KONFRONTATION
Vaterfigur Pablo
Der Maler Francis Bacon bekannte sich stets zum Einfluss Picassos auf sein Schaffen. Unter dem Eindruck von Pablo Picassos Kunst fasste er den Entschluss, Maler zu werden.
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Pablo Picasso Mutter und Kind (Studie zu Guernica), 1937, 130 × 195 cm, Öl auf Leinwand. Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía © Succession Picasso / Bildrecht, Wien 2026. Bildquelle Albertina Wien 2026 |
In einer spannungsvollen Gegenüberstellung zeigt das Wiener Museum ALBERTINA, wie der Spanier Picasso (1881–1973) für den Iren Bacon zu einer Art übermächtiger Vaterfigur wurde, an der er sich zeitlebens messen musste.
Das Verhältnis Picasso – Bacon nahm in Paris seinen Lauf. Denn welche Kraft Bilder haben können, entdeckte Francis Bacon (1909–1992) Ende der Zwanzigerjahre in der Pariser Kunstgalerie von Paul Rosenberg.
Bei dem Kunsthändler sah er zum ersten Male Arbeiten des fast drei Jahrzehnte älteren Malerstars. „Dort habe ich erfasst, welche Möglichkeiten der Realität es in der Malerei gibt. Picasso! Picassos Werke der Jahre 1926 – 1930. Sie hatten mir einen Schock versetzt und in mir den Wunsch geweckt, Maler zu werden.“ So wird Bacon in einer Publikation zitiert.
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Francis Bacon Selbstporträt, 1972, 35,5 × 30,5 cm, Öl auf Leinwand, Private Collection © The Estate of Francis Bacon /All rights reserved / Bildrecht, Wien und DACS, London 2026. Bildquelle Albertina Wien 2026 |
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Pablo Picasso Buste de femme, 1940, 64 × 46 cm, Öl auf Papier auf Leinwand Museum Berggruen, Berlin © Succession Picasso / Bildrecht, Wien 2026, Foto: bpk. Bildquelle Albertina Wien 2026 |
Im Übrigen: Der Kunsthändler Paul Rosenberg vertrat Picasso in seinen Galerien bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939. Man war eher mehr als weniger eng verbunden und vertraut.
Rosenberg erwarb jährlich mehrere Gemälde von Picasso, der die Pariser Familie hin und wieder als Motiv nutzte. Der Händler und Mäzen Rosenberg wurde von ihm freundschaftlich Rosi genannt. Der so titulierte revangierte sich mit einem ebenso vertrauten Pic.
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Pablo Picasso Drei Lammköpfe, 1939, 65 × 81 cm, Öl auf Leinwand, Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía © Succession Picasso / Bildrecht, Wien 2026. Bildquelle Albertina Wien 2026 |
Etwa 70 Werke der beiden Künstler werden in der großen ALBERTINA-Schau unter dem Titel „Picasso - Bacon. What It Feels Like to Be Human“ einander gegenübergestellt. Sie verdeutlichen das Widersprüchliche sowie auch das Verbindende zwischen den beiden großen Kunstheroen. Picasso revolutionierte die Bildsprache der Moderne und war die prägende Persönlichkeit der europäischen Moderne. Bacon nahm die Impulse auf und schuf eine eigene, düstere Form der figurativen Malerei.
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Francis Bacon Figurenstudie (“Fury"), ca. 1944, 94 × 74 cm, Öl und Pastellkreide auf Holzfaserplatte, Private Collection © The Estate of Francis Bacon / All rights reserved / Bildrecht, Wien und DACS, London 2026. Bildquelle Albertina Wien 2026
Pablo Picasso Sitzende Badende, 1930, 163,2 × 129,5 cm, Öl auf Leinwand, © Succession Picasso / Bildrecht, Wien 2026, © Foto: "Digital image, The Museum of Modern Art, New York/Scala, Florence, 2026". Bildquelle Albertina Wien 2026 |
In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, so heißt es in der Ausstellung, wollte Bacon das sein, was Picasso für die erste war: Chronist des Menschseins in all seiner Zerrissenheit.
Beide Jahrhundertkünstler rückten die menschliche Existenz ins Zentrum ihrer Bildwelt. Beide beschäftigte der menschliche Körper – zerrissen, neu zusammengesetzt und mit radikaler Kraft neu erfunden. In ihren verzerrten Darstellungen zeigen sie Schmerz, Begierde und Verletzlichkeit und halten der modernen Seele einen schonungslosen Spiegel vor.
Themen wie Kreuzigungen, Schreie, Stierkampf, Akte und die „Tränen des Eros“ offenbaren für beide das Drama des Lebens.
Beide Maler sind sich, wie die kunstgeschichtliche Forschung bislang annimmt, nie persönlich begegnet. Und obwohl Picasso selbst nicht von Bacon beeinflusst war, verfolgte auch er dessen Karriere durchaus aufmerksam.
Die in Wien präsentierten Arbeiten sind Schlüsselwerke aus internationalen Museen und Privatsammlungen von Chicago über Mexico-City bis London, Paris und Stockholm. Sie illustrieren in einer eindrucksvollen Konfrontation die Gemeinsamkeiten und die geistige Verbundenheit im Œuvre der beiden Künstlerkollegen und die Bedeutung Picassos für die nachfolgende Künstlergeneration.
rART/K2M
Die große Herbstausstellung Picasso – Bacon What It Feels Like to Be Human ist bis zum 31. Januar 2027 anberaumt.
ALBERTINA
Albertinaplatz 1
1010 Wien
T +43 (0)1 534 83 0
Öffnungszeiten
Täglich von 10.00 – 18.00 Uhr
Mittwoch und Freitag von 10.00 – 21.00 Uhr
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Literaturhinweis: Michael Peppiatt, Ralph Gleis, Picasso – Bacon. Hardcover, Pappband, 184 Seiten, 24,0 x 30,0 cm. Erscheint am 23.09.2026. ISBN: 978-3-7913-9214-1. Verlag Prestel
Zitierquelle: Anne Baldessari: Bacon Picasso – Das Leben der Bilder. Hardcover, 240 Seiten, Éditions Flammarion, Paris 2005













