GELESEN
Klosterfrau – neu erzählt
Kann eine Nonne die Welt ökonomisch erobern? Schwer vollstellbar. Aber im Falle der Maria Clementine Martin traf das vor rund 200 Jahren durchaus zu!
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Klosterfrau-Bus auf Werbetour in den Sechzigerjahren. Bildquelle © Klosterfrau Group. Abbildung im Buch auf den Seiten 146-147. © Greven Verlag Köln 2026 |
Eine außergewöhnliche Frau im Gewand einer Karmeliterin, ihr Erbe und eine längst weltberühmte Marke bilden ein überraschendes wie auch aktuelles Kapitel in der deutschen Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Haupthandlungsort: Köln!
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Historisches Portrait der Maria Clementine Martin. Bildquelle © Klosterfrau Group. Abbildung im Buch S. 69 © Greven Verlag Köln 2026
Buchcover. Bildquelle © Greven Verlag Köln 2026
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Bei der weltberühmten Marke handelt es sich um Klosterfrau, eine global anerkannte und erfolgreiche Unternehmung, deren ebenso weltberühmtes Produkt Melissengeist in diesem Jahr auf 200 Jahre kontinuierliche Produktion zurückblicken kann.
Seit 1826 versteht sich die heutige Klosterfrau Healthcare Group als einer jener Produzenten, deren Geschäftsleitbild von Kultur geprägt ist und Tradition und Innovation immer wieder neu zu verbinden sucht.
Klosterfrau und Kräuter, insbesondere die Melisse, sind ein fester Begriff in der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Erinnert sei an den Werbeslogan „Nie war er so wertvoll wie heute!“ Das alkoholreiche und rezeptfreie Arzneimittel, eine Kombination aus 13 Heilpflanzen, lindert bekanntlich eine Vielzahl von Beschwerden. Ein Hausmittel, das so gut wie jeder kennt.
Weniger bekannt ist hingegen, dass der Ursprung der in Köln ansässigen Klosterfrau Healthcare Group im Handeln einer einzelnen Frau lag: der Ordensfrau Maria Clementine Martin (1775–1843). Die Biografie der resoluten und durchsetzungsstarken Unternehmerin und Gründerin verschwand lange hinter dem Markennamen (mehr Biografisches hier).
Bei dem Kölner Greven Verlag ist nun ein reich bebilderter Band über die Nonne Martin und ihre Weltmarke Melissengeist erschienen. Unter dem Titel Klosterfrau. Eine Nonne erobert die Welt erzählen darin die Autoren Martin Oehlen und Petra Pluwatsch die Klosterfrau-Story erstmals umfassend.
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Produktionshalle aus der Nachkriegszeit. Bildquelle © Klosterfrau Group. Abbildung im Buch S. 124-125 © Greven Verlag Köln 2026 |
Ihre Texte basieren auf intensiven Recherchen im Firmenarchiv von Klosterfrau sowie weiteren regionalen Dokumentensammlungen. Entstanden ist das Portrait einer außergewöhnlichen Unternehmerin, die sich mit Entschlossenheit und ökonomischem Geschick in einer von Männern dominierten Gesellschaft behauptete.
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Flasche aus der Frühzeit der Klosterfrau-Produktion. Bildquelle © Klosterfrau Group. Abbildung im Buch S. 90 © Greven Verlag, Nina Gschoessl, Köln 2026
Arbeiterinnen am Fließband. Bildquelle © Klosterfrau Group. Abbildung im Buch S. 119 © Greven Verlag Köln 2026
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Dabei, so heißt es im Verlag Greven, wird deutlich: Was wie ein historischer Einzelfall erscheint, ist zugleich ein Beispiel für frühe Modernisierung und marktwirtschaftliches Denken.
Die Geschichte der Nonne Martin liest sich nämlich wie die eines erstaunlich frühen Start-ups, ausgehend von einer einzelnen, zugezogenen Frau – also im örtlichen Dialekt „enne imiteete Kölsche“, in diesem Falle aus Brüssel – dazu noch gutbürgerlicher Herkunft, die nahe des Kölner Doms eine Handelsmarke mit internationaler Strahlkraft entwickelte.
In dieser Entwicklung spiegelt sich nicht nur unternehmerischer Erfolg und beharrliches Wirken, sondern auch eine gutes Stück Kölscher Stadt- und Mentalitätsgeschichte.
Das wirklich Interessante an der Person der Maria Clementine Martin ist aus wirtschaftlicher Sicht ihr marktbezogenes Denken, ihre frühe Handhabe von Marketing-Instrumenten und die konsequente Verknüpfung tradierten Wissens mit ökonomischen Bedürfnissen.
Ganz konkret: Kräuterwissen, Selbstheilung und die Schöpfung einer „Medizin der kleinen Leute“. Auf die heutige Zeit übertragen war die fromme Ordensdame eine Pionierin für die viel beschworene Nachhaltigkeit, für Naturheilkunde und Selbstfürsorge.
Gleichzeitig, so betont der Verlag Greven, mache die Publikation sichtbar, „dass Ordensfrauen keine Figuren der Vergangenheit“ seien, sondern bis heute öffentlich „präsent, gesellschaftlich wirksam und Teil der aktuellen Debatten“ sind.
Das Autoren-Duo Oehlen/Pluwatsch bringt dem Leser diese Wirtschaftshistorie erzählerisch nahe. Entstanden ist ein Buch, umfangreich bebildert, lebendig erzählt und historisch fundiert.
rART/cpw
► Mit dem Titel knüpft der Greven Verlag an seine Programmlinie an: regionale Geschichten mit überregionaler Bedeutung, die Themen aus Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur neu erschließen und miteinander verbinden. Siehe hierzu auch die Verweise (Link oben) im Artikel „Die Magie der Melisse“.
Literaturhinweis
Martin Oehlen, Petra Pluwatsch. Klosterfrau. Eine Nonne erobert die Welt. Leineneinband mit Schutzumschlag. 200 Seiten, 153 Abbildungen, 24 x 29 cm. Greven Verlag Köln 2026. ISBN 978-3-7743-0995-1. Preis 40 Euro
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