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rheinische ART 03/2026

KUNSTMARKT
Noble Begierden


Die Vermarktung von Kunst ist heute ein Milliardengeschäft. War das schon immer so?

 

Sebastiano Mainardi (1466–1513), Maria mit dem Kind, dem Johannesknaben und zwei Engeln, um 1500, Öl auf Holz, Dm. 81,7 cm. © LIECHTENSTEIN. The Princely Collections, Vaduz–Vienna. Bildquelle © Die Fürstlichen Sammlungen Liechtenstein

 

Wenn nicht unbedingt vor 2000 Jahren, so doch in den Niederlanden spätestens ab dem 17. Jahrhundert. Das Goldene Zeitalter war für die „holländischen“ Künstlergilden ein frühes „oranje boven“ (orange oben), die Nachfrage nach ihrer Kunst eine Art Dukatenesel der Extraklasse.

   

Aber das Streben nach irdischen Gütern, materiellem Reichtum, die sprichwörtliche Habgier, gab es nicht nur mit Kunst. Alles wurde auch Vorlage in der Kunst. Hieronymus Bosch hat es um 1516 in seinem Triptychon „Der Heuwagen“ dargestellt. Es zeigt, wie alle Stände, vom Herrscher bis zum Beherrschten, gierig nach Reichtum strebten.

   Ein flämisches Sprichwort, vermutlich in Antwerpen während des Goldenen Zeitalters entstanden, charakterisierte die Tendenzen des damaligen Handels: „Die Welt ist ein Heuhaufen, ein jeder pflückt davon, soviel er kann.“ (De wereld is een hooiberg – elk plikt ervan, wat hij kan krijgen).

 

Willem van Haecht (1593–1637), Die Kunstkammer des Cornelis van der Geest, 1628, Öl auf Holz, Antwerpen, Rubenshuis. © City of Antwerp Collection, Rubenshuis Foto: CC BY-SA KIK-IRPA, Brussel. Bildquelle © Die Fürstlichen Sammlungen Liechtenstein


„Noble Begierden“ titelt eine Ausstellung im Wiener Gartenpalais Liechtenstein und lehnt sich an diesen Aphorismus an. Sie blättert eine detailreiche „Geschichte des europäischen Kunsthandels“ auf.

   Es sind die Fürstlichen Sammlungen Liechtenstein, die das Monetäre im Kunstgeschehen von der griechisch-römischen Antike über die italienischen Stadtstaaten der Renaissance und das Goldene Zeitalter der Niederlande bis hin zu sensationsheischenden Präsentationen und transatlantischen Verkäufen im 19. Jahrhundert zeigen. Eines macht diese Schau schnell klar: Viele Phänomene des heutigen Kunstmarkts sind im Grunde jahrtausendealt.

 

Tiziano Vecellio, genannt Tizian (um 1488–1576), Jacopo Strada, um 1567/68, Öl auf Leinwand, 126×95,5 cm, Wien, Kunsthistorisches Museum, Gemäldegalerie, Inv.-Nr. 81. © Wien, KHM-Museumsverband. Bildquelle © Die Fürstlichen Sammlungen Liechtenstein

 

Der Kunstmarkt mit seinen Akteuren, Institutionen und Mechanismen fasziniert seit jeher. In der Wiener Schau werden schlaglichtartig die zugrundeliegenden Dynamiken des Kunsthandels gezeigt. Die Schau beleuchtet die "Marktteilnehmer", ob Händler, Agenten, Sammler, Gallerien oder Kunstberater, und verdeutlicht, wie Verkaufsstrategien entworfen wurden und Preisgestaltungen funktionierten, Märkte und Innovationszentren entstanden und prägende Persönlichkeiten wirkten.

   Dabei zeigt sich, dass zahlreiche Methoden bis heute nichts an Aktualität verloren haben. Auktionen kannte schon das Römische Kaiserreich. Kunstmessen zogen bereits im Antwerpen des 16. Jahrhunderts ein internationales Publikum an und Werkskataloge Alter Meister wurden von Kunsthändlern im 18. Jahrhundert verfasst.

 

Oberteil einer Statue der Aphrodite, Typus Kapitol, frühes 2. Jh. n. Chr., nach einem Original aus dem frühen 3. Jh. v. Chr., parischer Marmor, 99,5×44×44 cm, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Skulpturensammlung bis 1800, Inv.-Nr. Hm 238 © Skulpturensammlung, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Hans-Jürgen Genzel/Reinhard Seurig. Bildquelle © Die Fürstlichen Sammlungen Liechtenstein

 

Alles war also irgendwie schon immer ein großes Business. Auf dem Höhepunkt der ökonomischen Glanzjahre in Holland, dem Mutterland des seinerzeitigen Globalhandels, sollen dort bis zu 800 Maler und Malerateliers jährlich rund 70.000 Gemälde gefertigt haben.

   Nachfrager und Abnehmer von Kunstwerken gab es demzufolge zuhauf.

   „Der Kunstmarkt ist für die Bekanntheit einzelner Künstler ebenso verantwortlich wie die Kunstgeschichtsschreibung selbst, denn der Wert von Kunstwerken ist für den Handel von zentraler Bedeutung, und die Nachfrage nach bestimmten Künstlern beeinflusst wiederum deren Bekanntheit maßgeblich. Das Wissen um diese Dynamik ist unerlässlich, um zu verstehen, wie Künstler Anerkennung finden und Karriere machen“, so Stephan Koja, Direktor der Fürstlichen Sammlungen. „Wir rücken daher den Kunstmarkt, der oft als undurchsichtig wahrgenommen wird, bewusst ins Rampenlicht.“ Und dies ist einmal ein höchst interessanter Ansatz zu einer musealen Betrachtung.

 

 

 Rembrandt Harmensz. van Rijn (1606–1669), Amor mit Seifenblase, 1634, Öl auf Leinwand © LIECHTENSTEIN. The Princely Collections, Vaduz–Vienna. Bildquelle © Die Fürstlichen Sammlungen Liechtenstein

 

Bekanntlich waren es die gutsituierten Bürger Roms, die besonders daran interessiert waren, Werke der griechischen Kunst zu erwerben. Während der Renaissance wurde die Kunstproduktion, wie es in der Ausstellung heißt, in Florenz durch öffentliche Aufträge und einflussreiche Mäzene vorangetrieben.

   Ferdinando de' Medici etwa ließ sich von Giambologna in einem Reiterstandbild verewigen und Neri di Bicci fertigte großformatige Altargemälde. Gleichzeitig schufen Künstler Terrakottareliefs und kleine Andachtsbilder für den privaten Gebrauch, die dank Serienproduktion und effizienter Werkstatt-Organisation deutlich günstiger waren.

   Kunst für die wohlhabende Mittelschicht, für sogenannt Neureiche oder das aufstrebende Bürgertum gab es sicherlich reichlich. Aber diejenige Werke von höchster Qualität, etwa Porträts von Rembrandt van Rijn (mehr) sowie Anthonis van Dyck oder Blumenstillleben von Rachel Ruysch (mehr) blieben den sehr vermögenden Personenkreisen vorbehalten. Schön in einem Exponat in Wien zu sehen (siehe oben): „Die Kunstkammer des Cornelius von der Geest“ aus dem Antwerpener Rubenshuis zeigt den erfolgreichen und offenbar schwerreichen Gewürzhändler inmitten seiner umfangreichen Kunstkollektion.

rART/ bra

 

 Prominente Leihgaben internationaler Sammlungen – darunter Gemälde von Tizian, Rembrandt, Monet und Klimt – machen gemeinsam mit Hauptwerken aus den Fürstlichen Sammlungen wie Arbeiten von Giambologna, Brueghel, Van Dyck und Canaletto diese anregende Schau zu einem historischen wie visuellen Erlebnis.


Die Sonderausstellung Noble Begierden. Eine Geschichte des europäischen Kunstmarkts ist bis zum 6. April 2026 zu sehen.
Gartenpalais Liechtenstein
Fürstengasse 1
1090 Wien / Österreich
Tel +43 1 31957670
Öffnungszeiten
Täglich 10 – 18 Uhr
Eintritt frei

 

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