rheinische ART
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rheinische ART 10/2026

IMPRESSIONISMUS
Van Gogh 88-mal


Das gibt es nicht jedes Jahr! Es ist ein Kunstgenuss der Sonderklasse. Das Kröller-Müller Museum in Otterlo zeigt alle seine 88 Vincent van Gogh-Werke auf einmal.

 

Vincent van Gogh Pollard Willows at Sunset (Kopfweiden bei Sonnenuntergang), März 1888 Öl auf Leinwand auf Karton, 31,6 x 34,3 cm Bildquelle © Kröller-Müller Museum

 

Das Ausstellungsereignis mit dem einfach erscheinenden Titel Van Gogh, All Our Paintings (All unsere Bilder) ist als Blick auf die Werke in der Konstellation selten. Erstmals seit mehr als 40 Jahren – genau genommen seit 1984 – werden alle 88 Gemälde Vincent van Goghs aus der Sammlung des Museums zeitgleich präsentiert.

     Es ist bekannt, dass die Sammlung im Otterloer Haus die zweitgrößte nach dem Van Gogh-Museum in Amsterdam ist. Sie ist gleichwohl die größte Privatsammlung von Werken des außergewöhnlichen Künstlers.

 

Vincent van Gogh Olive Grove (Olivenhain), Juli 1889 Öl auf Leinwand, 72,4 x 91,9 cm Bildquelle © Kröller-Müller Museum

 

Helene Müller und Anton Kröller bei ihrer Verlobung, 1887-1888. Helene Emma Laura Juliane Kröller-Müller wurde 1869 in Horst bei Essen geboren. Sie war die Tochter eines deutschen Stahlindustriellen aus dem Ruhrgebiet.

 

Vincent van Gogh Self-Portrait (Selbstportrait), April–Juni 1887 Öl auf Karton, 32,4 x 24 cm Bildquelle © Kröller-Müller Museum

 

Zusammengestellt wurde die großartige Kollektion von der Gründerin des Museums, Helene Kröller-Müller (mehr). Gelegen ist das berühmte Schauhaus im grenznahen niederländischen Nationalpark De Hoge Veluwe (Gelderland).

     Ob die vermögende deutschstämmige Industriellengattin einen besonderen Kunstsinn hatte oder sich einfach an den vielfach farbfreudig-flammenden Gemälden des damals kaum am Kunstmarkt geschätzten Vincent van Gogh erfreute, ist nicht überliefert.

     Aber sie kaufte ihre ersten Arbeiten von ihm 1909. Es waren die drei Werke Sonnenblumen, Der Sämann und Stillleben mit Flasche und Zitrone. Der Besucher der aktuellen Schau wird sie finden, denn er wird mitgenommen auf eine Reise entlang der drei Leitmotive, die sich durch van Goghs Werk ziehen: Glaube, Hoffnung und Liebe.


Dabei ist es nicht so entscheidend, die große Zahl von 88 Werken zu sehen. Vielmehr befinden sich darunter neben den allgemein bekannten Gemälden auch einige, die der Allgemeinheit weniger vertraut sind. In der Gesamtschau wird im Kröller-Müller Museum deutlich, wie unterschiedlich van Gogh in den verschiedenen Phasen seines doch recht kurzen Künstlerlebens gearbeitet hat.

     Denn es war längst nicht alles leuchtend bunt, was er auf Leinwand oder Papier brachte. In des Meisters früher Phase, die seine „dunkle Periode“ genannt wird, handeln seine Darstellungen vor allem vom bescheidenen Leben der unteren Bevölkerungsschichten, der Bauernfamilien, Handwerker oder Tagelöhner. Es sind Werke aus seinen Jahren in den Kohlenrevieren der Borinage (mehr).

 

Vincent van Gogh The Sower (Der Sämann), ca. 17. –28. Juni 1888 Öl auf Leinwand, 64,2 x 80,3 cm Bildquelle © Kröller-Müller Museum

 

Man könnte geneigt sein, anzunehmen, zu dem ungeheuer populären Vincent van Gogh und seinen Kunstwerken ist alles hinlänglich geschrieben, berichtet, gezeigt und gedruckt worden. Aber der niederländische Impressionist ist immer wieder für Schlagzeilen gut. Nicht zuletzt haben medizinische Expertisen versucht zu erklären, warum er sich sein Ohr abgeschnitten hatte. Es bleibt bis heute ein Rätsel (mehr).

 

Vincent van Gogh Portrait of Joseph Roulin (Portrait von Joseph Roulin), Februar–März 1889 Öl auf Leinwand, 65 x 54 cm Bildquelle © Kröller-Müller Museum

 

Vincent van Gogh Country Road in Provence by Night (Landstraße in der Provence bei Nacht), ca. 12.–15. Mai 1890 Öl auf Leinwand, 90,6 x 72 cm Bildquelle © Kröller-Müller Museum

 

Für Aufsehen sorgen hin und wieder die Rekordsummen bei den Versteigerungen, so es überhaupt van Goghs am Kunstmarkt zu erwerben gibt. Im November 2021 verauktionierte das New Yorker Handelshaus Christie´s das verschollen geglaubte van Gogh- Aquarell Meules de blé (Weizenstapel, 1888) für 31 Millionen Euro. Es ist eines der ersten Werke aus einer Serie von Erntebildern, die er in seinem ersten provenzalischen Sommer schuf.

     Übrigens: Im Besitz des Aquarelles war ursprünglich der kunstaffine Kölner Unternehmer Dr. Max Meirowsky (1866–1949 mehr). Er hatte den „Weizenstapel" 1913 erworben und besaß bereits zu diesem Zeitpunkt eine Impressionismus-Sammlung, darunter befand sich das van Gogh-Gemälde Portrait of Camille Roulin (1888). 

     Der "Weizenstapel" war nicht das einzige große van Gogh-Los an jenem Auktionstag in New York. In wenigen Minuten gingen damals zwei weitere Posten des Impressionisten an Käufer. Cabanes de bois parmi les oliviers (Holzhütten inmitten von Olivenbäumen) aus dem Jahr 1889 brauchte nur fünf Minuten, dann zahlte ein Bieter 71,35 Mio. USD – den vierthöchsten Preis für den Künstler bei einer Auktion. Etwas länger benötige der Auktionator für das van Gogh-Ölgemälde Jeune homme au bleuet (Junger Mann mit Kornblume 1890). Nach neuneinhalb Minuten heftigen Bietens fiel der Auktionshammer bei 46,7 Mio. USD (mehr).

 

Im Museum Kröller-Müller gibt es nichts zu auktionieren. Wohl aber viel an unbezahlbaren Gemälden zu sehen, und das auf angenehme Weise. Denn die Ausstellung „All unsere Bilder“ ist mehr oder weniger nach Themen sortiert und aufgebaut, kaum kuratorisch schwergewichtig aufgeladen, ein regelrechtes Festival der Malerei und eine Freude für den Betrachter, wenn er vor weltberühmten Werken stehen kann. Dann dürfte sich kaum jemand der Faszination der „Brücke von Arles“, der „Caféterrasse am Abend“ oder den provenzalischen Impressionen entziehen. Alles sehr lohnenswert.
rART/K2M

 

Die Ausstellung Van Gogh All Our Paintings (All unsere Bilder) ist bis zum 3. Januar 2027 anberaumt.
Kröller-Müller Museum
Houtkampweg 6
6731 AW Otterlo / Niederlande
Öffnungszeiten
DI – SO 10 – 17 Uhr