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rheinische ART 12/2017

BALTHASAR BURKHARD
Fototagebücher zum Zustand der Welt


Es ist nicht leicht, dem Schweizer Fotografen Balthasar Burkhard einen Status beizumessen, der seinem wahren Werk gerecht wird. Zu vielschichtig, zu facettenreich war sein progressives Schaffen.

 

Balthasar Burkhard Mexico City, 1999 © Estate Balthasar Burkhard 2017

 

Was war denn der gebürtige Berner eigentlich? Ein Fotokünstler, Dokumentarist, Fotojournalist oder Reportagefotograf? Ein Künstlerporträtist, Happening-Chronist oder abstrakter schwarz-weißer Landschaftsmaler mit Kamera? Oder ein Meister der Aktbildkunst, der mit stromlinienförmigen Körpern unter diffusem Licht auf riesigen Bildformaten den Betrachter verzaubert?

 

Jean-Christophe Amman o. T. (Balthasar Burkhard), USA, 1972 © Estate Balthasar Burkhard 2017

 

Balthasar Burkhard Füße 01, 1980 Silbergelatineabzug, 80,5 x 70 cm Private Sammlung © Estate Balthasar Burkhard, 2017

 

Wahrscheinlich von allem etwas. Aber dennoch wäre es zu einfach, Balthasar Burkard (1944-2010) lediglich als einen fotografischen Tausendsassa einzusortieren.

     Derzeit wird sein Œuvre anhand von 150 Werken und Werkgruppen im Museum Folkwang Essen in einer großen Retrospektive gezeigt. Es ist die erste dieser Art in Deutschland überhaupt und sie fällt so spannend, umfangreich und detailliert aus, dass manches Kunsthaus in seinem Heimatland mit neidvollem Blick nach Essen schaut. So jedenfalls konnte man es bei der Eröffnung aus berufenen Mündern verstehen.


Wie kaum ein anderes reflektiert Balthasar Burkhards Werk die Selbsterfindung eines Fotografen und berichtet von der künstlerischen Karriere des Mediums Fotografie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, so das Museum Folkwang.

     Und wer durch die brillant kuratierte Schau in den Räumen des Essener Folkwang streift, hat nicht nur das Gefühl, dass die Schauräume nur für diesen Meister der Fotografie gemacht sind – er merkt auch schnell, was den Kern von Burkhards künstlerischen Schaffen ausmacht.

     Es sind die Monumentalität seiner Bildwerke, die Fragmentierungen und die Überschreitung des Mediums Fotografie „durch die Übertragung eines zweidimensionalen Bildes in raumgreifende Installationen“.

 

Balthasar Burkhard o. T. (Documenta 5, Paul Thek), 1972 , Silbergelatine-Abzug auf DIN-A4-Blatt aufgezogen 21 x 29,7 cm © Estate Balthasar Burkhard, 2017

 

Die Schwarz-Weiß-Fotografie erlernt Burkhard in jungen Jahren als Lehrling bei Kurt Blum, einem der bekanntesten Schweizer Fotografen seiner Generation. Burkhard knüpfte Kontakt zur vitalen Kunstszene seiner Geburtsstadt Bern - damals ein Hotspot der Avantgarde - und wurde nicht nur Weggefährte, sondern Haus- und Hoffotograf des wegweisenden international renommierten Kurators, Museumleiters und Ausstellungsmachers Harald Szeemann (1933-2005).

     An dessen Seite hielt Burkhard unter anderem die von Szeemann veranstaltete legendäre documenta 5 von 1972 in Fotografien fest – es war eine jener Veranstaltungen, die sich von ihren Vorgängerinnen durch ihren politisch-kritischen Hintergrund und die provozierenden Ansätze abhob und damit Kulturgeschichte schrieb.

     In der Folkwang-Retrospektive sind erstmals Burkhards Fototagebücher dieser Zeit in einer umfassenden Zusammenschau zu sehen. Vom Chronisten der Kunstwelt emanzipierte sich der Mittzwanziger bald selbst als Künstler: mit dem Schweizer Maler, Bildhauer und Fotografen Markus Raetz entwickelte er 1969/70 erste eigenständige Werke als großformatige Fotoleinwände.

 

Balthasar Burkhard Der Körper I (Installationsansicht Ausstellung Kunsthalle Basel 1983), 1983 Silbergelatineabzug 30,7 x 45,5 cm © Estate Balthasar Burkhard, 2017

 

Weitere Tableaus auf Leinwand entstanden in den Folgejahren in Chicago, wo Burkhard einen Lehrauftrag an der University of Illinois übernahm. Anfang der 1980er zurück in der Schweiz, wurden seine Werke in heute als Meilensteine gewerteten Ausstellungen in der Kunsthalle Basel (1983) und im Musée Rath (1984) gezeigt.

     Burkhards Auseinandersetzung mit dem Körper – als menschliche Landschaft oder als Fragment – nahm fortan einen großen Stellenwert in seiner Arbeit ein. Die Folkwang-Schau macht dies mit zahlreichen Beispielen in Form von Studien, Skizzen und Nachdrucken sichtbar. Dem Besucher treten vor Verlassen der Schau nicht nur menschliche sondern auch tierische Körper entgegen, ob als Affen, Kamele oder Pferde, bestechend abgelichtet in einem Zirkusbetrieb. Die schwarz-weißen und satt grau-schattierten Fotografien wirken wie Gemälde aus einer anderen Zeit.

     Das Spätwerk des Fotografen, das Architekturfotografie ebenso umfasst wie Luftaufnahmen von Städten und Wüsten sowie - und zwar in Farbe - Pflanzenstudien im Stil des 19. Jahrhunderts, bilden den Schlusspunkt der erstaunlichen Ausstellung. Hier gelingt ihm tatsächlich der Schritt von einer brillanten künstlerischen Dokumentation hin zu einer Fotokunst im besten Sinne. 
Claus P. Woitschützke


Dem aufmerksamen Ausstellungsgast wird nicht entgehen, dass Burkhard auch im Rheinland Fotozeugnisse über die Kunstszene fertigte. So findet sich etwa Beuys-Schüler Anatol (Insel Hombroich) in der reichhaltigen Dokumenten-Präsentation.


Die Ausstellung Balthasar Burkhard wird bis zum 14. Januar 2018 gezeigt.
Museum Folkwang
Museumsplatz 1
45128 Essen
Tel . 0201 8845 160
Öffnungszeiten
DI, MI, SA, SO 10 - 18 Uhr
DO, FR 10 - 20 Uhr

 

 

 


 

 

 

FRANK BAUER 

Die Gelassenheit

der Dinge

(Foto: Ausschnitte

Öl auf Leinwand, 2017)

 

17.11.2017 - 13.01.2018

GALERIE VOSS

 


 

 

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