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rheinische ART 05/2019

ARCHITEKTUR
Mies im Westen


Gibt es noch Unbekanntes des weltbekannten rheinischen Architekten Mies van der Rohe? Wohl kaum! Aber es existieren wenig beachtete Projekte und Bauten von ihm.

 

Krefeld Gebäude für Herrenfutterstoffe (sog. HE-Gebäude) der ehemaligen Textilfabrik Verseidag (seitliche Ansicht), erbaut 1931-1935, heute Mies van der Rohe Business Park. Der einzige Industriebau des Architekten besteht aus einem Stahlskelett mit Bimsstein-Ausfachung. Foto © Timo Klippstein

 

Weltweiten Ruhm erlangte der gebürtige Aachener durch Gebäude wie die Neue Nationalgalerie (Berlin), das Illinois Institute of Technology (Chicago) oder das Seagram Building (New York).

     Zugleich ziehen sich die Verbundenheit mit seiner Heimat Aachen und seine Arbeit im Westen Deutschlands wie ein roter Faden durch sein Lebenswerk. Schließlich befinden sich zwei seiner berühmtesten Wohngebäude aus den Zwanzigerjahren, die heute als Ausstellungshäuser dienenden Fabrikantenvillen Haus Esters und Haus Lange, in Krefeld (mehr).

 

Portrait Mies van der Rohe im Freischwinger, Chicago 1964, Foto: Werner Blaser, © blaserarchitekten

 

Drei Teilausstellungen in Aachen, Krefeld und Essen widmen sich aktuell jenen Architekturkomplexen, die weniger bekannt sind. Damit wird an das Wirken des Baumeisters in den Grenzen des heutigen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen erinnert.

     An den Projekten zeigt sich eindrucksvoll der berufliche Weg, den Mies van der Rohe beschritt: vom Handwerkslehrling über den Bauhausdirektor bis zum international gefragten und gefeierten Architekten. Seine Entwicklungen und Ideen waren so einflussreich, das viele Kollegen sich an seinen Prinzipien orientierten. Sie schufen auch im Rheinland Bauten, die sein Werk reflektieren, und in denen „Mies im Westen“ seine Spuren hinterlassen hat.

 

Volkshaus „Zur Neuen Welt“ in Aachen von Albert Schneider und Ludwig Mies aus dem Jahr 1905, Foto © Nina Kuka

 

Aachen Die westlichste deutsche Großstadt ist der Ort, wo das älteste Bauwerk erhalten ist, an dem Ludwig Mies als Lehrling mitarbeitete: das Volkshaus "Zur Neuen Welt". Eine frühe Mitarbeit von Mies ist ferner für das Warenhaus Tietz in Aachen belegt.

     In der Aachener Teilausstellung wird der lange Lebensweg des Architekten deutlich, der sich vom katholischen Handwerkersohn aus dem Rheinland über Stationen in Berlin und, nach der Emigration 1937 in die USA, in Chicago zu einem der bekanntesten Baumeister des 20. Jahrhunderts entwickelte. Er wirkte als Lehrer am heutigen Illinois Institute of Technology und entwarf dort Villen (Farnsworth-House) und mehrere Hochhäuser. Von ihm konstruierte Stahlrohrmöbel wie der legendäre „Freischwinger“ sind bis heute gefragte Objekte.

 

Das HE-Gebäude der ehemaligen Verseidag in Krefeld (frontale Ansicht), heute Mies van der Rohe Business Park. Das gesamte Ensemble steht seit 1999 unter Denkmalschutz. Park, Foto: © Daniel Lohmann 

 

Krefeld Die Projekte in der lange von der Textilwirtschaft geprägten Stadt stehen im Kontext der bekannten Seidenindustrie. Hier sind es insbesondere die Verwaltungs- und Produktionsgebäude der Vereinigten Seidenwebereien (Verseidag), die zwischen 1931 und 1935 maßgeblich von Mies van der Rohe geplant wurden.

     Sie sind Ausdruck seines ersten Karrierehöhepunktes. Denn in den sogenannten Zwischenkriegsjahren gehörte Mies van der Rohe zu den wichtigsten Akteuren der modernen Avantgarde. In dieser Zeit suchte er, vor allem am Bauhaus, neue Ausdrucksformen, Konstruktionsmöglichkeiten und Bedeutungsebenen in der Architektur. In der Industriearchitektur, wie er sie in Krefeld verfolgte, ging er völlig neue Wege.


Essen Die Teilausstellung in der ehemaligen Montanmetropole widmet sich dem Haus Henke von 1930 und der Krupp-Zentrale von 1960. Es handelt sich dabei um das kleinste und das größte Projekt innerhalb der Schauen „Mies im Westen“. Mit Haus Henke realisierte Mies seine Ideen des neuen Wohnens.

     Ende der Fünfziger Jahre hatte sich der Architekt längst einen großen Namen gemacht. Die Firma Krupp beauftragte ihn mit dem Bau einer Konzernzentrale. Das Projekt wurde jedoch nicht ausgeführt.

     Die Ausstellungsreihe ist eine Koproduktion des Museum für Architektur und Ingenieurkunst Nordrhein-Westfalen in Gelsenkirchen (M:AI) mit drei Hochschulen. Die drei Einzelschauen wurden von Studierenden der TH Köln, der TH Mittelhessen und der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft (Alfter bei Bonn) entwickelt.
rART


„Mies im Westen“ ist Teil des Bauhaus-Jubiläums in NRW. „100 jahre bauhaus im westen“ ist ein Projekt des NRW-Ministeriums für Kultur und Wissenschaft und der Landschaftsverbände Rheinland (LVR) und Westfalen-Lippe (LWL) sowie mehrerer Projektpartner

 

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Termine und Ausstellungsorte von „Mies im Westen“

 

Aachen
12. Mai bis 16. Juni 2019
NAK Neuer Aachener Kunstverein
Passstraße 29,
52070 Aachen
Öffnungszeiten
Di-So, 14 bis 18 Uhr

 

Krefeld
16. Mai bis 30. Juni 2019
Mies van der Rohe Business Park,
Girmesgath 5,
47803 Krefeld
Öffnungszeiten
Di-Fr, 10 bis 18 Uhr; Sa-So, 12 bis 18 Uhr

 

Essen
23. Mai bis 5. Juli 2019
NEUE GALERIE der VHS Essen
Burgplatz 1
45127 Essen
Öffnungszeiten
Mo-Fr, 9-21 Uhr; Sa, So und Feiertage geschlossen

Gesonderte Öffnungszeiten: Sa + So, 15./16. Juni: 9-17 Uhr

 

 

 

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