rheinische ART
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rheinische ART 02/2019

REVOLUTION IN MODE
Korsett ade

 

Es ist die „Seidenstadt“ Krefeld, die erstmals die komplexen Wechselbeziehungen zwischen Kunst, Mode, Fotografie und Tanz im Kontext der Reformbewegung zwischen 1900 und 1914 untersucht. Ausgangspunkt der Interpretationen der Krefelder Museen ist das Künstlerkleid.

 

Ausstellungsansicht "Auf Freiheit zugeschnitten. Das Künstlerkleid um 1900 in Mode, Kunst und Gesellschaft", Foto: Dirk Rose

 

Die genreübergreifende Betrachtung zusammen mit den jüngsten Forschungsergebnissen ermöglichen neue Perspektiven auf diese spannende Zeit der Moderne. Einengung und Befreiung sind dabei Schlagworte, die nicht allein das damalige Frauenbild definieren, sondern auch die sich neu entwickelnden künstlerischen Disziplinen. In der Folge entstand ein anderes Verständnis von Kunst. Mit Blick auf das Künstlerkleid titelt die Schau im Kaiser Wilhelm Museum „Auf Freiheit zugeschnitten“.

 

Maximilian Snischek Modeentwurf Mantel, 1914, Bleistift und Aquarell auf Papier, 38,3 x 30,2 cm, MAK – Österreichisches Museum für angewandte Kunst / Gegenwartskunst, Foto: MAK

 

Seit jeher spiegelt Kleidung die Gesellschaft auf vielfältige Weise. Kleidung transportiert Vorstellungen und Wertesysteme, definiert den gesellschaftlichen Status. Heute ist Kleidung vor allem Ausdruck von Persönlichkeit und Individualität. Vor hundert Jahren unterlag die Bekleidung dagegen dem Modediktat aus Paris und damit, was die Frauen betrifft, dem männlich dominierten Blick.
     Der Befreiung von diesen Abhängigkeiten sind lange Kämpfe vorausgegangen, die im deutschsprachigen Raum zum Jahrhundertwechsel einen Kulminationspunkt erreichten. Mode wurde zum Synonym für eine körperliche wie gesellschaftliche Emanzipation. So fand im August 1900 in Krefeld die erste Ausstellung künstlerischer Reformkleider in Deutschland statt. Angeregt von Friedrich Deneken, dem Gründungsdirektor des Kaiser Wilhelm Museums, wurden Kleiderentwürfe von bekannten Künstlern gezeigt, darunter Henry van de Velde, Alfred Mohrbutter, Richard Riemerschmid und Margarethe von Brauchitsch.

 

Mariano Fortuny Delphos-Robe, um 1911, Plissierte Seide, L 150 cm, Stiftung August Ohm Hamburg. Ausstellungsansicht, Foto: Dirk Rose

 

Die Krefelder Ausstellung im Jahr 1900 war nur ein Auftakt, zahlreiche weitere Präsentationen von Künstler-Kleidern folgten in anderen Städten. Hatte man schon in den Jahrzehnten zuvor zunächst in den USA und in England, dann auch in Mitteleuropa für eine Reform der Frauenkleidung und Frauenkultur gekämpft, die sich vor allem am Für und Wider des Korsetts abarbeitete, so kam nun ein grundlegend neuer Aspekt hinzu. „Von heute an sind Ausstellungen von Damen-Kleidern in die Kategorie der Kunst-Ausstellungen eingereiht“, lautete die Überzeugung Henry van de Veldes. Frauenmode sollte nicht länger nur bequem und gesund sein, wie es dem Grundgedanken der um sich greifenden Lebensreform entsprach, sondern darüber hinaus auch eine ästhetisch anspruchsvolle Gestaltung erfahren – und zwar durch Künstler.

 

Ausstellungsansicht "Auf Freiheit zugeschnitten. Das Künstlerkleid um 1900 in Mode, Kunst und Gesellschaft", Foto: Dirk Rose


Mit der Aufhebung der Grenzen von freier und angewandter Kunst erhielten die Künstler eine Schlüsselrolle bei der Erfindung neuer, zeitgemäßer Formen. Architektur, Einrichtung und Ausstattung wurden immer mehr als Gesamtkunstwerk definiert und aus einer einheitlichen Formensprache heraus gedacht. In diesen Kontext gehörte nun auch das Künstlerkleid, dessen Erscheinung sich an der Rauminszenierung wie an der Individualität der Trägerin orientierte.

 

Sonia Delaunay Simultanweste und Simultankleid, 1913, Patchwork aus unterschiedlichen Stoffen , Privatsammlung © Pracusa 2018652. Ausstellungsansicht Foto: Dirk Rose

 

Die Kleiderentwürfe des Jugendstils zeigen eine erneuerte Auffassung von Schönheit, die, wie Henry van de Velde es ausdrückte, als »Waffe« wirken sollte. Bei der jungen Avantgarde wurde das selbst entworfene Kleid zu einem unabhängigen Kunstwerk. Und der Futurist und Maler Giacomo Balla attackierte mit seinem radikal neuen Design von Anzug und Krawatte als uniforme Männlichkeitssymbole das Bild des Mannes schlechthin und verknüpfte damit eine politische Botschaft. 

 

 Die opulente Schau vereint Bestände der eigenen Sammlung mit zahlreichen hochkarätigen Leihgaben aus dem In- und Ausland in einer anschaulichen Inszenierung. Von den Präraffeliten über die Gesamtkunstwerk-Entwürfe des Jugendstils, der Wiener Werkstätte und der Expressionisten, vom Ausdruckstanz bis zu neuen Medien der Inszenierung und Verbreitung wie Fotografie und Modezeichnung spannt sie ein Panorama der Moderne.
ruwoi


Die Ausstellung „Auf Freiheit zugeschnitten. Das Künstlerkleid um 1900 in Mode, Kunst und Gesellschaft“ ist bis zum 24.02.2019 zu sehen
Kaiser Wilhelm Museum
Joseph-Beuys-Platz 1
(ehemals Karlsplatz 35)
47798 Krefeld
Service Tel. 02151 / 97558-137
Öffnungszeiten
DI – SO 11 – 17 Uhr

 

 

 

 

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