FARBFELD-MALEREI
Rot ist Leben …
Eine umfangreiche Werkschau widmet das Emil Schumacher Museum in Hagen dem Maler, Hochschullehrer und Architekten Rupprecht Geiger (1908–2009), einem der bedeutendsten Vertreter der Farbfeldmalerei in Europa.
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Rupprecht Geiger Pinc contra orange (I), 2005, Acryl auf Leinwand / acrylic on canvas, 170 x 180 cm, Archiv Geiger, München. Foto: Andreas Pauly, München (WVZ 942) © VG Bild-Kunst-Kunst, Bonn, 2026. Bildquelle © Emil Schumacher Museum |
Seine unermüdliche Auseinandersetzung mit Form und Farbe, insbesondere der Farbe Rot, war ein besonderes Merkmal des Münchener Malers. Rupprecht Geiger erfuhr in den 1950er Jahren internationale Anerkennung und höchste Auszeichnungen.
Darunter die Verleihung des Salomon-Guggenheim-Preises, New York (1959) und des Rubenspreises der Stadt Siegen (1992). Er war Teilnehmer an sämtlichen bedeutenden Kunstbiennalen von Kassel bis São Paulo und vertrat Mitte der Siebzigerjahre die Auffassung: „Rot ist Leben, Energie, Potenz, Macht, Liebe, Wärme, Kraft. Rot macht high.“
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Rupprecht Geiger 399/63, 1963, Öl auf Leinwand / oil on canvas, 96 x 90 cm, Sammlung Lambrecht-Schadeberg Museum für Gegenwartskunst Siegen. Foto: Christian Wickler (WVZ 366) © VG Bild-Kunst-Kunst, Bonn, 2026. Bildquelle © Emil Schumacher Museum |
Für Rupprecht Geiger war Farbe generell ein eigenständiger Wert, der aus der Form gelöst eine eigene geistige Kraft zur Geltung bringe. Dafür schuf er Werke, die der Zeit voraus waren. Jedenfalls lange, bevor etwa der US-Künstler Frank Stella (mehr) – der ein Vierteljahrhundert jünger war und einer anderen Künstlergeneration angehörte – mit Farbfeldern und Minimal-Art von sich reden machte.
Geiger, der studierte Architekt mit Maurerlehre, war in Sachen Malerei ein Autodidakt. Er war ab 1940 Soldat an der Ostfront in Russland, später auch in Griechenland, und begann dort, als sogenannter Kriegsmaler verwendet, mit der Malerei. Da war er bereits ein Mittdreißiger.
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Rupprecht Geiger Pinc moduliert, 2005, Acryl auf Leinwand / acrylic on canvas, 100 x 100 cm, Archiv Geiger, München. Foto: Andreas Pauly, München (WVZ 944) © VG Bild-Kunst-Kunst, Bonn, 2026. Bildquelle © Emil Schumacher Museum
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Nach Kriegsende war Geiger 1949 Mitbegründer der Künstlergruppe ZEN 49. Von da an stand er als Hauptvertreter der gegenstandslosen Kunst im Zentrum der Kunstszene Westdeutschlands.
Geigers Kunst im öffentlichen Raum gestaltet bis heute das Bild vieler Städte und öffentlicher Gebäude wie beispielsweise das „Gerundete Blau“ am Kulturzentrum am Gasteig München aus dem Jahr 1987 (aktuell an einem Interimsstandort in Sendling „Gasteig HP 8“).
Oder die „Dreiteilige Wandgestaltung“ an der Ruhr-Universität in Bochum von 1975. Dabei handelt es sich um eine monumentale, über neun Meter umfassende achsensymetrische Wandmalerei „Ohne Titel“ in tonaler Abstufung, nuancenreich von Gelborange bis zu kräftigem Orangenrot reichend, und einem blauen Quadrat.
Studierende und Besucher der medizinischen Fakultät werden mit diesem Werk aufgefordert, sich auf die „Interaktion der Farben und auf ihre Wirkung im Raum“ einzulassen, wie die Hochschule betont.
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Nachtansicht des Emil Schumacher Museums in Hagen. Fotografie Werner Hannappel. Bildquelle © Emil Schumacher Museum 2026 |
Geigers lebenslange Faszination für Licht und Farbe, so heißt es im Emil Schumacher Museum, manifestiere sich unübersehbar in seinem Lebenswerk. Die frühen Aufzeichnungen in Reisetagebüchern mit detailliert ausgearbeiteten landschaftlichen Aquarellen bis hin zu den bildkräftigen, für Geigers Œuvre „geradezu ikonisch wahrgenommenen Farbfeldern zeugen von einer unbeirrbaren Konsequenz in der Hinwendung zu leuchtender Farbe in ihrer reinsten Strahlkraft.“
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Rupprecht Geiger Farbe als Licht (Leuchtorange), 2000, Acryl auf Leinwand / acrylic on canvas, 163 x 162 cm, Archiv Geiger, München. Foto: Andreas Pauly, München (WVZ 894), © VG Bild-Kunst, Bonn, 2026. Bildquelle © Emil Schumacher Museum
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Um die Vielseitigkeit und Entwicklung im Werk Rupprecht Geigers sichtbar zu machen, präsentieren die Kuratoren in Hagen Werke aus allen Schaffensphasen: dem Frühwerk entstammende Landschaften und Stillleben aus Tagebüchern sowie frühe Gouachen, die farbenprächtige Landschaften und mediterrane Stadtansichten zeigen.
Selten ausgestellte Grafit-Zeichnungen und die charakteristischen strahlenden Farbmodulationen laden ein, in sein Werk einzutauchen und mit ihnen in leuchtender Farbe zu schwelgen.
rART/bra
► Nachdem Rupprecht Geiger keine Professur in München erhielt, folgte er 1965 einem Ruf als Professor für Malerei an die Staatliche Kunstakademie Düsseldorf. Am Rhein lehrte er bis 1976. Seine Kollegen waren Norbert Kricke, Karl Bobek, Joseph Beuys (Bildhauerei), Hans Hollein (ab 1971) und Karl Wimmenauer (Architektur), Karl Otto Götz (mehr), Gerhard Richter (ab 1971 mehr) und Gerhard Hoehme (Malerei mehr).
Die Ausstellung Rupprecht Geiger Farbe – Licht – Energie ist bis zum 9. August 2026 verlängert worden.
Emil Schumacher Museum und Osthaus Museum
(Kunstquartier Hagen)
Museumsplatz 2
58095 Hagen
Tel 49 2331 3060066
Öffnungszeiten
DI – SO 12 – 18 Uhr
















