rheinische ART
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rheinische ART 03/2021

KÖLN 1945
Alltag in Trümmern


Mit dem Einmarsch amerikanischer Truppen in das linksrheinische Köln endete am 6. März 1945 für die dort lebenden Menschen der Zweite Weltkrieg.

 

Hermann Claasen Kinder in der Nachkriegszeit, 1946/47 Kölnisches Stadtmuseum, Foto © Rheinisches Bildarchiv Köln

 

Anlässlich der 75. Wiederkehr des Kriegsendes (mehr) präsentiert das Kölnische Stadtmuseum seit November die Sonderausstellung „KÖLN 1945: Alltag in Trümmern“.

 

Ein Spaziergang durch die Millionenmetropole Köln lässt kaum noch erahnen, welche apokalyptischen Zustände in den Nachkriegsjahren herrschten. Foto © rheinische ART Magazin 2021

 

T. Felten Die Hohe Straße Köln,1946, Foto © Historisches Archiv der Stadt Köln

 

Aufgrund der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Schließung der Museen realisierten die Verantwortlichen etwas bemerkenswertes: Sie sind mit einigen Teilen der Ausstellung nach draußen in den Stadtraum gegangen! 

     Interessierte können daher auf Spaziergängen rund um die Altstadt nunmehr auch analog Einblick in diese bemerkenswerte und facettenreiche Sonderschau nehmen, allerdings nur auf der Straße. Aufgrund der sich abzeichnenden vorsichtigen Öffnungsstrategie ist ein Besuch der Schau auch im Museum wohl alsbald möglich.


An zehn Stationen in der Innenstadt – vor allem rund um Alter Markt, Dom und Rheinufer – finden sich informative Plakate, die viele Details aus der Ausstellung aufgreifen! Direkt vor Ort machen diese Aushänge in DIN A3-Format auf vergangene Ereignisse oder verbliebene Kriegsspuren aufmerksam.

     Das eindrucksvolle historische Bildmaterial ermöglicht es somit, direkte Vergleiche zwischen dem heutigen und damaligen Stadtbild zu ziehen.


Nach zwölf Jahren NS-Herrschaft und fast sechs Jahren Krieg glich Köln im Mai 1945 einer Geisterstadt mit Zerstörungen, die heute als unvorstellbar gelten.

     Die Altstadt bestand quasi nicht mehr, kaum ein Gebäude war oberirdisch bewohnbar. Die hygienischen Verhältnisse waren katastrophal, die Infrastruktur mit Strom-, Wasser- und Gasversorgung war zusammengebrochen.

     Nur noch rund 40.000 Menschen, ein Bruchteil der ursprünglichen etwa 700.000 Einwohner, „hausten“ in der Trümmerwüste; und dies unter unzumutbaren Zuständen, wie selbst alliierte Kriegsreporter und Bildjournalisten feststellen (mehr).

 

Walter Dick Straßenschild und Trümmer, 1945. Foto Kölnisches Stadtmuseum, Foto © Rheinisches Bildarchiv Köln

 

Am Ende des von den Nationalsozialisten entfesselten Krieges standen Hunger, Not, körperliche und geistige Erschöpfung und Orientierungslosigkeit, aber auch Hoffnung und Erleichterung über das Ende der gefürchteten Bombenangriffe.

     Die nüchternen Fakten für die knapp sechs Kriegsjahre Kölns sprechen eine eigene, brutale Sprache: 31 Bomberangriffe flogen die britische Royal Air-Force (RAF) und die US-Luftwaffe. Die drei schwersten Luftschläge auf die größte Stadt im Westen Deutschlands erfolgten am 29. Juni 1943 in der Nacht von Peter und Paul, im Oktober 1944 und kurz vor Kriegsende am 2. März 1945.

     Amtlichen Schätzungen zufolge wurden bis zum Einstellen der Kämpfe etwa 1,5 Millionen Bomben auf die Stadt abgeworfen, die Zahl der getöteten Bewohner lag insgesamt bei 20.000. Daher wird Köln oft in einem Atemzug mit dem verheerenden Bombardement auf Dresden genannt.

 

CARE-Paket mit Inhalt, USA, nach 1945. Kölnisches Stadtmuseum, Foto © Rheinisches Bildarchiv Köln/ Chrysant Scheewe

 

Station des KÖLN 1945 - Stadtspaziergangs: Die romanische Kirche St. Gereon. Foto © Kölnisches Stadtmuseum 2021

 

Diejenigen, die 1945 die Zerstörung erlebten, verbanden damit tiefgreifende, traumatische Erfahrungen von Verlust und Gewalt. Ihre Erlebnisse brannten sich tief in das persönliche Gedächtnis der Betroffenen, aber auch in das kollektive Gedächtnis der bundesrepublikanischen Kriegs- und Nachkriegsgeneration ein – bis heute.

     Die Kölnerinnen, Kölner und Abertausende von Neubürgern aus Mittel- und Ostdeutschland bauten die Stadt wieder auf. Auch davon berichtet die Ausstellung. Dies alles mit Unterstützung der Alliierten, die ja Befreier waren, aber nicht immer so gesehen wurden, und die bei den ersten Gehversuchen in Richtung Demokratie nach angelsächsischem Verständnis halfen, mittels „Re-education“ (Umerziehung).

cpw

 


Die gezeigten Fotografien stammen von namhaften deutschen Bildjournalisten und Berichterstattern, die im Auftrag der Stadt Köln die Zerstörungen und den Aufbauwillen der Bewohner dokumentierten. Zu ihnen gehörten die renommierten Kölner Fotografen Hermann Claasen (mehr), Heinz Held (mehr) und Walter Dick sowie der junge Carl Heinz Hargesheimer, der später unter dem Pseudonym Chargesheimer (mehr) als Künstler bekannt wurde.


► Ergänzend zur Ausstellung: Speedführung, Videos und Stadtspaziergang (hier)

 

Die Sonderausstellung Köln 1945 Alltag in Trümmern ist bis zum 18. April 2021 verlängert worden. Ein Besuch im Stadtmuseum Köln ist vorbehaltlich einer neuen Corona-Schutzverordnung des Landes NRW vermutlich ab 11.März möglich.
Kölnisches Stadtmuseum
Zeughausstr. 1-3
50667 Köln

 

 

 

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