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rheinische ART 06/2015

PORZELLAN UND BAUKERAMIK

Edles aus Ming und Qing

 

Das eine ist gut bekannt und sozusagen „klassisch“, das andere eher eine kleine Sensation. Kölns Museum für Ostasiatische Kunst (MOK) zeigt nicht nur ausgesuchte Schätze aus seinem chinesischen Porzellan-Bestand, sondern erstmals auch seltene Baukeramik aus dem Reich der Mitte.

 

Baukeramik der Qing-Dynastie  Zwei daoistische Unsterbliche, Firstziegel vom Dach eines daoistischen Tempels, Qing-Dynastie 17. - 18. Jh., Steinzeug, Provinz Shanxi, Fa 11,2 © Foto Rheinisches Bildarchiv (RBA) rba_d033608

 

Es ist eine Ausstellung, die dem Besucher anhand der Themen Produktion und Export von Porzellanen sowie Baukeramik eine umfangreiche Sicht über die berühmte chinesische Brennwarenkunst ermöglicht.

 

Kern der Schau bilden rund 100 der kostbarsten chinesischen Porzellane der Ming- und Qing-Dynastie (1368-1911) aus den eigenen Sammlungsbeständen. Die Exponate, die in Verbindung mit Dauerleihgaben der Peter und Irene Ludwig Stiftung präsentiert werden, gehören zu den ungewöhnlichsten Porzellan-Arbeiten, die das Haus in seiner Sammlung aufzuweisen hat.

 

 

Porzellan der Ming-Dynastie Flasche in Form einer Kürbiskalebasse, Ming - Dynastie,Yongle-Periode (1403-24), Porzellan, Jingdezhen, Provinz Jiangxi, F 68,4 © Foto Rheinisches Bildarchiv (RBA) rba_d033653_01

 

Porzellan der Ming-Dynastie   Daoistischer Unsterblicher, Ming-Dynastie, Mitte 17. Jh., Blanc de Chine, Dehua, Provinz Fujian, F 84,2 © Foto Rheinisches Bildarchiv (RBA)  rba_ d033663 _01

 

Porzellan  Neben herausragendem Blau-Weiß-Porzellan des 15. bis 19. Jahrhunderts umfasst die Präsentation eine Vielzahl reich mit Überglasurfarben dekorierte Stücke, außerdem Porzellan mit eleganten monochromen Glasuren, rein weißes Blanc des Chine und verschiedene Typen von glasiertem Steinzeug.

     Porzellan, das "Weiße Gold", galt, wie auch die Keramik, in China als Luxusgut. Die mit einer ausgewogenen Ästhetik bestechenden Dekormotive auf den Porzellan-Arbeiten drücken die Hoffnung auf Glück und Wohlstand, langes Leben und zahlreiche Nachkommen aus.

     Um den hohen Stellenwert der für die Ming- und Qing-Dynastien typischen bicoloren Brennwaren nachvollziehen zu können, verdeutlicht das Museum in der Ausstellung die schwierigen Produktionstechniken. So trugen die Porzellanmaler das Kobaltblau mehr oder weniger "blind" in Form einer grauen Glasurflüssigkeit auf die Ojekte auf; erst nach dem Brand konnte erkannt werden, ob die Malerei geglückt war.

     Vor diesem Hintergrund, so die Kölner Kuratoren, sei das Genie der chinesischen Porzellanmaler zu bewundern, die es verstanden, den Stil der Tuschmalerei in das Medium der Porzellanmalerei zu übersetzen.

 

Exportschlager "Weißes Gold"  Die edlen, glänzenden Waren aus den kaiserlichen Brennöfen - im Land selber und angrenzenden Regionen seit alters her geschätzt und als Kunstwerke gesammelt und gehandelt - fanden schnell ebenfalls in Europa und im Vorderen Orient ihre Bewunderer und Liebhaber. Sie mutierten zum „Renner“ unter den seltenen und kostbaren Gütern. Die Nachfrage nach China-Porzellan wurde beständig größer.

     Bereits unter der mongolischen Fremdherrschaft (Yuan Dynastie 1279–1368) produzierten die Werkstätten in Jingdezhen, Provinz Jiangxi, in großen Mengen für den Fernhandel, der über Landwege erfolgte.

     Das Blau-Weiß-Porzellan, zunächst unter Verwendung von importiertem Kobaltblau massenweise produziert, erlebte eine große Blüte. Die dichten geometrischen Dekore waren durch persische Metallarbeiten inspiriert. Auch die Formen der großen Schalen und Gefäße verdeutlichen, dass sie für den islamischen und später für den europäischen Markt geschaffen wurden.

 

Porzellan der Qing-Dynastie  Ein Paar Trinkbecher, Qing-Dynastie, Yongzheng-Marke und Periode (1723-1735), Porzellan, Jingdezhen, Provinz Jiangxi, F 76,5 © Foto Rheinisches Bildarchiv (RBA) rba_d033944_01

 

Handelsboom  Mit der Entdeckung der Seewege nach Asien 1516 durch Portugiesen gewann der Porzellanexport in der Ming-Dynastie (1368-1644), trotz zeitweisem Verbot, eine neue Dimension.

     Der Zwischenhandel im Mittleren und Vorderen Orient wurde umgangen, europäische Handelskontore gründeten Dependancen im Reich der Mitte wie 1602 die niederländische „Vereenigde Oost-Indische Compagnie“ und belieferten den stark nachfragenden heimischen Markt.

     Viele der Dekorbegriffe, etwa Kraak-Porzellan, Tulpen-Dekor oder Astern-Dekor gehen auf die Bezeichnungen in den Auftragsbüchern der damals führenden Handelskompanien zurück. Ab 1700 beteiligte sich ferner die englische East India Company am Porzellanhandel und verschiffte das gefragte Gut bis in die amerikanischen Kolonien.

 

Innovationen  Bedeutende Neuerung in Technik und Farbgebung kennzeichnen die Produktion in der Qing-Periode (1644-1911). Andere Stilrichtungen mit einer breite Palette von Pastelfarben traten an die Stelle des reinen „Weißen Goldes“ und des Blau-Weiß-Stils, wie etwa die famille rose, bei der vornehmlich fein abgestimmte Rosa- und Purpurtöne verwendet wurden und die das ganze 18. Jahrhundert eine dominante Rolle spielten (mehr).

 

Keramik  Eine sehr ungewöhnliche Gruppe von Schaustücken bildet die in leuchtenden Farben glasierte Baukeramik, mit denen die Kölner Exposition aufwarten kann. Es handelt sich um Architekturfragmente aus den beiden großen Herrschaftszeiträumen. Sie wurden vom dem Gründer des Ostasiatischen Museums, Adolf Fischer (mehr), nach Köln gebracht, der sie auf seinen Forschungsreisen mit dem deutschen Architekten Ernst Boerschman 1906 und 1907 in China erworben und zusammengestellt hatte.

 

Baukeramik der Qing-Dynastie  Wandziegel mit Dekor von Lotos, der auf einem Felsen dem Wasser entspringt, Qing-Dynastie, 18. Jh., Steinzeug, wahrscheinlich kaiserlicher Ofen bei Beijing, Fa 53 © Foto Rheinisches Bildarchiv (RBA) rba_d033682_03 

 

Fischer sammelte aus architektonischem Interesse und versuchte, von den wichtigsten Dekorteilen eines chinesischen Gebäudes je ein oder wenige Beispiele zu sichern.

     Jahrzehnte im Museumsdepot gelagert, wurden Fischers Keramiken nach Angaben der Aussteller bisher noch nie präsentiert oder publiziert. Wenn auch diese Stücke, die Fischers Bestreben erkennen lassen, die spezifische chinesische Baukunst sammlungstechnisch repräsentativ abzudecken, im Wesentlichen aus normalen, farbigen Ziegeln bestehen, sind sie aus kulturhistorischer Sicht von außerordentlicher Bedeutung.

     Denn die meisten der Tempel, Paläste oder Residenzen, von deren Dächern, Traufgebälke oder Mauern die Fragmente - etwa Dachreiter oder Firstziegel - stammen, wurden im Laufe der Zeit zerstört und gingen unwiederbringlich verloren. Die geretteten Baukeramiken sind somit heutzutage einzigartige Zeugnisse Ming- und Qing-zeitlicher Keramikkunst, einer der ältesten Kulturtechniken überhaupt. Wie MOK-Leiterin Adele Schlombs betonte, handele es sich bei der gezeigten Baukeramik um eine erst seit wenigen Jahren beachtete Kunstgattung. Vergleichbare Exponate wie die in Köln hätten weltweit nur wenige Museen aufzuweisen.
K2M

 

Das Wort „Kraak“ stammt aus dem Niederländischen und leitet sich verballhornend vom portugiesischen Fachbegriff für den Schiffstyp „Karacke“ ab. Zwischen 1602 und 1604 hatten die Niederländer mehrfach derartige Schiffe gekapert und die Ladung, zigtausendfaches Blau-Weiß-Porzellan aus der Wanli-Periode, in Amsterdam versteigert. Für diese Waren hatte sich der Terminus Kraak-Porzellan eingebürgert.


Die Ausstellung „Weißes Gold - Porzellan aus China: 1400 bis 1900“ ist bis zum 2. August 2015 zu sehen.
Museum für
Ostasiatische Kunst Köln (MOK)

Universitätsstraße 100
50674 Köln
Tel. Kasse 0221 – 221 28617
Öffnungszeiten
DI – SO 11-17 Uhr

 

 

 

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» ZITAT «

 

"Berlin ist die langweiligste Museumsmetropole der Welt. Kaum eine andere Stadt besitzt so viel schöne Kunst - und gibt sich so viel Mühe, Besucher davon fernzuhalten."


Ulrike Knöfel in Der Spiegel, Nr. 27, S. 119

 

 

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