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rheinische ART 03/2026

SURREALISMUS
Leonoras Bilderrätsel


Es sind schon seltsame Darstellungen, changierend zwischen Surrealismus, Mythologie und Esoterik. Die Welt von Leonora Carrington (1917–2011) war bestimmt durch eine immer währende Suche nach neuen Darstellungen.

 

Leonora Carrington Artes 110, 1944 © NSU Art Museum Fort Lauderdale; gift of Pearl and Stanley Goodman © 2026 Estate of Leonora Carrington / ADAGP, Paris Bildquelle © Musée du Luxembourg Paris 2026

 

In Paris präsentiert das Musée du Luxembourg die englische Surrealistin in einer großen Retrospektive. Die als vielseitige Künstlerin titulierte Carrington, in den späten Dreißigerjahren liiert mit dem  Rheinländer Max Ernst, wird von den Pariser Kuratoren als unermüdlich Reisende beschrieben, die mit unstillbarer Neugier Grenzen, Genres und Epochen überschritten habe.

 

Portrait de Leonora Carrington © BPK, Berlin, Dist. GrandPalaisRmn / image Archiv Landshoff. Bildquelle © Musée du Luxembourg Paris 2026

 

Geboren 1917 in ländlichen Clayton Green, Lancashire, wuchs sie in begüterten Verhältnissen auf einem neugotischen Landsitz namens Crookhey Hall auf.

   Nur vordergründig dürfte man sie als Höhere Tochter angesehen haben, denn ihre Entwicklung verlief alles andere als stereotyp.

   Das begann schon mit dem Vorlesen von Märchen. Dies gehörte offenbar zur Tradition der Textilfabrikantenfamilie. Denn das Kind Leonora und ihre drei Brüder wurden von Mutter, Großmutter und Kindermädchen reichlich mit Fabeln, Geschichten, Fantasy-Storys, Mythen und Schauerromanen versorgt. Auf jeden Fall auch mit Lewis Carrolls „Alice im Wunderland“. Das hatte Folgen!


Denn die Geister, Buhmänner, Schimären und Dämonen aus Kinderjahren verließen sie nie und wurden Gegenstand ihrer Kunst.

   Mit knapp Zwanzig ging sie nach Paris und traf auf die Surrealisten. Diese neue Welt war an keine traditionellen Regeln gebunden. Dort konnte sie als Malerin agieren und alle Phantasien ausleben, wie sie es wollte, und von da an gab es kein Zurück mehr für sie.

 

Ausstellungsplakat Le Bon Roi Dagobert (Elk Horn), 1948 © 2026 Estate of Leonora Carrington / ADAGP, Paris. Bildquelle © Musée du Luxembourg Paris 2026

Mit Ernst verband sie eine stürmische Liebelei und mit ihm brannte sie durch. Das Resultat: Sie brach mit ihrer Familie im konservativen England.

   Künstlerisch begann sie, ihr eigenes mystisches Werk zu entwickeln und ließ in ihrer Malerei Mythen, Alchemie und Schamanentum zu einem kosmischen Ganzen verschmelzen. Oder zu einem „fiebrigen Labyrinth“ wie es Kritiker sahen.

   Bizarre Landschaften, mysteriöse Figuren von Kobolden bis Drachen und allerlei phantastisch-surreale Fabelwesen bevölkern ihre Werke und brachten sie damit stilistisch nicht nur in die Nähe von Max Ernst, sondern auch der Surrealisten-Größen wie Salvador Dalí oder Balthus.

 

Noch jüngst, 2024, war Carrington im Centre Pompidou in Paris anlässlich des 100-Jahre-Jubiläum der höchst kreativen Kunstrichtung Surréalisme unter diesem Titel mit großem Pomp und Bravour zu sehen. Dass sie ein visionärer und innovativen Geist war, eine Rebellin gegen die seinerzeit herrschenden Konventionen, wird auch in der aktuellen Schau überaus deutlich.

 

Diese Ausstellung präsentiert Carrington als „Vitruvianische Frau“: als eine Gesamtkünstlerin, beispielhaft in Harmonie und Innovation. Der chronologisch und thematisch gegliederte Rundgang beleuchtet ihre Leidenschaften und ihre Reiselust: die in Florenz entdeckte italienische Klassik, den Einfluss der Renaissance, ihre keltischen und nachviktorianischen Wurzeln sowie ihre Auseinandersetzung mit dem französischen Surrealismus. Jeder Ausstellungsraum birgt Überraschungen und Symbole, die es dem Besucher überlässt, entschlüsselt zu werden. Für alle gilt daher: Bitte genau hinsehen!
rART/cpw


 Fast, so kann heute angenommen werden, wäre sie die dritte Ehefrau des 26 Jahre älteren Max Ernst (1891–1976) geworden. Die Besetzung Frankreichs im Zweiten Weltkrieg 1940 trennte sie. Nachdem sie den bereits arrivierten Ernst um1937 in Paris kennengelernt hatte, lebte sie mit ihm bis zu dessen Internierung drei Jahre später in einem Versteck in Saint-Martin-d´Ardèche (Südfrankreich). Carrington floh unter dramatischen Bedingungen über Spanien nach Portugal und traf dort noch einmal auf ihren zeitweiligen Lebensgefährten, der sich allerdings der US-Mäzenin Peggy Guggenheim zugewandt hatte und diese auch kurzeitig später ehelichte. Leonora Carrington emigrierte schließlich nach Mexiko und lebte dort bis zum ihrem Tode.

 

Die Ausstellung Leonora Carrington kann bis zum 19. Juli 2026 besucht werden.
Musée du Luxembourg
19 rue de Vaugirard
75006 Paris
Öffnungszeiten
DI– SO 10.30 – 19.00 Uhr
MO 10.30 – 22.00 Uhr

 

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