rheinische ART
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rheinische ART 09/2014

FREEPORT LUXEMBOURG
Im großen Schließfach

 

Wenn ein Geschäftsmodell aus der Schweiz, deutsche Technologie, italienisch-amerikanisches Architekturdesign, portugiesische Street Art und luxemburgische Bauausführung kombiniert werden, kann entstehen, was jetzt am Airport des Großherzogtums in Betrieb ging: eine hochtechnologische Logistikimmobilie, ein wegweisendes Sicherheitslager für Kunst- und Wertobjekte, kurz: ein High Tech-Kunsttresor.

 

Kühl, sachlich, sicher. 24/7/365 ist die Devise im Freeport: Höchstmögliche Sicherheit, 24 Stunden täglich, an allen sieben Wochentagen und an allen Tagen des Jahres. Die ultramoderne Sicherungstechnik im Gebäude reicht von Infrarotkameras, High-Tech-Scannern und Erschütterungsmeldern bis zu biometrischen Zutrittskontroll-Lesern. Ein Muss in einer sensiblen Branche, deren Waren global gehandelt und versandt werden. Foto ©Le Freeport Luxembourg

 

Schloss und Riegel reichen längst nicht mehr aus. Diese Erkenntnis ist nicht nur in Logistikkreisen verbreitet. Branchen mit Waren der Kategorie „hochwertig“ benötigen zunehmend sichere Lagerflächen. Konkret betrifft dies etwa Kunstwerke, Edelmetalle, edle Weine, Vintage-Fahrzeuge, Schmuck, Antiquitäten und ähnliches – insgesamt ein Milliardenmarkt.

 

Kurze Wege sind sichere Wege. Die Wertgüter können risikolos unmittelbar zwischen den Flugzeugen und dem Freeport bewegt werden. Sie verlassen das Cargo-Areal nicht. Im Erdgeschoss befinden sich Anlagen für das sachgerechte Handling von Unit Load Devices (Flugzeugbehälter). Foto©Le Freeport Luxembourg

 

Rasante Realisation Der jetzt eröffnete „Le Freeport Luxembourg“ ist nicht irgendeine Lagerhalle irgendwo. Keine zwei Jahre benötigte der Schweizer Hauptinvestor Yves Bouvier vom ersten Spatenstich bis zur Eröffnung im September 2014, um das beeindruckende Gebäude auf das Cargo Center Luxembourg zu setzen (mehr). Sein Einsatz: 50 Millionen Euro.

 

Blick in die Lobby. Die architektonische Identität des Inneren strahlt einen Einklang mit den eingelagerten Wertobjekten aus. Foto©rART

 

Das Betonrelief (Ausschnitt) im Foyer schuf der portugiesische Künstler Alexandre Farto (*1987), alias Vhils, der für seine revolutionären Graffiti- und Street-Art-Arbeiten bekannt ist. Foto ©rART

 

Unser Feeling anlässlich unseres Besuchs zur Eröffnung: James Bond-tauglich. Ohne Zweifel, der vier Stockwerke umfassende Riesentresor setzt neue Maßstäbe.

     Luxemburgs - vermutlich - souveränster Platz für Sachwerte offeriert allerdings mehr als nur tausende Quadratmeter Lager: Mit seinen Sicherheitseinrichtungen wirbt er um Vertrauen und mit seinen Diensten bietet er einen Komfort, der seinesgleichen sucht. Zur Leistungspalette gehören - in dieser Form erstmals in einem EU-Land  - spezielle Angebote für den Kunstsektor. Von der Restauration, der Provenienzrecherche, der Taxierung bis zur privaten Präsentation im hauseigenen Showroom - alles ist möglich, und dies steuer- und zollfrei für die Dauer der Freeport-Nutzung, was internationale Geschäfte enorm erleichtert und attraktiv macht. Die Abgaben fallen erst an, wenn Objekte endgültig in andere Länder veräußert werden.

 

Bauherr Bouvier, der bereits ähnliche Anlagen in Genf und Singapur betreibt, erklärte, dass der Freeport Luxembourg „...in allen Hinsichten den anspruchsvollen Anforderungen des globalisierten Weltkunstmarktes gerecht“ werde und es für Sammler und Investoren kein besseres Angebot für das Handling und die Ausstellung ihrer Kunst- und Wertobjekte sowie für die Handelsaktivitäten gebe.
     Auf der feierlichen Einweihung, an der Landesherr Großherzog Henri teilnahm, stellte Vize-Premier- und Wirtschaftsminister Etienne Schneider heraus: „Le Freeport Luxembourg wird stark zur Diversifizierung des Wirtschaftsstandortes Luxemburg beitragen, besonders die logistische Plattform und das Finanzzentrum werden um bedeutende Aktivitäten ergänzt oder bereichert.“

 

Gesetze Die notwendigen politischen Lösungen hatte das Land Luxemburg schnell gefunden und seine Gesetze 2011 entsprechend den EU-Maßgaben angepasst. Beobachter aus dem Rheinland fragen sich da allerdings: Warum geht das nicht auch am zweitgrößten deutschen Luftfrachtknoten Köln/Bonn? Oder warum nicht am Airport in Düsseldorf? Immerhin gilt die Rheinregion auch im Weltmaßstab als Kunstadresse ersten Ranges, Nachfrager residierenden quasi vor der Tür. Dass es sich beim Thema „Logistik + Hochsicherheit“ um einen zukunftsträchtigen Spezialmarkt handelt, ist in der Branche hinlänglich bekannt.

 

Mehrere Showrooms stehen im Haus zur Präsentation in (fast) privatem Ambiente zur Verfügung. Die reinen Lagerräume sind je nach Bedarf temperatur- und feuchtigkeitsgeregelt. Zu den Spezialeinrichtungen gehören auch Lagerräume für edle Weine. Die Storage-Kapazität ist auf 750.000 Flaschen ausgelegt. Foto©Le Freeport Luxembourg

 

Hohe Auslastung Gegenüber der rheinische ART. verwies das geschäftsführende Verwaltungsratsmitglied David Arendt darauf, dass man zur Eröffnung bereits auf eine Auslastung von 60% der Kapazitäten verweisen könne. Interessenten, die Arendt im Auge hat, sind Fachspediteure, Galerien, Auktionshäuser, institutionelle und private Sammler, Kunst- und Antiquitätenhändler, Investmentfonds und Banken.

 

Die Sicherheitsanforderungen umfassen äußere und innere Kontrollen. Außensicherung mit Zäunen, Sperrdraht und Kameras. Foto©rART

 

Die Kölner Spezialspedition für Kunst, Brandl Transport GmbH, ist bereits vor Ort. Geschäftsführer Otto Brandl will schon mit Beginn 2015 eine eigene Dependance für Brandl Fine Art Service in Luxemburg mit einer kompletten eigenen Mannschaft besetzt wissen und seinen Kunden den umfangreichen Freeport-Service offerieren. Die Nachfrage nach Hochsicherheitsleistungen habe in den letzten Jahren sprunghaft zugenommen, erläuterte Brandl, das Angebot sei jedoch begrenzt. Ursache für die gestiegene Nachfrage seien die enormen Wertsteigerungen auf dem Kunstmarkt. Brandl-Mitarbeiter Dirk Schmitz hob den Einsatz großen Fluggeräts und die außerordentlich gute Frachtanbindung des Airports Luxembourg hervor, etwa auf der kunstträchtigen Relation Nordamerika, der den Lufttransport von sehr großen Kunstwerken ermögliche.

     Ein Leistungselement im Übrigen, das selbst der führende deutsche Cargo-Airport Frankfurt nicht in Gänze erfüllen könne. Und gerade auch in diesem Marktsegment sei die Nachfrage spürbar gestiegen, seit die Meister der „contemporary art“ wie Koons, Hirst (mehr), Kiefer (mehr) & Co. mit ihren Monumentalobjekten schon mal alle üblichen Maße sprengten, kommentierten die Kölner Kunstlogistiker.

 

Der Zoll und die Kontrolle Der Freeport Luxembourg arbeitet unter der Aufsicht des Luxemburger Zolls. Für die Dauer der Einlagerungen sind Waren und Dienstleistungen von Steuern und Zöllen befreit. Nicht nur die Sicherheit, auch die Regularien sind streng. Das kostbare Gut kann nur über Freeport-Operatoren, zum Beispiel Spediteure, in den „Freihafen“ gelangen oder diesen verlassen. Jede Warenbewegung, ob ein- oder ausgehend, ist dem Zoll anzuzeigen, der mit eigenen Büros auch „physisch“ in der Hochsicherheitsanlage präsent ist. Freeport-Operatoren sind verpflichtet, laufend ihre Lagerbestände und -orte detailliert zu dokumentieren.

 

 

Die technischen Anforderungen an die Sicherheit bestimmen den markanten Gebäudecharakter. Praktisch ohne Fenster wird die wenige natürliche Lichtzufuhr durch Glasdächer erzielt. Der Komplex bietet eine Fläche von 22.000 Quadratmetern. Die architektonische Identität des Äußeren ist diskret und nachhaltig in der Konzeption. Naturstein in Körben dominiert die Optik der Fassade, es ist heimisches Baumaterial, umweltfreundlich und wiederverwendbar. Foto©Le Freeport Luxembourg

 

► Im ersten Halbjahr 2014 wurden in Deutschland mehr Lagerhäuser gebaut als im Jahr vorher. Die Neubauten nahmen eine Fläche von 1,7 Millionen Quadratmetern ein, bis Jahresende wird eine Verdoppelung prognostiziert. Spitzenreiter in der Bautätigkeit waren die Regionen Niederrhein und Köln, wo nach Angaben des Infodienstes "Logistikimmobilien-Seismograph" Lagerimmobilien im Umfang von 350.000 Quadratmetern entstanden. Analysen gehen von einer bundesweiten Investitionssumme von insgesamt 1,8 Mrd. Euro aus. Allerdings gab es kein Investment in ein dem Freeport Luxembourg vergleichbares Hochsicherheitslager. 

Claus P. Woitschützke


Mehr Informationen zum Freeport Luxembourg hier

 

 

 

 

Originalgrafik

KÜNSTLER- 
Yin Ming-Ming

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

FRANK BAUER 

Back to Basics

29.08. - 11.10.2014

 

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