rheinische ART
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rheinische ART 05/2022

JAPAN-TAG
Buntes & Baumkuchen


In Düsseldorf wird der traditionelle Japan-Tag, nach zwei Jahren Pandemie, in denen das Fest nicht stattfinden konnte, an diesem Samstag, den 21. Mai, mit Feuerwerk und allerlei Feierlichkeiten begangen. Es ist ein einzigartiges Kulturfest an der Rheinuferpromenade.

 

Favorit in Japans Lebensmittelhandel: Baumkuchen in der Geschmacksrichtung „Grüntee“. Abbildung Dark Tea Baumkuchen Foto © The Asakusa Tourism Federation 2018

 

Geboten werden wie stets Musik, Tanz, Sport, traditionelle Kultur auf drei Bühnen und Kulinarik. Und in Sachen Gaumenfreuden ist daran zu erinnern, dass ein Backerzeugnis names Baumkuchen seit über 100 Jahren in Japan als Köstlichkeit aus Deutschland hoch geschätzt wird.

     Das Gebäck verdankt der Inselstaat dem Rheinländer Carl Wilhelm Juchheim. Vor genau 103 Jahren, am 4. März 1919, buk er in Kobe erstmals auf japanischem Boden einen Baumkuchen. Und jährlich erinnert das Land mit dem „Baumkuchentag“ an den Geburtstag des „King of German Cake“ und unterstreicht damit seine erstaunliche Liebelei zu diesem runden Teigwerk mit den rindenähnlichen Schichten, das vor offenem Feuer gebacken wird.

 

Bäckereiabteilung für Baumkuchen im Kaufhaus Takashimaya Kyoto Foto © rheinische ART 2022

 

 

Japanische Backware Matcha-Baumkuchen (Grüntee), Produzent Otabe, Rakuten Global Market Kyoto Foto © Japan National Tourism Organization

 

Nach deutscher Rezeptur und Backart hergestellter Baumkuchen, in japanischer Schrift バウムクーヘン und in etwa als „Baumukuuhen“ gesprochen, ist ein fester Terminus in der japanischen Esskultur, als Konditorware landesweit die Nummer 1, omnipräsent, und nahezu überall zu erstehen - ob im Fachhandel oder im 24-Stunden-Convenience Store.

     Zahlreiche Sorten offerieren etwa Kombiniläden wie 7-Eleven mit seinen rund 13.000 Filialen oder Anbieter wie Lawson, Family Mart oder der Kaufhauskonzern Muji.

     Unter den Geschmacksrichtungen sind exotische Varianten wie Matcha – der japanische Grüntee – Kürbis, Zitrone, Banane oder Mango.

 

Die Liebe der Japaner zu der Kult-Knabberei spiegelt sich in den Umsätzen der Handelsketten. Über 350 Millionen Euro spülen die teils speziell auf den Landesgeschmack abgestimmten Baumkuchen jährlich in die Kassen der Geschäfte. Tendenz steigend.

     Größten Wert legen Japans Konsumenten auf Qualität und Zertifizierung, natürlich aus dem Heimatland der Ware. Gerne stellen sich daher die japanischen Hersteller Wettbewerben in Deutschland und versehen bei Erfolg ihr Produkt mit dem verkaufsfördernden DLG-Gütesiegel (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft).

     Dass das Gebäck so gefragt ist, mag auch mit der symbolischen Bedeutung des Kreises in Japan zu tun haben. Die klare und perfekte Form sowie die Ästhetik entsprechen den japanischen Ansprüchen und Normen und machen den ringreichen Kuchen zu einem geschätzten Geschenk bei fast allen Gelegenheiten.

 

Produktion von Baumkuchen, schichtweise und wellenförmig mit Glasur auf einer Drehwalze (Kaufhaus Takashimaya Kyoto) Foto © rheinische ART 2022

 

Mit den Zutaten Eier, Butter, Zucker, Salz, Mehl, etwas Vanille oder Zitrone ist das Rezept vordergründig einfach, verlangt jedoch meisterhafte Kenntnisse, die japanische Bäcker nicht selten in Deutschland erwerben. Schließlich sind in der klassischen Form bis zu 18 zarte, hauchdünne Teigschichten einzeln auf einer erhitzten, rotierenden Walze am offenen Feuer auszubacken und anschließend traditionell mit einer Schoko- oder Vanilleglasur einzuhüllen. Abwandlungen in Form, Farbe und Geschmack sind der Phantasie der Hersteller überlassen. Verkaufsschlager sind aktuell Schoko, Matcha und Banane. Im Gegensatz zum deutschen Original aber überwiegend ohne Glasur und Verzierung.

 

Berühmtester und exquisitester Konditorbetrieb ist in Japan die Juchheim Group mit Verwaltungssitz in Kobe. Der Marktführer im oberen Baumkuchen-Segment betreibt nach eigenen Angaben über 350 Back-Filialen zwischen Sapporo und Kagoshima. Die Firmenchronik lässt erahnen, wie geradezu abenteuerlich und tragisch der Weg der rheinischen Gründerfamilie Juchheim in Ostasien war, die den beliebten Rundkuchen einst nach Japan brachte.

 

Das Ehepaar Carl Wilhelm und Elise Juchheim in Kobe. Foto © Juchheim Group Kobe

 

Alles begann in China. 1909 erhielt der 23-jährige Carl Wilhelm Juchheim (1886-1945) aus Kaub am Rhein, die Chance, als Konditor in Tsingtau (heute Qingdao), der damaligen Hauptstadt des sogenannten „Deutschen Schutzgebiets Kiautschou“, zu arbeiten. Er verstand sich auf Baumkuchen, der auch in der deutschen Kolonie zu den gefragten Spezialitäten aus der Heimat zählte.

     Der Erste Weltkrieg änderte jedoch dramatisch das Leben von Juchheim und seiner Frau Elise; es war der Auftakt zu einer wahren Odyssee. Juchheim wurde 1915 als Kriegsgefangener nach Japan deportiert.

     Der Überlieferung nach fertigte er am besagten 4. März 1919 einen Baumkuchen für die Handelsausstellung „Hiroshima Prefectural Commercial Exhibition“, auf der auch Waren aus den Gefangenenlagern präsentiert wurden. Die Premiere des Kuchen, der zunächst noch „Pyramide-Cake“ hieß, wurde ein großer Erfolg. Juchheim entschloss sich, mit seiner Familie im Land zu bleiben.

     Der Traum vom eigenen Geschäft in Japan erfüllte sich 1921. In der Hafenstadt Yokohama richteten die Eheleute ein Backwarengeschäft ein. Zwei Jahre später zerstörte das apokalyptische „Große Kantō-Erdbeben“ Yokohama und große Teile Tokios. Auch Juchheims Geschäft fiel dem Beben zum Opfer.

 

Historische Fotografie des Cafés und der Bäckerei/Konditorei Juchheim´s in Kobe in den Dreißigerjahren. Foto © Juchheim Group Kobe

 

Die Familie verschlug es nach Kobe, wo sie erneut eine Bäckerei gründeten und ihren Baumkuchen offerierten. Das Café und die „Konditorei Juchheims“, wie sie nun hieß, prosperierten. Von 1923 bis 1944, also über 20 Jahre, bestand die Konditorei in Kobe und wurde im "Land der aufgehenden Sonne" zum Inbegriff des Baumkuchens nach deutscher Art, genau genommen in der Tradition der in der Hansestadt Salzwedel gebackenen Variante.
     Carl Wilhelm Juchheim verstarb 1945. Die Leistung des legendären Ehepaares geriet jedoch nie in Vergessenheit. Zwei ehemalige Mitarbeiter bauten die Konditorei nach dem Zweiten Weltkrieg in Kobe 1947 mit Zustimmung von Elise Juchheim neu auf und behielten den traditionsreichen Familiennamen bei. 1953 wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Der japanische Kaiser verlieh Elise Juchheim im Mai 1966 den Orden des heiligen Schatzes. Nach ihrem Tode 1971 wurde sie wie ihr Mann in Ashiya/ Japan begraben.
rART/cpw

 

 Die Japan-Tag-Fans erwarten an der Düsseldorfer Rheinuferpromenade Festivitäten in altbekannter Form. Wie bereits früher ist ein spektakuläres Feuerwerk am Flußufer ein Highlight. Das Kultur- und Begegnungsfest zieht jährlich hunderttausende Gäste an. Mehr Informationen zum diesjährigen Japan-Tag hier

 

 

 

 

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