rheinische ART
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rheinische ART 02/2026

POP ART
Kunst gegen Konsum

 

Populäre Kunst aus den Vereinigten Staaten, die Pop Art also, hatte auch gut zehn interessante Jahre in Deutschland. In Oberhausens Museum Ludwiggalerie kann man das sehen!

 

Bodo Boden Whoom (Mondfähre), 1970 © G. Bodo Boden und seine Lizenzgeber. Bildquelle © Ludwiggalerie Oberhausen 2026

 

Es ist eine legendenumrankte Kunstrichtung, die, so heißt es vielfach, aufgrund des großen öffentlichen Zuspruchs zu einer Art Universalkultur expandierte.

   Junge US-Künstler wie Roy Lichtenstein, Andy Warhol oder Robert Rauschenberg revolutionierten mit Motiven aus dem alltäglichen Leben die Kunstwelt der 1960er Jahre.
 

Klaus Staeck Amerika-Tasse, 1969 © VG Bild-Kunst, Bonn 2025. Bildquelle © Ludwiggalerie Oberhausen 2026

 

Rauschenberg, der Maler mit deutsch-indianischen Vorfahren, ein Legastheniker, der sich selbst als Straßenköter-Mischung bezeichnete, machte Anfang der Fünfzigerjahre mit Pop-Art-Werken auf sich aufmerksam.
   Der Stil schwappte in den Folgejahren zunächst auf die Britischen Inseln. 1964 dann, auf der documenta 3 in Kassel, erhielten Rauschenberg und Jasper Johns eine erste große deutsche öffentliche Bühne. Rauschenbergs american pop art-Exponat hieß Axle, ein wegweisendes Mischtechnikwerk.
   Ein Jahr später gab es eine Rauschenberg-Schau im Krefelder Haus Lange. Die bunten, plakativen, leicht verständlichen und nicht selten krakeelend farbigen Arbeiten lösten – nach anfänglich herber Kritik – mehr oder weniger einen Popularitätsschub der amerikanischen Pop Art auch hierzulande aus.

 

Siegfried Neuenhausen Freiheitsstatue, 1972 © VG Bild-Kunst, Bonn 2025. Bildquelle © Ludwiggalerie Oberhausen 2026

 

Deutschland verlieh dieser Kunstrichtung tatsächlich einige Impulse und ihr Startpunkt hier war Düsseldorf.

   Nicht nur, dass zum Beispiel Rauschenberg sich deutsche Kreative wie den Dadaisten Kurt Schwitters, den Kunstlehrer Josef Albers, Fluxus-Aktive wie etwa Joseph Beuys zu Vorbildern erkoren hatte.

   1963 waren es Gerhard Richter, Sigmar Polke und Konrad Lueg, die in Düsseldorfer der neuen gegenständlichen Kunst des American Pop eine erste Exposition widmeten – und damit den westdeutschen Pop einläuteten.

   Richter und Kollegen sahen sich selbst als „the German Pop Artists“. Dennoch war hierzulande vieles anders und daher titelt in Oberhausen die Ausstellung treffend „German Pop Art – zwischen Provokation und Mainstream“.

 

Klaus Peter Brehmer ART B 013 (Ulbricht), 1967 © VG Bild-Kunst, Bonn 2025. Bildquelle © Ludwiggalerie Oberhausen 2026

 

Gerhard Richter Blattecke, 1967 © Gerhard Richter 2025. Bildquelle © Ludwiggalerie Oberhausen 2026

 

Die German Pop Art war nämlich eine sehr eigene Variante des angloamerikanischen Vorbilds. Alltagsgegenstände, Werbung, Konsumwaren wie auch allerlei Banales wurden auch hier zu künstlerischen Sujets – Hauptsache, es grenzte sich deutlich von der abstrakten Kunst ab.

   Es waren dennoch die von Spar- und Genügsamkeit geprägten Nachkriegsjahre, die Adenauer- und Wirtschaftswunderzeit (mehr), die in der Themenwahl deutlich zu anderen Schwerpunkten als in der amerikanischen und britischen Kunstszene führten.

   „Vordergründig zwar an Massenkultur und Werbung orientiert“, heißt es in Oberhausen, hätte den Arbeiten der deutschen Künstler „aber nicht der ungebrochene Optimismus ihrer englischsprachigen Kollegen“ zugrunde gelegen.

   Alltags- und Konsummotive waren zwar ebenfalls Gegenstand ihrer Kunstwerke, doch seien diese hauptsächlich geprägt „durch eine provokative Haltung sowie Kritik am politischen Zeitgeist, Anti-Kriegs-Haltungen und deutscher Vergangenheitsbewältigung.“


Das Düsseldorfer Kunstakademie-Quartett Gerhard Richter, Konrad Lueg, Sigmar Polke und Manfred Kuttner führten damals für ihre Pop-Art-Aktionen den Begriff „Kapitalistischer Realismus“ ein. Da mag, bis auf Lueg (Konrad Fischer), ihre Erfahrung mit dem "Sozialistischen Realismus", der Soz-Art (mehr), eine Rolle gespielt haben. Denn Richter hatte seine Geburtsstadt, die DDR-Metropole Dresden, 1961 fluchtartig verlassen, der gebürtige Thüringer Kuttner diese Kommune schon ein Jahr zuvor und Polke, gebürtiger Niederschlesier, war als Zwölfjähriger 1953 mit den Eltern im Westen angekommen.

   Ihre Ausstellung 1963 in der Düsseldorfer Kaiserstraße hatte den Zusatz „Leben mit Pop…“ und verstand sich als ironische und humorvolle Kritik an den von Konsum, Freizeit und „Kapitalismus“ strotzenden Aufbaujahren Westdeutschlands.

 

Sine Hansen Schere, 1967 © Rechtsnachfolger. Bildquelle © Ludwiggalerie Oberhausen 2026


Insgesamt stellt die Ludwigsgalerie 46 Künstler aus und bietet damit einen Überblick über die deutsche Ausprägung der Pop Art. Themen wie Wirtschaftswunder, Kritik am American Way of Life, Vietnamkrieg, Rassendiskriminierung oder die kollektive Verdrängung der jüngsten deutschen Geschichte sowie anti-museale Haltungen sind in mehr als hundertachtzig Grafiken, Objekten, Skulpturen und Multiples zu entdecken. Das ist interessant und den Besuch wert.
rART/K2M

 

► Der Anwalt Heinz Beck (1923–1988), dessen Kollektion im Schloss Ludwiggalerie nun gezeigt wird, war mit Wolfgang Hahn einer der ersten deutschen Sammler von zunächst American Pop Art und später den deutschen Varianten. Noch vor den rührigen Sammlerpersönlichkeiten Peter und Irene Ludwig (mehr).

 

► Alles in allem blieb die German Pop Art international eher eine Regionalerscheinung. Es gab, wie die Ausstellung aufschlüsselt, durchaus eine Reihe von Pop Art-Künstlern, aber nur eine Handvoll konnte sich im Gedächtnis festsetzen. Viele davon sind heute nahezu unbekannt. Ergänzt durch Arbeiten aus dem eigenen Besitz sowie Skulpturen aus dem Ludwig Forum Aachen, lädt die Präsentation dazu ein, sich davon zu überzeugen, „dass die deutsche Pop Art den internationalen Vergleich nicht scheuen muss.“

 

Die Ausstellung GERMAN POP ART – Zwischen Provokation und Mainstream.Die Sammlung Heinz Beck zu Gast in der LUDWIGGALERIE wird bis zum 3. Mai 2026 gezeigt.

LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Konrad-Adenauer-Allee 46
46049 Oberhausen
Tel 0208 41249 28
Öffnungszeiten
DI – SO 11 – 18 Uhr

 

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