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rheinische ART 03/2026

EXPRESSIONISMUS
Paula´s Jahr


Zum 150. Geburtstag der in Dresden-Friedrichstadt geborenen Malerin Paula Modersohn-Becker zeigt das Dresdener Albertinum die Schau „Paula Modersohn-Becker und Edvard Munch. Die großen Fragen des Lebens“. Diese Kombination ist neu!

 

Paula Modersohn-Becker Selbstbildnis mit Hand am Kinn, 1906/07 © Landesmuseum Hannover/ARTOTHEK. Bildquelle © Staatliche Kunstsammlungen Dresden 2026

 

Die großen Fragen des Lebens? Wer kennt sie nicht! Werden, Sein und Vergehen – das Leben, die Liebe und der Tod waren und sind immer drängende Themen im Denken. Und in der Kunst sowieso.

   Anlässlich der Jubiläumsaktivitäten werden aktuell drei Ausstellungen gleichzeitig mit der Künstlerin Modersohn-Becker bespielt. Es ist also Paula´s Jahr!

   An prominenter Stelle: das Dresdener Albertinum. Die Schau dort ist eine Dialogausstellung in Kooperation mit dem Munch Museum Oslo. Das Interessante dabei: In dieser Ausstellung begegnen sich zwei Ausnahmekünstler des frühen 20. Jahrhunderts auf besondere Weise: Thematisch kreisen ihre Werke um Geburt, Liebe, Krankheit und Tod – Themen, die sich in eindringlichen Bildern verdichten.

 

Ausstellungsansicht "Paula Modersohn-Becker und Edvard Munch. Die großen Fragen des Lebens" © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Oliver Killig


Die Künstlerin Paula Modersohn-Becker (1876–1907) und der weltbekannte norwegische Expressionist Edvard Munch (1863–1944 mehr) haben zur gleichen Zeit gelebt, sind sich jedoch nie begegnet. Beide suchten in ihren Werken Antworten auf die großen Fragen des Lebens. Die Ausstellung ist jedoch nicht nur ein interessanter Vergleich zweier Künstler und die Suche nach Parallelen. Es ist auch das Bestreben, der Moderne-Pionierin aus dem Worpsweder Kreativen-Pool mehr Öffentlichkeit zu verschaffen.

 

Edvard Munch Selbstbildnis vor blauem Himmel, 1908 © Munchmuseet, Oslo. Bildquelle © Staatliche Kunstsammlungen Dresden 2026


Paula Modersohn-Becker hinterließ nämlich ein wegweisendes Werk, obwohl sie zu Lebzeiten weitgehend verkannt blieb und lediglich fünf Bilder verkaufte. Ihr Lebenswerk umfasste rund 750 Gemälde in verschiedenen Techniken, mehr als 1000 Zeichnungen und 13 Radierungen.

   Sie wurde nur 31 Jahre alt und verstarb aufgrund einer Thrombose kurz nach der Geburt ihrer Tochter. Trotz der kurzen kreativen Schaffensphase von nur rund zehn Jahren sprengte sie früh gesellschaftliche und künstlerische Grenzen. Als eine der ersten Frauen verschrieb sie sich kompromisslos der Kunst – und das in einer doppelmoralisch-verklemmten Gesellschaft und Zeit, in der Frauen sich den Zugang zu Akademien noch hart erkämpfen mussten. Sie war die erste Frau, die es wagte, ein nacktes Selbstbildnis zu fertigen.

 

Paula Modersohn-Becker Stehender und kniender Mädchenakt vor Mohnblumen II, 1906 © Die Lübecker Museen / Museum Behnhaus Drägerhaus. Bildquelle © Staatliche Kunstsammlungen Dresden 2026

 

Heute ist Modersohn-Becker längst ein Star. Filmisch sozusagen verewigt in dem Drama „Paula – Mein Leben soll ein Fest sein“, ein biografisches Filmwerk des deutschen Regisseurs und Drehbuchautors Christian Schwochow. Das Werk wurde im August 2016 beim Locarno-Filmfestival uraufgeführt.

   Es gab in den letzten Jahren mehrere Ausstellung mit ihren Arbeiten. So etwa 2023 im Hannoverschen Landesmuseum; das Wuppertaler von der Heyde Museum zeigte sie 2018/2019 und das Arp-Museum im Remagener Bahnhof Rolandseck 2022.

   Herausragend war die große 120 Exponate umfassende Retrospektive in Paris im Sommer 2016 mit dem Titel L’ intensité d’un regard  („Die Intensität des Blickes“) im Musée d´Art moderne de la Ville de Paris (s. Link unten). Die sorgte für internationales Aufsehen und für viel Aufmerksamkeit.

 

Dass sie in der französischen Metropole, in der sie nahezu unbekannt war, eine große Schau erhielt, war angebracht. Denn Paris war der Ort ihrer Sehnsucht. Sie liebte die Stadt und war wie elektrisiert von ihr. Ihrem Ehemann Otto Modersohn in der ländlich abgeschiedenen Künstlerkolonie Worpswede schrieb sie aus Paris enthusiastisch, man sehe und lerne „auf Schritt und Tritt“ und es läge „Champagner ist der Luft“.

 

Ausstellungsansicht "Paula Modersohn-Becker und Edvard Munch. Die großen Fragen des Lebens" © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Oliver Killig

 

Paris war damals bekanntlich d i e Kunstmetropole, die für sie wie eine Verheißung in der Ferne leuchtete, wie sie einmal betonte. Die Stadt war seinerzeit einer Art Pflichtübung für aufstrebende Kreative, also weder unerreichbar noch ungewöhnlich.

   Dennoch: In dem von Männern dominierten Kunstmilieu war auch Paris für ambitionierte Frauen mit einem künstlerischen Solo-Auftritt schwieriges Terrain. Modersohn-Beckers Frankreich-Aufenthalte dauerten jeweils monatelang, in Summe verbrachte sie fast zwei Jahre dort. Zeit, die sie künstlerisch und charakterlich prägten und veränderten - es war ihre Schule für ein kurzes Leben.

   Paula Modresohn-Becker war, das wird auch in Dresden deutlich, eine Ausnahmekünstlerin. Eine engagierte, emanzipierte Frau, die ohne Zweifel lange im Schatten ihres Ehemanns stand, ihn aber zu Lebzeiten bereits künstlerisch überstrahlte und sich als Wegbereiterin des Expressionismus etablierte. Der Gatte sah das immerhin fairerweise auch so. Mit Datum 19. Januar 1906 schrieb die 30-Jährige aus Paris an ihre Mutter: „Denn ich werde noch etwas. Wie groß oder wie klein, dies kann ich nicht sagen, aber es wird etwas in sich Geschlossenes.“ Wie wahr!
rART/bra


Die Ausstellung Paula Modersohn-Becker und Edvard Munch. Die großen Fragen des Lebens wird bis zum 31. Mai 2026 gezeigt.

Albertinum
Staatliche Kunstsammlung Dresden

Tzschirnerplatz 2,
01067 Dresden
Tel 0351 49142000
Öffnungszeiten
DI – SO 11 – 17 Uhr

 

Weitere Ausstellungen:


► Becoming Paula. London, Berlin, Worpswede, Paris. Paula-Modersohn-Becker-Museum, Bremen. 8. Februar bis 13. September 2026

 

 Paula Becker, Paula-Modersohn-Becker. Die Landschaften, Otto-Modersohn-Museum Fischerhude. 8. Februar bis 24. Mai 2026.


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