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rheinische ART 08/2012

 

ARCHIV 2012

Sammlung Haubrich im Museum Ludwig

Zu neuen Ehren

 

 

August Macke, Dame in grüner Jacke, 1913, Öl auf Leinwand, 44 x 43,5 cm, © Museum Ludwig, Köln

 

Ernst Ludwig Kirchner, Weiblicher Halbakt mit Hut, 1911, Öl auf Leinwand, 76 x 70 cm, © Museum Ludwig, Köln

 

 

Meisterwerke der Moderne. Die Sammlung Haubrich im Museum Ludwig. Unter diesem Titel, der erst im zweiten Teil die Verneigung vor dem großen Mäzen und Sammler Josef Haubrich zum Ausdruck bringt, ist eine expressionistische Sammlung von bemerkenswertem Zuschnitt zu sehen, die damals, 1946, der immer noch in Schutt und Asche liegenden Stadt Köln geschenkt wurde und „den Kölnern wie eine Botschaft aus einer besseren Welt“, so das Museum, erschien.

 

DIE KUNST hatte man schon verloren geglaubt, denn auch Haubrich musste mit den Repressalien des Nationalsozialismus zurecht kommen. Man verbot ihm das Führen seiner gutgehenden Anwaltskanzlei, so dass er im Privathaus arbeitete, als gewichtiges Vorstandsmitglied des Kölnischen Kunstvereins war er unerwünscht und seine dritte Frau, die jüdische Frauenärztin Alice Gottschalk, nahm sich 1944 unter dem Druck der Gestapo das Leben. Haubrich verbrachte die Jahre eher zurückgezogen, doch ließ er eines nicht sein: Das Sammeln von Kunst.

   Auch wenn die Werke der Moderne, sein bevorzugtes Sammelgebiet, als „Entartete Kunst“ bezeichnet wurden, der Kauf war nicht verboten und Haubrich, der in der Kunstwelt bekannt war und als Kunstsachverständiger vor allem Emil Noldes galt, kannte unter anderen den Galeristen Herwarth Walden (mehr) und erstand auch von der Düsseldorfer Galerie Vömel als Nachfolger der Galerie Flechtheim (mehr) aus heutiger Sicht Meisterwerke der Moderne. Seine Gemäldesammlung brachte er im Großraum Köln in Verstecken unter, doch auch ihm blieben Nacht- und Nebel-Aktionen nicht erspart und er Gemälde aus der Eifel retten musste, als die Kämpfe bei Hürtgenwald stattfanden. Auch Köln war Ziel von Luftangriffen und zur sicheren Aufbewahrung seiner Werke entschied er sich, diese, zumindest teilweise, im Depot des Wallraf- Richartz Museum unterzubringen.

   Ab Oktober 1946 war die nun der Stadt Köln gehörende Bilderschau zum ersten Mal in der Alten Universität für die Öffentlichkeit zugänglich. Die Kölner zeigten trotz des Nachkriegselends allergrößtes Kunstinteresse. Zu den Besuchern zählte auch der damals 23jährige Peter Ludwig. Die Begegnung mit der Sammlung Haubrich war der Auslöser für Peter Ludwig, fortan Kunst zu sammeln. Die weitere Entwicklung dieses Kunstmäzens und seiner Frau Irene (mehr) ist bekannt: das Museum Ludwig in Köln und weitere Kunstorte in Aachen und Oberhausen, Wien oder St. Petersburg (mehr) sind nach ihnen benannt. Auch für den jungen Haubrich war ein wichtiges Moment eine besondere Kunstausstellung in Köln: die Schau der Avantgarde in der legendären Sonderbundausstellung 1912, die als Rekonstruktion ab Ende August im Wallraf-Richartz Museum zu sehen ist.

   Heute ist die Sammlung Haubrich im Museum Ludwig untergebracht und ihre Neupräsentation an diesem Ort sowie die zeitliche Parallelität mit der Sonderbundausstellung im Wallraf-Richartz Museum sind begrüßenswert und werden den Mäzen Haubrich wieder im kulturellen Gedächtnis der Stadt verankern.

 

Die Sammlung Haubrich: Sie gilt als eine der besten des Expressionismus in Europa

 

Rechtsanwalt Josef Haubrich (1889–1961) war eine typische Kölner Persönlichkeit, gesellig und großzügig. Bereits während des Ersten Weltkriegs begann er damit, Werke zeitgenössischer, vorwiegend deutscher Künstler zusammenzutragen, darunter Glanzstücke wie das Porträt des Doktor Hans Koch von Otto Dix oder die Schwärmer von Emil Nolde sowie der berühmte Halbakt mit Hut von Ernst Ludwig Kirchner, der bereits 1925 auf der Biennale von Venedig ausgestellt wurde und bis heute beispielhaft für die Sammlung steht.

   Darüber hinaus zählen Werke von Marc Chagall, Karl Hofer, Heinrich Hoerle, Wilhelm Lehmbruck oder Paula Modersohn-Becker zu den Meisterwerken der Sammlung. Die Grenze hin zum ganz Abstrakten überschritt Haubrich nur ungern, den Konstruktivismus und den Blauen Reiter mied er ebenso wie Dada oder Novembergruppe. Erst nach 1946, als die Sammlung in Abstimmung mit dem damaligen Direktor des Wallraf-Richartz Museum, Dr. Leopold Reidemeister, weiter wuchs, wurden Werke des Blauen Reiter, Bauhaus oder Kubismus einbezogen.

 

Ausstellungsansicht: Vorne links und im Raum hängend ist das doppelseitige Bild von Max Pechstein "Das grüne Sofa" zu sehen. Foto:© Sabrina Walz, Rheinisches Bildarchiv

 

In der Vorbereitung der Ausstellung und des Katalogs wurden drei bemalte Gemälde-Rückseiten wiederentdeckt, von denen zwei, Ernst-Ludwig Kirchners Fränzi in Wiesen und Alexej von Jawlenskys Variation, noch nie ausgestellt worden sind. Die Neupräsentation stellt diese Doppelbilder besonders heraus (mehr).

 

Ein umfangreicher Katalog – seit 1959 die erste Publikation zu den Gemälden und Skulpturen der Sammlung Haubrich - fasst die besten Werke aus Haubrichs Beständen mit neu angefertigten Fotografien und profunden Textdarstellungen zusammen und liefert sorgfältig eruierte Informationen über die Sammlungsgenese und dem neusten Stand der Provenienzrecherche. Mit Hilfe einer eigens geschaffenen Stelle für Provenienzforschung konnte so der oft verzweigte Weg von über 140 Werken in die Sammlung Haubrich im Museum Ludwig aufgezeigt werden.
Irmgard Ruhs-Woitschützke

 

Die Sammlung Haubrich ist in dieser Ausstellung bis zum 31.08.2013 zu sehen.
Museum Ludwig
Heinrich-Böll-Platz
50667 Köln
Telefon 0221 / 221-26165
Öffnungszeiten:
DI – SO 10 – 18 Uhr
jeden ersten DO 10 – 22 Uhr

 

 

 

 

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