Köln nie. Eher war es umgekehrt.

 

Video-Ausschnitt zum Imagefilm über Jacques Offenbach anläßlich des 200. Geburtstages des Komponisten. Foto yeswecancan.Koeln © Kölner Offenbach Gesellschaft e.V. 2019 (mehr)

 

Zwar wäre es unsinnig zu behaupten. dass Köln sein Musikgenie völlig vergessen hätte. Das nicht.
     Denn immerhin ist der Platz vor dem Kölner Opernhaus nach ihm benannt und eine Offenbachstraße und eine Gedenktafel gibt es auch. Doch schenkte die Domstadt, „seinem berühmtesten Sohn bislang zu wenig Beachtung“, kritisiert die Kölner Offenbach Gesellschaft e.V. anlässlich des aktuellen Jacques-Offenbach-Jahres.

 

Jacques Offenbach (1819–1880) in einer Darstellung zum Kölner Jacques Offenbach Jubiläum, Foto © Kölner Offenbach Gesellschaft e.V.2019

 

Am 20. Juni 1819 wurde Jacques als Jakob Offenbach in Köln geboren. Er hatte neun Geschwister. Sein Vater Isaac war Dichter, Komponist und Kantor in der örtlichen Synagoge und brachte seinem Sohn Jakob Geige- und Cellospielen bei.

     Mit 14 Jahren zog der „Kölsche Jung“ zur Ausbildung nach Paris. Die Stadt wurde zu seinem musikalischen Dreh- und Angelpunkt und er später viel mehr als ein reiner Komponist flotter und schmissiger Weisen für die Bühne.

 

Daran erinnert derzeit eine Ausstellung des Historischen Archivs Köln, und zwar – wohlgemerkt – auch online! Unter der Überschrift „Von Jakob zu Jacques. Der Kölner Offenbach“ wird (auch elektronisch) für jeden Interessierten einsehbar, Offenbachs Leben und Wirken in vier Kapiteln aufgeblättert.

     Es ist ja wahr: Anlässlich seines 200. Geburtstages wird der Komponist gerne in seiner Geburtsstadt und auch sonstwo gefeiert. Das kulturaffine Köln verfügt jedoch weder über ein Offenbach-Museum noch ein Offenbach-Theater.

     Es sei wohl so, betont die Offenbach-Gesellschaft, dass sich in den Köpfen der Menschen noch keine rechte Verbindung zwischen „Köln” und „Offenbach” verankert habe. Dabei sei dieses Musikgenie wie ein Geschenk für die Domstadt. „Ein Geschenk, das noch gar nicht richtig ausgepackt wurde.“
     Aber auch in Paris, wo 1881, also ein Jahr nach Offenbachs Tod, seine erste Oper „Hoffmanns Erzählungen“ (Les Contes d'Hoffmann) in einer frenetisch bejubelten Premiere in die Welt gelangte, sieht es in Sachen Erinnerungskultur nicht viel besser aus.

 

Offenbach lebte ab 1833 ständig in der Seine-Metropole und Rossini nannte ihn den "Mozart der Champs-Élysées". Er war, wie es heute heißt, der am schnellsten arbeitende Musiker aller Zeiten. Er hatte ein Gespür dafür, Rhythmus und Melodien eingängig miteinander zu verbinden; dazu kam sein sicherer Instinkt für pikante Situationen sowie die Vorliebe für Zynismus und bissige Satire.

     Offenbach etablierte die unterhaltsame Operette als eigenständiges Genre im Musiktheater. "Das Pariser Leben" oder "Orpheus in der Unterwelt" mit dem berühmten Cancan gehören zu seinen bekanntesten Stücken. Der Musikwissenschaftler und Biograf Ralf-Olivier Schwarz über den Künstler: „Offenbach war ein PR- und Vermarktungsgenie und hat sich auch selbst vermarktet.“ Sein Bild als „Teufelscellisten", erklärt der Biograf, habe er genauso gepflegt, wie später sein Image als „frivoler Unterhalter".

 

Jacques Offenbach Begründer der modernen Operette. Weniger bekannt ist er als Cellist, Kirchenmusiker und Romantiker. Foto © Rheinisches Bildarchiv Köln / Historisches Archiv der Stadt Köln 2019

 

Als der musikalisch Multitalentierte am 5. Oktober 1880 mit 61 Jahren in Paris starb, war er krank und bankrott. Er hinterließ nach neuesten Schätzungen rund 650 Werke. Davon sei, wie zu lesen ist, nur etwa ein Viertel überhaupt bekannt. Und obwohl seine Musikwerke zu den am häufigsten gespielten an Opernhäusern weltweit gerechnet werden, sei der Rheinländer der meist unterschätzte Komponist

 

Jacques Offenbach im Kreise seiner Familie Foto © Historisches Archiv der Stadt Köln 2019

 

Dass er in seiner Heimat nicht gut gelitten war, ja gar als „Vaterlandsverräter“ gebrandmarkt und damit ins Abseits gestellt wurde, mochte wohl auch an ihm selbst gelegen haben.

     Nach dem deutsch-französischen Krieg 1870 saß er zwischen allen Stühlen. Die Franzosen sahen in ihm den „feindlichen Spion Bismarcks“ und „Deutsch-Juden“, in Preußen galt er als leichtfüßiger und dekadenter Franzose und Landesfeind.

     Schließlich war er seit 1860 offizieller französischer Bürger und liebte sein Frankreich. Im März 1871 schrieb er an einen Bekannten: „Ah, welch schreckliche Menschen“ seien doch die Preußen. „…und wie niederschmetternd ist für mich der Gedanke, dass ich an den Ufern des Rheines geboren bin und durch irgendein Bande mit diesen schrecklichen Wilden verbunden bin.“

     Die Geschichte erinnert in gewisser Weise an Heinrich Heine, den eine Hassliebe mit seiner Geburtsstadt Düsseldorf verband. Auch den Düsseldorfern fiel es jahrzehntelang schwer, den berühmten Dichter angemessen als Sohn der Stadt zu würdigen.
cpw

 

Die Ausstellung „Von Jakob zu Jacques. Der Kölner Offenbach“ des Historischen Archivs der Stadt Köln kann

online abgerufen werden unter derkoelneroffenbach.de (mehr)

und wird ferner
► bis zum 5. April 2020 in der Kirche Herz Jesu, Zülpicher Platz, 50674 Köln, gezeigt.

 

 

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