KUSAMA
Die Polka-Dot-Königin
Ein weiblicher Superstar der zeitgenössischen Kunst, Yayoi Kusama, 96 Jahre alt, zeigt ihre Arbeiten in Köln. Zu Besuch in einer Wunderschau!
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Yayoi Kusama Self-Obliteration #2, 1967 Gouache, Stift, Pastell und Fotocollage auf Papier, 40,4 x 50,4 cm, Sammlung der Künstlerin © YAYOI KUSAMA. Bildquelle © Museum Ludwig 2026 |
Die japanischen Künstlerin Yayoi Kusama (*1929, Matsumoto) zählt zu den bekanntesten Kreativen unserer Zeit. Ihre ikonischen, unverwechselbaren Punktemuster, Polka Dots genannt, ihre Kürbisskulpturen und ihre verspiegelten endlos erscheinenden lnfinity Rooms sind zu einer Art Markenzeichen geworden und tauchen millionenfach in den Sozialen Medien auf.
Das Kölner Museum Ludwig, dass sein 50-jähriges Bestehen feiert, präsentiert anlässlich dieses Jubiläums eine spannende Reise durch Kusamas Kunstkosmos. 300 Arbeiten aus allen ihren Schaffensphasen, von den ersten Zeichnungen ab etwa 1934 bis heute, verdeutlichen die Vielfalt der Künstlerin, die sich der Malerei, Zeichnung, Skulptur ebenso wie Installationen, Mode, Performances und Literatur gewidmet hat.
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Yayoi Kusama lnfinity Mirrored Room-The Hope of the Polka Dots Buried in lnfinity Will Eternally Cover the Universe, 2025, Detail Mixed media, Maße variable, Sammlung der Künstlerin © YAYOI KUSAMA Courtesy of Ota Fine Arts. Bildquelle © Museum Ludwig 2026 |
Im Zentrum von Kusamas Werk stehen die Natur in ihrem ständigen Wandel, Werden und Vergehen sowie die Unendlichkeit des Universums, in der alles Existierende sich letztlich auflöst. Die Punktemuster, mit denen sie die Gegenstände und Menschen überzieht, sind ebenso Ausdruck dieser Weitsicht wie ihre Unendlichkeits-Spiegelräume.
Wer den Ursprung des Begriffs Polka Dot sucht, also jene verspielten Tupfenmuster aus farblich gefüllten Kreisen diverser Größen, die in der Mode wie auch im Sport – man denke nur an das Tour de France-Bergtrikot – immer wieder als Trends auftauchen, muss weit zurückgreifen.
Auch wenn sich die Fachwelt noch streitet, ob Polka Dot nun vom populären Polka-Tanz abzuleiten ist oder ob es eine Erfindung des Mittelalter ist. Damals wurden Punktmusterungen mit Pest, Unreinheit, Lepra oder Syphilis assoziiert, im harmlosesten Falle mit Masern. Wie auch immer: Polka Dots sind ein Evergreen in der Mode, ein Inbegriff femininer Textil-Eleganz. Die Hollywood-Ikonen Marilyn Monroe und Audrey Heburn mit ihren Polka-Dot-Kleidern lassen grüßen!
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Yayoi Kusama posiert in Untitled (Dress) mit ihren Phallic Sculptures in ihrem New Yorker Atelier, 1971 Foto: Tom Haar © YAYOI KUSAMA. Bildquelle © Museum Ludwig 2026
Yayoi Kusama Self-Portrait, 1972 Collage, Pastell, Kugelschreiber und Tusche auf Papier 74,4 x 44 cm, Sammlung der Künstlerin © YAYOI KUSAMA. Bildquelle © Museum Ludwig 2026
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In Yayoi Kusamas Bildsprache sind sie jedenfalls, neben Netzstrukturen und organischen Formen, ein Charakteristikum und omnipräsent. So gut wie jeder Quadratzentimeter ihrer Werke und Installationen ist mit Punkten gefüllt.
Sie lassen sich bis in ihre Kindheitsjahre zurückverfolgen. Und die Erlebnisse dieser frühen Jahre belasten sie offenbar bis heute. Als Kind litt Yayoi sehr unter ihren konservativen Eltern, Halluzinationen quälten sie.
Nach Kindheit und Jugend im ländlichen, patriarchalisch, monarchisch und von altjapanischer Etikette geprägten Japan der Nachkriegszeit, nahm Yayoi Kusama mit 20 Jahren zunächst ein Studium der traditionellen Malerei in Kyoto auf. Aber zehn Jahre später verließ sie das kaiserliche Inselreich und entfloh in die Vereinigten Staaten.
Im New York der 1960er Jahre waren es die Flower Power- und Pop-Art-Bewegung mit ihren sexuellen Befreiungstendenzen sowie der Vietnamkrieg, der sie prägte. Sie bezog politisch Stellung und machte Schlagzeilen mit provokanten Happenings.
Es waren nicht nur höchst turbulente Jahre sondern auch Jahre höchster Produktivität. Kusama beschäftigte sich ständig mit neuen Medien und schuf Gemälde, Installationen und provokante Mode.
Über 200 Performances und Happenings in New York und Europa trugen damals ihre Handschrift. Manche ihrer Gemälde hatten surrealistischen Charakter und ließen an Salvador Dalí denken. Und ihre gewöhnungsbedürftigen Textilskulpturen waren vielfach Mittel zur Bekämpfung ihrer Sexualfurcht.
Von der schrieb sie in ihrer Autobiographie (siehe unten): „Ich stellte unzählige Textil-Penisse her und legte mich in ihre Mitte. Das Objekt meiner Angst bekam dadurch etwas Harmloses, Amüsantes.“ Im konservativen Japan kam das alles nicht gut an, sie galt als Schande der Nation und ihre Familie brach mir ihr. Dafür liebten die Nonkonformisten, Kommunarden und Hippies der „Swinging Sixties“ sie.
1973 schließlich kehrte Kusama nach Japan zurück und verarbeitete ihre existentiellen Ängste in oft schonungslosen Romanen und Gedichten. In ihrem kraftvollen Alterswerk schuf sie wiederum lebensvolle und farbenprächtige Bilderzyklen, wie es im Museum Ludwig heißt.
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Yayoi Kusama bei der Arbeit an My Eternal Soul (2009-21), 2017 © YAYOI KUSAMA Courtesy of Ota Fine Arts, David Zwirner. Bildquelle © Museum Ludwig 2026 |
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Yayoi Kusama Pumpkin, 1981 Acryl und Stoff auf Leinwand 130.3 x 97 cm, Sammlung von Daisuke Miyatsu, Chiba, Japan © YAYOI KUSAMA. Bildquelle © Museum Ludwig 2026
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In der Frühphase ihrer künstlerischen Betätigung wurde sie schlicht unterschätzt. Das änderte sich. Sie wurde eine gefeierte Avantgarde-Künstlerin. Heute gilt die 96-Jährige nicht nur als Star. Sie wird gelegentlich als eine Ikone ähnlich Vincent van Gogh, Salvador Dali oder Frida Kahlo gesehen.
Trotz ihres hohen Alters ist sie ungebrochen kreativ. Sieben Jahrzehnte umfasst nun ihr künstlerisches Schaffen. Und es ist unzweifelhaft: Von den frühen Experimenten in den kargen Nachkriegsjahren bis zu ihren aktuellen Arbeiten hat sie die zeitgenössische und die internationale Kunstwelt nachhaltig beeinflusst und maßgeblich die Entwicklung der neuzeitlichen immersiven Kunst geprägt.
Die Kölner Schau, die zweite Station in Kusamas Europa Tournee, ist eine Sensation im rheinischen Kulturjahr 2026.
rART/ cpw
► Die Ausstellung Yayoi Kusama ist vom Museum Ludwig in Zusammenarbeit mit der Fondation Beyeler, Riehen/Basel (bis 25. Januar 2026) und dem Stedelijk Museum Amsterdam (ab 12. September 2026 ) organisiert worden.
► Literaturhinweis: Kusama, Yayoi: „Infinity Net - Meine Autobiografie" (Übersetzung aus dem Japanischen: Bierich, Nora), Piet Meyer Verlag, Bern/Wien 2017, ISBN 978-3-905799-40-8
Die Ausstellung Yayoi Kusama ist bis zum 2. August 2026 zu besuchen.
Museum Ludwig
Heinrich-Böll-Platz
50667 Köln
Tel. 0221 / 221 26165
Öffnungszeiten
DI – SO 10 – 18 Uhr
Jeden ersten Donnerstag im Monat 10 – 22 Uhr
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