BÜHNENBILD
In Szene gesetzt
Vorhang auf! Im Jubiläumsjahr 2026 haben Studenten unter der Leitung von Lena Newton 100 Jahre ‚Studieren in der Bühnenbildklasse‘ an der Kunstakademie Düsseldorf erforscht. Sie, die zukünftigen Erfinder fantastischer Bildwelten, widmeten sich ihrer eigenen Geschichte und inszenieren ihre Ergebnisse in der Akademie-Galerie. Es zeigt sich: diese Gründung war ein Meilenstein.
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Ausstellungsansicht Klasse Walter von Wecus in der Schau "100 Jahre Bühnenkunst" in der Akademie-Galerie. Das große Foto zeigt die Deutsche Theaterausstellung 1927. Foto © Kunstakademie Düsseldorf |
Denn als die „Klasse für Bühnenkunst“ unter dem Direktorat Walter Kaesbachs (mehr) 1926 an der Kunstakademie Düsseldorf gegründet wurde, war sie ein vielbeachtetes Manifest für die Bühnenbildnerei.
Tatsächlich war es der erste Bühnenkunst-Lehrgang an einer deutschen Hochschule, an den eine Professur gekoppelt war. Ein Novum - und Kaesbach berief keinen geringeren als Walter von Wecus, namhafter Maler, Grafiker, Architekt und Bühnenbildner, zur Leitung des neuen Studienganges.
Kaesbach musste mit dem Erstarken des Nationalsozialismus die Kunstakademie verlassen. Wecus blieb, war auch nach 1933 erfolgreich und bis 1958 durchgehend Professor an der Akademie. „An seiner Biografie lässt sich mitverfolgen“, so das ausstellende Haus, „wie sich die Rolle von Bühnenbild während der Weimarer Republik, während der NS-Zeit und in der Nachkriegszeit gewandelt hat.“
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Ausstellungsansicht der Schau "100 Jahre Bühnenkunst" in der Akademie-Galerie. Hier mit Arbeiten von Hanna Jordan, Wanda Richter-Forgàch, Erinna König. Foto © Kunstakademie Düsseldorf |
Die (bisherigen) Ergebnisse der studentischen Forschungsarbeit sind beeindruckend vorgestellt. Während der wissenschaftlichen Recherchen zeigte sich, dass der Studiengang Bühnenbild von auch in anderen Fächern immatrikulierten Studenten besucht wurde. Sie kamen aus der Bildhauerei, Malerei oder freien Kunst, was den interdisziplinären Charakter dieses Studiums hervorhebt.
Die Studenten befragten unter anderen Größen wie Anna Viebrock, Katrin Brack, Katharina Sieverding, Martin Kukulies, Heinz Balthes und Editha Hackspiel. Aus den Interviews haben sie eigene Modelle, Kostüme und Videos entwickelt, sie in einem Dialog mit früheren Werken inszeniert und damit in einen historischen Kontext gestellt.
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Ausstellungsansicht der Schau "100 Jahre Bühnenkunst" in der Akademie-Galerie. Foto © Kunstakademie Düsseldorf |
Auf Walter von Wecus folgten Teo Otto und nach einer kurzen Interimsphase, in der die Klasse vom ehemaligen Assistenten Teo Ottos, Wolf Seesselberg, geleitet wurde, Karl Kneidl und Johannes Schütz.
Kritisches Augenmerk liegt dabei auf der Zeit von 1933 bis 1945, in der Walter von Wecus die Propaganda des Nationalsozialismus unterstützte. Das Bühnenbild ist ein entscheidender Bestandteil jeder Bühnenproduktion, hat es doch die Aufgabe, Kühle oder Sachlichkeit, Verträumtheit, Leidenschaft oder Begeisterung zu transportieren. Es ist seine Aufgabe und sein Charakter, die Emotionen der Zuschauer anzusprechen.
Jeder Ort, wo eine Geschichte inszeniert wird, ist eine Bühne und Bühnenkunst ist immer eine zweckgebundene Kunst - und die wusste Wecus gezielt für den Nationalsozialismus einzusetzen. Und tat dies eben auch mit seiner Klasse der Akademie.
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Ausstellungsansicht der Schau "100 Jahre Bühnenkunst" in der Akademie-Galerie. Foto © Kunstakademie Düsseldorf |
Es gibt also blinde Flecken in der Aufarbeitung der Geschichte der Kunstakademie zwischen 1933 und 1945. Hierzu forschen die Studenten noch nach den faktischen Antworten auf bedeutende Fragen – und ist der Grund dafür, dass es zu dieser bemerkenswerten Schau noch keinen Katalog gibt.
Bedauerlich auch, dass diese Zeit die großartigen Leistungen der späteren Professoren, die die Klasse leiteten, überlagert (wie auch in diesem Beitrag geschehen). Das passiert allerdings nicht in der Ausstellung selbst. Hier werden alle Lehrenden und ihre Studenten in das ihnen gebührende Licht gerückt.
Irmgard Ruhs-Woitschützke
► Aktuell steht noch eine Besonderheit an. Ein außergewöhnliches internationales Kooperationsprojekt bringt die Studenten nach Italien. In Montepulciano wird die Oper Don Chisciotte della Mancia, gestaltet von sieben Kunst- und Musikhochschulen Nordrhein-Westfalens mit dem Cantiere Internazionale d'Arte aufgeführt.
Termine sind:
18. und 19. Juli 2026 im Teatro Poliziano in Montepulciano
01. November 2026 Theater Gütersloh
06. November 2026 Musikhochschule Köln
Die Schau „100 Jahre Klasse Bühnenbild“ ist noch bis zum 14.06.2026 zu sehen.
Akademie-Galerie – Die neue Sammlung
Burgplatz 1
40213 Düsseldorf
Öffnungszeiten
FR – SO 12 – 18 Uhr












