ARCHITEKTUR
K714
Das kryptische Kürzel stammte nicht von der irischen Designerin Eileen Gray (E1027), ist kein Computer-Jargon, bezeichnet keinen Roboter und auch keine Technik in der Künstlichen Intelligenz. Es steht für ein Gebäude in der Rheinstadt Monheim.
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Blick auf den Eingangsbereich der Kulturraffinerie K714, vom Parkhaus oder der Wasserachse aus gesehen. Visualisierung: Bez + Kock Architekten Generalplaner GmbH. Bildquelle © Stadt Monheim 2026 |
Die Immobilie ist die soeben eingeweihte Konzert- und Mehrzweckhalle der 43.000-Einwohner-Gemeinde, die rechtsrheinisch zwischen Düsseldorf und Köln in Höhe des Stromkilometers 714 liegt. Da wird klar, dass die Kilometrierung zur Namensgebung avancierte.
Ist die Einweihung eines Konzertsaals einen Artikel wert? Durchaus! Denn Monheim hat sich zwar nicht Europas größtes, wohl aber modernstes und akustiktechnisch überzeugendstes Haus für Kulturveranstaltungen aller Art gegönnt.
Die 160 Millionen Euro teure Kulturraffinerie 714 – so die exakte Bezeichnung – ist ein architektonischer Allrounder, man könnte auch sagen, eine Veranstaltungshalle der Superlative. Denn sie erfüllt alle kulturellen Anforderungen, für Kinderfeste, Konzerte, Kongresse, Theater, Tanz, Lesungen, Ausstellungen, Firmenevents, Hochzeiten – kurz und gut: K714 bietet alles, kann alles. Gelegen an der Rheinpromenade zwischen Geysir und Gänseliesel – zwei Wahrzeichen Monheims – ist es nun ein weiterer Kulturleuchtturm der Stadt mit den hohen Steuereinnahmen. Denn dafür ist Monheim schließlich fast am besten bekannt.
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Gäste erreichen die Kulturraffinerie K714 auch über die neugestaltete Rheinpromenade. Im Bild zu sehen ist der Restaurant-Kubus, dessen Dachterrasse einen stimmungsvollen Blick auf den Rhein freigibt. Visualisierung: Bez + Kock Architekten Generalplaner GmbH. Bildquelle © Stadt Monheim 2026 |
In der Kulturraffinerie K714 findet Kultur einen inspirierenden Raum, so die Eigenwerbung. Mit modernster Technik und stilvoller Ausstattung werden ideale Voraussetzungen geschaffen, um kreative Ideen lebendig werden zu lassen. Die Kulturraffinerie K714 verbindet, wie es in Monheim heißt, „Geschichte und Gegenwart und ist damit der perfekte Ort für kulturelle Begegnungen aller Art.“
Es ist eine überaus bemerkenswerte Transformation oder Umwidmung, die in Monheim zu bestaunen ist. Im Jahre 1913 errichteten die Mineralölwerke Rhenania-Ossag AG, die später zur Shell-Gruppe gehörte, am Monheimer Rheinufer die damals modernste Schmierölraffinerie Europas. Das Raffineriegeschäft der Shell ist seit 1986 Geschichte und die Industrieanlage wurde zur Brache. Nun, gut 40 Jahre später, ist die alte Wirtschaftsimmobilie so etwas wie „die industrielle DNA des Rheinlands“ und in eine neue, kulturelle Epoche überführt worden.
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Der Blick ins Foyer zeigt die Garderobe und die höherliegenden Wandelgänge an den Seiten. Die unter Denkmalschutz stehenden Stahlbetonbögen tragen bereits seit über 100 Jahren das Dach der Halle. Visualisierung: Bez + Kock Architekten Generalplaner GmbH. Bildquelle © Stadt Monheim 2026 |
Vom teilweise denkmalgeschützten Gebäudekomplex sind die klassische rote Klinkerfassade des alten Fasslagers, einige Innenteile und die Dachkonstruktion erhalten. Im Inneren wurde ein rechteckiger, hoher Baukörper eingesetzt, der nach außen wie ein funkelnder Glaswürfel wirkt, Sonnenlicht stimmungsvoll reflektiert oder wahlweise selbst leuchtet.
Der Kubus, umgeben von breiten Wandelgängen, beherbergt einen modernen „Großen Saal“, der für die genannten Events nutzbar ist. Dieser variable Hauptsaal ist das Herzstück der Kulturraffinerie K714. Es ist ein hochmodernes Veranstaltungs- und Kulturzentrum, das klangliche Exzellenz mit der Robustheit industrieller Architektur verbindet und einen sehr eigenen Charme versprüht.
Wie die Stadt Monheim erklärt, fasst das Haus je nach Bühnenvariante sowie Bestuhlung oder Stehplatzanordnung bis zu 4800 Menschen. Die Bühne im Hauptsaal ist in ihrer Größe anpassbar – ein hochfahrbarer Orchestergraben inklusive. Kleinere Veranstaltungen können im „Kleinen Saal“ stattfinden, der im Nordosten des Gebäudes in ebenfalls altem Bestand liegt. Die Kulturraffinerie K714 ist wegen ihrer architektonischen Konsequenz und technischen Ambition weit über die regionalen Grenzen hinaus auf Beachtung gestoßen.
rART/K2M
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Markus Lüpertz Leda, Bronzeskulptur (2019). Inspiriert wurde der Künstler von zwei Motiven, der Gänseliesel aus dem Monheimer Stadtwappen und der Frauengestalt Leda aus der griechischen Mythologie. Foto © rheinische ART 2026
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► Die Mittelstadt Monheim wurde durch seine Steuerpolitik bundesweit bekannt. Das HANDELSBLATT schrieb schon vor Jahren, bei Monheim handele es sich um „Deutschlands dreisteste Steueroase“. Dennoch verzeichnet die Kommune eine der höchsten Pro-Kopf-Verschuldungen in Deutschland. Nach Angaben des Landes NRW betrugt sie 23.500 Euro pro Bewohner, bezogen auf 2024.
► Als Sinnbilder für Monheims dynamische Entwicklung, die das Finanzfundament für hochrangige Kunst- und Kulturwerke (tanzende Häuser mehr ) liefert, fallen mehrere Arbeiten ins Auge. 2020 ging der populäre Monheimer Geysir in Betrieb. Eine über zwölf Meter hohe pulsierende Wassersäule an der Rheinpromenade. Das Werk des Künstlers Thomas Stricker ist eine künstliche Fontäne, mit Wasserauswürfen, die nicht heiß, sondern kalt sind. Auffällig ist auch Markus Lüpertz´ Leda. Eine markante Landmarke am Rhein von elf Meter Höhe, die dem Rat der Stadt 0,7 Millionen Euro wert war. Weitere Kunstwerke im öffentlichen Raum der Stadt stammen unter anderem von Tony Cragg, Heinz Mack und Mischa Kuball.
Kulturraffinerie K714
Rheinparkallee
40789 Monheim
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