MUELLER-STAHL
DDR – BRD – USA
Es gibt kaum deutsche Filmstars, deren künstlerische Vita mindestens vier kreative Talente, Erfolge in drei Staaten mit zwei politisch-gesellschaftlichen Welten auf zwei Kontinenten und einen beglückten Lebensabend verzeichnet.
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Armin Mueller-Stahl im Atelier. Foto: © Dr. Julia Hümme, Ostholstein-Museum Eutin. Bildquelle © Museum Schloss Moyland |
Wenn es stimmt, dass sich alternde Schauspieler, gerne mit Promibonus, bemüßigt fühlen, in der Hobby-Malerei ihre Gedankenwelt öffentlich zu machen – ob recht oder schlecht – dann gehört der 95-jährige Armin Müller Stahl (*17. Dezember 1930) nicht dazu.
Der spätere internationale Filmstar suchte nicht die Kunst in Form der Malerei, sie kam zu ihm. Und das bereits in jungen Jahren. Er habe bereits als Dreijähriger gemalt, wird er zitiert. „Ich komme aus einer Familie, die unentwegt gezeichnet und gemalt hat. Also kam nicht ich zur Kunst - die Kunst kam quasi zu mir." Mueller-Stahl gehört zu den raren künstlerischen Mehrfachbegabungen in der deutschen Kulturgeschichte. Die Ausstellung Armin Müller-Stahl Nacht und Tag auf der Erde, die derzeit im niederrheinischen Museum Schloss Moyland zu bewundern ist, zeigt, was gemeint ist.
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Armin Mueller-Stahl Better you show me, aus: Night on Earth – Day on Earth (Mappenwerk), 2004 © VG Bild-Kunst, Bonn 2026, Foto: © Kunsthaus Lübeck. Bildquelle © Museum Schloss Moyland
Avalon Flm von 1990, IMAGO, Mary Evans. Bildquelle © Museum Schloss Moyland
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Die Präsentation umfasst eine erstaunlich große mediale Bandbreite von Gemälden, Zeichnungen, Lithographien, Radierungen über meisterhaft ausgeführte druckgrafische Zyklen, neue Arbeiten auf Papier bis zu den jüngsten Porträts jüdischer Freunde und Weggefährten.
Erfahrungen und Begegnungen in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR), der Bundesrepublik Deutschland (BRD) und den Vereinigten Staaten von Amerika (USA) haben das Leben von Mueller-Stahl ohne Zweifel geprägt und spiegeln sich in seinen Werken, wie der Besucher unschwer erkennen kann.
Diese Vielschichtigkeit des aus Tilsit/Ostpreußen stammenden Malers, Musikers, Schriftstellers und Schauspielers bilde eine Ausnahmeerscheinung in der Kunst des 21. Jahrhunderts, betonte das ausstellende Haus. Die Lebensphilosophie des Künstlers: „Das Malen, Schreiben, Musizieren und die Schauspielerei gehören für mich einfach zusammen."
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Armin Mueller-Stahl Joseph Beuys, 2023-2025 © VG Bild-Kunst, Bonn 2026 Foto: © Margret Witzke. Bildquelle © Museum Schloss Moyland
Armin Mueller-Stahl Billy Wilder, 2020 © VG Bild-Kunst, Bonn 2026 Foto: © Margret Witzke. Bildquelle © Museum Schloss Moyland
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Was die Malerei in späteren Jahren angeht, heißt es: Während seiner Schauspielkarriere habe Armin Mueller-Stahl stets die Film-Skripte zum Malen und Zeichnen benutzt, um einen Arbeitstag am Set abzuschließen. Die Bilder drückten seine Emotionen während der Dreharbeiten aus, illustrierten die Szene oder die Schauspielkollegen. An die Öffentlichkeit ging er mit seinen Kunstwerken erst spät – nämlich erst mit siebzig Jahren.
Im Filmmuseum Babelsberg, später in Schwerin, präsentierte der Filmstar zur Jahrtausendwende rund 100 Werke. „Mein Leben lang habe ich Haltungen beobachtet und übertragen, ich spiele und zeichne sie" kommentierte er, und dies seit einem halben Jahrhundert! Den Besuchern offenbarten die frühen Ausstellungen bemerkenswert viele Portraits und biographische Momentaufnahmen aus der Film- und Theaterszene.
Es sei daran erinnert: Als einzigem deutschen Filmschauspieler wurde Armin Mueller-Stahl in beiden deutschen Staaten und in Hollywoods legendärer Filmindustrie große Anerkennung zuteil. Für seine Rolle in dem US-Drama Shine – Der Weg ins Licht wurde er 1997 für den Oscar als bester Nebendarsteller nominiert.
Dabei wäre er, nach eigenem Bekunden, gerne Dirigent oder Komponist geworden. Als studierter Konzertgeiger und ausgebildeter Musiklehrer pflegt Mueller-Stahl seine Affinität zur Musik bis heute ausgesprochen intensiv. In einem Interview mit dem NDR 2025 bekannte er, seine Frau bestünde darauf, „dass ich jeden Tag einmal kurz – wie Zähneputzen – Geige spiele oder Klavier. Und das tue ich, das ist gut für Synapsen. Die Musik bleibt lebendig, bleibt bei mir.“ Danach geht’s zum Malen ein Stockwert tiefer.
Die Moyland-Ausstellung bietet zudem Einblicke in seine Biografie, seine dramatischen Lebensereignisse wie Vertreibung und Heimatlosigkeit, auf historische Begebenheiten, wichtige Ausstellungen sowie die Bücher und Filmografien des Künstlers.
Ferner werden die Zeiten politischer Unterdrückung, Spionage und Migration aufgegriffen und das Spannungsfeld zwischen seinem Leben in der DDR, der BRD und den USA dargestellt.
rART/ cpw
► 1976 unterzeichnete Armin Mueller Stahl in der DDR eine Petition für den ausgebürgerten Liedermacher Wolf Biermann. Danach bekam er quasi Berufsverbot und wurde überwacht. Nach mehreren Ausreiseversuchen durfte er 1980 in die Bundesrepublik übersiedeln. Er folgte damit seinem Berufskollegen und Freund Manfred Krug (1937–2016). Krug war bis zur Übersiedlung 1977 einer der bedeutendsten Künstler der DDR (Film: Spur der Steine).
► Mueller-Stahl verkörperte in der DDR-Zeit charakterstarke, prägende Figuren und war mehrfach beliebtester Film- und TV-Darsteller. Zu den markanten Rollen gehörte die eines Kommandeurs einer DDR-Betriebskampfgruppe, der den Bau der Berliner Mauer rechtfertigt, in dem seltener zu sehenden Film … und deine Liebe auch. Das filmtechnisch brillant gedrehte Schwarz-Weiß-Stück erinnert an die französische Filmtradition der späten Fünfzigerjahre.
► Die Ausstellung findet in zwei Gebäudeteilen statt, im Erdgeschoss des Schlosses und in der Ausstellungshalle (rechte Vorburg). Kuratiert von Antje-Britt Mählmann. Die Präsentation entstand als Kooperation des Museums Schloss Moyland mit der Kunsthalle Emden und der Kunst- und Kulturstiftung Opelvillen Rüsselsheim.
Die Ausstellung Armin Mueller-Stahl – Nacht und Tag auf der Erde wird bis zum 20. September 2026 präsentiert.
Stiftung
Museum Schloss Moyland
Am Schloss 4
47551 Bedburg-Hau
Telefon +49 2824 9510-60
Öffnungszeiten
Sommer (1. April – 31. Oktober)
MO 11–17 Uhr (nur Parkanlage)
DI – Fr 11–18 Uhr
SA, SO. und Feiertage 10–18 Uhr
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