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rheinische ART 08/2026

BILDERFAKE
Täuschen und tricksen


Bildfälschungen hat es gegeben, lange, bevor die Künstliche Intelligenz (KI) in die Welt gesetzt wurde.

 

Jan van Kessel d. Ä. (zugeschrieben), Tableau mit Insekten (Detail), um 1660, © Arp Museum Bahnhof Rolandseck/Sammlung Rau für UNICEF, Foto: Mick Vincenz

 

Angesicht der mit Wucht einschlagenden manipulierten und/oder KI-generierten Fotografien (Fakes) fragt sich der verunsicherte Leser oder Betrachter: War das immer so? Irgendwie schon. Da ist die aktuelle Ausstellung im Arp Museum Bahnhof Rolandseck eine wahre Fundgrube für historische, eindrucksvolle Manipulationen und fragt: Wie wahrhaftig ist eigentlich die Kunst früherer Zeiten gewesen?

 

Adriaen Coorte, Vanitas-Stillleben, 1686 © Arp Museum Bahnhof Rolandseck / Sammlung Rau für UNICEF, Foto: Mick Vincenz

 

Colyn de Coter, Hl. Veronika mit dem Schweißtuch, um 1510, © Arp Museum Bahnhof Rolandseck/Sammlung Rau für UNICEF, Foto: Peter Schälchli, Zürich

 

Mit 71 Werken aus mehreren Jahrhunderten belegt die Ausstellung unter dem Titel Wirklich - Kunst und Realität 1400 bis 1900, dass immer getäuscht, retuschiert, montiert, arrangiert und inszeniert wurde – vom Mittelalter bis in die Neuzeit.

     Was also ist wirklich – was ist wahr? In Zeiten von KI, Filtern und Fake News schwindet das Vertrauen in die Wahrheit von Bildern, heißt es im Arp Museum.

     Historische Gemälde und Skulpturen betrachtet man heutzutage gerne als scheinbar neutrale, wahrhaftige direkte Zeugnisse der Vergangenheit. Doch da ist Vorsicht geboten. Denn Bilder hatten damals wie heute große Macht und wirken auf verschiedene Weise auf den Betrachter.


Mit der Ausstellung sollen die Besucher dafür sensibilisiert werden, dass die in der Kunst vermittelte Realität für jeden und jede etwas anderes bedeuten kann – je nachdem, zu welcher Zeit und mit welchem Wissen sie betrachtet wird.

     Bisweilen muten die Realitäten, auf die des Betrachters Blick gelenkt wird, fremd an, zumal heute. Für die Menschen vergangener Zeiten waren sie aber ohne Zweifel wahrhaftig. „Wir sehen nur, was wir wissen“, so Johann Wolfgang von Goethe. Arp-Kuratorin Susanne Blöcker ergänzt: „Und was wir sehen, ist kulturell geprägt.“

 

Hendrik ter Brugghen, Tricktrack-Spieler, 1627 © Arp Museum Bahnhof Rolandseck /Sammlung Rau für UNICEF, Foto: Horst Bernhard

 

Die Schau präsentiert Werke aus unterschiedlichen Epochen. Und schon im ersten Kapitel mit der Überschrift Wer bin ich wirklich? wird deutlich: Ob Portrait oder das heutige Selfie – Bilder sind immer ein Mittel der Selbstdarstellung. Bilder verführen, werben, inszenieren, täuschen gar oder machen neugierig. Da waren die Portraits früher kaum anders als heute und für das Inszenieren des Ich ein gerne begangener Weg.

 

Carl Eduard Schuch, Stillleben mit Spargel, 1883 © Arp Museum Bahnhof Rolandseck /Sammlung Rau für UNICEF, Foto: Mick Vincenz


Auch Stillleben etwa des 17. Jahrhunderts waren stets ein Genre, das mit der Lebenswirklichkeit weiter Bevölkerungskreise so gut wie nichts zu tun hatte. Die fast fotorealistisch anmutenden Darstellungen von Tieren, Obst, farbtraumhaften Blumenbouquets waren Produkte von Malern und ihrer Fantasie. Aber sozusagen an der Wahrheit vorbei.

 

Nadar (Gaspard-Félix Tournachon) Der Fotograf Nadar im Korb seines Ballons, 1863, © The J. Paul Getty Museum, Los Angeles, 84.XM.343.1 Bildquelle © Arp Museum Bahnhof Rolandseck 2026

 

Da ragt ein Messer scheinbar aus dem Bild heraus, um die Butter anzuschneiden. Vom fangfrischen Fisch tropft noch das Meerwasser – alles täuschend echt! Oft enthalten diese Dingwelten, wie im Arp Museum gezeigt wird, versteckte Botschaften. So verweisen Insekten und verfaulte Früchte auf eine zweite Wirklichkeitsebene dahinter, die von Verfall und Vergänglichkeit erzählt.

     Und dass die Wirklichkeit von der Perspektive des Künstlers abhängt, unterstreicht ab 1830 die Fotografie. Sie fixierte die Wirklichkeit auf eine spiegelnde Silber- oder Glasplatte.

     Paris abgelichtet vom französischen Fotografen und Karikaturisten Nadar, übrigens ein begnadeter Selbstdarsteller, aus einem Heißluftballon heraus, gehört zu den Ikonen der frühen Fotokunst. Zwar keine paradoxe doch immerhin ungewöhnliche Perspektive.
rART/ K2M

 
Die Ausstellung Wirklich. Kunst und Realität 1400 bis 1900 ist bis zum 6. September 2026 zu sehen.
Arp Museum Bahnhof Rolandseck
Hans-Arp-Allee 1
53424 Remagen
Tel +49 2228 9425-36
Öffnungszeiten
DI – SO 11 – 18 Uhr

 

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