KOSMISCHES
Zu den Sternen!
Es ist noch keine 30 Jahre her, da zog der Komet Hale-Bopp mit seinem langen Natrium- und Staubschweif für Monate gut sichtbar an der Erde vorbei. Vermutlich war es die am intensivsten beachtete Himmelerscheinung der Neuzeit!
|
John Wood & Paul Harrison Bored Astronauts on the Moon (Filmstill), 2011 © VG Bild-Kunst, Bonn 2026. Bildquelle © Arp Museum Bahnhof Rolandseck |
Es hatte nicht an abergläubischen und pseudowissenschaftlichen Kommentaren, Vorhersagen und Verschwörungstheorien gemangelt. Und auch in der Kunst hinterließ Hale-Bopp Spuren.
Vor allem in der Musik inspirierte der Komet selbst nach seinem Verschwinden Komponisten zu Musiktiteln oder -videos. Der Informel-Maler und Lyriker K.O.Götz (1914–2017 mehr), Rakelmeister bis ins hohe Alter, schuf im Hale-Bopp-Jahr 1997 noch – erstaunlich – drei abstrakte Werke auf Leinwand mit den Titel Hale-Bopp I-III.
|
Ausstellungsansicht Zu den Sternen! Weltraum und Weltflucht seit der Moderne. Foto: David Ertl. Bildquelle © Arp Museum Bahnhof Rolandseck 2026 |
Das Thema Kosmos als Raum für Sehnsüchte, Flucht und Visionen in der Kunst ist nach wie vor aktuell. Das Arp Museum Bahnhof Rolandseck hat es zu seinem Thema gemacht und präsentiert es unter dem Titel Zu den Sternen! Weltraum und Weltflucht seit der Moderne. Knapp 100 Arbeiten aus Malerei, Skulptur, Fotografie sowie Video- und Rauminstallationen zeigen, wie sich der Blick auf den Weltraum und die utopischen Spiegelungen in der Kunst im Laufe der Zeit verändert haben.
|
Hannah Höch Loch im Himmel, 1965, Berlinische Galerie – Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur, Foto: Anja Elisabeth Witte/Berlinische Galerie © VG Bild-Kunst, Bonn 2026. Bildquelle © Arp Museum Bahnhof Rolandseck
Ausstellungsansicht Zu den Sternen! mit Emma Talbots „Generative Plants“ (2023) und „Spaceship Earth“ (2022) © Foto: David Ertl, Courtesy Galerie Onrust, Amsterdam. Bildquelle © Arp Museum Bahnhof Rolandseck 2026.
|
Der Kosmos, soviel lernt der Besucher, ist seit jeher Projektionsfläche für Sehnsüchte, Träume, Utopien und Ausstiegsfantasien – lange bevor Unternehmerfiguren und Investoren wie Elon Musk oder Jeff Bezos mit ihren Raumfahrtaktivitäten SpaceX und Blue Origin den „Wettlauf ins All“ wirtschaftlich und politisch neu belebt haben.
Der Blick in den Himmel eröffnet Vorstellungen von Weltflucht und Neuanfang, wirft Fragen nach dem Ursprung des Lebens auf und relativiert die vermeintliche Überlegenheit des Menschen.
Zugleich kann der Perspektivwechsel ein Gefühl der Verbundenheit mit der Natur, den Elementen und dem größeren Ganzen stiften. In Zeiten globaler Krisen – von Kriegen über Klimakatastrophen bis hin zu wachsender Ungleichheit – gewinne diese Sehnsucht erneut an Dringlichkeit, wie es in der Ausstellung heißt.
Es ist ein eher ungewöhnliches Thema, verpackt in eine durchaus interessante Schau. Ihr Ausgangspunkt, so Kuratorin Julia Wallner, ist ein weit verbreitetes Krisenempfinden angesichts der Fragilität unseres Planeten sowie einer zunehmend instabilen gesellschaftlich politischen Ordnung, die auf Freiheit, Frieden und Verständigung gründet.
Ein Blick in die Geschichte zeige jedoch: Solche Erfahrungen seien kein Ausnahmezustand, sondern ein wiederkehrendes Motiv. Kunst kann in solchen Momenten alternative Perspektiven eröffnen. Sie begreift den Kosmos als Sehnsuchtsort, als Bühne für Spiel, Freiheit und experimentelle Grenzüberschreitungen. Unter dem Motto „weniger Science, mehr Fiction“ entwirft die Ausstellung in Rolandseck visionäre Bilder, die die menschliche Hybris befragen.
|
Ausstellungsansicht. Links Katharina Sieverding (*1941) Die Sonne um Mitternacht schauen (Red) SDO/NASA, Looking at the Sun at Midnight (Red) SDO/NASA, 2011-14. Digitales Video, 186 Min., Digital video, 186 min. © Katharina Sieverding. Rechts: Poster von Klaus Staeck, Edition Staeck, Heidelberg. Foto/ Bildquelle © rheinische ART 2026 |
Die Präsentation beginnt mit Katharina Sieverdings berühmtem Digital-Video Sonne sowie diversen Werken aus der Romantik, setzt einen Schwerpunkt in den 1920er-Jahren und reicht bis zu zeitgenössischen, teils eigens für die Ausstellung geschaffene Arbeiten, unter anderem von Yael Bartana, Dominique Gonzalez-Foerster, Bjørn Melhus, Mona Schulzek und Emma Talbot.
rART/cpw
Die Ausstellung Zu den Sternen! Weltraum und Weltflucht seit der Moderne wird bis 10. Januar 2027 gezeigt.
Arp Museum Bahnhof Rolandseck
Hans-Arp-Allee 1
53424 Remagen
Tel +49 2228 9425-36
Öffnungszeiten
DI – SO 11 – 18 Uhr












