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rheinische ART 03/2020

MÄRZ 1945
Als für Köln der Krieg vorbei war


Vor 75 Jahren rückten amerikanische Truppen nach heftigen Gefechten in Köln ein. Die Stadt lag in Trümmern, ihre Bewohner lebten in Kellern, alles Wirtschaftliche und Kulturelle lag am Boden.

 

Köln, 4. April 1945: Cpl. Luther E. Boger, Concord, N.C., Skytrooper, 82. Luftlandedivision. verliest ein Warnschild auf der Straße, die zum Rhein führt und unter Beobachtung der Deutschen am Ostufer steht. Der deutsche Panzer ist ausgebrannt. Foto © US Army, Commons (gemeinfrei). Der Text des Schildes warnt Zuschauer oder Besucher (Sightseers): „Kein Zutritt. Über diesen Punkt hinaus ziehst du das Feuer auf unsere Kämpfer“, die 24 Stunden am Tag ihr Leben riskieren.

 

Die Coronakrise hat alle und alles im Griff. Mit ökonomischen und gesellschaftlichen Auswirkungen, wie sie seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs nicht mehr zu verzeichnen waren.

 

Buchcover Foto © Greven Verlag Köln 2020

 

Dieser aktuelle wirtschaftliche, gesellschaftliche und kulturelle Stillstand mag eine Ahnung davon aufkommen lassen, wie das Leben in der rheinischen Metropole Köln ein Dreivierteljahrhundert zuvor ausgesehen haben mag. Und dies in einer Trümmerwüste mit einer horrenden Wohnsituationen.

     Zustände, wie man sie sich heute nicht mehr vorstellen kann, selbst in Zeiten von Kontaktsperre, Hamsterkäufen und beängstigenden Todeszahlen.

     Zahlreiche Publikationen und filmische Dokumente dienen dazu, jene schweren Tage und Wochen nach der Niederlage Deutschlands in Erinnerung zu halten.

 

Speziell für das Rheinland und insbesondere Köln sind die Veröffentlichungen des Greven Verlag interessant. So sei etwa der bereits 2013 erschienene Fotoband „Lee Miller: Köln im März 1945“ an dieser Stelle noch einmal in Erinnerung gerufen.
     Bereits bei der seinerzeitigen Herausgabe wurde der Band als einzigartiges Werk gelobt: mit faszinierenden und spektakulären Dokumentarfotografien aus der völlig zerstörten Stadt, wie auch ergreifenden Bildern von politischen Gefangenen aus dem berüchtigten Klingelpütz, die an einem Massengrab ermordeter Kameraden gedenken. Dies alles in einer herausragenden Qualität, die bis dato nicht zu sehen war.

     Zahlreiche dieser unmittelbaren Nachkriegsfotos aus Köln wurde in der britischen Ausgabe der Zeitschrift „Vogue“ veröffentlicht und bestimmten seinerzeit maßgeblich das Bild von Deutschland und den Deutschen.

 

David E. Scherman, Lee Miller 1944, United States Army Signal Corps, , Foto © U.S.Military, Fotoquelle Wikipedia (gemeinfrei)

 

US-Soldaten beim Vorrücken in der Kölner Innenstadt. Foto © US Army, Commons (gemeinfrei).

 

Aufgenommen wurden diese Fotodokumente in wenigen Tagen von der US-amerikanischen Militärfotografin Lee Miller (1907–1977), die im Auftrag der Zeitschrift „Vogue“ befreite Städte und deren Menschen ablichtete.

     Miller war eine durchaus schillernde Persönlichkeit und zum Zeitpunkt des US-Einmarsches in das Rheinland 38 Jahre alt (mehr). Als Mitarbeiterin und Geliebte des amerikanischen Star-Fotografen Man Ray (mehr) schuf Miller mit diesem zusammen Ikonen der Fotogeschichte. Ihre Bilder aus den Kriegsjahren in Europa zählen heute zu den historisch wie künstlerisch spektakulärsten Foto-Dokumentationen.

 

Neben Miller begleiteten zahlreiche weitere Journalisten und Fotografen die Kampfhandlungen. Zu einer vielgedruckten Fotografie – allerdings nicht von Lee Miller – gehört die Szene vor dem beschädigten Kölner Dom (siehe oben). Vor einem zerstörten deutschen Panzer wird von einem US-Korporal der 82nd Airborne Division ein Warnschild betrachtet. Vorangegangen war dieser Situation ein Panzergefecht in der Innenstadt, das auch in Filmen festgehalten wurde und quasi als „Medienereignis“, wie es der Kölner Filmemacher und Journalist Hermann Rheindorf einmal formulierte, um die Welt ging.

 

Nachdem am 6. und 7. März 1945 die alliierten Truppen den westlichen Teil Kölns besetzten, hielt die deutsche Wehrmacht noch immer das Ostufer des Rheins und griff mit Artillerie an. Köln blieb im März 1945 eine geteilte Stadt. Der rechtsrheinische Teil, die „Schäl Sick“, wurde zwischen dem 12. und 15. April 1945 eingenommen und von der US-Militärverwaltung übernommen. Bis zum 16. April war ein linksrheinischer Uferstreifen von etwa 500 m Länge zum Sperrgebiet erklärt worden, Dom und Domplatte befanden sich genau in dieser Zone.
rART/ K2M

 

Literaturhinweis: Lee Miller: Köln im März 1945. Mit Beiträgen von Kerstin Stremmel und Walter Filz. Herausgegeben von der Historischen Gesellschaft Köln e.V. und dem Zentral-Dombau-Verein zu Köln von 1842. Greven Verlag Köln 2013, 120 Seiten, gebunden, ISBN-13: 978-3774306189. Preis 24,90 EUR

 

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