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rheinische ART 03/2015

GRENZENSPRENGUNG
Gerhard Hoehme

 

Seine Schüler wie etwa Sigmar Polke überstrahlen heute den Ruf dieses Künstlers, und dennoch gehört er zu den einflussreichsten Positionen nicht nur des Informel, sondern der deutschen Nachkriegskunst an sich: Gerhard Hoehme. Die international renommierte Düsseldorfer Galerie Beck&Eggeling widmet dem ehemaligen Professor der Kunstakademie, der dieses Jahr 95 Jahre alt geworden wäre, nun eine Schau mit Blick auf seine ausgereiften Arbeiten zwischen 1964 und 1986 und stellt sie zugleich in den Kontext der Werke zweier seiner wichtigsten Schüler.

 

Gerhard Hoehme Installationsansicht Ausstellung "Relationen" © Beck&Eggeling

 

Alle kennen seine bekannten Eleven wie Sigmar Polke und Chris Reinecke, doch nur wenige ihn selbst. Gerhard Hoehme ist nach wie vor eine Art Geheimtipp, der bislang vor allem in Informel-Kreisen Bekanntheit genoss.

     Obwohl in Dessau geboren, konzentrierten sich sowohl Hoehmes Ausbildung als auch seine spätere Lehrtätigkeit sowie seine künstlerische Arbeit auf Düsseldorf. Dem Umfeld der Kunstakademie, an der er unter Otto Coester studierte, blieb er sein Leben lang treu. Als Höhepunkte seiner Laufbahn gelten die Teilnahme an der documenta II 1959 in Kassel sowie die Auszeichnung mit dem Preis der Villa Massimo in Rom 1960.

 

Erika Kiffl, Fotografie aus der Serie: "Gerhard Hoehme im Atelier, Neuss-Selikum, 1978" © Beck&Eggeling

 

Hoehme, der im Zweiten Weltkrieg als Jagdflieger gekämpft hatte, brachte einen Großteil seines Werkes zu einer Zeit der Umbrüche nach dem Krieg hervor. Als sich im Rheinland verschiedene Strömungen wie etwa der ZERO (mehr) allmählich zu formieren begannen, sog er begierig Eindrücke aus Frankreich auf. Dank Jean-Pierre Wilhelm, einem Kunstkritiker und Übersetzer französischer Prosa, der für Hoehmes Laufbahn von entscheidender Bedeutung werden sollte, lernte er mit Jean Fautrier und Jean Dubuffet zwei führende Vertreter des französischen Informel kennen. Beide hinterließen einen nachhaltigen Eindruck bei ihm.

 

Der Informel, der in Deutschland auch aufgrund der in Düsseldorf ansässigen Künstlergruppe 53 langsam Fuß fassen konnte, wurde Hoehmes erste geistige Heimat. 1957 gründete er zusammen mit Jean-Pierre Wilhelm die Galerie 22, die ein Zentrum des deutschen Informel werden sollte. Der Titel der ersten Ausstellung im Hause, Der Aufstand gegen die Form/L'insurrection contre la forme, bei der Hoehme neben Winfried Gaul, Karl Otto Götz (mehr) und Emil Schumacher (mehr) vertreten war, beschrieb sehr klar die Absichten des Informel und liest sich fast als Lebensmotto Hoehmes.

 

Gerhard Hoehme Deutsches Gleichnis – ein Fragment, das Hakenkreuzbild, 1964, Acryl auf Leinwand und Holz, Spiegel mit bemaltem Leinwandlappen (2-teilig), 174 x 303 x 6 cm, © Foto: Gerhard und Margarete Hoehme-Stiftung, Museum Kunstpalast, Düsseldorf

 

Wille zur Erweiterung Dennoch beschritt er einen ganz eigenen Weg und löste sich vom Umfeld des Informel, was ihn bis heute einer klaren Kategorisierung entzieht. Seine künstlerische Entwicklung lässt sich als zunehmende Grenzensprengung bezeichnen. Am Anfang noch von Fautrier und Dubuffet beeinflusst, sprengen seine Werke ihre Rahmen, drängen seine Arbeiten im Laufe der 50er Jahre immer mehr nach außen: Das Bild scheint den gesetzten Bildraum verlassen zu wollen, Farben und Muster drängen zu den Seiten als wollten sie sich außerhalb der Tafel unendlich fortsetzen. Die Schwere und Massivität Dubuffets sowie die Kompaktheit Fautriers, der häufig die Bildmitte pastos betont, weichen bei Hoehme einem die ganze Leinwand umfassenden Gleiten von Formen und Farben.
     

Gerhard Hoehme Determinante..., 1965, 142 x 100 x 3 cm. © Foto:Gerhard und Margarethe Hoehme-Stiftung, Museum Kunstpalast, Düsseldorf. Foto: Achim Kukulies

 

Dieses Drängen nach Außen, dieser Wille zur Erweiterung des begrenzten zweidimensionalen Bildes mündet schließlich (und ganz konsequent) in der Integrierung industrieller, „kunstferner“ Materialien wie Plastikschläuchen und Bändern, die aus den Arbeiten heraus zu wachsen scheinen und ihnen einen dreidimensionalen Charakter verleihen. Das Tafelbild scheint überwunden, es ist „aus sich selbst heraus gewachsen“ und beeindruckt durch einen beinahe organisch zu nennenden Charakter, der Hoehmes Markenzeichen wurde.

 

Relationen Die Galerie bietet mit der aktuellen Schau einen Einblick in das ausgereifte Schaffen Hoehmes. Der Bezug wie der Titel der Schau „Relationen, Werke von 1964 bis 1986“ referieren dabei auf einen programmatischen Text Hoehmes mit dem Titel „Relationen“ aus dem Jahr 1968.

     Die Beziehung zwischen den Dingen, stets ein Kerngedanke in Hoehmes Kunst, wird von der Kuratorin Susanne Rennert zum Anlass genommen, Hoehmes Werk im Kontext zweier seiner Schüler zu betrachten. 

     Die Papierarbeiten Sigmar Polkes, die Ironie und Witz mit malerischer Finesse kombinieren, stammen ursprünglich aus dem Nachlass Hoehmes, der seinem damaligen Studenten 1966 ein größeres Konvolut von Zeichnungen abkaufte. Von der scharfsinnigen Beobachterin Chris Reinecke, die ein außergewöhnliches – in Zeichnungen, Malerei und Aktion eingebettetes – konzeptuelles Werk geschaffen hat, werden neben einer aktuellen, raumgreifenden Arbeit von 2014 Werkbeispiele aus den 1960er Jahren gezeigt: Sie stammen aus der Zeit, bevor Reinecke mit Jörg Immendorff (mehr) die künstlerisch-politischen Lidl-Aktionen initiierte (1968-1970).
Robert Woitschützke

 

Die Ausstellung über Gerhard Hoehme, Sigmar Polke und Chris Reinecke „Relationen, Werke von 1964 bis 1986“ ist bis zum 25. April 2015 zu sehen.
Beck&Eggeling
Bilkerstraße 5 + 4-6 (im Innenhof)
40213 Düsseldorf
Tel. 0211 / 4915890
Öffnungszeiten
DI – FR 10 – 13 und 14 – 18 Uhr
SA 11 – 16 Uhr

 

 

 

 

 

SANDRA ACKERMANN

WASTELAND

13.03. - 02.05.2015

 

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