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rheinische ART 11/2017

MAGISCHE NATUR
Zwischen Realität und Abstraktion

 

Die Natur ist seit jeher ein Quell künstlerischer Inspiration.

 

Franz Gertsch Pestwurz „Ausblick“, 2005, Holzschnitt, 276 x 380 cm, kobaltblau, 2 Platten, je 268 x 183 cm, Handabzug auf Kumohadamashi-Japanpapier von Heizaburo Iwano, Museum Kurhaus Kleve – Ewald Mataré Sammlung, Freundeskreis Museum Kurhaus und Koekkoek Haus Kleve e.V., Kleve, © Franz Gertsch

 

Nur eines von zahlreichen prominenten Beispielen ist der Künstler Friedensreich Hundertwasser (mehr), dessen Arbeitsräume zu Oasen wurden. Er sprach von der Natur als der „einzigen schöpferischen Instanz, die uns den schönen Weg weisen kann“. Und die Pflanzen, so seine doch sehr radikale Ansicht, würden den Kunststudenten mehr beibringen als der Lehrer.

     Derzeit widmet sich die Graphische Sammlung des Museum Kunstpalast in Düsseldorf der Thematik Kunst und Natur. 55 Radierungen, Zeichnungen und Fotografien bietet die interessante Schau mit dem Titel „Magische Natur“ auf. Die vier dort präsentierten sehr unterschiedlichen Künstler haben eines gemeinsam: für sie ist die Natur Inspirationsquelle.
     Allerdings geht es ihnen nicht darum, das, was sie sehen, exakt abzubilden, sondern eigene, neuartige Bilder zu schaffen, die sich durch eine gewisse „Künstlichkeit“ auszeichnen. Natur, so heißt es im Kunstpalast, wird unter ihren Händen geheimnisvoll.

 

Carl Wilhelm Kolbe d. Ä. Kräuterstudium mit Schilf und Hopfen, um 1810, Radierung, 21,3 x 28,4 cm Museum Kunstpalast, Düsseldorf, Foto: Horst Kolberg – ARTOTHEK


Star der Ausstellung ist der immer noch als Geheimtipp gehandelte Carl Wilhelm Kolbe d.Ä. (1759-1835), dessen Radierungen zwar in vielen Kollektionen zu finden sind, jedoch eher selten ausgestellt werden. In Fachkreisen ist der Künstler auch als „Eichenkolbe“ bekannt, wegen seiner beispiellosen, fast bizarr und unwirklich wirkenden Baumbilder, darunter in seiner Spätphase vorzugsweise Eichen.

     Der Künstler bezog seine Anregungen vor allem aus der wasserreichen Landschaft seiner Heimatstadt Dessau und dem nach englischem Vorbild angelegten Landschaftspark Wörlitz – heute als „Dessau-Wörlitzer-Gartenreich“ UNESCO-Welterbe.

     Kolbe schuf Radierungen, wie etwa die berühmten Kräuterstücke, die stilistisch so nur bei ihm zu finden sind. Charakteristisch für diese Kunst-Gattung ist eine bildbestimmende Kräutervegetation, die „keinen Ausblick in die Ferne zulässt und so die klassische Gliederung des Landschaftsraumes in drei Ebenen aufhebt“, wie der Kunstpalast betont. Die Präsentation von Kolbe, von denen das Haus 45 Radierungen und eine Zeichnung im eigenen Bestand hat, ist nach Museumchef Felix Krämer „längt überfällig“.

     Die Kuratorin und Leiterin der Graphischen Sammlung, Gunda Luyken, hat Kolbes Werke den Arbeiten des Malers Franz Gertsch (*1930) und der Fotografinnen Simone Nieweg (*1962) und Natascha Borowsky (*1964) gegenübergestellt. Luyken: „Alle vier Künstler suchen in der Natur einen Ort, der ihre Sicht auf die Dinge verändert, der Magie ins Spiel bringt und Werke entstehen lässt, die in einem Bereich zwischen Realität und Abstraktion angesiedelt sind.“

 

Simone Nieweg Erbsenfeld, Moussy-le-Vieux, Seine-et Marne, 2006, C-Print auf Alu-Dibond, 76,2 x 99,8 © Simone Nieweg, Courtesy Galerie m Bochum

 

Simone Nieweg, die Becher-Meisterschülerin, hat bereits seit den 80er-Jahren das Thema Landschaft und Natur im Blick. In ihren Arbeiten zu Nutzgärten spürt sie unter anderem den von urbanen Selbstversorgern kultivierten anarchisch-malerischen Wildwüchsen und den Urban-Gardening-Parzellen nach (mehr). Wie Kolbe in seinen Kräuterstücken fixiert Nieweg den vergehenden Augenblick in der Natur und macht kleinste Details sichtbar.

 

Franz Gertsch zählt zu den bedeutendsten Schweizer Künstlern der Gegenwart und wurde durch große Figurenbilder bekannt. Seine in Düsseldorf zu sehenden monumentalen Holzschnitte beschäftigen sich mit überdimensionierten Pflanzendarstellungen und beeindrucken durch eine raffinierte Mischung aus Detailreichtum und Abstraktion.

 

Natascha Borowsky o. T. 224 201214, aus der Serie Transition, 2012/2014 Pigment Print, 163,6 x 111,8 cm, Museum Kunstpalast, Düsseldorf, Inv.-Nr. K 2016-11 © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

 

Natascha Borowsky, ebenfalls aus der Meisterklasse von Bernd und Hilla Becher, steht für eine völlig andere Sicht auf die Dinge. Ihre Naturbilder zeigen organische und anorganische Fundstücke im Ökosystem der Mangroven, also jenen salztoleranten Bäumen im Gezeitenbereich der tropischen Küsten.

     Im Nordwesten der indischen Hafenmetropole Mumbai (Bombay) lichtete sie das ab, was sich der allgemeinen Wahrnehmung meist entzieht. Ein Stück besonderer Natur, nicht rein und nicht fein, eine Art eigener hybrider Kosmos aus menschlichen Artefakten, verwoben und verschlungen mit Baumwurzeln, kahlen Zweigen, Brackwässern und Schlamm.

     Borowskys an surrealistische, phantastische wie traumhafte Bilder erinnernde Aufnahmen wirken - allerdings nur aus der Ferne - wie Impressionen aus einem Zauberwald.
rART/cpw


Das Museum Folkwang stellt derzeit im Rahmen einer Retrospektive auf den Schweizer Fotografen Balthasar Burckhard das großformatige Gertsch-Gemälde „Kranenburg“ von 1970 aus. Es zeigt die Rückansicht einer Menschengruppe in der niederrheinischen Gemeinde Kranenburg bei Kleve.


Die Ausstellung „Magische Natur“ kann bis zum 7. Januar 2018 besucht werden.
Museum Kunstpalast
Kulturzentrum Ehrenhof
Ehrenhof 4-5
40479 Düsseldorf
Tel. 0211 / 566 42 100
Öffnungszeiten
DI - SO 11 - 18 Uhr
DO 11 - 21 Uhr

 

 

 


 

 

 

FRANK BAUER 

Die Gelassenheit

der Dinge

Foto: Ausschnitt Flaschen,

Öl auf Leinwand, 2017

 

17.11.2017 - 13.01.2018

GALERIE VOSS

 


 

 

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