rheinische ART
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rheinische ART 03/2018

Archiv 2018
PETER BEHRENS
Der Allrounder am Rhein

 

In geradezu atemberaubendem Tempo entwickelte sich der aus Hamburg stammende Maler und Grafiker Peter Behrens ab 1896 zum Kunstgewerbler, Typografen und Architekten.

 

Peter Behrens Salonflügel, Schiedmayer, Stuttgart, 1900/1901, © MAKK, Foto: RBA Köln, Marion Mennicken

 

Zum 150. Geburtstag dieses kreativen Allrounders zeigt das Museum für Angewandte Kunst Köln (MAKK) seine Spuren im Rheinland.

 

Peter Behrens Kaiser’s Kaffeekanne mit Milchkännchen und Zuckerdose, Entwurf 1914, © Privatsammlung, Foto: Jan Rothstein

 

 

Peter Behrens Tafelbesteck „Modell 6200“, 1903, © MAKK, Foto: Jan Rothstein

 

Peter Behrens „Haus Behrens“ Mathildenhöhe Darmstadt, Fertigstellung 1901, Foto © WAM

 

Ikonen Die lachende Kaffeekanne von Kaiser’s Kaffee, das AEG-Waben-Logo, der Schriftzug „Dem Deutschen Volke“ am Berliner Reichstagsgebäude – fast jeder kennt diese Ikonen der Gestaltung. Aber nicht jedem ist der Urheber dieser und vieler weiterer Schöpfungen bekannt.
     Am 14. April 2018 jährt sich der Geburtstag des großen deutschen Designers und Baumeisters. Besonders sein Wirken um die Jahrhundertwende bis zur Werkbund-Ausstellung in Köln (mehr) hat tiefste Spuren in der Kunst- und Designgeschichte hinterlassen.


Den Beginn von Behrens internationaler Karriere markiert die Eröffnung der legendären Künstlerkolonie auf der Darmstädter Mathildenhöhe im Jahre 1899. Sie fand unter der Schirmherrschaft von Ernst Ludwig, dem letzten Großherzog von Hessen-Darmstadt, statt. Der Kunstmäzen erhoffte sich aus der Verbindung von Kunst und Handwerk eine ökonomische Belebung seines Landes und formulierte den Leitspruch „Mein Hessenland blühe und in ihm die Kunst“.
     Eine Reihe kreativer Köpfe folgte dem Ruf und fand sich daraufhin in Darmstadt ein. Darunter der von der Wiener Schule geprägte Designer und Architekt Joseph Maria Olbrich, der Maler und Textilgestalter Paul Bürck, der Reformpädagoge und Bildhauer Rudolf Bosselt und auch Peter Behrens. Er war von 1899 bis 1903 Mitglied der Künstlerkolonie.

     Für die erste große Ausstellung auf der Mathildenhöhe 1901 baute Behrens – als Architekturautodidakt – sein Erstlingswerk, das sogenannte „Haus Behrens“. Das zukunftsweisende Wohngebäude mit Atelier, dessen komplette Inneneinrichtung der Gestalter gleich mit entwarf, galt als ein sensationelles „Gesamtkunstwerk“ und machte Behrens schlagartig berühmt. Mit Gesamtkosten von 200.000 Mark war es allerdings auch das teuerste der Gebäude-Expo und sein Architekt bewohnte es nie, sondern verkaufte es.

 

Peter Behrens Gläsersatz mit rubinrotem Fuß, Rheinische Glashütten AG, Köln-Ehrenfeld, 1901, © MAKK, Foto: Jan Rothstein


Behrens verließ Darmstadt 1903, ging nach Düsseldorf und machte sich einen Namen als einer der führenden Kunstgewerbereformer. Bis 1907 leitete er die Düsseldorfer Kunstgewerbeschule und befasste sich mit nahezu allen Gestaltungsfragen.

     So entwickelte er beispielsweise das Corporate Design – lange bevor dies überhaupt ein Begriff war – für die Delmenhorster Linoleumfabrik Anker-Marke und ab 1907 für die Berliner AEG, als deren künstlerischer Beirat er tätig war. Bei der AEG kümmerte er sich um die gesamte Firmenwelt: Abgesehen von der völlig neuen Industrie-Architektur der legendären AEG -Turbinenhalle entwarf er für den Konzern elektrische Wasserkessel, Lampentypen und Heizstrahler bis hin zu Plakaten, Geschäftspapier und Reklamemarken. 

 

 

Zeitgenössische Darstellung „Tonhalle“ Köln, Entwurf Peter Behrens. Foto © Museum für angewandte Kunst Köln MAKK Ausstellung #alleskönner 2018

 

Bahlsen Werkbund-Paket, Entwurf Peter Behrens Hannover, 1914, © Bahlsen GmbH & Co. KG. Fotoquelle MAKK 2018

 

Allgemein weniger bekannt sind andere Engagements von Behrens im Rheinland, so etwa in Köln. Für die „Deutsche Kunstausstellung“, die 1906 in dem Parkgelände „Flora“ der Domstadt stattfand, entwarf Peter Behrens eine Tonhalle, die, wie andere temporäre Gebäude dieser Freiluftschau, die stilistischen Strömungen des Jugendstils verdeutlichten und ein Jahr später wieder abgetragen wurden.
     Behrens zweites Kölner Großprojekt war die Beteiligung an einem Wettbewerb zum Bau einer Hängebrücke über den Rhein, die den Heumarkt mit dem rechtsrheinischen Deutz verbinden sollte. Der Auftrag ging allerdings an den damals höchst prominenten örtlichen Baumeister Carl Moritz – und dies nicht ohne Ärger. Denn Moritz´ architektonische Gestaltung der Rheinquerung war in großen Teilen dem von Behrens derartig ähnlich, das sich schnell der Vorwurf eines Plagiats einstellte.

     Im folgenden juristisch ausgefochtenem „Ersten Cölner Brückenstreit“ wurden zahlreiche namhafte Gutachter vom Landgericht Köln einbestellt. Der deutschlandweit beachtete Vorgang endete 1914 mit einer außergerichtlichen Einigung.

 

Die Ausstellung im MAKK vereint in acht Themenräumen rund 220 Objekte, darunter Exponate aus der eigenen Sammlung wie der Salonflügel (1901) aus dem Musikzimmer des „Haus Behrens“ in Darmstadt, aber auch ganz frühe Möbelentwürfe, Gläserserien sowie ein Unikat-Glas aus dem Jahr 1898. Hinzu kommen hochkarätige Leihgaben aus anderen Instituten und Privatsammlungen, die teilweise erstmals der Öffentlichkeit präsentiert werden. Der Fokus liegt dabei auf dem frühen Œuvre Peter Behrens‘ und seinem Wirken im Rheinland.

Claus P. Woitschützke

 

Mehr zu Peter Behrens als Designer, Architekt hier


Die Ausstellung ist ein Kooperationsprojekt mit dem LVR Industriemuseum Oberhausen und den Kunstmuseen Krefeld, die mit eigenen Präsentationen und ergänzenden Schwerpunkten folgen. Ab dem 22. April 2018 zeigt das LVR-Industriemuseum in Oberhausen die neue Dauerausstellung "Peter Behrens - Kunst und Technik". In den Kunstmuseen Krefeld, Kaiser-Wilhelm-Museum, folgt ab dem 18. Mai 2018 „Peter Behrens. Das Praktische und das Ideale“ mit einem Blick auf das angewandte Design des Meisters.


► Die drei Expositionen sind Teil des Prologs zum NRW-Verbundprojekt „100 jahre bauhaus im westen" im Jahr 2019. Eine gemeinsame Publikation mit insgesamt zwölf Themenheften ist in Vorbereitung. Das MAKK entwickelt dafür fünf Themenhefte, die sich bislang nicht publizierten Aspekten des Schaffens von Peter Behrens widmen.

 

Die Ausstellung #alleskönner Peter Behrens zum 150. Geburtstag wird bis zum 1. Juli 2018 gezeigt.
Museum für Angewandte Kunst Köln
MAKK

An der Rechtschule
50667 Köln
Tel +49 221.221 267 14
Öffnungszeiten
DI – SO 10 - 18 Uhr

 

 

 

 

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