rheinische ART
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rheinische ART 01/2026

 

Der Kodex der Stiftsdamen Biblische Schriftstücke aus männlicher Hand und Feder sind die Regel, aus weiblicher hingegen sehr selten.

     In London kam beim Auktionshaus Christies´s jüngst ein Evangeliar aus dem frühen 10. Jahrhundert zur Versteigerung. Der deutsche Kodex stammte nach Recherchen vermutlich aus dem Frauenstift Essen. Jener bekanntlich ehemaligen Abtei, in der adelige Damen als „Kanonissinnen“ ihren intellektuellen Interessen nachgehen konnten, ohne sich für ein Leben als Nonne zu verpflichten.

     Wie das Auktionshaus bekanntgab, wurden die vier lateinischen Evangelien in bräunlicher und orangeroter Tinte von zwei der edlen Stiftsfrauen geschrieben. Damit gehört dieser einzigartige Kodex, der auch „Essener Abtei-Manuskript“ genannt wird, zu den überaus seltenen kirchlichen Schriftstücken, die von Frauen im Frühmittelalter verfasst wurden. Die Auktion erbrachte umgerechnet knapp über eine Million Euro (GBP 889.000). Einlieferer war das US-amerikanische Chicago Theological Seminary. Das biblische Manuskript war nach der Säkularisierung 1803 zunächst in Archive, dann in den Besitz des evangelischen Theologen und Literaturhistorikers August Friedrich Christian Vilmar (1800 –1868) gelangt. Nach dessen Tod wurde das „Essener Abtei-Manuskript“ in Frankfurt erstmal verauktioniert. bra