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rheinische ART 09/2019

FLUCH UND SEGEN
Was ist mit unseren Kirchen los?

 

In Deutschland stehen Kirchengebäude immer häufiger leer. Zunehmend werden diese Räume für andere Zwecke, etwa als Bibliothek, Restaurant oder Wohnraum genutzt, sofern sie nicht gleich abgerissen werden, weil die Leerstände eine finanzielle Belastung sind.


 

Innenansicht der Kirche St. Gertrud in Köln des Architekten Gottfried Boehm. Foto: © Michael Rasche. Fotoquelle M:AI 2019

 

Umnutzung heißt das in der Fachsprache der Bauexperten. Die Zahlen für Nordrhein-Westfalen (NRW) lassen aufhorchen.

     Von den rund 6.000 Kirchen des Landes werden in den nächsten Jahren bis zu 30 Prozent, also rund 1.800 Gebäude, ihre ursprüngliche Funktion verlieren und möglicherweise profaniert. Dass damit die Gesellschaft prägende soziale und öffentliche Räume einbüßt, ist dramatisch.

 

Außenansicht der Kirche St. Gertrud in Köln des Architekten Gottfried Boehm. Foto: © Michael Rasche. Fotoquelle M:AI 2019

 

Die Gründe dafür sind hinlänglich bekannt. Es sind im Wesentlichen der demographische Wandel, veränderte Lebensweisen, die zunehmende Säkularisierung der Gesellschaft und die damit einhergehenden fehlenden Einnahmen aus Kirchensteuern.

     Die offiziellen Stellen betonen, dass der noch große und vielfältige Bestand der Sakralbauten als Dokumentation diverser Bautraditionen und Epochen dient und dass die Architektur bis heute noch stadtbildprägend wirkt.

     Daher sei es ein wichtiges Anliegen, diese Räume zu erhalten und in angemessener Weise an die Veränderungen anzupassen – und zwar nicht nur für Kirchengemeinden. Denn oftmals sind die Gotteshäuser biografische Orte über Generationen hinweg. Sie spiegeln Kirchenhistorie und gesellschaftliche Veränderungen, und sie sind natürlich kulturelle Zeugnisse.

     „Der Umgang mit ihnen ist daher nicht nur eine kirchliche Angelegenheit oder ein Immobilien-Angebot, sondern eine gesellschaftliche Aufgabe“, so betont das Museum für Architektur und Ingenieurkunst NRW (M:AI).

 

Schul-Turnhalle ehemals St Elisabeth, Münster. © Fotograf Ben Kuhlmann Fotoquelle StadtBauKultur NRW 2019

 

Das Museum macht mit einer Ausstellung unter dem Titel „Fluch und Segen. Kirchen der Moderne“ auf diese schleichende Entwicklung aufmerksam. Kirchen, so die Ausstellungsmacher des M:AI, sind Kulturbauten „par excellence“ mit außergewöhnlicher Atmosphäre, stilprägend für das Bauwesen und eine große, herausfordernde Aufgaben für Architekten.


Erster Ausstellungsort ist die Kirche St. Gertrud in Köln, gebaut nach den preisgekrönten Entwürfen des Architekten und Bildhauers Gottfried Boehm (*1920). Die katholische Pfarrkirche im Norden der Domstadt wurde 1965 eingeweiht. Ausgeführt in asymmetrischer Form und in dem seinerzeit verbreiteten „Roh-Beton“ (oder französisch béton brut) ist sie ein typisches Beispiel für die Stilrichtung der Nachkriegs-Moderne.

     Das M:AI inszeniert hier das Kirchengebäude als erlebbares Ausstellungsexponat. In der Anschauung und im Begreifen des Bauwerkes wird sowohl das Charakteristische des Gebäudes als auch das Allgemeine der Kirchenarchitektur der Moderne dargestellt und erläutert.
bra


► Ergänzend zur Ausstellung fördern StadtBauKultur NRW, die Architektenkammer NRW und die Ingenieurkammer-Bau NRW in Kooperation mit Bistümern und Landeskirchen einen Wettbewerb, der Gemeinden bei den Herausforderungen des Umgangs mit Kirchengebäuden (Umnutzung) unterstützt.


Die Ausstellung „Fluch und Segen. Kirchen der Moderne“ wird bis zum 10. November 2019 gezeigt.
Kirche St. Gertrud
Krefelder Str. 57
50607 Köln
Öffnungszeiten
MI 12 – 20 Uhr
DO – SO 10 bis 18 Uhr
Eintritt frei

 

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