rheinische ART
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rheinische ART 02/2024

 

Wolf D. Harhammer Weissclown, Zirkus Hagenbeck, 1973 Silbergelatine-abzug 27,1 x 18,4 cm © VG Bild-Kunst, Bonn 2024. Bildquelle © Museum Folkwang 2024

 

Wolf D. Harhammer Artistin, 1973-1978 Silbergelatineabzug 27,3 x 18,4 cm © VG Bild-Kunst, Bonn 2024. Bildquelle © Museum Folkwang 2024

 

FOTOGRAFIE

Fundort: Bananenkiste

 

Manche fotografischen Nachlässe sind seltsam archiviert. So die des Stuttgarter Fotografen Wolf D. Harhammer.

 

Glücklicherweise fragte er beim Essener Folkwang Museum nach, was mit seinem umfangreichen Bildmaterial aus den Siebziger- und Achtzigerjahren geschehen solle.

     Sollten die Fotografien „in die Tonne“ oder erhalten bleiben? Wolf D. Harhammer (*1941) hatte Mitte der 1970er Jahre das bunte Zirkusleben sowie Menschen aus verschiedenen Kulturen hinter den Attraktionen auf dem Cannstatter Wasen und anderen Volksfesten in eindringlichen und berührenden Portraits festgehalten.

     Die Fotoserien, so der Autodidakt in einem Brief, lägen bei ihm „in Bananenkisten“ herum und er beschäftige sich mit der Frage, „was soll/kann damit geschehen??“. Es war unverkennbar eine Art Hilferuf.

 
Nach monatelangen Sichtungen, Bewertungen und systematischen Erfassungen durch Fachleute unter der Regie des Folkwang-Sammlungsleiters Thomas Seelig stand fest: 170 Arbeiten gehen in die Bestände der Fotografische Sammlung des Essener Museums.

     Eine Auswahl davon wird derzeit in Kombination mit Werken anderer Fotokünstler in der ersten Teilausstellung mit dem Titel Zwei Wirklichkeiten präsentiert. Eine zweite Schau folgt im Sommer. Wie sich zeigt: Es ist nicht nur Harhammers erste institutionelle Schau - vielmehr ist sie ein Gewinn für beide Seiten!


Die Welt, die der damals Mittdreißiger dokumentierte, war die der Rummelplätze, lokalen Brauchtumsfeiern, Zirkuszelte und Festwiesen. Seine Protagonisten waren Akrobaten, Clowns, Dompteure und Dresseure, Jongleure, Pantomimen, Trapezkünstler und Zauberer. Aber auch die Menschen hinter den farbigen Kulissen, die für den technischen Ablauf der Attraktionen und Illusionen in der Manege und unter dem Zeltdach verantwortlich waren: Temporäre Mitarbeiter für den Auf- und Abbau, Kassierer, Tierpfleger, Kostümschneiderinnen und die sogenannten Mädchen-für-alles!

 

Wolf D. Harhammer Travestie-Künstler, Wilson Varieté, 1972-1978 Silbergelatineabzug 27,3 x 18,3 cm © VG Bild-Kunst, Bonn 2024. Bildquelle © Museum Folkwang 2024

 

Harhammers Blick auf das Geschehen in der Zirkuswelt und auf den Jahrmärkten war kein flüchtiger. Er verstand sich stets als Teil der Gemeinschaft, die er mehr als fünf Jahre mit der Kamera ablichtete, wie es in der Ausstellung heißt.

     Vermutlich liegt hier der besondere Wert seiner nun fast ein halbes Jahrhundert alten schwarz-weißen Fotoserien.

     Sie geben Einblick in ein Milieu, in dem der Fotograf mit den Akteuren jahrlange lebte. Er teilte mit ihnen, was der Ausstellungstitel ausdrückt – nämlich die zwei Wirklichkeiten. Das ungeschminkte Leben im Bademantel und mit der schnellen Kaffeetasse zwischen Wohnwagen und Garderobe, und die Auftritte vor Publikum im glitzernden Licht der Manege, auf Pferderücken oder am Trapez. Ein nüchtern-dokumentarisch abgelichteter Mikrokosmos. In der Tat eine Wiederentdeckung!
rART/bra


 Die fotografische Untersuchung gesellschaftlicher Wirklichkeit ist das Thema eines zweiten Ausstellungsteils, der ab 11. Juni bis 1. September 2024 rund 40 weitere Fotografien Harhammers präsentiert. Mit Arbeiten unter anderem von Barbara Klemm, Michael Kerstgens und Rudi Meisel werden Verbindungslinien zwischen Harhammers Portraitwerk und dokumentarischen Positionen der 1970er und 1980er Jahre aus der Fotografischen Sammlung gezogen.

 

Die Ausstellung Wolf D. Harhammer. Zwei Wirklichkeiten wird bis zum 26. Mai 2024 gezeigt. Der Eintritt ist frei.
Museum Folkwang
Museumsplatz 1
45128 Essen
Tel. 0201 / 8845-444
Öffnungszeiten
DI, MI + SO 10 – 18 Uhr
DO + FR 10 – 20 Uhr

 

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