rheinische ART
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rheinische ART 12/2022

AKADEMIE-GALERIE
Dieter Krieg ganz groß

 

Zeitgenossen beschreiben ihn als zurückhaltend, belesen und auffallend dünnen Menschen, der auch schon mal Anzug trug, gerne in Grau. Das war in der Düsseldorfer Kunstakademie nicht gerade stilistische Regel. Aber Dieter Krieg war nicht die Regel.

 

Dieter Krieg Ausstellungsansicht „gut für die Aug’n“ (Spiegelei), Akademie Galerie Düsseldorf © VG Bild-Kunst Bonn 2022, Foto: Kai Werner Schmidt


Die Akademie Galerie zeigt in der Ausstellung „gut für die Aug´n“ Ausschnitte aus seinem ausserordentlichen Werk ab 1978, die die besondere Unabhängigkeit seines Schaffens dokumentieren.
     Und kommt mit dieser Präsentation am Menschen Dieter Krieg (1937-2005) nicht vorbei; will sie auch gar nicht, wie die Kuratorin Vanessa Sondermann aufzeigt, die in dem die Schau begleitenden Katalog Weggefährten und Zeitgenossen des Malers und Professors zu Wort kommen lässt.

Die erzählten Episoden sind immer persönlich und natürlich absolut subjektiv. Doch eins blitzt in allen Geschichten durch: eine stille Bewunderung, auch Verwunderung, manchmal Dankbarkeit für Dieter Krieg. Für manche, so darf man es interpretieren, war er wohl Maßstab in Sachen Kunst, Kultur oder Toleranz.
     Krieg gehörte zu den Menschen, deren Wissbegierde sie unaufhörlich Fragen stellen lässt. Antworten suchte er unter anderem in der Literatur und las leidenschaftlich Samuel Beckett, Arno Schmitt, Jean-Paul Sartre und viele andere. Mit ihrer Hilfe stellte er sich den intellektuellen Fragen der Welt - und ergründete dabei seine eigene.

 

Dieter Krieg Ausstellungsansicht „gut für die Aug’n“, Akademie Galerie Düsseldorf © VG Bild-Kunst Bonn 2022, Foto: Kai Werner Schmidt


So lernte ihn auch Alfonso Hüppi (siehe Katalog) kennen: lesend. Dieter Krieg als Aufseher in der Kunsthalle Baden-Baden, versunken in ein Buch… Die philosophischen Diskurse, die dann folgten, lassen sich für Außenstehende nur erahnen, sollen aber Hüppi folgend Themen und Diskutanten entsprechend außerordentlich gewesen sein. Jahre später sollten sich die beiden als Professoren in der Kunstakademie wieder begegnen.
     Mit der damaligen Aufsehertätigkeit verdiente Krieg seinen Lebensunterhalt, sein Kunststudium hatte er da bereits in Karlsruhe absolviert.


Als Start seiner Karriere darf die Verleihung des Deutschen Kunstpreises der Jugend für Malerei in Baden-Baden 1966 gewertet werden. Über ein Jahrzehnt später, 1978, vertrat er bereits zusammen mit dem Bildhauer Ulrich Rückriem (mehr) Deutschland auf der Biennale in Venedig und stellte im deutschen Pavillon aus. Kurator war Klaus Gallwitz. Zu dieser Schau zeigte Krieg ein monumentales Gemälde mit dem Menschen als Objekt, gemalt in dem ihn auszeichnenden gestischem Duktus, welcher das Gegenständliche nicht ausklammert sondern ahnungsvoll sichtbar werden lässt.

 

Dieter Krieg Ausstellungsansicht „gut für die Aug’n“, Akademie Galerie Düsseldorf © VG Bild-Kunst Bonn 2022, Foto: Kai Werner Schmidt


Diese Arbeit, die den besonderen Auftakt der Schau in der Akademie-Galerie bildet, sorgte in Venedig durchaus für Irritationen (und befindet sich heute in der Sammlung des Wuppertaler von-der-Heydt-Museums). Der vielbeachtete internationale Auftritt läutete eine Wende in Kriegs Leben ein, denn diesen nahm der damalige Direktor der Kunstakademie, Klaus Rinke, zum Anlass, Krieg als Lehrer an die Akademie nach Düsseldorf zu berufen.

 

Dieter Krieg Ausstellungsansicht „gut für die Aug’n“ (Mitte Drei Teddybären), Akademie Galerie Düsseldorf © VG Bild-Kunst Bonn 2022, Foto: Kai Werner Schmidt

 

Seine erste Klasse war aber überschaubar besetzt. Er hatte fünf Schüler. Mit dabei war Andreas Schulze. Auch er kommt im Katalog zu Wort und berichtet über die erstaunliche Entstehungsgeschichte der Gruppenarbeit „Drei Teddybären“, 1979, die als Skulptur ebenfalls in der Schau präsent ist. Vorlage war im Übrigen der Plüsch-Teddy von Schulze.
     Eine Skulptur als Semesterarbeit überrascht für eine Malklasse, was aber für Krieg kein Widerspruch war. Wie so vieles andere offenbar auch nicht. Die Beschäftigung mit dem Menschen ließ ihn auch leere Badewannen, durchgelegene Matratzen und Seziertische malen, die Erkundung von Licht brachte ihn hin zu lichtlosem Licht.
     Krieg erscheint als gestischer Impressionist, der seine reiche innere mit der äußeren Welt verbindet, um dann - für den Betrachter überraschend - alltägliche, eher banale Gegenstände mit gestischer Leidenschaft in monumentalen Gemälden Ausdruck wie vermeintlichen Inhalt gibt.

     Ein Spiegelei, Kotelette, Möhren…. Auch ein Glas Cognac durfte es sein. Und Bücher! Oder Comics! Sein Verständnis von der Bedeutung der Sprache wurde von ihm immer wieder malerisch ins Bild und damit in Szene gesetzt. Worte, Sätze, mit und ohne Sinn, sind bei Krieg Statements, Botschaften, Aufforderungen?

 

Dieter Krieg Ausstellungsansicht „gut für die Aug’n“ (4 Watt), Akademie Galerie Düsseldorf © VG Bild-Kunst Bonn 2022, Foto: Kai Werner Schmidt


Dieter Krieg wollte den Dingen auf den Grund gehen. Seine Gedanken, in Worte gefasst, hängen in seinem unkonventionellen Erzählstil in der Akademie-Galerie an der Wand. Ob sie auch Fragestellungen für die Besucher sind, müssen diese für sich entscheiden.
Irmgard Ruhs-Woitschützke


Die Ausstellung „Dieter Krieg – gut für die Aug´n“ ist bis zum 12. Februar 2023 zu sehen.
Akademie-Galerie – Die Neue Sammlung
Burgplatz 1
40213 Düsseldorf
Öffnungszeiten
FR – SO 12 – 18 Uhr

 

 

 

 

 

 

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