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rheinische ART 10/2018

MARC RIBOUD

Profession als Passion

 

Bilder machen, wie er es nannte, bedeutete für ihn, das Leben voll auszukosten – und zwar „jede Hundertfünfundzwanzigstel Sekunde“. Der französische Fotograf Marc Riboud (1923 – 2016) war ein Großmeister seines Metiers.

 

Marc Riboud „La fille à la fleur“ Bei einem Friedensmarsch gegen den Vietnamkrieg / Manifestation contre la guerre au Vietnam / During a march to protest the war in Vietnam, Washington 1967, Foto © Marc Riboud; Fotoquelle Suermondt-Ludwig-Museum Aachen 2018

 

Zwei Jahre nach seinem Tod widmet ihm ein deutsches Museum erstmals eine größere Retrospektive. Das ist eigentlich nicht erstaunlich, sondern war längst fällig. Zu sehen sind die Fotografien dieses Meisters der Lichtbildkunst im Aachener Suermondt-Ludwig-Museum. Die Ausstellung mit dem Titel „Meine Bilder sind Notizen. Fotografie aus fünf Jahrzehnten“ zeigt 140 seiner bekanntesten Arbeiten.

 

Marc Riboud „Tour Eiffel, Paris 1953“ Anstreicher auf dem Eiffelturm / Le peintre de la Tour Eiffel / Painter on the Eiffel Tower, Paris 1953, Foto © Marc Riboud; Fotoquelle Suermondt-Ludwig-Museum Aachen 2018

 

Eine seiner berühmtesten Fotografien fehlt natürlich nicht. Es ist jenes Bild, das seinen Berufsweg als Fotojournalist einleitete. „Tour Eiffel, Paris 1953“ zeigt einen ungesicherten Anstreicher, der fast balletthaft auf einer Stahlstrebe balancierend seiner Arbeit an dem Nationalmonument nachgeht.

     Das Foto erschien im selben Jahr im US-Magazin „Life“, worauf der Dreißigjährige von den Fotolegenden Henri Cartier-Bresson (mehr) und Robert Capa (mehr) eingeladen wurde, in der Fotoagentur Magnum mitzuarbeiten. Riboud bezeichnete Cartier-Bresson lebenslang als sein großes Vorbild.

 

Selbst zum Star wurde Riboud mit einer anderen Momentaufnahme, die ihn fast schlagartig weltberühmt machte. „La fille à la fleur“ (Das Mädchen mit der Blume) gilt als eines der ikonenhaftesten Antikriegsbilder der Geschichte.

    Riboud realisierte die Schwarzweiß-Fotografie bei einer Demonstration gegen den Vietnamkrieg vor dem Pentagon in Washington am 21. Oktober 1967. Später erinnerte sich der Fotojournalist, der im Auftrag von Magnum den Protestmarsch begleitete, an die Entstehung. Es habe nur wenig Licht gegeben und er habe die Blende weit geöffnet, die Tiefenschärfe fehlte und der Fokus hätte genau auf Blume, Bajonett und dem Gesicht der Frau gelegen. „Aber nicht sie hatte Angst, sondern der Soldat. Und das war außergewöhnlich.“

     Bei dem Mädchen vor den Bajonetten handelte es sich um die Schülerin Jane Rose Kasmir, die dadurch zum Symbol der Gewaltlosigkeit wurde.

 

Marc Riboud Die Schauspielerin Gong Li, China / L’atrice Gong Li, Chine / The actress Gong Li, China, 1993, Foto © Marc Riboud; Fotoquelle Suermondt-Ludwig-Museum Aachen 2018

 

Marc Riboud Am Ufer des Flusses Stung Siem Reap, Angkor, Kambodscha / Au bord de la rivière Stung Siem Reap, Angkor, Cambodge / On the banks of the Stung Siem Reap river, Angkor, Cambodia, 1990, Foto © Marc Riboud; Fotoquelle Suermondt-Ludwig-Museum Aachen 2018

 

Riboud veröffentlichte in namhaften Magazinen wie Paris Match, Life, Stern und Geo. Zum Ende seiner Karriere gab er an, über 400.000 Fotografien gefertigt zu haben und dass seine Profession seine Passion gewesen sei. Er erhielt zahlreiche Ehrungen und Preise, und seine Arbeiten waren in vielen Ausstellungen zu sehen – von Paris über New York bis Shanghai und Tokio.

 

Eine feinfühlige Darstellung der Menschen, das Gespür für den richtigen Augenblick zwischen Nähe und Distanz und exzellente Bildkompositionen kennzeichnen sein Werk, betonen die Kuratoren im Aachener Suermondt-Ludwig-Museum. Die Fachwelt attestierte ihm eine Art „visuelle Zärtlichkeit“ im Ausdruck seiner ungewöhnlichen Fotografien.

     Ebenso ungewöhnlich: Riboud war, obwohl er weltweit unterwegs war, nie Kriegsfotograf und favorisierte auch nie Fotothemen wie Konflikte, Unruhen oder Demonstrationen. Er war ein Chronist des Alltags, der mit seinem Instinkt den richtigen Augenblick zu erfassen vermochte.

     Marc Riboud wurde 1923 in Lyon als fünftes von sieben Kindern einer bürgerlichen Familie geboren. Mit der Fotografie begann er bereits mit 14 Jahren, nachdem ihm sein Vater, ein kulturaffiner Bankier, eine Taschenkamera vom Typ Kodak Pocket Vest geschenkt hatte. Er absolvierte eine Ausbildung zum Maschinenbau-Ingenieur und arbeitete zunächst in einer Fabrik nahe seiner Heimatstadt. 1953 beschloss er, sich ganz der Fotografie zu widmen.

 

Marc Riboud Straße zum Khyber-Pass / Route à la passe de Khyber / Road to Khyber Pass, Afghanistan, 1955, Foto © Marc Riboud; Fotoquelle Suermondt-Ludwig-Museum Aachen 2018

 

Mit einem alten Landrover reiste der junge Fotograf ab 1955 Richtung Osten, nach Afghanistan, Indien und Japan, ab 1957 auch nach China, Tibet, Kambodscha und Russland. Für jene Zeit sehr ungewöhnliche Ziele.   

     Überaus bemerkenswert war die Tatsache, dass Riboud einer der wenigen Fotografen war, der in den 1960er Jahren Zugang sowohl nach Nord- als auch nach Südvietnam hatte, und er war einer der ersten Fotojournalisten aus dem Westen, der die Entwicklung des kommunistischen China über Jahre hin dokumentierte. Das führte zu seiner oft zitierten und eher amüsant gemeinten Bemerkung, er sei die Wangfujing-Straße in Peking häufiger entlang gelaufen als die Champs-Elysées.

 

Marc Riboud London / Londres / London, 1954 Foto © Marc Riboud; Fotoquelle Suermondt-Ludwig-Museum Aachen 2018

 

Neben den anfänglichen Bildern aus Paris entstanden so im Laufe eines langen Fotografenlebens faszinierende Aufnahmen aus einer bis dahin für Ausländer oftmals nicht zugänglichen Welt. Marc Riboud erkundete dabei weniger die Länder als deren Menschen und lieferte die seinerzeit noch hoch im Kurs stehenden Bildreportagen. Seine Fotografien von diesen nicht immer risikolosen Aufenthalten nannte er „Reisenotizen“. Die Schönheit des Augenblicks festzuhalten war sein Ziel, wo auch immer er hinreiste, heißt es in der Aachener Ausstellung über den berühmten Fotografen aus Frankreich.

cpw

 

Marc Riboud war zeitweise Vizepräsident und von 1974 bis 1976 auch Präsident der Agentur Magnum. In den achtziger Jahren löste er seine enge Verbindung zu dem global agierenden Fotolieferanten, da er unabhängig arbeiten wollte.

 

Die Ausstellung „Marc Riboud – Meine Bilder sind Notizen. Fotografie aus fünf Jahrzehnten“ endet am 6. Januar 2019.
Suermondt-Ludwig-Museum
Wilhelmstraße 18
52070 Aachen
Tel. 0241 / 4798 040
Öffnungszeiten
DI – SO 10 – 17 Uhr

 

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