FOTOGRAFIE
Der Humanist mit der Kamera
Es schwappt eine Welle von Fotografie-Ausstellungen durch die rheinische Kulturlandschaft. Aktuell zeigt die Düsseldorfer Leica Galerie den berühmten, aber eher seltener zu sehenden Magnum Fotografen Werner Bischof.
|
Werner Bischof Im Innenhof des Meiji Tempel, Tokyo, Japan 1951 © Werner Bischof Estate _ Magnum Photos.jpeg Bildquelle © Leica Galerie Düsseldorf |
Nach Salgado in Köln, Robert Capa in Monschau und Anja Niedringhaus in Oberhausen ist dies die vierte schwergewichtige Fotoschau. Sie titelt Werner Bischof - Zwischen Farbe und Schwarzweiß und sie widmet sich dem facettenreichen Schaffen des Schweizers. Dabei richten die Kuratoren den Blick auf eine bislang weniger bekannte Seite Bischofs: den frühen und bewussten Umgang mit Farbe. Das ist nicht nur für Fotoenthusiasten ein interessanter Aspekt im Werk des Fotojournalisten.
|
Werner Bischof Modell mit Stoff Zürich, Schweiz 1939 © Werner Bischof Estate _ Magnum Photos. Bildquelle © Leica Galerie Düsseldorf
|
Die Ausstellung präsentiert seltene Farbfotografien von Bischof neben seinen berühmten Arbeiten in Schwarzweiß, darunter die legendäre Meiji-Tempel-Fotografie (siehe oben).
Die sehenswerte Schau eröffnet damit einen erweiterten Blick auf einen der bedeutendsten Fotografen des 20. Jahrhunderts. Sichtbar wird ein Werk, in dem sich dokumentarische Genauigkeit, künstlerische Sensibilität und ein feines Gespür für Licht, Komposition und Atmosphäre auf besondere Weise verbinden.
Bekannt ist Werner Bischof vor allem für seine ikonische Monochromfotografie. Umso bemerkenswerter ist nun die Gegenüberstellung mit frühen Farbarbeiten, die zeigen, dass Farbe für ihn weit mehr war als ein technisches Experiment. In der Zusammenschau wird deutlich, wie sich beide Ausdrucksformen in seinem Werk wechselseitig ergänzen. Beispiele sind seine Pflanzenfotografien wie auch Portraitaufnahmen.
|
Werner Bischof Orchideen Studie, Zürich, Schweiz 1943, © Werner Bischof Estate _ Magnum Photos.jpeg Bildquelle © Leica Galerie Düsseldorf
|
Erstaunlich an der Vita von Werner Bischof (1916–1954) ist die relative Kürze seines fotografischen Schaffens von weniger als zwei Jahrzehnten. Er hinterließ rund 60.000 Fotografien.
Quasi als Teenager nahm er bereits 1932 ein Studium von Grafikdesign und Fotografie an der Kunstgewerbeschule Zürich auf und schloss es vier Jahre später ab. Dabei orientierte er sich am Stil der Neuen Sachlichkeit. Sein Interesse an Avantgarde-Kunst und Fotografie führte ihn 1939 nach Paris. Dort, so ist überliefert, habe er sich umgesehen und informiert, um Maler zu werden. Aber der Kriegsausbruch zwang ihn zurück in seine neutrale Heimat, und zu einem zweijährigen Militärdienst. Ab 1942 war Bischof fotografischer Mitarbeiter des ein Jahr zuvor gegründeten Schweizer Kulturmagazins DU. Kriegserfahrungen an der Grenze sowie Kontakte mit Kriegsflüchtlingen formten seine Einstellungen. Er lieferte als Fotojournalist sozialkritische Lichtbilder, Essays und Dokumentationen über das verwüstete Nachkriegseuropa.
|
Werner Bischof Apfel mit Schatten, Zürich, Schweiz, 1949 © Werner Bischof Estate _ Magnum Photos.jpeg Bildquelle © Leica Galerie Düsseldorf
|
Es war der Start in seine Fotografenkarriere. 1949 trat er der schon damals namhaften Fotoagentur Magnum bei. 1951 hielt sich Bischof sechs Monate in Indien auf und erlebte den schwierigen Aufbruch des Subkontinents nach der Unabhängigkeit.
Danach verbrachte er mit Unterbrechungen ein Jahr in Japan mit Kurzvisiten in Korea und Hongkong. Es folgten 1952 Einsätze für Magnum als Kriegskorrespondent wie auch für die französische Illustrierte Paris Match mit Reisen nach Indochina, erneut Indien und Ceylon (dem heutigen Sri Lanka). 1953 bereiste er die USA, schließlich verschlug es ihn 1954 nach Mexiko City.
Seine Arbeit in Mittel- und Südamerika, mit Stationen in Panama, Santiago de Chile und Lima, sollte seine Letzte im Auftrag von Magnum und des US-Magazins Life sein. Am 16. Mai 1954 verunglückte Bischof tödlich bei Trujillo (Peru), als sein Wagen in den Anden in eine Schlucht stürzte.
Werner Bischof war nie der Mann des reißerischen, schnellen Bildes und der peppigen Überschriften. Er hatte eher künstlerische Ambitionen und galt aufgrund seines ausgeprägten sozialen Engagements und der tiefen Menschlichkeit sowie seines scharfen Blickes für die Wirklichkeit, vor allem für die sozialen Nöte, als Humanist mit der Kamera. Er veröffentlichte Werke wie 1953 Menschen im Fernen Osten im Sonderheft DU sowie posthum 1957 die Publikation Unterwegs, mit Texten (von Manuel Gasser) und Fotos seiner Reiseetappen Indien, Indochina, Hongkong und Japan.
rART/cpw
► Die Gründer der Bildagentur Magnum Henri Cartier-Bresson (mehr), Robert Capa und David Seymour waren bereits zum Zeitpunkt von Bischofs Beitritt bekannte Namen.
Die Ausstellung Werner Bischof – Zwischen Farbe und Schwarzweiß wird bis 22. August 2026 gezeigt.
Leica Galerie Düsseldorf
In der Kö Galerie
Königsallee 60
40212 Düsseldorf
Tel 0211 54282726
Öffnungszeiten
MO – SA 10 – 19 Uhr
Das könnte Sie auch interessieren.
Salgado in Köln hier
Robert Capa in Monschau hier
Anja Niedringhaus An vorderster Front hier
Fotos für die Ewigkeit hier
Chargesheimer Cologne intime hier











