CÉZANNE
Sehnsuchtsorte in Öl
Zum ersten Mal in ihrer Geschichte widmet die Fondation Beyeler eine Einzelausstellung Paul Cézanne, dem Pionier der modernen Kunst. Der Maler ist gleichzeitg der zentrale Künstler in der Beyeler- Sammlung.
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Paul Cézanne La Montagne Sainte-Victoire vue des Lauves (Die Montagne Sainte-Victoire, von Les Lauves aus gesehen) um 1904, Öl auf Leinwand, 54 x 65 cm. Copyright © Privatsammlung, Derbyshire Foto: Christie’s Images / Bridgeman Images. Bildquelle © Fondation Beyeler 2026 |
Er galt als der Jahrhundertmaler schlechthin. Und Ausstellungen mit seinen Werken ziehen immer wieder Tausende in den Bann.
Paul Cézanne (1839–1906) war zu Lebzeiten ein Künstler für Künstler. Andere impressionistische Maler und Bildhauer wie Monet, Degas oder Pissaro schätzten ihn und kauften seine Bilder. Kaum ein Künstler war zum Ende des 20. Jahrhunderts einflussreicher für die nachfolgenden Generationen mit Matisse, Picasso und Mondrian sowie Giacometti.
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Paul Cézanne Groupe de Baigneuses (Gruppe von Badenden), um 1895. Öl auf Leinwand, 47 x 77 cm, Copyright © Ordrupgaard, Kopenhagen. Foto: Anders Sune Berg. Bildquelle © Fondation Beyeler 2026 |
Aber kommerziellen Erfolg hatte der Maler aus Aix-en-Provence erst in den letzten Lebensjahren, da war er schon über Sechzig und die wirklich breite Anerkennung folgte erst kurz vor und vor allem nach seinem Tod.
Es war eine Diabetes-Erkrankung, die ihn sehr geschwächt hatte und ihn zu einem zurückgezogenen Leben zwang. Dennoch arbeitete er unermüdlich bis zu seinem Tode und hinterließ zahlreiche unvollendete Gemälde. Im Oktober 1906 geriet Cézanne beim Malen in freier Natur in ein Unwetter und zog sich eine Lungenentzündung zu. Er starb 67-jährig daran wenige Tage später am 23. Oktober 1906.
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Paul Cézanne Portrait de l´artiste a la palette (Selbstbildnis mit Palette), um 1890, Öl auf leinwand, 92 x 73 cm, Copyright © Sammlung Emil Bührle, Dauerleihgabe im Kunsthaus Zürich. Bildquelle © Fondation Beyeler 2026
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Paul Cézanne schlug mit seiner Malerei eine Brücke zwischen Impressionismus und Abstraktion, heißt es in der Ausstellung in Riehen (Schweiz).
Durch die formale Reduktion auf geometrische Grundelemente und eine neue Art der Perspektive wurde er zum Wegbereiter des Kubismus. Die Umgebung seiner Heimatstadt Aix-en-Provence war häufig Gegenstand seiner Gemälde, in denen er eine „Harmonie parallel zur Natur“ zu erreichen suchte.
Die Schau im Kunstmuseum Beyeler legt ihren Schwerpunkt auf die Spätphase seines Werkes und zeigt rund 80 Arbeiten aus dem Zeitraum, der ihn „in Hochform“ sah. Er gestaltete revolutionäre Bilder, die Generationen von Kreativen bis heute inspirieren.
Die Ausstellung macht deutlich, wie Cézanne die Malerei veränderte und er so, wie Pablo Picasso einmal sagte, zum „Vater von uns allen“ wurde. Mehr Anerkennung und Verehrung ist kaum möglich!
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Paul Cézanne La Route Tournante (Matinee de Printemps a Saint-Antonin) Straßenbiegung (Frühlingsmorgen in Saint-Antonin) 1900-1906, Öl auf Leinwand, 82,1 x 66 cm, Copyright © National Gallery of Art, Washington D. C., Sammlung Mr. und Mrs. Paul Mellon, 1985. Bildquelle © Fondation Beyeler 2026
Paul Cézanne La Montagne Sainte-Victoire, Vue des Lauves (Die Montagne Sainte-Victoire, von Lauves aus gesehen) um 1904/05, Öl auf Leinwand, 63,8 x 81,6 cm. Copyright © The Nelson-Atkins Museum of Art, Kansas City, Missouri, Ankauf William Rockhill Nelson Trust. Image courtesy of Nelson-Atkins Digital Production & Preservation. Bildquelle © Fondation Beyeler 2026
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Die Besucher der Ausstellung dürften fasziniert sein. Ihnen werden geheimnisvolle Porträts, paradiesische Badende, Sehnsuchtslandschaften aus der Provence und sein Lieblingssujet, die Montagne Sainte-Victoire, die der Künstler in immer neuen Ansichten darstellte, präsentiert. Ein Lieblingsmotiv also, eine Art Wunschtraum-Landschaft.
Zu den Höhepunkten dieser Ausstellung zählt die Zusammenführung von neun Ansichten des „Malerberges“ Montagne Sainte-Victoire sowie die gemeinsame Präsentation der beiden seltenen Kartenspieler: zum einen das bekannte Werk aus der Londoner Courtauld Gallery, zum anderen die legendären Kartenspieler aus dem Musée d’Orsay in Paris.
Darüber hinaus sind 14 vielgerühmte Früchtestillleben und acht herausragende Porträts und Selbstporträts zu sehen. Mit „Der Mühlstein im Park des Château Noir“ (La pierre à moudre au parc du Château Noir / La meule), geschaffen 1894, wird zudem ein bedeutendes Werk aus Philadelphia gezeigt, das noch nie zuvor nach Europa ausgeliehen wurde, wie die Kuratoren betonen.
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Paul Cézanne in seinem Atelier in Les Lauves. Foto: Bernard Emile (1868–1941). Paris, musée d’Orsay, Copyright © GrandPalaisRmn (musée d’Orsay) / René-Gabriel Ojeda. Bildquelle © Fondation Beyeler 2026
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In seiner Spätphase wandte sich Cézanne verstärkt Motiven seiner Heimat, der Provence, zu. Gerade in ihr fand er jenes Experimentierfeld, aus dem heraus er seine Vorstellungen von einer erneuerten Malerei weiterentwickeln und entfalten konnte. Die provenzalische Landschaft war für ihn weit mehr als eine malerische Kulisse. Sie wurde zum Herzstück und zur Inspirationsquelle einer neuen, modernen Bildsprache.
Mit seinen Ansichten der Montagne Sainte-Victoire, des rund 18 Kilometer langen Kalksteinriegels in der Südprovence, und der Wälder im südlichen Licht prägte Cézanne nicht nur die Entwicklung in der Kunst mit, sondern auch die Art und Weise, wie die Region bis heute wahrgenommen wird.
Seine Gemälde machten diesen mediterranen Landstrich zu einem Sehnsuchtsort, in dem Natur, Stille und zeitlose Schönheit miteinander verschmelzen. Indem er die Landschaft in kraftvolle Farben übersetzte, verlieh er ihr eine ikonische Ausstrahlung, die weit über die Malerei hinauswirkt. Für heutige Betrachter offenbaren sich in seinen Provence-Motiven sowohl die Wurzeln der Moderne als auch jener magische Zauber, dem die Region ihre ungebrochene Anziehungskraft verdankt.
rART/K2M
Die Ausstellung Cézanne wird bis zum 25. Mai 2026 gezeigt.
Fondation Beyeler
Kunstmuseum
Baselstraße 101
4125 Riehen (Schweiz)
Tel +41 61 645 9700
Öffnungszeiten
Täglich 10 – 18 Uhr
Mittwoch bis 20 Uhr
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