rheinische ART
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rheinische ART 07/2019

DER QUEENS LAND
Very British


Von der Winke-Königin bis zum Mini-Cooper und dem Mini-Rock, von der Prinzentasse über Beatles und Brexit, es ist alles vertreten, was die Deutschen an den Briten so lieben – oder eben auch nicht. Das Haus der Geschichte in Bonn bietet „gut getimed“ eine ausgiebige Sicht auf die Insel.

 

Der Karnevalswagen von Jacques Tilly im Düsseldorfer Rosenmontagszug 2017 kommt auch bei Protesten in London zum Einsatz. Foto © Haus der Geschichte/Axel Thünker

  

Die deutsch-britischen Beziehungen sind ohne Zweifel traditionsreich, vielfältig und freundlich, so heißt es in Bonn, doch bisweilen auch „unterkühlt und von Konkurrenz geprägt“. Liebe kann manchmal eine Einbahnstraße sein!

     Die Ausstellung „Very British. Ein deutscher Blick“ macht dies und vieles andere deutlich. Es ist ein Blick aus deutscher Perspektive auf politische, historische, ökonomische und kulturelle deutsch-britische Verhältnisse und die Rolle Großbritanniens in Europa nach 1945.

 

Personenkult Nicht nur als Merchandising-Figur beliebt in Deutschland: Her Majesty Queen Elizabeth II Foto © Stiftung Haus der Geschichte/Axel Thünker

 

Spinnen die Briten? Die Schlagzeilen in den deutschen Medien der vergangenen Monate könnten diesen Eindruck erwecken. Der Kontinentaleuropäer durchlief ein Wechselbad der Gefühle, mal war es Unverständnis, mal Zorn, mal Spott, und vom sprichwörtlichen britischen Humor mochte er nicht mehr viel erkennen. Nur eines ist geblieben: Die Queen steht nach wie vor für Kontinuität und Verlässlichkeit!

     Da tut es gut, all das zu sehen, was man zu kennen glaubt und was das alte, geliebte britische Leben verdeutlicht. Rund 500 Exponate – darunter viele hochkarätige Leihgaben − zeigt das Haus der Geschichte in der Ausstellung: Das Original-Tigerfell aus dem Silvestersketch „Dinner for One“, ein Bühnenkostüm von George Harrison, der Ball aus dem legendären WM-Finale 1966, ein Kleid von Königin Elizabeth II, das sie beim Staatsbesuch in Deutschland 1965 trug, und ein aufwändig gestaltetes Messgewand des Bischofs von Coventry, das Fotos der kriegszerstörten Städte Dresden und Coventry zeigt, sind da gute Beispiele.

 

Bis heute prägt besonders die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg das nationale Selbstbild der Briten, das Bild von den Deutschen und das britisch-deutsche Verhältnis. Antideutsche, vergangenheitsbezogene Stereotypen werden vor allem in den Medien immer noch gern aufgegriffen.

     Gemeinsame britisch-deutsche Erinnerungen, wie jene an Coventry und Dresden, belegen aber auch den Wandel: Die Städte werden von Symbolen des Kriegsterrors zu Orten der Versöhnung.

 

Programmübersicht in der „HÖR ZU“ zum Staatsbesuch des britischen Königspaares 1965 Foto © Stiftung Haus der Geschichte/Axel Thünker

 

Die britische Krone verleiht dem demokratisch-parlamentarischen System nach wie vor einen besonderen Glanz und löst im Ausland Bewunderung aus.

     Das Interesse der deutschen Öffentlichkeit an den „Royals“ und ihren Geschicken, insbesondere an der Queen als heute Europas dienstältester Monarchin, ist seit Jahrzehnten ungebrochen hoch.

     Bis in die jüngste Zeit wurde es durch eine Art Hofberichterstattung des Adels-Spezialisten Rolf Seelmann-Eggebert stimm- und bildtypisch befeuert. Der erste Deutschlandbesuch der Queen im Jahre 1965, daran erinnert die Bonner Schau, war ein wahrer Triumphzug.

     Der Journalist Seelmann-Eggebert, sozusagen Deutschlands Mann am Puls der Royals, begegnete ihr damals erstmals in Hannover im Rahmen seiner Reportage über den Staatsbesuch.

 

Englische Kultmarke: Schild aus dem Zubehörhandel für Mini-Fans Foto © Stiftung Haus der Geschichte/Axel Thünker

 

Ob allerdings die enge wirtschaftliche Verflechtung zwischen Deutschland und Großbritannien einem Brexit zum Opfer fällt, steht in den Sternen. Bislang wurde das jeweilige Image des Herkunftslandes („feine englische Art“) erfolgreich für die Produktvermarktung eingesetzt. Die negative Entwicklung Londons als wichtiger Weltfinanzplatz beeinflusst aktuell auch in Deutschland die Diskussionen um die deutsche Wirtschaftspolitik.

 

 

Button der britischen Pro-Europa-Kampagne für das Referendum 1975. Foto © Stiftung Haus der Geschichte/ Axel Thünker

 

Da bleibt mancher lieber bei den Themen Fußball und Popkultur. Die deutsch-englische Fußballkonkurrenz gehört – beginnend mit der WM 1966 – zu den längsten und intensivsten in der Geschichte des Sports. Trotz aller Rivalität bestimmen auch Fairness und Respekt den Wettkampf zwischen den Fußballmächten.

     Spieler wie ehemals Bernd Trautmann, Kevin Keegan oder derzeit Jürgen Klopp trugen und tragen durch ihre Leistungen und ihr Auftreten im jeweils anderen Land zum besseren Verständnis zwischen Briten und Deutschen bei.

     Bis heute erhält die deutsche Populärkultur wichtige Impulse von den britischen Inseln. Literatur, Mode und Musik finden seit Jahrzehnten in Deutschland ein begeistertes Publikum.
rART

 

Die Ausstellung . „Very British – Ein deutscher Blick“ kann bis zum 8. März 2020 besucht werden. Der Eintritt ist frei.
Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
Museumsmeile
Willy-Brandt-Allee 14
53113 Bonn
Tel 0228 – 91650
Öffnungszeiten
DI – FR 9 – 19 Uhr
SA, SO 10 – 18 Uhr

 

 

 

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