rheinische ART
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rheinische ART 02/2020

HAUS SCHLESIEN
Plein-Air am Riesengebirge

 

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts etablierte sich bei Landschaftsdarstellungen die Freilichtmalerei. Begünstigt durch die Entwicklung der Farben in Tuben.

 

Georg Trautmann (1865–1935) Die Schneegruben im Riesengebirge Öl auf Leinwand Foto © Haus Schlesien 2020

 

Und dies nicht nur in England oder in Frankreichs „Schule von Barbizon“ und bei den Impressionisten. Auch unter deutschen Künstlern wie denen der Breslauer Kunst- und Gewerbeschule galt die Devise: Raus aus den Ateliers, hinein in die Natur!

     Gerade die schlesischen Gebirge boten ihnen zu allen Jahreszeiten eine Fülle von Motiven. Und was den Eleven der Düsseldorfer Malerschule die Eifel war, war den Malern aus der berühmten Kunstschule in Preußens zweitgrößter Stadt, der Odermetropole Breslau (heute Wrozlaw), das Riesengebirge mit der Schneekoppe und den angrenzenden Gebirgen.
     Das Haus Schlesien zeigt in seiner aktuellen Ausstellung „Winterträume“ Werke schlesischer Maler, die sich in der dunklen Jahreszeit mit ihren Staffeleien in die kalten Höhen, die markanten Sandsteinfelsen, in die Klüfte und Schluchten der schlesischen Berge begaben.

 

Max Odoy (1886–1976) Herbst im Vorgebirge Öl auf Hartfaser 1962 Foto © Haus Schlesien 2020

 

Die herbstlichen Farben einzufangen und auf Leinwand zu verewigen, gelang zum Beispiel Max Odoy (1886–1976) auf besondere Weise. Der in Laurahütte geborene Maler studierte ab 1911 an der Breslauer Kunst- und Gewerbeschule und arbeitete später unter anderem als Zeichenlehrer. Odoy schuf Landschaftsbilder und Portraits und illustrierte zahlreiche Bücher. Das in der Ausstellung gezeigte Gemälde ist eines von drei Odoy-Werken, die sich erst seit kurzem im Bestand des Haus Schlesien befinden.

 

Artur Wasner (1887-1938) Winterlandschaft Öl auf Leinwand Foto © Haus Schlesien 2020

 

Breslauer Akademie für Kunst und Kunstgewerbe am Kaiserin-Augusta-Platz (heute Plac Polski) mit Siegesdenkmal auf einer Postkarte von 1916 Fotoquelle © Wikipedia (gemeinfrei)

 

Noch eine größere Faszination als der Herbst übte der schneereiche Winter aus. Einer, der ihn stets herbeisehnte, war Friedrich Iwan (1889–1967). Lag genug Schnee, begab er sich mit Skiern, Pinsel und Farbtuben in die Berge. Er liebte die Darstellung des Schnees in allen seinen Facetten.

     In Iwans Radierungen erkennt man den blanken Gletscherschnee, den frisch gefallenen Pulverschnee, wie auch das abgebrochene Schneebrett. Der Maler bevorzugte die reine Naturdarstellung, die Einsamkeit und Ruhe der Landschaft.

     Friedrich Iwan schloss sich um 1925 der Schreiberhauer Künstlervereinigung St.-Lukas an, zu deren Gründungsmitgliedern die in der Ausstellung ebenfalls vertretenen Riesengebirgsmaler Georg Wichmann (1876–1944) und Alfred Nickisch (1872–1948) gehörten. Wichmann studierte an der Berliner Kunstakademie, in Karlsruhe sowie an der Kunstakademie in Königsberg. Der Abschluss seiner Studien erfolgte an der Breslauer Kunstakademie, an der auch Nickisch Landschaftsmalerei studierte.

     Wichmann ließ sich bereits 1903 im Riesengebirge nieder, Nickisch siedelte sich 14 Jahre später in Schreiberhau an.
Gebirge und Schnee inspirierten auch den Maler Wolf Röhricht (1886–1953 mehr). Sein besonderes Interesse galt dem Aquarell. Häufig malte Röhricht bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt, so dass die Aquarellfarbe auf dem Papier gefror: die so entstandenen Farbkristalle wurden im Atelier vorsichtig aufgetaut. Die „Frostspuren“ stellten eine interessante Variante seiner Maltechnik dar.
K2M


Die Staatliche Akademie für Kunst und Kunstgewerbe in Breslau ging 1911 aus der Königlichen Kunst- und Gewerbeschule hervor, die bereits 1791 dort gegründet worden war. Sie war eine der bedeutendsten Kunstakademien in Preußen. Unter ihrem ersten Direktor, dem großen Architekten Hans Poelzig (mehr) entwickelte sie sich zu einer Avantgarde-Institution. Um die Leitung dieser Reformschule hatten sich bekannte Architekten wie Bruno Taut und Walter Gropius beworben. Die Akademie gilt als Wegbereiter des Bauhauses, denn vieles, was später in Weimar und Dessau praktiziert wurde, hatte ihre Vorläufer in der Breslauer Akademie.

 

Die Ausstellung „WINTERTRÄUME Heimatimpressionen schlesischer Künstler“ ist bis zum 15. März 2020 geöffnet.

Haus Schlesien
Deutsches Kultur- und Bildungszentrum e.V.

Dollendorfer Str. 142
53639 Königswinter-Heisterbacherrott
Tel. 02244 / 886-0
Öffnungszeiten:
DI - FR 10 - 12 Uhr und 13 - 17 Uhr
SA + SO 11 – 18 Uhr

 

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