HIPPOLOGIE
Aachen und das Pferdeglück
Pferdefieber ist in Aachen ein alljährliches Phänomen und damit nichts Neues. Neu und überaus bemerkenswert ist hingegen in diesem Jahr eine museale Würdigung. Die Stadt bietet in drei Museen ein Thema: Das Pferd!
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Alfred Rethel (1816–1859) Aachener Historienmaler Profilkopf eines Rappen, Aachen, Exponat im Suermondt-Ludwig-Museum, Foto: Anne Gold. Bildquelle © Suermondt-Ludwig-Museum/ Stadt Aachen 2026 |
Seit 100 Jahren veranstaltet der Aachen-Laurensberger Rennverein auf dem Gelände in der Soers den CHIO Aachen, global bekannt auch als ein „Weltfest des Pferdesports“. In diesem Jahr kommen noch die Pferde-Weltmeisterschaften des internationalen Pferdesportverbandes FEI im August hinzu. Die internationale Pferdewelt zu Gast in Aachen!
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Gaspar de Crayer flämischer Hofmaler und Ratsherr, Studie zum Kopf eines Andalusiers, Dumolin Collection Belgium. Exponat im Suermondt-Ludwig-Museum. Bildquelle © Suermondt-Ludwig-Museum Aachen/ Stadt Aachen 2026
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Dies ist Anlass genug, einmal das Pferd über die Sport-Komponente hinaus in der kulturellen und kunsthistorischen Bedeutung zu betrachten.
Das Suermondt-Ludwig-Museum präsentiert mit der Hauptausstellung „Das Glück dieser Erde. Dürer, Rubens, Goya: Pferde in der Kunst“ einen beeindruckenden Überblick über ein Tier, das die Kunst über Jahrhunderte inspirierte. Denn seit der Antike steht das Pferd für Stärke, Bewegung und Freiheit – und begleitet den Menschen zugleich als Helfer, Statussymbol und treuer Gefährte, wie das Museum betont.
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Hieronymus Wierix (1553–1619) südflämischer Kupferstecher, nach Albrecht Dürer, Der heilige Georg zu Pferde, Exponat im Suermondt-Ludwig-Museum. Bildquelle © Suermondt-Ludwig-Museum Aachen/ Stadt Aachen 2026
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Das Suermondt-Ludwig-Museum greift damit ein Thema auf, das „mit der Identität und historischen Entwicklung der Stadt Aachen“ und des gesamten Rheinlandes auf das Engste verbunden ist.
Diese Ausstellung, bespielt mit wertvollen Leihgaben aus deutschen, belgischen und niederländischen Museen und Privatsammlungen, ist sozusagen eine Entdeckungsreise. Zu sehen sind Werke unter anderen von Albrecht Dürer, Esaias van de Velde d. Ä., Philips Wouwerman, Peter Paul Rubens, Max Klinger, Lovis Corinth, Max Liebermann oder Francisco de Goya.
Es sind also Künstler verschiedener Epochen, die das Pferd in ihren Werken inszenierten, beobachteten und mit Bedeutung aufluden. Als elegante und prestigeträchtige Begleiter von Herrschern, als unverzichtbare Kraft in der Land- und Forstwirtschaft oder als unermüdliches Transportmittel in der historischen Logistik. Und natürlich nicht zuletzt als geliebter und respektierter Partner von Sport und Freizeit.
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Max Liebermann Le Cavalier sur la plage, 1904, Musée des Beaux-Arts / La Boverie Liège. Exponat im Suermondt-Ludwig-Museum. Bildquelle © Suermondt-Ludwig-Museum Aachen/ Stadt Aachen 2026
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Unter den ausgestellten Kunstwerken ist insbesondere Max Liebermanns Ölgemälde Reiter am Strand von 1904 hervorzuheben. Der Impressionist hatte eine ganze Reihe von Strand- und Reiterbildern geschaffen und damit ein neues Thema im Kunstmilieu der Moderne entdeckt: „Das Freizeitvergnügen zu Pferde“, wie die Aachener Kuratorin Wibke Birth vermerkt.
Reiten erscheine in diesem Gemälde nicht als heroische Geste, „sondern als Teil eines entspannten, mondänen Lebensstils – angesiedelt zwischen Bewegung, Naturerlebnis und gesellschaftlicher Repräsentation.“
Die zweite interessante Schau findet sich im Centre Charlemagne. Unter dem Titel „Tradition – Innovation – Emotion. 100 Jahre CHIO Aachen“ werden mit rund 90 Fotografien die Entwicklungsschritte des berühmten Aachener Turniers gespiegelt.
Die Fotoschau reicht von den ersten Reit-, Spring- und Fahrturnieren des Jahres 1925 bis zu den hochmodernen hippologischen Events der Gegenwart. In der gebotenen Dichte bilden die Fotografien einen überaus kurzweiligen und lehrreichen Rückblick auf fünf Pferdesportdisziplinen in den Aachener CHIO-Geschichte: allesamt hochklassig, faszinierend und emotional. Gleichzeitig wird dem Besucher ein Blick hinter die Kulissen geboten und die enge Verzahnung von Sport und Politik deutlich.
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Ludwig Hohlwein (1874–1949) Grafiker und Plakatkünstler, Drei Jockeys mit ihren Pferden im Rennen, 1909, LETTER Stiftung Köln. Exponat im Suermondt-Ludwig-Museum. Bildquelle © Suermondt-Ludwig-Museum Aachen/ Stadt Aachen 2026
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Anlässlich der anstehenden Reit-Weltmeisterschaften präsentiert als dritte Station das Ludwig Forum Aachen zwei Kurzfilme in der zentralen Ausstellungshalle, die „auf sehr unterschiedliche Art und Weise … das Thema Mensch und Pferd“ aufgreifen. Unter der Überschrift „Centaur – Mensch und Pferd. Eine Filminstallation“ werden die komplexen Strukturen von Mensch-Tier-Beziehungen dargestellt.
Die deutsch-iranische Filmemacherin Yalda Afsah (*1983) gibt dabei unter anderem Einblicke in den „Mikrokosmos der Pferdedressur“. Das Schweizer Künstlerduo Marianne Halter/ Mario Marchisella bietet wiederum einen eher humorvoll-poetischen Blick unter dem Titel Pferde über Wiese (2014).
rART/ruwoi
Die Ausstellung „Das Glück der Erde. Dürer, Rubens, Goya...“ wird bis zum 23. August 2026 gezeigt.
Suermondt-Ludwig-Museum
Wilhelmstraße 18
52070 Aachen
Tel 0241/ 4798 040
Öffnungszeiten
DI – SO 10 – 17 Uhr
Die Foto-Ausstellung Tradition – Innovation – Emotion. 100 Jahre CHIO Aachen sowie die Film-Präsentation Centaur – Mensch und Pferd können ebenfalls bis zum 23. August 2026 besucht werden.
Centre Charlemagne
Neues Stadtmuseum Aachen
Katschhof 1
52062 Aachen
Tel 0241/ 432-4931
Öffnungszeiten
DI – SO 10 – 18 Uhr
Ludwig Forum Aachen
Jülicher Straße 97–109
52070 Aachen
Tel 0241/ 1807-104
Öffnungszeiten
Di–Mi 13–17 Uhr
Do 10–20 Uhr
Fr–So 10–17 Uhr















