rheinische ART
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rheinische ART 05/2017

LUCAS CRANACH D.Ä.
Der geschäftstüchtige Maler-Unternehmer

 

Er war - natürlich nicht nur, aber auch - ein grandioser Frauendarsteller. Kaum ein deutscher Malerkollege seiner Zeit verstand es, Schönheit, Anmut und Erotik so sinnlich auf Holz und Leinwand zu übertragen.

 

Lucas Cranach der Ältere Christus und die Ehebrecherin, 1532, Malerei auf Lindenholz, 82,5 × 121 cm, Szépművészeti Múzeum / Museum of Fine Arts Budapest, 2016/ Foto: Dénes Józsa

 

Zum 500. Jubiläum der Reformation präsentiert das Düsseldorfer Museum Kunstpalast eine große Werkschau zu Lucas Cranach dem Älteren (1472-1553), der ein enger Freund Martin Luthers war.

     Die 200 Exponate verdeutlichen die künstlerische Vielseitigkeit des Renaissancemalers und lassen daneben auch erahnen, welch ökonomisch gewiefter Kopf da in der Malerwerkstatt tätig war. Daher ist der mit drei Themen ausgestattete Titel der Schau „CRANACH Meister – Marke – Moderne“ überaus gut gewählt.

 

Lucas Cranach der Ältere Venus und Cupido, 1509, Malerei auf Holz, auf Leinwand übertragen, 213 × 102 cm © Staatliche Eremitage, St. Petersburg, 2017 / Foto: Gunnar Heydenreich, cda. Die Leihgabe aus Eremitage ist ein Hauptwerk in der Kunstpalast-Ausstellung.

 

Lucas Cranach der Ältere Kapselbildnis des Martin Luther, 1525, Malerei auf Buchenholz, Ø 9,8 cm (Bildfläche), Kunstmuseum Basel, Geschenk von Prof. Johann Rudolf Thurneysen-Faesch 1762 / Foto: Martin P. Bühler

 

Meister Der Maler Cranach trat vor seinem 30. Lebensjahr künstlerisch kaum in Erscheinung. Erst im damaligen Kunstzentrum Wien war er ab 1502 nachgewiesen, dort begann er auch, sein Monogramm „LC“ zu verwenden.

     Drei Jahre später folgte er der Berufung als Hofmaler Friedrichs III. („Der Weise“) ins sächsische Wittenberg. Es war wie ein neuer Start. Einer Phase höchster Kreativität „im Feld der Holzschnitte und Kupferstiche“ (Katalog) folgte eine zweite innerhalb des druckgrafischen Œuvres des Künstlers.
     Spätestens ab 1509 hatte Cranach eines seiner Kernthemen gefunden. Mit der meisterlichen Darstellung „Venus und Cupido“ gelang ihm ein großer Wurf. Die nackte Dame ging als erste profane Aktdarstellung nördlich der Alpen in die Kunstgeschichte ein. Kunstpalast-Generaldirektor Beat Wismer: „Damit steht Cranach am Beginn der modernen Aktmalerei.“ Das frühe Tafelbild ist einer der Glanzpunkte in der Ausstellung.

     Ab 1517 begann für Cranach dann die höchst ergiebige Lutherzeit. Er machte nie ein Geheimnis daraus, dass er für den theologischen Urheber der Reformation und dessen Gedankengut große Sympathie hegte. Die ersten Bildnisse aus seiner Werkstatt, die Luther noch als Mönch mit Tonsur zeigen, waren Kupferstiche und entstanden um 1520. Fünf Jahre später wurde Cranach Trauzeuge bei der sensationellen Heirat von Martin Luther und der Ex-Nonne Katharina von Bora.

     Mit Luther auch geschäftlich verbandelt bildete Cranach das Paar in Kapsel- und Doppelbildnissen ab. Heute, so die Forschung, sind sie die frühesten Rundbild-Medaillons im deutschsprachigen Raum.

     In einer wahren Bildnisoffensive „vermarktete“ der Maler-Unternehmer Cranach schließlich das Abbild seines Freundes. Was den Reformator - und damit auch seine Thesen - nicht nur im damaligen Reich äußerst bekannt machte, „sondern unser Bild Luthers bis zum heutigen Tage prägt“, wie die Kuratoren Daniel Görres und Gunnar Heydenreich betonen.
     Als Geschäftsmann wollte Cranach jedoch keinesfalls auf die katholischen Käufer verzichten und arbeitete erfolgreich auch für sie, unter anderen für Albrecht von Brandenburg, der als Ablassförderer der gewichtigste Gegenspieler Luthers war. Konkurrenz belebte hier also das Geschäft, in diesem Fall das des Künstlers.

 

Lucas Cranach der Ältere Judith mit dem Haupt des Holofernes, um 1530, Malerei auf Holz, 61,9 × 89,5 cm, The Metropolitan Museum of Art, Rogers Fund, 1911 / Foto: bpk | The Metropolitan Museum of Art

 

Blick in die Ausstellung, Rekonstruktion einer Werkstattansicht. Foto © rheinische ART 2017

 

Blick in die Ausstellung. Signets und Jahreszahlen. Cranachs Qualitäts- und Markenzeichen war das Schlangensignet. Die Schau analysiert auch die Beziehungen zwischen Aufträgen, Materialien, Techniken, Werkstatt-Organisation und künstlerischen Ausdrucksformen. Foto © rheinische Art 2017

 

Marke Lucas Cranach war eine Art moderner „Vollblutunternehmer“, ein Portraitmaler, Hofkünstler, Buchdrucker, Illustrator, Lokalpolitiker und Ratsherr mit Apothekerprivileg, der ferner Wein ausschenkte und offenbar ständig unternehmerisch dachte.

     Und er beherrschte, was heute eine klassische Aufgabe für Betriebswirte wie Wirtschaftsingenieure ist: das Entwickeln von Verfahren und Prozessen zur Ökonomisierung und Optimierung. Bei Cranach, übrigens in der Ausstellung sehr gut nach- wie dargestellt, waren es die Malprozesse, die er standardisierte und derartig seriell ausrichtete, dass damit Bilder in hoher Qualität und großer Anzahl produziert werden konnten.
      Seine verblüffende Produktivität basierte aber auch auf einer effektiven Werkstattorganisation und Arbeitsteilung. Gehilfen und Gesellen malten nach wiederverwendbaren Mustern und Vorlagen, die der Meister entwarf, bei Altarbildern etwa nach bausteinartigen Entwurfsstücken, so dass ein einheitlicher Stil geschaffen und gesichert war. Standardisierung fand ebenfalls bei Portraits Anwendung. Favorit bei den Frauenbildnissen war übrigens die gebürtige Düsseldorferin Sibylle von Jülich-Cleve-Berg, die Cranach mehrfach portraitierte.
     Marktwirtschaftlich betrachtet war der Ausnahmekünstler in seinem Metier ein Rationalisierer, der obendrein sehr genau wusste, dass die heutige Marketingdevise „sex sells“ auch zu seinen Lebzeiten bereits galt. Seine Arbeiten machte er bereits früh zur Marke: Ab 1508 versah er alles mit seinem Qualitäts- und Markenzeichen, dem Schlangensignet; ein "Spitzenlabel" würde man heute sagen.

     Es gilt als gesichert, dass ohne Cranachs Werkstatt und der massenweisen Verbreitung von Luther-Portraits dessen Ideen und Reformbestreben kaum jene schnelle und atemberaubende Verbreitung erfahren hätten. Vor allem Dank seiner protestantischen Auftraggeber expandierte die Malerwerkstatt in Wittenberg zur größten und einflussreichsten Bildmanufaktur der Reformationszeit.

 

Lucas Cranach der Ältere Bildnis einer jungen Frau, 1526, Malerei auf Holz, 88,5 x 58,5 cm, © Staatliche Eremitage, St. Petersburg, 2017 / Foto: Gunnar Heydenreich, cda

 

Andy Warhol Porträt einer Frau (nach Lucas Cranach), 1984, Acryl und Siebdruck auf Leinwand, 127 × 107 cm, Sammlung Bayer / Bayer Art Collection © 2017 The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc. / Artists Rights Society (ARS), New York / Foto: Bayer AG /Hanne Engwald, Leverkusen

 

Moderne Die Ausstellung nimmt Cranach in seiner Gesamtheit und Modernität in den Blick und beleuchtet neben den ökonomischen Erfolgsstrategien den Einfluss des Malers bis in die Kunst der Moderne und Gegenwart.

     Dies ist eine hochinteressante Facette der Schau. Denn anhand von gleichzeitig präsentierten Arbeiten von Pablo Picasso, Marcel Duchamp, Otto Dix, Andy Warhol oder dem Nouveau Réalisme-Mitbegründer Martial Raysse wird deutlich, welche Impulse Cranachs Bildersprache noch im 20. Jahrhundert lieferte und immer noch liefert.

     Die Düsseldorfer Schau zeigt Bekanntes aus der Cranach-Werkstatt, aber auch noch nie öffentlich ausgestellte Werke aus Privatbeständen wie zum Beispiel „Lucretia“ oder „Alter Mann von Kurtisanen betört(?)“, beide von 1537.

     Selten zu sehende Tafelbilder wie das lange verschollene und mit einer bemerkenswerten, fast abenteuerlichen Provenienz ausgestattete Werk „Madonna mit Kind“ (um 1510) aus Breslau sowie daneben auch jüngst erst restaurierte Arbeiten und eine Neuzuschreibung machen diese Schau auch für Fachleute des Altmeisters zu einem besonderen Seh-Erlebnis. Erstmals seit Jahrzehnten wieder als Einheit wird das dreiteilige Marienretabel im Kunstpalast gezeigt. Das Triptychon war, so die Ausstellungsmacher, vor dem Jahr 1899 voneinander getrennt worden.

 

 

Lucas Cranach d.Ä. Das Triptychon Marienretabel (um 1513/14, Malerei auf Lindenholz) wird in Düsseldorf erstmals wieder als Einheit präsentiert. Linker Flügel: Heilige Katharina, 123,5 x 43,3 cm, Moravská galerie v Brně. Mitteltafel: Maria mit Kind auf einer Rasenbank, 122,9 x 92,4 cm, The University of Arizona, Museum of Art, Tucson, Schenkung der Samuel H. Kress Foundation. Rechter Flügel: Heilige Barbara, 123,3 x 42,6 cm, Moravská galerie v Brně. Foto © rheinische ART 2017


Darüber hinaus geben neueste kunsttechnologische Forschungen und Archivrecherchen faszinierende Einblicke in die tägliche Praxis des produktivsten deutschen Malers im 16. Jahrhundert, der als Lucas Cranach der Ältere heute bezeichnet wird. Seine Gemälde zeugen, wie die Kuratoren hervorheben, von einem immensen Spektrum innovativer Bildlösungen und völlig neuartiger Bildthemen, die er im „Spannungsfeld unterschiedlicher Glaubensvorstellungen entwickelte“. Seine Bilder des „neuen Glaubens“, die er im Zuge der Reformation anfertigte, verbreiteten sich innerhalb kürzester Zeit über ganz Europa.
Irmgard Ruhs-Woitschützke


Die Ausstellung entstand in enger Kooperation mit der Technischen Hochschule Köln und dem Cranach Digital Archive, das am Museum Kunstpalast angesiedelt ist. Das Archiv ist ein gefördertes Forschungsprojekt der Andrew W. Mellon Foundation, New York. Es widmet sich seit 2009 der Erforschung des weltweit verstreuten Cranach-Lebenswerk.


Die Ausstellung CRANACH Meister – Marke – Moderne ist bis zum 30. Juli 2017 zusehen.
Museum Kunstpalast
Ehrenhof 4-5
40479 Düsseldorf
Tel. 0211/ 566 42 100

www.smkp.de 

Öffnungszeiten 

DI - SO 11 - 18 Uhr

DO + SA 11 - 21 Uhr

 

 Übrigens: Den Neuerungen in der Zeit der Renaissance widmet sich das Museum Kunstpalast in einer weiteren Ausstellung. Schaut es in „Cranach – Meister – Marke – Moderne“ auf die Geschehnisse nördlich der Alpen, so blickt es mit „Idea et inventio“ südlich davon und zeigt italienische Zeichnungen des 15. und 16. Jahrhunderts. Künstler wie Perugino, Raffael und Michelangelo, Veronese, Barocci oder Vasari lebten auch hier in einer Zeit der grundlegenden, kulturellen und künstlerischen Veränderungen.
     Ein wacher Blick auf die Antike mit ihrer neuen Sicht auf die Wirklichkeit bestimmte diese Epoche, wiederentdeckte antike Schriftsteller und Philosophen wurden diskutiert und Themen aus der griechischen und römischen Geschichte und Mythologie rezipiert. Man betrieb ein intensives Naturstudium und das Interesse an den antiken Baudenkmalen und Skulpturen beflügelte manchen zu eigenen Inventionen. Nicht zuletzt verlangte die Gegenreformation nach neuen Motiven und einer eingängigen Bildrhetorik. Eine Auswahl von 100 hochkarätigen Zeichnungen vermittelt einen umfassenden Überblick über das Kunstschaffen Italiens in dieser wegweisenden Periode.

 

 

 

 


  

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12.05. - 30.06.2017
 

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