rheinische ART
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rheinische ART 04/2021

ZUM 90. GEBURTSTAG
Heinz Mack

 

Bildhauer und Maler.

 

Heinz Mack Naturfotografie aus Lollar/Hessen, um Mitte der 1940er Jahre, gerahmt 52 x 64 cm, Archiv Atelier Heinz Mack © Heinz Mack/VG Bild-Kunst, Bonn, 2021, Foto: Heinz Mack

 

Das Werk des Künstlers ist keine Unbekannte. Gerade im rheinischen Raum, wo er mit dem Wohnort Mönchengladbach auch seine Wirkungsstätte hat, ist er eine feste Größe im Kunstgeschehen. Wer allerdings wissen möchte, warum Heinz Mack der international bekannte Künstler wurde, der er heute ist, sollte sich seine gleichnamige Schau im Düsseldorfer Kunstpalast ansehen.

 

Heinz Mack Wolkengitter, 1960, Kunstharz und Pigment auf Leinwand, Rahmen gefasst, 176,5 × 86,5 cm, Kunstpalast, Düsseldorf, Stiftung Sammlung Kemp, © Heinz Mack/VG Bild-Kunst, Bonn, 2021 Foto: Kunstpalast - Horst Kolberg – ARTOTHEK

 

Denn diese Ausstellung rückt seine Anfänge in den Fokus. Viele der rund 100 Exponate stammen aus dem Atelier des Künstlers oder sind Leihgaben von Privatsammlern. Gezeigt werden Arbeiten aus den 1950 bis 1980er Jahren. Diesen vorangestellt sind Macks Naturfotografien aus seinen Jugendjahren.
     Und diese belegen: schon als Heranwachsender, der sich gerne in der Natur aufhielt, galt seine staunende Aufmerksamkeit natürlichen Strukturen wie den Jahresringen eines gefällten Baumes, den gleichmäßigen Furchen eines Ackers, dem Wald mit seinen aufstrebenden Bäumen oder dem frisch gemähten, gebündelten Heu auf der Wiese.

     Die sich darstellende Parallelität durch Wiederholung – das Serielle - von, sagen wir mal »Linien«, die faktisch aber dreidimensionale Objekte wie eben Bäume oder Gräser oder Ackerfurchen waren, verfehlten als optische Reize ihre spezielle Wirkung auf den jungen Mann nicht. Der Wind, leicht vorstellbar, brachte als kinetisches Element die Bewegung hinzu und die Sonne, natürliche Quelle des Lichts, verbarg nicht, dass alles Dreidimensionale auch immer mit Hell und Dunkel spielt und neue Formen hervorbringt.


Die Natur als kreativer Inputgeber? Warum nicht. Diese frühen Fotografien zeigen die bevorzugten Gestaltungselemente des Künstlers Heinz Mack bereits auf. Nicht immer kommen alle zusammen, aber sein Konzept, seine Ordnung, seine Ästhetik speist sich aus diesen Komponenten.
     Die Ausstellung ist chronologisch aufbereitet und zeigt die Entwicklung des Künstlers auch in unterschiedlichen Themenbereichen. Beim Eintritt begegnen dem Besucher die Holzskulpturen „Das hohe Gras“ von 1954/55 und mit über drei Metern Höhe sehr beeindruckend sowie das „Große Wiesenstück“. Hier arbeitet Mack noch formal nah an der Naturvorgabe. Doch bald widmet er sich vermehrt Strukturen, die durchaus dynamische Formen annehmen konnten. In kürzester Zeit weist sein Œuvre eine Vielfalt an Arbeiten aus.

 

Installationsansicht Ausstellung "Heinz Mack" im Kunstpalast 2021. Foto © rheinische ART 2021

 

Dazu das ausstellende Haus: „Die Schau … zeigt die innovativen Neuerungen und verdeutlicht den revolutionären Geist des Bildhauers und Malers. Mack, der in seinem künstlerischen Schaffen experimentelle Denk- und Arbeitsräume erschloss und mit immateriellen Werkstoffen wie Licht, Raum, Zeit und Bewegung arbeitet, übt bis heute großen Einfluss auf viele Künstler*innen aus.“
     Während seines Studiums an der Kunstakademie in Düsseldorf von 1950 -53 hörte er bei dem Maler Paul Bindel und dem Bildhauer Ewald Mataré. Danach studierte er Philosophie an der Universität Köln. Gemeinsam mit Otto Piene (mehr) gründete er 1958 in Düsseldorf die Gruppe ZERO (mehr), der kurze Zeit später auch Günther Uecker (mehr) und andere angehörten. Daraus entstand eine breite und viel beachtete Bewegung, die den Grundstein für die nachhaltige Bekanntheit des Künstlers legte. Es war eine Nachkriegsavantgarde, die mit Aufsehen erregenden Aktionen und Ausstellungen auf sich Aufmerksam machte. Macks eigene Aktionen waren ebenfalls von ganz besonderer Art.

 

Heinz Mack Großes Sandrelief im Grand Erg Oriental/Algerien, 1976, Courtesy Archiv Atelier Heinz Mack © Heinz Mack/VG Bild-Kunst, Bonn, 2021 Foto: Thomas Höpker


Land Art Er ging sprichwörtlich in „die Wüste“. Spiegelnde Werkstoffe hatte er bereits für sich entdeckt und Anfang der 1960er Jahre machte er mit flatternden Aluminiumbahnen erste Lichtexperimente in der Sahara und zog riesige Reliefs in den Wüstensand. Begleitet wurde er in die algerische Wüste vom Fotografen Thomas Höpker. Spiegel, Folien, Rasterbleche, Stelen aus poliertem Aluminium waren seine Materialien.

 

Heinz Mack Arktis-Pyramide, 1976, Skulptur Entwurf für eine Lichtpyramide (1964) in der Diskobucht, Baffin Bay/Grönland, Courtesy Archiv Atelier Heinz Mack © Heinz Mack/VG Bild-Kunst, Bonn, 2021 Foto: Thomas Höpker

 

1976, wiederum begleitet von Höpker, gelingt Mack das Gegenstück zur Wüste in der Arktis in Grönland. Der Künstler führt seine Lichtexperimente auf dem Wasser als auch auf den Eisbergen durch. Und wiederrum gelingen ihm bahnbrechende Installationen, die fotografisch dokumentiert sind und als Fotografien quasi im Tapetenformat die Schau lebensnah bereichern. Die Energie, die sie aufzeigen, erreichen auch in der heute sintflutartigen Bilderwelt den Betrachter unmittelbar.
Mack: In der Wüste „ist die Landschaft so stark, dass ich sie nicht überwinden, sondern vielmehr spiegeln muss. Und alles, was ich in die Wüste stelle, kann den Raum nur artikulieren, kann ihn nicht füllen.“
     Die Schau bietet die Gelegenheit, dem Künstler Heinz Mack sehr nahe zu kommen. Ein Blick auf die Kunst ist auch immer ein Blick in die Denkweise des Künstlers und Mack, so hat es den Eindruck, wird manchesmal sogar »persönlich«.

 

Heinz Mack in der Ausstellung "Heinz Mack" im Kunstpalast vor dem Werk „Ikinostasis für Lichtfarben“ (Chromatische Konstellation) von 2007, Acryl auf Leinwand © Heinz Mack/VG Bild-Kunst, Bonn, 2021, Foto: Anne Orthen

 

Die besondere Auswahl der Werke aus seinem Atelier belegen dies. Beispielhaft mögen hier nur sein »Weißer Rotor« von 1960 und seine »Japanische Trias» von 1970, bestehend aus drei Arbeiten aus Aluminium, Holz, Glas und elektrischen Motoren und entstanden während seines einjährigen Aufenthaltes in Osaka, genannt sein.
     Zudem gilt es, zu dem Land Art-Künstler ebenso den Bühnenbildner Mack zu entdecken. Und was seine Expeditionen betrifft: Sein früh formuliertes Ziel, neue Räume der Kunst jenseits der Institutionen zu suchen – es ist ihm gelungen.
Irmgard Ruhs-Woitschützke

 

Die Ausstellung „Heinz Mack“ ist bis zum 30. Mai 2021 zu sehen.
Kunstpalast
Ehrenhof 4-5
40479 Düsseldorf
Öffnungszeiten (Bitte pandemiebedingt aktuell erfragen.)
DI – SO 11 – 18 Uhr
DO 11 – 21 Uhr