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rheinische ART 06/2026

FOTOREALISMUS
Illusionen im Wettstreit


Es war ein US-amerikanisches Kunst-Phänomen, das sich ab etwa 1960 innerhalb von sechs Jahrzehnten global ausbreitete. Fotorealismus ist Malerei in technisch höchster Meisterschaft.

 

Don Eddy Private Parking III, 1971, Acryl auf Leinwand, 121,9 x 167,6 cm, Waddington Custot, London, Paris, Dubai © Don Eddy, 2026, Foto: Waddington Custot. Bildquelle © Museum Frieder Burda 2026

 

Das Museum Frieder Burda in Baden Baden zeigt derzeit die Schau Wettstreit mit der Wirklichkeit. Es ist eine der bisher größten Ausstellungen zu den Bilderwelten des Fotorealismus in einem Museum in Deutschland.

     Die Stilrichtung war eine der konsequentesten Bewegungen der gegenständlichen Malerei nach dem Zweiten Weltkrieg. Mitte der 1960er-Jahre begannen Künstler in den Vereinigten Staaten damit, den fotografischen Blick auf die Welt mit malerischen Mitteln auf illusionistische Weise zu reproduzieren. Sie wollten eine „neue“ Form des Realismus schaffen! Es war genau genommen nicht anderes als eine Gegenreaktion auf den vorherrschenden Abstrakten Expressionismus.

 

Ausstellungsansicht Wettstreit mit der Wirklichkeit, Foto: Jigal Fichtner. Bildquelle © Museum Frieder Burda 2026. Links Richard Estes Gemälde Nedick´s, 1970. Rechts Richard Estes People´s flowers, 1971. Beide aus der Carmen Thyssen Collection.

 
 
Die Künstler der neuen Richtung fanden ihre Motive überwiegend in Fotografien und Werbebroschüren, die den amerikanischen Konsum, die Leistungsfähigkeit und die Alltagskultur spiegelten. Es sind aber auch Kunstwerke, die vielfach einen kühlen Blick auf die Geometrie und die markanten architektonischen Strukturen der US-Großstädte werfen.
     Straßenzüge mit Straßenkreuzern in den Vororten der Metropolen, glänzende und polierte Oberflächen von Personenwagen, PS-Boliden und Motorrädern, hin und wieder auch ein Edel-Truck, farbintensive moderne städtische Leuchtreklamen und Billboards an den Ausfallstraßen, chromglänzende Interieurs in Bars, Restaurants und Imbissstuben. Und brillante Portaits. Alles in allem somit American way of life pur!

 

Ralph Goings Richmond Diner, 1983, Öl auf Leinwand, 101,6 x 147,3 cm, Waddington Custot, London, Paris, Dubai, Foto: Waddington Custot © Ralph Goings, Goings Family Estate, 2026. Bildquelle © Museum Frieder Burda 2026

 

Roberto Bernardi L’ottimista, 2021, Öl auf Leinwand, 35 x 30 cm, Roberto Bernardi, courtesy Galerie VON&VON, Nürnberg, © Roberto Bernardi, 2026, Foto: Roberto Bernardi, courtesy Galerie VON&VON, Nürnberg. Bildquelle © Museum Frieder Burda 2026

 

Über 90 Werke von mehr als 30 Kunstschaffenden aus rund sechs Jahrzehnten zeigt das Burda-Museum. Die Schau macht deutlich, wie der Anspruch auf Wirklichkeitsnähe mit handwerklicher Präzision neu definiert wurde – von frühen Positionen wie Robert Bechtle, Richard Estes, Ralph Goings und Andrey Flack bis zu internationalen Entwicklungen der Gegenwart. Vertreten etwa durch den Italiener Roberto Bernardi (*1974) 
     Ausgangspunkt der Schau ist die Sammlung Frieder Burda, ergänzt durch hochkarätige Leihgaben aus etwa 20 internationalen Häusern, darunter das Whitney Museum of American Art in New York und dem Museo Nacional Thyssen-Bornemisza in Madrid.

Seit der Antike, so heißt es im Museum Frieder Burda, gelte die möglichst detailgetreue Wiedergabe der Wirklichkeit als eines der zentralen Anliegen der Malerei. Schon früh wurden große Maler dafür bewundert, täuschend echte Bildwelten zu schaffen.
     Und immer wieder erzählten antike Autoren von Werken, die so illusionistisch waren, dass die Betrachter sie zunächst für Realität hielten. In dieser langen Tradition ist auch der Fotorealismus als eine Malerei zu sehen, die das Ringen um Wirklichkeitsnähe im 20. Jahrhundert unter den Bedingungen der Fotografie neu in den Mittelpunkt rückte. Eine sehenswerte Ausstellung!
rART/ cpw

 

Die Ausstellung Wettstreit mit der Wirklichkeit. 60 Jahre Fotorealismus ist bis zum 2. August 2026 geöffnet.
Museum Frieder Burda
Lichtentaler Allee 8b
76530 Baden-Baden
Tel. 07221 / 39898-0
Öffnungszeiten
DI – SO 10 – 18 Uhr
 

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