DESIGN
Kunst + Technik = Behrens
Der Architekt und Designer Peter Behrens gehörte zu den führenden deutschen Baumeistern und Gestaltern. Das LVR-Industriemuseum in Oberhausen hat ihm eine Dauerausstellung mit dem Titel „Peter Behrens – Kunst und Technik“ im dortigen Peter-Behrens-Bau gewidmet.
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Der Peter-Behrens-Bau in Oberhausen, errichtet im Stil der Neuen Sachlichkeit. Seit 1998 dient es dem Industriemuseum des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) als zentrales Sammlungsdepot. Im 5. Obergeschoss wird die Dauerausstellung präsentiert. Bildquelle © LVR-Industriemuseum Oberhausen |
Es hat in den letzten Jahren nicht an Erinnerungen und an Anerkennung für den hochkreativen Architekten gefehlt. 2018 feierte die Kulturszene landauf und landab den 150. Geburtstag des „Alleskönners“. Das Museum für Angewandte Kunst Köln (MAKK) zeigte damals eindrucksvoll, welche Spuren Peter Behrens im Rheinland hinterlassen hatte (mehr).
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Peter Behrens 1908. Foto © Rudolph Dührkoop, Der Künstler Peter Behrens, 1908, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg. Bildquelle © Stiftung Haus der Geschichte NRW Düsseldorf
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Das Land NRW hat gleich einen ganzen repräsentativen Gebäudekomplex von Peter Behrens (1868–1940) in Düsseldorf, nahe dem kreisrunden Parlamentsbauwerk, für ein künftiges Landesmuseum verplant.
Der sogenannte Behrensbau an der Rheinpromenade, ehemals Hauptverwaltung von Mannesmann aus dem Jahre 1912, ist auf das Engste mit der „wirtschaftlichen und politischen Geschichte Nordrhein-Westfalens“ verbunden, wie es in der Landeshauptstadt heißt.
Zwei Ausstellungen wurden bereits in dem in Sanierung befindlichen historischen Baudenkmal gezeigt. Die zweite Exposition endete 2024 und feierte gleichzeitig den 110 Jahre währenden Bestand des Ex-Verwaltungskomplexes (s. Hinweispfeil unten).
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Blick auf den Behrensbau am Rheinufer in Düsseldorf. Die Fassade kommt fast ohne Dekoration aus, auffällig ist der Rhythmus der vielen recheckigen Fenster. Foto und Bildquelle © Stiftung Haus der Geschichte NRW / Axel Thünker |
Auch in Oberhausen nutzt der Landschaftsverband Rheinland (LVR) ein historisches Gebäude vom Reißbrett des Architekten für die hochinteressante Dauerausstellung. Es handelt sich um eine Ikone der Industriekultur, eingeweiht im Jahre 1925. Denn der Oberhausener Peter-Behrens-Bau, das ehemalige Hauptlagerhaus der Gutehoffnungshütte (GHH) an der Essener Straße, ist damit ebenfalls über 100 Jahre alt.
Einst befand sich an diesem Ort eines der wichtigsten Zentren der europäischen Eisen- und Stahlindustrie. Errichtet im Stil der Neuen Sachlichkeit ist das Gebäude heute ein Paradebeispiel unter den erhaltenen Industriebauten des frühen 20. Jahrhunderts.
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AEG-Tischventilator, Typ GB1, Entwurf: Peter Behrens, Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft, Berlin, 1908, 25 Watt, Metall, 27,5 x 27 x 15 cm,Inv.-Nr.: rz 97/28 Bildquelle © LVR-Industriemuseum Oberhausen, Foto: Tanita Dreßen
Werbeblatt „AEG Metallfaden-Lampe“, Entwurf: Peter Behrens, Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft Installations-Büro Cöln, 1908-1911, Papier, 27,5 x 21 cm, Inv.-Nr.: rz 15/166 Bildquelle © LVR-Industriemuseum Oberhausen, Foto: Tanita Dreßen
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Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf Behrens‘ Schaffen als Architekt und Industriedesigner (mehr). Zu den Exponaten zählen eigens nach Originalentwürfen entwickelte Architekturmodelle, die von der Peter Behrens School of Arts der Hochschule Düsseldorf umgesetzt wurden sowie zahlreiche aktuelle und historische Fotografien seiner Bauten. Das Spektrum reicht von Behrens 1901 entworfenen dreistöckiger Künstler-Villa auf der Mathildenhöhe in Darmstadt bis hin zu den späten Werken wie die berühmte Tabakfabrik in Linz (Österreich) in Stahlskelettbauweise.
Hinzu kommen etliche Schaustücke aus der Sammlung des LVR-Industriemuseums, darunter frühe Haushaltsgegenstände aus der Jugendstilzeit oder technische Geräte für namhafte Firmen wie AEG und Villeroy & Boch sowie Leihgaben aus anderen Instituten und von Privatsammlern.
Es sei daran erinnert, dass die berufliche Entwicklung von Behrens Anfang des 20. Jahrhunderts keineswegs gradlinig verlief.
Seine Arbeit mochte sich zwar auf so gut wie alle künstlerischen Gattungen erstrecken und ihn heute als visionären Gestalter und Multitalent erscheinen lassen. Schließlich war er auch Werbegrafiker, Schriftgestalter, Produkt- und Möbeldesigner und erst danach Architekt. So erhielt er zum Beispiel um 1901 von dem Kaufhaus Wertheim den Auftrag, ein Musterzimmer mit Möbeln, Wandverkleidungen, Lampen, Tafelservice, Gläsern und Besteck zu bestücken.
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Essbesteck „Modell Wertheim“, Entwurf: Peter Behrens, Silberwarenfabrik M.J. Rückert, Mainz, 1902, Silber, Stahl, 20,8 cm (Messer), 17,8 cm (Gabel), 18,2 cm (Esslöffel), 14,5 cm (Dessertlöffel), 11,5 cm (Eislöffel), 11,3 cm (Mokkalöffel), Inv.-Nr.: rz 97/79 Bildquelle © LVR-Industriemuseum Oberhausen, Foto: Jürgen Hoffmann. |
Aber gerade in Sachen Architektur und Design bezeichnete sich Behrens selbst stets als Autodidakt. Er war wie sein zeitgleich wirkender flämisch-belgischer Kollege Henry van de Velde (mehr) weder in dem einen noch dem anderen Sachgebiet ausgebildet worden. Beide hatten Malerei studiert - Peter Behrens in Karlsruhe, Düsseldorf und München - bevor sie sich den anderen Disziplinen zuwandten. Markante Spuren hinterließ Peter Behrens im Rheinischen vor allem wegen seiner Tätigkeit als Direktor der Düsseldorfer Kunstgewerbeschule. Er reformierte zwischen 1903 und 1907 diese Einrichtung grundlegend und schuf mit seinen Ideen Raum für Neues.
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Peter Behrens Haus Behrens in Darmstadt, 1901, Wohnviertel Mathildenhöhe. Für die erste Ausstellung der Darmstädter Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe entwarf Behrens sein eigenes Wohnhaus und dessen Inneneinrichtung. Foto/Bildquelle © rheinische ART 2025 |
Apropos Neues. Nicht alle in der elitären Kunstszene der alten Residenzstadt am Rhein goutierten Behrens` Ideen und künstlerische Einstellungen. Sein Entwurf für die im Jahre 1904 in Düsseldorf gezeigte Große Gartenbau-Ausstellung – es handelte sich um einen „Architektonischen Garten“ vor dem Kunstpalast mit Bauteilen aus Holzzäunen, Pergolen und Marmorbänken – war nicht nach dem Geschmack der eher traditionell orientierten städtischen Kunstvertreter.
Die Formensprache der französisch anmutenden Treillagen (Rankgerüste) trugen Behrens den spöttischen Namen Lattenpitter (Lattenpeter) ein. Die kunstvoll angelegten Laubengänge wurden Jahre später von Wilhelm Kreis, seinem Nachfolger auf dem Chefsessel der Kunstgewerbeschule, beim Bau des „Ehrenhof“-Ensembles entfernt. Peter Behrens, Wegbereiter des modernen Industriedesigns und Baumeister zahlreicher Wohnungs- und Industriegebäude für die namhaftesten Unternehmungen in den 1920-Jahren, wurde dennoch weltberühmt. Er war eben seiner Zeit voraus!
rART/cpw
► Nach der Renovierung des Behrensbau am Düsseldorfer Rheinufer soll 2030 darin eine neue Dauerausstellung im modernisierten Museum „Haus der Geschichte NRW“ eröffnet werden. Sie soll 3000 Quadratmeter Fläche umfassen. Die Stiftung Haus der Geschichte NRW ist als Institution eine gemeinsame Initiative von Landtag und Landesregierung. Sie beziffert die Kosten für die Instandsetzung des Gebäudes auf 300 Millionen Euro.
Die Dauerausstellung „Peter Behrens – Kunst und Technik“ würdigt das Leben und Werk des berühmten Architekten.
LVR-Industriemuseum
Peter-Behrens-Bau (Museumsdepot)
Essener Straße 80
46047 Oberhausen
Öffnungszeiten
FR 10 – 17 Uhr
SA, SO 11 – 18 Uhr
MO – DO geschlossen













