rheinische ART
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rheinische ART 11/2012

 

Archiv 2012

Langen Foundation zeigt Sofia Hultén

 

 

Von Veränderung

 

 

72 Minuten sind es, in denen über 1000 verschiedene Dinge wie Schrauben, Federn, Metallwinkel oder Klammern einzeln gezeigt werden. So unterschiedlich die Teile auch sind - ihre Herkunft ist dieselbe: sie entstammen allesamt einem alten Werkzeugkasten.

 

Sofia Hultén: Still aus dem Video Past Particles, Ein-Kanal-Video, 72 Minuten ©Sofia Hultén

 

DIE Videoarbeit Past Particles von 2010 der Künstlerin Sofia Hultén zeigt die technischen Objekte mit einer provokanten Gelassenheit und überrascht mit einem feinsinnigen wie neugierigen Blick auf die Welt dieser ansich wertarmen Dinge. Denn Sofia Hultén sieht sie anders. Sie betrachtet die Objekte nicht als statisch, festgefügt und endgültig. Vielmehr begreift sie die Objekte als „energetisch aufgeladene, umherwirbelnde Masse“ der sie fragend begegnet: „Wer bist du?“, „Was warst du?“ und „Was kannst du sein?“

 

Sofia Hultén: No No No No No No, 2011 (Ausschnitt) ©Sofia Hultén

 

   Es ist die ständige Frage nach dem Verhältnis von Vergangenheit und Zukunft, nach dem zyklischen Wesen der Dinge sowie dem Zusammenspiel von Zeit und Materie, der die Schwedin Hultén nachgeht. Dabei geht sie nicht nur künstlerisch durchaus ungewöhnliche Wege, denn zu den bevorzugten Fundorten, wo sie die Objekte als Protagonisten ihrer Kunst findet, gehören Baustellen und Abrissgelände in Berlin – oder eben eine verlassene Autowerkstatt, wo sie den Werkzeugkasten vorfand.
    „Ich nutze sozusagen die alltägliche Situation als mein Readymade, als das, was schon da ist, und dann geht es darum etwas daraus zu machen“, erläutert Hultén. „...es geht um das Dehnen von Regeln. Man beginnt mit dem, was man hat und macht lediglich einen Schritt nach rechts oder links, und plötzlich ist alles anders. Es existiert hier offensichtlich ein Potential für Humor oder Bewusstseinserweiterung und darum geht es. Das Fantastische kann sehr eng mit etwas Profanem verknüpft sein. Eine kleine Veränderung kann zu größeren Auswirkungen führen.“
   Exemplarisch für diese künstlerische Auffassung sind in der Langen Foundation filigrane Skulpturen aus gebrauchten Wagenhebern, als Stelen zwischen Boden und Decke konstruiert, zu sehen. No No No No No No titelt Hultén diese Arbeit.

Sofia Hultén, Artificial Conglomerates, 2011

(Ausschnitt) ©rART

    Aus ihrem ursprünglichen Zustand befreit wurden auch Bruchsteine, die die Künstlerin auf einem Baugrundstück fand. Hultén nahm ihnen die Form ab und zermahlte sie. Die Abdrücke und das Steinmehl  wurden dazu verwendet, die Steine neu in ihre alte Form zu gießen, so, wie sie gefunden wurden, allerdings mit einem neuen Innern. 15 Steine bilden die Bodenskulptur Artificial Conglomerates (2011), die in dem makellos glatten, grauen Beton des Raumes ihren idealen Widerpart gefunden hat.

 

 Wechselausstellungen mit zeitgenössischer Kunst begleiten die Jahresausstellung „Hommage an Marianne Langen – Werke aus der Sammlung“ (mehr). Als Ort für die Präsentation hat die künstlerische Leiterin, Christiane Maria Schneider, das „Herzstück“ des Hauses, den Japanraum, frei gegeben und stellt damit eine Örtlichkeit zur Verfügung, die der ausgestellten Kunst um zu bestehen viel Qualität abverlangt.

Irmgard Ruhs-Woitschützke

 

Die Ausstellung „Sofia Hultén – Statik Elastik“ ist bis zum 7. Oktober 2012 zu sehen.

Langen Foundation
Raketenstation Hombroich1
41472 Neuss
Tel. 02182 / 57 01 15
Öffnungszeiten

Täglich 10 - 18 Uhr

Mehr Informationen www.langenfoundation.de

 

 

 

Zitate von Sofia Hultén aus: „Mehr als die Summe der Einzelteile.
Sofia Hultén im Gespräch mit Helen Legg“, in: Sofia Hultén. 12 Works,
Ausst.-Kat. Ikon Gallery, Birmingham; Künstlerhaus Bremen,
Brügge: Die Keure, 2008, S. 148-170

 

 

 

 

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