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rheinische ART 09/2015

Archiv 2015

BILDNISSE IM WANDEL
Macke, Dix und die Vergessenen

 

Als alles zu Ende war, waren viele in der Zwischenzeit zu anderen geworden. Der Krieg hatte seine Spuren hinterlassen. Die expressionistischen Maler hatten ihre rauschhaften Farben verloren.

 

DAS BILD WURDE AUS 

©GRÜNDEN ENTFERNT.

August Macke Elisabeth mit buntem Buch, 1910, Öl/ Lwd., 39 x 28,5 cm, August Macke Haus, Dauerleihgabe aus Privatbesitz, Foto © VG Bild-Kunst Bonn 2015

 

DAS BILD WURDE AUS 

©GRÜNDEN ENTFERNT.

 

Otto Dix Dame mit Reiher, 1923, Lithographie, 41 x 31 cm, Sammlung Frank Brabant, Foto © VG Bild-Kunst Bonn 2015

 

Dass nach dem Ersten Weltkrieg die bildenden Künstler nicht mehr so malten wie vor dem blutigen Waffengang, zeigt eine Ausstellung im Bonner August Macke Haus anhand einer 50 Exponate starken reinen Portrait-Kollektion. Sie titelt „Von August Macke bis Otto Dix - Bildnisse vom Expressionismus bis zur Neuen Sachlichkeit“.

 

Das Bildnis als eines der wichtigsten Themen in der Kunst, erfuhr in seiner Auffassung besonders in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts gravierende Veränderungen. Hatte es seit der Renaissance vornehmlich die Aufgabe, den Dargestellten so naturgetreu wie möglich wiederzugeben, so befreiten es zuerst der Impressionismus und dann der Expressionismus aus dem Formenzwang. Nicht länger galt es in erster Linie, den Menschen natürlich darzustellen, ihn quasi abzubilden, sondern vielmehr seine psychische Verfasstheit. Das Bildnis definierte sich aus der Tiefe des Unbewussten und wurde Spiegel und Ausdruck inneren Befindens.

 

Neue Sachlichkeit Mit dem Ersten Weltkrieg wich der ekstatische Rausch expressionistischer Farben und Formen einer neuen figurativen, nüchternen, kühl-distanzierten und zeichnerisch klaren Darstellungsweise, die - gemeinhin als Neue Sachlichkeit bezeichnet - der Realität ohne Sentimentalität und mit bisweilen bissiger Ironie und Sozialkritik ins Gesicht schaut. Bereits vor einem Jahr verdeutlichte in der Bundeskunsthalle die große Ausstellung „Die Avantgarden im Kampf“ (mehr), wie der Erste Weltkrieg die Kunstwelt veränderte.


DAS BILD WURDE AUS 

©GRÜNDEN ENTFERNT.

 

 

Josef Scharl Der Pope, 1928, Öl/Lwd., 80 x 64,5 cm, Sammlung Frank Brabant, Foto © VG Bild-Kunst Bonn 2015

 

DAS BILD WURDE AUS 

©GRÜNDEN ENTFERNT.

 

 

Greta Overbeck-Schenk Junges Mädchen, 1934, Öl/Lwd., 65 x 45 cm, Sammlung Frank Brabant, Foto © VG Bild-Kunst Bonn 2015

 

Die Ausstellung im Macke-Haus präsentiert fast vierzig Künstlerinnen und Künstler mit Gemälden und grafischen Arbeiten des Expressionismus und der Neuen Sachlichkeit.

     Die Stars sind neben Otto Dix und August Macke arrivierte Expressionisten wie Erich Heckel, Alexej von Jawlensky, Ernst Ludwig Kirchner, Emil Nolde oder Hermann Max Pechstein.

     Bemerkenswert sind die Arbeiten weniger prominenter Künstler und die Werke von Vertretern der „vergessenen“  oder so genannten „verschollenen“ Generation.

     Damit sind jene Kreativen gemeint, die etwa zwischen 1915 und 1930 heranreiften, aber kaum eine Chance hatten, sich künstlerisch durchzusetzen. Viele dieser wenig bekannten Maler mühten sich in den Zwischenkriegsjahren um Anerkennung und künstlerische Akzeptanz. Mit der NS-Machtergreifung endete ihre oft bescheidene Künstler-Existenz, bevor sie wirkliche Erfolge verzeichnen konnten. Und nach 1945 waren Gemälde dieser Maler nicht mehr gefragt.

     Zu den „Vergessenen“ zählen unter anderen der Münchener Maler Josef Scharl (1896-1954), der wiederentdeckte Walter Gramatté, die sächsische Malerin Elfriede Lohse-Wächtler, die Dortmunderin Greta Overbeck-Schenk oder der württembergische Maler, Radierer und Holzschneider Immanuel Knayer (1896-1962).

 

DAS BILD WURDE AUS 

©GRÜNDEN ENTFERNT.

 

 

Ulrich Neujahr Tatjana Magid-Riester, 1928, Öl/Lwd., 80,5 x 66,5 cm, Sammlung Frank Brabant. Foto © VG Bild-Kunst Bonn 2015

 

DAS BILD WURDE AUS 

©GRÜNDEN ENTFERNT.

 

 

Georg Tappert Frau mit gelbem Hütchen, um 1925, Öl/Papier/Lwd., 59 x 47 cm, Sammlung Frank Brabant,  Foto: Stefan Schiske, Berlin. Foto © VG Bild-Kunst Bonn 2015

 

Beide Künstlergruppen vergegenwärtigen die unterschiedlichen Bildnis-Auffassungen und verdeutlichen, dass diese nicht nur sehr vielfältig waren, sondern durchaus auch Kontinuitäten besaßen.

     Neben Gemälden aus dem Bestand des August Macke-Hauses stammen die Exponate vor allem aus dem Besitz des Wiesbadener Kunstsammlers Frank Brabant, der in fünf Jahrzehnten eine umfangreiche Privatkollektion zusammengetragen hat.

 

Sammlerkarriere Und dies ist eigentlich eine Geschichte hinter der Geschichte. Der gebürtige Schweriner Frank Brabant (*1938), der Anfang der Sechzigerjahre aus der DDR in die Bundesrepublik wechselte, erwarb 1964 eher durch Zufall eine Arbeit von Max Pechstein. Der Holzschnitt kostete ihn den Erzählungen nach 300 D-Mark (bei einem monatlichen Arbeitsentgelt von 350 D-Mark!).

     Aber offensichtlich war es eine Initialzündung der besonderen Art. Der 26-Jährige entwickelte eine Leidenschaft, Kunst zu kaufen, die bis heute anhielt. Dass selbst die geplante Anschaffung eines VW-Käfer in Zeiten des Autobooms und der rasanten Steigerung individueller Mobilität von ihm auf die lange Bank geschoben wurde, um stattdessen Bilder zu erwerben, lässt erahnen, was die Kunst mit dem Versicherungskaufmann gemacht hatte. Um es klarzustellen: Frank Brabant war Autodidakt. Er erwarb sich das Fachwissen erst im Laufe der Jahre. Nur eines musste er nicht erwerben, sondern besaß es: das untrügliche Gespür für künstlerische Qualität.

     Dem ersten noch auf Ratenbasis getätigten Kunstkauf, dem Pechstein-Holzschnitt „Der Redner“ aus dem Jahre 1918, folgten Hunderte Arbeiten. Aus dem einstigen Assekuranz-Angestellten war der leidenschaftliche Kunstsammler Frank Brabant geworden. Ein Mann, der sein Leben lang nicht nur mit Kunstwerken lebt, sondern auch für sie. Seine Sammlung beinhaltet auch Kunstwerke von Vertretern der sogenannten „Verschollenen Generation“, wie die Bonner Schau belegt. Darunter ist die eine oder andere wahre neue Entdeckung!
K2M

 

Die Ausstellung „Von August Macke bis Otto Dix - Bildnisse vom Expressionismus bis zur Neuen Sachlichkeit“ aus den Sammlungen Frank Brabant und August Macke Haus kann bis zum 25. Oktober 2015 (verlängert) besucht werden.

August Macke Haus
Bornheimer Str. 96
53119 Bonn
Tel. 0228 655531

Öffnungszeiten
Di-Fr 14.30 – 18 Uhr
SA, SO 11 – 17 Uhr

 


 

 


 

 

  

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