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rheinische ART 01/2026

FOTOGRAFIE
Ein Farbgedächtnis


Wer ein Vierteljahrhundert kontinuierlich auf die Ethnien der Welt schaut und sie fotografisch erfasst, schafft ein besonderes Werk der Erinnerung. Jaime Ocampo-Rangel ist das gelungen.

 

Memory of Colors Huli, 2000-2025 (Ausschnitt) © Jaime Ocampo-Rangel. Bildquelle © LA8 Baden Baden 2026. Huli sind eine indigene melanesische Volksgruppe, die in der Provinz Hela in Papua-Neuguinea lebt.

 

Der 1960 in Kolumbien geborene Fotograf hat es sich zu einer Lebensaufgabe gemacht, weltweit bedrohte ethnische Völkerschaften und Minderheiten per Kamera zu dokumentieren. Nicht in der durchaus wirkungsvollen, klassischen und kontrastreichen Schwarz-Weiß-Fotografie, wie sie gerne für Portraitabbildung genutzt wird.

 

Memory of Colors Himba, 2000-2025 © Jaime Ocampo-Rangel, Bildquelle © LA8 Baden Baden 2026. Die Himba leben als indigenes Volk überwiegend nomadisch in Nord-Namibia.

 

Ocampo-Rangel arbeitete stets mit der Farbbild-Technik, um seine Intention zu erreichen: Das Erfassen der Menschen mit der jeweils für ihre Kultur dominierenden Farbe und ihren typischen Kleidungen.
   Ein immer noch interessanter fotodokumentarischer Ansatz, der ihn mittlerweile in Museen, Kultur- und Ausstellungshäuser brachte.
   Das Museum LA8 in Baden Baden, spezialisiert auf Projekte und Ausstellungen mit künstlerisch-technischen Schwerpunkten, zeigt Arbeiten von Ocampo-Rangel in der Schau Memory of Colors. Aufmerksamkeit erregte der Südamerikaner erstmals mit seiner Fotokollektion, in der bislang 40 Ethnien aus aller Welt abgebildet sind, 2010 mit einer Präsentation im UNESCO-Hauptquartier in Paris.
 

Ausstellungsansicht Bildquelle © LA8 Baden Baden 2026

 

Memory of Colors Sorbin, 2000-2025 © Jaime Ocampo-Rangel Bildquelle © LA8 Baden Baden 2026. Sorben (auch Wenden genannt) sind eine westslawische Ethnie, die vorwiegend in der Lausitz beheimatet ist.

 

Memory of Colors Karen, 2000-2025 © Jaime Ocampo-Rangel Bildquelle © LA8 Baden Baden 2026. Das Volk der Karen lebt in Thailand und Myanmar (ehemals Burma). 

 

Memory of Colors Bigouden, 2000-2025 © Jaime Ocampo-Rangel Bildquelle © LA8 Baden Baden 2026. Bigouden bilden eine ethnische Untergruppe der Bretonen und sind Nachfahren keltischsprachiger Einwanderer aus Britannien.

 

Im weiteren Sinne steht Jaime Ocampo-Rangel in der über 150 Jahren alten anthropologisch-ethnologischen Fototradition.
   Sie wurde in Deutschland in den frühen 1870er Jahren erstmals von der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte (BGAEU) praktiziert. Es handelte sich um wissenschaftlich orientierte Arbeiten im Rahmen der damals „Völkerkunde“ genannten Disziplin.
   Ihr deutscher Protagonist war der Hamburger Lichtbildner Carl Dammann, der Aufnahmen von verschiedenen ethnischen Gruppen in Afrika, Asien, Australien und Europa erstellte.
   Im Vordergrund stand seinerzeit das Interesse an physiognomisch-biologischen Fotos zur Bildung von Ordnungssystemen mit vermeintlich unterschiedlichen „Menschentypen“.
   Es waren somit keine „Farbfeste“ sondern Bildserien von Menschen in voller Gesichts- und Profilansicht, eine  Bestandaufnahme indigener Gruppen und ihrer äußeren Erscheinung und Charakteristik.
   Dammann hatte auch bereits 1870 Fotografien von japanischen Personen der Meiji-Restauration (mehr) in der ortsüblichen Kleidung als Studiobilder erstellt. Ungewöhnlich genug für Japan in dieser Umbruchszeit.
 
Anders die Ausstellung im LA8. Sie hat keinen wissenschaftlichen Hintergrund und Anspruch und kann eher der Kategorie „globale Kulturvielfalt“ zugeordnet werden, farbenfroh, unterhaltsam und interessant.
   Jaime Ocampo-Rangel fotografierte einzelne Personen oder Gruppen jeweils vor einem monochromen, farbigen Hintergrund. Die Farbe wählt er assoziativ, etwa nach Kleidung, Umgebung oder kultureller Bedeutung, wie es in der Ausstellung heißt.
   Nebeneinander gestellt ergeben die verschiedenen Farben der Fotografien einen vervielfachten Regenbogen, der für den Künstler die Mannigfaltigkeit der Menschen und Völker symbolisiert, ihre Schönheit und Gemeinsamkeiten. Memory of Colors versucht, diese immaterielle, kulturelle Vielfalt fotografisch zu bewahren.
rART/bra

► In der ethnologische Fotografie machten sich international die Briten Ludovico W. Hart (1864 im Elsass, Baden, Schweiz) und John Thomson (ab 1870 Kambodscha, China) einen Namen. In den Vereinigten Staaten fotografierte der Buchhändler Adam C. Vroman ab 1895 gemischte Ethnien des US-Südwesten, darunter Indianer. Der US-Fotograf Edward Sheriff Curtis (siehe mehr unten) verbrachte 30 Jahre seines Lebens damit, ab etwa 1885 die Sitten und Gebräuche der Indianer Nordamerikas darzustellen. Teilweise zählen diese Foto-Arbeiten heute zum Weltdokumentenerbe.

Die Ausstellung Memory of Colors: Jaime Ocampo-Rangel ist bis zum 8. März 2026 geöffnet.
Museum LA8
Museum für Kunst und Technik des 19. Jahrhunderts

Lichtentaler Allee 8,
76530 Baden-Baden
Tel 07221 9954586
Öffnungszeiten
DI - SO 11–18 Uhr
 

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