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rheinische ART 04/2018

KUNSTSAMMLUNG
Eine Zustandsbeschreibung


Alle fünf Jahre werden die jüngsten Kunstankäufe für die zeitgenössische Sammlung der Bundesrepublik Deutschland der Öffentlichkeit vorgestellt. Das Ziel: Die ausgewählten Kunstwerke sollen die künstlerische Entwicklung in Deutschland aufzeigen.

 

Sofia Hultén Aus der Serie Points in a Room Condensing, 2006, Farbfotografie, Edition 4/6, 12-teilig, je 40 x 32 cm, Sammlung zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland © Sofia Hultén, VG Bild-Kunst, Bonn 2018

 

Die Bundeskunsthalle in Bonn ist Schauplatz dieser durchaus spannenden Präsentation, die den Titel „Deutschland ist keine Insel“ trägt. Gezeigt werden die Ankäufe von 2012 bis 2016. Die 150 (von insgesamt 172) vorgestellten Werke von 81 Künstlern stehen dem Sammlungskonzept entsprechend für die Kunstproduktion ihrer Zeit.

 

Sebastian Dacey ohne Titel, 2011, Öl auf Leinwand, 120 x 110 cm, Sammlung zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland © Sebastian Dacey; Fotografie BKM

 

Es gehört zur Genetik der Kunst, tradierte Sichtweisen zu hinterfragen und gegebenenfalls aufzulösen. Lösungen muss sie nicht bieten, Orientierung vielleicht. Kunst generell, ob politisch oder gesellschaftskritisch, gilt immer noch als ein Gradmesser für eine Gesellschaft. So steht die (wechselnde) Ankaufskommission jeweils vor der Frage: „Welche Kunstwerke nehmen in besonderem Maße auf unsere Gesellschaft Bezug und können jetzt und in Zukunft Auskunft über den Zustand unserer deutschen Gegenwart erteilen?“


Bekanntlich sind ja gerade die vergangenen Jahre von erheblichen Umwälzungen gekennzeichnet, in deren Folge das mainstreamgeprägte Deutschland ziemlich zerrüttet erscheint. So konnte auch die Kunst nicht daran vorbeisehen, dass Kriege und Machtstreben, Flucht, Flüchtlinge und zuletzt auch der gefühlte Inhalt des Wortes Heimat den gesellschaftlich bestehenden Konsens aufzulösen begannen und sich neue, humanitäre, tolerante, aber auch demagogische Gedanken wie Taten Raum schufen. All dies geschah in einem unglaublich rasanten Tempo und darin liegt vielleicht auch begründet, dass aus der heutigen Sicht, der des Jahres 2018, einzelne Kunstwerke ihren gesellschaftlichen Dienst bereits abgeleistet haben und ihr inhaltlicher Wert mit stark emotionalen Botschaften schon eher – und zwar ganz im Sinne des Sammlungsgedankens - ein dokumentarischer ist.

 

Erik van Lieshout Aus der 9-teiligen Serie ohne Titel (The Island), 2015, Mixed Media auf Papier, 30 x 42 cm, Sammlung zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland © Erik van Lieshout


Mit dieser Ausstellung, so informiert die Bundeskunsthalle, soll „… der multikulturelle Ort ‚Deutschland‘ beschrieben werden, ein Ort, an dem alle willkommen sind. Und ein Ort, an dem sich alle Künste interdisziplinär entwickeln können...“ Betrachtet man das „multikulturelle“ in dieser Aussage, so hat die Ankaufskommission, ob bewusst oder unbewusst, vermutlich ganz selbstverständlich, dem Rechnung getragen. Ein Blick auf die Künstlernamen zeigt, dass die Kunst für die zeitgenössische Sammlung Deutschlands nicht zwangsläufig von deutschen Künstlern stammen muss. So steht diese Ausstellung noch für etwas ganz anderes und zwar ganz im Sinne des Ausstellungstitels, nämlich dass die im Zuge einer mehr und mehr vernetzten Weltgemeinschaft gelebte Offenheit vergangener Jahre auch in der deutschen Kunstszene ihren Platz hat:
     „Spätestens seit der Wiedervereinigung und der Etablierung Berlins als deutsche Hauptstadt und globale Kunstmetropole hat sich der deutsche Kunstbetrieb so rasant internationalisiert, dass heute statt von ‚deutscher Kunst‘ nur mehr von ‚Kunst aus Deutschland‘ oder ‚Kunst in Deutschland‘ gesprochen werden kann, wenn man der Situation gerecht werden will. Insofern – auch darauf spielt der Ausstellungstitel „Deutschland ist keine Insel“ an – spiegelt sich in der Ankaufspolitik zumindest der letzten beiden Dekaden auch eine Globalisierungsentwicklung wider, für die ein Denken und Handeln in rein nationalen Grenzen nicht sinnvoll ist.“

 

Simon Denny Berlin Startup Case Mod: ResearchGate, Berlin a rising startup city? und Bauzaun, 2014, custom computer case with various digital prints, metal fittings, custom plexiglas components, Samsung UE40F6500 SS, video on USB stick; digital prints on billboard mesh, digital prints on aluminum; construction site fence, Installationsmaß: 200 x 350 x 51 cm, Sammlung zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland © Simon Denny, Fotografie courtesy Galerie Daniel Buchholz

 

Über die Sammlung der Bundesrepublik Deutschland Gegründet 1970 wurde die Sammlung vom damaligen Bundeskanzler Willy Brandt. Er griff damit eine Idee des Künstlers und Vorsitzenden des Deutschen Künstlerbundes, Georg Meistermann, auf. Nachdem die Sammlung zunächst unter der Obhut des Bundesinnenministers stand, wird sie heute von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien finanziert und verwaltet. Die Sammlung umfasst heute – 48 Jahre nach ihrer Gründung – rund 1750 Werke aus allen Bereichen der zeitgenössischen Kunst.
     Es gibt, so informiert die Bundeskunsthalle weiter, neben der umfassenden Datenbank im Internet keinen festen Ort, an dem die Sammlung präsentiert wird. Die Werke werden an öffentliche Institutionen, Bundesorgane, Bundesministerien, deutsche Botschaften aber auch an zahlreiche Museen ausgeliehen. Die Bundeskunsthalle zeigt regelmäßig Ausstellungen mit Werken aus der Sammlung: 1995 „Kunst in Deutschland“, 2003 „actionbutton“ (im Hamburger Bahnhof, Berlin), 2008 „Visite“, 2013 „Nur hier“ (mehr) und nun 2018 „Deutschland ist keine Insel“.


Ankaufskommission 2012–2016 Stephan Berg, Kunstmuseum Bonn; Susanne Gaensheimer, Stiftung Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf; Anette Hüsch, Kunsthalle zu Kiel; Matthias Mühling, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München; Svenja von Reichenbach, Deutsche Bank KunstHalle, Berlin.
Irmgard Ruhs-Woitschützke


Die Ausstellung „Deutschland ist keine Insel“ ist bis zum 27. Mai 2018 zu sehen.
Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland
Museumsmeile Bonn
Friedrich-Ebert-Allee 4
53113 Bonn
Tel. 0228 / 9171–200
Öffnungszeiten
DI + MI 10 – 21 Uhr
DO – SO 10 – 19 Uhr

 

 

                     

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