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rheinische ART 04/2014

EINE HULDIGUNG
William Shakespeare im Rheinland
»Das Vergnügen macht sich über kurz oder lang immer bezahlt.«
William Shakespeare, »Was ihr wollt«, Narr, 2. Akt

 

Die Welt feiert den 450. Geburtstag von William Shakespeare und auch das Rheinland erweist dem englischen Dichter seine Referenz. Dass dieser ein äußerst lebendiger Jubilar ist, lässt sich an den beiden Ausstellungen in Düsseldorf und Köln, der Filmreihe »Shakespeare reloaded« und am sommerlichen Shakespeare Festival im Globe Neuss unschwer feststellen.

 

A Party for Will! im Museum für angewandte Kunst in Köln. Das Foto zeigt das Titelblatt von Shakespeare First Folio © Universitäts- und Stadtbibliothek Köln

 

Der Dichter und seine zeitgenössischen Interpreten. Zum Beispiel ...

Gustav Peter Wöhler mit "Peeping at Pepys" im Globe Neuss , Foto Ida Zenna

 

Katharina Thalbach mit "Wie er uns gefällt" im Globe Neuss

 

Seine Verse sind wahr, geistreich, entlarvend. Seine Wortspiele so überraschend wie treffend. Seine Stücke, 38 an der Zahl, sind Welttheater – und das nicht nur, weil alle Theater der Welt sie spielen, sondern vor allem, weil sich das ganze Theater darin spiegelt: »Die ganze Welt ist Bühne, und alle Frau'n und Männer bloße Spieler« heißt es in der vielschichtigen Komödie Wie es euch gefällt, in der sich die Akteure eigentlich nur einmal umdrehen müssen, um in andere Realitäten zu gelangen und den Vorder- zum Hintergrund zu machen. Wie sich der Meister aus Stratford ja auch nur einmal umwandte, wenn er statt seiner geschliffenen Mono- und Dialoge die besonders poetische Saite anstrich und eines seiner 154 (überlieferten) Sonetten verfasste, die zumeist an den »Fair Boy« oder die geheimnisvolle »Dark Lady« gerichtet sind, deren Identität sich wohl ebensowenig wird ergründen lassen wie die näheren Lebensumstände dessen, dem all diese literarischen Kostbarkeiten zu danken sind.


Geburtstag In diesem Jahr feiert man den 450. Geburtstag von William Shakespeare, obwohl man nicht genau weiß, wann er geboren wurde. Die Taufe, und das ist verbürgt, fand am 26. April 1564 in Stratford-upon-Avon in Warwickshire statt, und da man sich seinerzeit stets beeilte, dem Neugeborenen das erlösende Sakrament zu spenden, ist davon auszugehen, dass er nur wenige Tage vorher das Licht der Welt erblickte, die sich ihm als Bühne darstellte. Einfachheitshalber nimmt man heute allgemein den 23. April an – da er, wie sich’s fügte, im Jahre 1616 just an diesem Tag verstarb.


Dichter Sein Vater war Handschuhmacher und Landwirt, zeitweise auch Stadtverwalter des Ortes, was mit der heutigen Position des Bürgermeisters vergleichbar ist. Seine erste Schulausbildung erhielt William an der örtlichen Lateinschule, der King’s New School, wo beispielsweise die Metamorphosen von Ovid gelesen wurden – natürlich auf Latein – und die Jungen in Rollenspielen die freie Rede und Feinheiten der Rhetorik erlernten. Wahrscheinlich ging er danach bei einem Notar in die Lehre. Viele seiner Werke enthalten Fachbegriffe und ein fundiertes Wissen aus dem Rechtssystem der damaligen Zeit. Der Rest ist Geschichte.

     William Shakespeare ist der meistgespielte Bühnenautor, den die gegensätzlichsten Charaktere schätzten und liebten: Dichter wie Goethe, Lessing, Wieland, Herder und Schilling verflochten ihn mit ihrem eigenen Schaffen, Komponisten vom Range eines Beethoven, Berlioz und Brahms entzündeten sich an seinen Figuren.

 

Shakespeare Festival im Globe Neuss Zur diesjährigen 24. Ausgabe werden 32 Veranstaltungen (19.06. - 19.07.2014) von zwölf Ensembles aus England, Spanien, Ungarn und Deutschland im Globe Neuss gegeben. Rund fünfhundert Zuschauer fasst das zwölfeckige Gebäude an der Rennbahn und von den Rängen aus hat man stets das Gefühl, die Akteure seien zum Greifen nah - eine einzigartige, energiegeladene Atmosphäre.

 

Blick in die Ränge des Globe Neuss, Heimat des Shakespeare Festivals. Foto Christoph Krey


Gerade in diesem Jahr hat der künstlerische Leiter Rainer Wiertz Kairos, den Gott des richtigen Augenblicks beschworen: „Es geht darum, im richtigen Augenblick am richtigen Ort zu sein und mit den richtigen Menschen zu sprechen. So einfach ist es.“

 

Enrique VIII. Fundación Siglo de Oro, Foto: Jaime Villanueva

 

Comedy of Errors, Propeller Company Foto: Dominic Clemence

     Sein Erfolgsrezept für das beliebte Shakespeare Festival, das seit Jahren eine Auslastung von über 90% verzeichnet, hat auch in diesem Jahr gewirkt. Zur Eröffnung inszeniert die bremer shakespeare company mit »All’s Will that ends Will« eine Geburtstagsparty, die von der britischen Autorin Jessica Swale gestaltet wird; der selten zu sehende Pericles und Richard III. kommen ebenfalls aus Bremen, während das Rheinische Landestheater den »Sturm« entfesselt und die Shakespeare Company Berlin das romantische »Wie es Euch gefällt« in Szene setzt. Englisch spricht man bei der Propeller Company – im bezaubernden »Midsummernight’s Dream« und der verrückten »Comedy of Errors« sowie dem spritzigen »Much Ado about Nothing« des Globe Theatre on Tour.
     Aus Ungarn kommt eine moderne Adaption des »Coriolan«, voller Musik, ergreifender Momente und Humor. Aus Madrid reist die Fundación Siglo de Oro an, die neben Heinrich VIII. auch zwei Stücke des großen spanischen Shakespeare-Zeitgenossen Lope de Vega (1562 1635) vorstellt.
     Zu den Glanzpunkten gehört ohne Frage die Lesung von Katharina Thalbach, die in »Wie Er uns gefällt« die Geister Shakespeares aus der Perspektive seiner Dichterkollegen beschwört, und Gustav Peter Wöhler wandelt gemeinsam mit der Lautten Compagney auf den Pfaden des Lebemanns Samuel Pepys (1633-1703), der pikante Details und Beobachtungen über das Leben im London des 17. Jahrhunderts in seinen Tagebüchern festgehalten hat.
     Rein musikalisch wird es bei »Inspired by Song« mit dem internationalen Blockflötenstar Stefan Temmingh, der Sopranistin Dorothee Mields und der Gentlemen's Band, und mit der Neuauflage von Caroll Vanweldens »Shakespeare in Jazz«.

 

Von der Renaissance zur Postmoderne Das Shakespeare-Theater in Danzig ist bis zum 4. Mai 2014 im Theatermuseum Düsseldorf zu Gast. Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft des Prinzen von Wales.

 

Die Danziger Fechtschule (Danzigs erstes feststehendes Theater). Stich von Peter Willer, um 1650 © Shakespeare Theater Danzig


Diesen Sommer wird in Danzig ein Jahrhundertbau eröffnet, der ein Zeitfenster zum Shakespeare’schen Globe eröffnet. Schon 1611 gab es in Danzig ein Theater im Stil der elisabethanischen Shakespeare-Bühne, im 17. Jahrhundert gastierten hier fast jeden Sommer professionelle englische Theatergruppen, die noch zu Lebzeiten William Shakespeares Stücke, aber auch Christopher Marlowe, Thomas Dekker oder Thomas Middleton inszenierten. Über gut 100 Jahre hinweg blieb es das einzige, ständige Theater der Stadt.

 

Modell des neuen Danziger Shakespeare Theaters. Architekt Renato Rizzi. © Shakespeare Theater Danzig

     Vor diesem Hintergrund entstand in den 1990er-Jahren die Idee, das Theater zu rekonstruieren. Als Sieger des internationalen Architekturwettbewerbs ging 2005 der Italiener Renato Rizzi hervor. Das neue Theater stellt sich als postmoderne Schöpfung dar, wo mit drei verschiedenen Bühnentypen - der Globe-, der Studio- und der Arenabühne – die Vergangenheit mit der Gegenwart verschmilzt. Dank modernster Technik ist es ohne große Mühen möglich, den Theaterraum vom elisabethanischen Bühnentyp zur Guckkastenbühne zu verwandeln und umgekehrt. Die bewegliche Dachkonstruktion lässt sogar Aufführungen bei Tageslicht zu.
     Die Ausstellung, die seit 2011 durch Europa reist, lädt den Besucher zu einer doppelten Reise durch Zeit und Raum des Theaters ein. Sie beginnt im Danzig des 17. Jahrhundert und endet in der Zukunft – bei der Eröffnung des neuen Theaterbaus.

 

Hansheinrich Palitzsch, Plakatentwurf zu König Richard III., Berlin 1961 © Theaterwissenschaftliche Sammlung, Universität zu Köln

A Party for Will! Das Museum für angewandte Kunst Köln, kurz MAKK, lädt bis zum 15. Juni 2014 mit »A Party for Will!« zu einer Entdeckungsreise in das Shakespeare-Universum um Ophelia und Macbeth, King Lear, Julia, Rosalind und Romeo – zwischen Comic und Malerei, Bühne, Film und Literatur.
     Das Zentrum der Schau bildet die Folio-Ausgabe der Gesammelten Werke Shakespeares, die 1623, also sieben Jahre nach seinem Tod erschienen ist. Liebevoll von Kennern »First Folio« genannt, gehört die Ausgabe zu den wertvollsten Büchern der Welt. In Deutschland gibt es nur drei Exemplare.
     In einem bunten Wirbel rund um die berühmte Erstausgabe ermöglichen liebevoll gestaltete Kabinette einen kaleidoskopischen Blick auf das Nachleben des großen englischen Dramatikers. So steht das erste Kabinett unter der Widmung Ben Jonsons aus der First Folio, in der er Shakespeare als »Soule of the age!« feiert. Die Kabinette »The Worst« und »Dogs of War« stellen menschliche Abgründe und Höhenflüge dar, ein weiteres Kabinett entführt zu den bunten und teils obskuren Liebespaaren der Dramen - wo Feenköniginnen sich in Esel und Paare sich durch eine Zauberblume in neue Partner verlieben können.

 

Shakespeare reloaded Auch der Film macht vor dem Theater nicht halt. Eine Reihe außergewöhnlicher Verfilmungen bietet das Filmmuseum Düsseldorf (23.07. - 30.08.14). Immer wieder haben sich herausragende Regisseure von Shakespeares Stücken inspirieren lassen, wie Ernst Lubitsch, der im besetzten Warschau eine Schauspielertruppe mit »Hamlet« die Nazis austrickste. Aki Kaurismäki verlegte dagegen die Handlung in eine kalte Geschäftswelt unserer Tage. Akira Kurosawa transportierte »King Lear« nach Japan (»Ran«) und Kenneth Branagh wagte einen filmischen Neuansatz mit »Henry V.« .
     Während Roman Polanski seinen Macbeth in einer Gewalt- und Blutorgie untergehen lässt, verwandelt »Rave Macbeth« die Geschichte in eine Abrechnung unter Drogendealern im Technoclub. Selbst ins Weltall („Forbidden Planet – Alarm im Weltall“) wurden Stoffe getragen.


Mit schöner Regelmäßigkeit flammen immer wieder Diskussionen um die Person Shakespeares auf. Mal ist er der »Anonymus«, dann wieder soll er Edward de Vere, der Earl of Oxford, gewesen sein – der allerdings schon 1604 verstarb, als viele Dichtungen Shakespeares noch gar nicht erschienen waren. Andere Theoretiker wollen ihn zu Christopher Marlowe machen, der aber noch einmal elf Jahre vor dem Earl unter zweifelhaften Umständen das Leben verlor. Was immer unternommen wurde: Dem überragenden Geist, der von 1564 bis 1616 unter dem Namen William Shakespeare lebte, konnte niemand die Autorschaft an den kunstvollen Versen streitig machen, die in ihrem tiefen Sinn für alles Menschliche – vom Rüpelhaft-Komischen bis zum Katastrophal-Tragischen, von der tagespolitischen Anspielung bis zum Ewigkeitswert – bis heute die ganze Welt in ihren Bann zieht. Viele mögen es nicht wissen: Doch auch ihre Rolle ist irgendwo in einer der Tragödien, Historien und Komödien vorgefertigt. Und wer eines Tages das Skript entdeckt, wird dem Dichter beipflichten: »All the world’s a stage« – »Die ganze Welt ist eine Bühne«.

EA van den Hoogen

 

 

 Die Karten für das Shakespeare Festival im Globe Neuss gibt es im Internet. Veranstaltungsort: Globe Neuss auf der Rennbahn, Stresemannallee, 41460 Neuss. Weitere Informationen unter: www.shakespeare-festival.de

► Das Museum für Angewandte Kunst Köln (An der Rechtschule, 50667 Köln) ist dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet, am ersten Sonntag im Monat 10‑17 Uhr und am ersten Donnerstag im Monat von 11 bis 22 Uhr. Weitere Informationen: www.makk.de

► Das Theatermuseum der Landeshauptstadt Düsseldorf (Jägerhofstraße 1, 40479 Düsseldorf) ist dienstags bis sonntags von 13 bis 19 Uhr geöffnet. Weitere Informationen: www.duesseldorf.de/theatermuseum/

Filmmuseum Düsseldorf, Schulstraße 4, 40213 Düsseldorf.
Weitere Informationen:
www.duesseldorf.de/filmmuseum/

 

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