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rheinische ART 05/2026

FOTOGRAFIE
An vorderster Front


Vor zwölf Jahren wurde die deutsche Fotografin Anja Niedringhaus bei ihrer journalistischen Arbeit für Associated Press (AP) in Afghanistan getötet. Die Oberhausener Ludwiggalerie erinnert an sie.

 

Anja Niedringhaus Zivilisten auf der Flucht, Basra, 30. März 2003 © picture alliance / AP / Anja Niedringhaus. Bildquelle © Ludwiggalerie Oberhausen 2026

 

"Wenn ich es nicht fotografiere, wird es nicht bekannt.“ Diesen vielzitierten Satz formulierte die berühmte Fotografin einmal über ihre gefährliche Tätigkeit in Krisen- und Kriegsgebieten.

      Aufklärung war ihr ein zentrales Anliegen, das sich in diesem Motto widerspiegelt. Neben den kämpferischen Auseinandersetzungen und den oft tödlichen Konsequenzen daraus dokumentierte Niedringhaus parallel dazu die Lebensfreude der Menschen in den zerstörten Ländern. Zum Beispiel die der Kinder oder das Modebewusstsein der afghanischen Frauen beim Kauf einer Burka. Ihr Talent, in einzelnen Fotos komplexe Geschichten zu erzählen, wird in all diesen Aufnahmen deutlich.
 

Anja Niedringhaus Heiligabend mit US-Marines im Camp Commando, Kuwait, 24. Dez. 2002 © picture alliance / AP / Anja Niedringhaus. Bildquelle © Ludwiggalerie Oberhausen 2026


Mit über 250 Aufnahmen zeichnet die Schau in der Oberhausener Ludwiggalerie das vielschichtige Werk der Fotografin nach; ergänzt durch persönliche Gegenstände wie ihren Blauhelm oder ihre Schutzweste. Es sind Fotografien von mehreren Konfliktregionen.
 

Anja Niedringhaus © picture alliance / AP / Peter Dejong. Bildquelle © Ludwiggalerie Oberhausen 2026

 

Anja Niedringhaus Ein irakisches Mädchen verlässt die Grundschule im Zentrum von Bagdad, 12. Okt. 2004 © picture alliance / AP / Anja Niedringhaus. Bildquelle © Ludwiggalerie Oberhausen 2026

 

Anja Niedringhaus (1965–2014), die ab 2002 für die US-amerikanische Agentur AP arbeitete, erfüllte ihre gefährlichen Missionen in Jugoslawien während des Balkankriegs, im Irak und in Afghanistan.
     Berühmt wurde sie durch ihre Fotografien von Frauen und Kindern im Balkan-Krieg. 2005 bekam sie den Pulitzer-Preis für ihre eindringlichen Aufnahmen vom Häuserkampf um Falludscha. Die rund 50 Kilometer westlich von Bagdad liegende sunnitische Hochburg ging als „Hölle von Falludscha“ in die US-Militärhistorie ein.
     Niedringhaus war die erste deutsche Fotografin, die diese Ehrung erfuhr. Und eine der wenigen Frauen, die sich in dem von Männern dominierten Metier einen Namen machte.
 
Bemerkenswert war, dass sie das ihr häufig angehängte Etikett „Kriegsfotografin“ ablehnte. Vielmehr verstand sie sich als eine Chronistin, deren Blick jenen Menschen galt, die selbst im größten Chaos, dem Tode nahe oder unter Verwundungen leidend, Routine und Würde bewiesen, wie es anlässlich eines Dokumentarfilms über sie hieß.
     Für diese Haltung und Bildsprache sei sie mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet worden. Anja Niedringhaus ging als Bildjournalistin an den Kriegsfronten den schmalen Grat zwischen bloßer Frontberichterstattung auf der einen und eine Nähe suchende Bildethik „ohne Voyeurismus zu bedienen“ auf der anderen Seite (siehe Filmhinweis unten).
 

Anja Niedringhaus Serena Williams, Wimbledon, 30. Juni 2012 © picture alliance / AP / Anja Niedringhaus. Bildquelle © Ludwiggalerie Oberhausen 2026

 

An vorderster Front, meist als einzige Frau, beobachtet sie vor allem die menschlichen Regungen sowohl der Soldaten als auch der Zivilbevölkerung, heißt es in der Oberhausener Ausstellung. Die unter dieser Perspektive geschaffenen Dokumentar-Fotografien gelten als zeitlos. Niedringhaus gilt mittlerweile als Vorbild einer ganzen Generation junger Fotojournalisten. Weniger bekannt, doch nicht weniger herausragend sind ihre Fotografien aus dem Bereich des Sports.

 

Anja Niedringhaus Usain Bolt gewinnt bei den Olympischen Spielen die Goldmedaille im 200m-Lauf, Peking 2008 © picture alliance, AP, Anja Niedringhaus. Bildquelle © Ludwiggalerie Oberhausen 2026

 

Vor allem Leichtathletik und Tennis gehörten zu ihren bevorzugten Disziplinen. So dokumentierte sie Weltmeisterschaften und Olympische Spiele und war fast zwanzig Jahre lang bei den Wimbledon Championships vor Ort dabei. Ein weiterer Bereich präsentiert sie als große Porträtistin.

     Am 4. April 2014 fiel die 49-Jährige einem Attentat zum Opfer, als sie im Auftrag ihrer Presseagentur als Wahlberichterstatterin in Afghanistan unterwegs war. Sie hinterließ ein umfangreiches und vielschichtiges Werk, das in der Ausstellung der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen in seinen Schwerpunkten sowohl in Schwarz-Weiß als auch in intensiven Farbfotografien vorgestellt wird.
rART/bra

 
Filmhinweis:
Der von der Journalistin und Regisseurin Sonya Winterberg erstellte Dokumentarfilm „Anja Niedringhaus – Die Fotografin und der Krieg“ hatte 2025 auf dem Filmfestival Cologne Premiere und war vor Kurzem in der ARD zu sehen (ARD Mediathek mehr ). „Die Dokumentation erzählt die Geschichte einer Bildjournalistin, deren Fotografien ein Vierteljahrhundert lang die Titelseiten prägten – und deren Tod 2014 in Afghanistan bis heute Fragen aufwirft… Der Film verknüpft Biografie, Arbeitsweise und medienhistorische Einordnung mit einer kritischen Betrachtung der politischen Hintergründe – und formuliert damit weit mehr als ein Porträt: Er ist ein Kommentar zur Verantwortung von Militär, Politik und Medien im Krieg.“ (aus: Profifoto Magazin für Fotokultur und -Technik)
 

Die Ausstellung Anja Niedringhaus – An vorderster Front Pulitzer-Preisträgerin, Pressefotografin, Porträtistin wird bis zum 13. September 2026 gezeigt.
Ludwiggalerie
Schloss Oberhausen

Konrad-Adenauer-Allee 46
46049 Oberhausen
Tel. 0208 / 4124928
Öffnungszeiten
DI – SO 11–18 Uhr


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