rheinische ART
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rheinische ART 03/2019

FOTOGRAFIE
Von Bottrop zum Perlflussdelta und zurück…

 

Seine Arbeiten sind engagierte Dokumentarfotografie. Und das seit über 40 Jahren. Der höchst renommierte Fotograf Michael Wolf hat jetzt seine Examensarbeit aus dem Jahre 1976 ausgepackt. Sie hängt im Josef Albers Museum Quadrat Bottrop.

 

Michael Wolf Bottrop-Ebel 76 (ohne Titel) © Michael Wolf und Fotoarchiv Ruhr Museum, Essen 2019

 

Was sich dem Besucher dort präsentiert, ist eine Fotoserie aus einer Welt, die so nicht mehr existiert. Die Schau titelt schlicht „Bottrop-Ebel 76“, die einzelnen Fotografien verzichten auf Erläuterungen und Benennungen, sie sprechen für sich.

     Schauplatz dieser rein schwarz-weißen Fotokollektion ist eine Bergmannsiedlung im Bottroper Stadtteil Ebel, einer kleinen Kommune am Nordrand des Ruhrreviers. 1863 als Siedlung gegründet, in den 1930er Jahren im Zuge des Kohlebooms und der Zeche Prosper 1 groß geworden, in den Siebzigern in den schnellen wirtschaftlichen Abschwung geraten. Eine Zechenort, der im Sog des Strukturwandels an Bedeutung verlor, wie Dutzende andere im Revier auch.

     In der Folge wirkt der Ort heute auf Besucher weder aufregend noch anregend. Er ist einen Quadratkilometer groß und zählt aus Immobiliensicht zu einem der günstigsten Wohnviertel im Ruhrgebiet: Backsteinhäuser mit Garten und ehemals Platz für die Bergmannskuh.

 

Michael Wolf Bottrop-Ebel 76 (ohne Titel) © Michael Wolf und Fotoarchiv Ruhr Museum, Essen 2019

 

Der Folkwang-Student Michael Wolf (*1954), gerade zweiundzwanzig Jahre alt, machte 1976 diesen speziellen Mikrokosmos zum Gegenstand seiner Abschlussarbeit bei den legendären Professoren Otto Steinert (mehr) und Lutz Niethammer. Sie trug, wie es sich an einer Hochschule gehört, den ordentlich ausformulierten Titel „Die Lebensbedingungen einer Bergmannsiedlung am Beispiel von Bottrop-Ebel“.

 

Michael Wolf Bottrop-Ebel 76 (ohne Titel) © Michael Wolf und Fotoarchiv Ruhr Museum, Essen 2019

 

Michael Wolf Bottrop-Ebel 76 (ohne Titel) © Michael Wolf und Fotoarchiv Ruhr Museum, Essen 2019

 

Was die Schau so interessant macht: Es ist keine rein sozio-ökonomische Studie in Fotografien. Wolf ging es um „einen ästhetischen Anspruch, der nicht einfach Thesen illustrieren“ sollte.

     Es wurde eine Fotoserie mit einer vielschichtigen Bildsprache, mit sorgfältig beobachteten Details, die es erlauben, die Gefühle und Beziehungen der Menschen jenes Jahres in der kleinen Bergmannsiedlung zu verdeutlichen. Somit sind diese Arbeiten einzigartige Zeitzeugnisse einer verschwundenen Lebens- und Arbeitswelt.


Für Michael Wolf war das Examen an der Essener Folkwangschule der Start in eine bemerkenswerte Karriere als Fotojournalist. 1994 zog er nach Hongkong, damals noch britische Kronkolonie am Perlflussdelta, und war für das Stern-Magazin tätig. Seinen Wohnsitz hat er noch immer dort.

     Die Millionenmetropole, heute Sonderwirtschaftszone der Volksrepublik China, blieb offenbar stets eines seiner Foto- und Forschungsobjekte. Denn Wolfs Zentralthema ist seit Bottrop eigentlich unverändert geblieben: es ist das Leben der Menschen in den Städten, vor allem in den sich rasant verändernden Mega-Cities der heutigen Welt.

     Seine Fotoserien reflektieren die Lebensbedingungen in Riesenstädten wie Hongkong, Tokio, Chicago und Paris und greifen Themen wie Überbevölkerung, Massenkonsum, Privatsphäre und Voyeurismus auf. Damit, so wird Wolf zitiert, sei seine Arbeit auch politisch. Denn sie richtet den Blick auf bedrückende Wohnverhältnisse, extreme Bevölkerungsdichte und die Monotonie der explodierenden Ballungsräume.

 

Michael Wolf Bottrop-Ebel 76 (ohne Titel) © Michael Wolf und Fotoarchiv Ruhr Museum, Essen 2019


Dies hat ihn zu einem der bekanntesten deutschen Fotografen gemacht. Drei Mal hat er den World Press Award gewonnen. Seine Fotoarbeiten zeigen das Serielle der Hochhausarchitektur etwa in Hongkong wie auch die Enge der Tokioter U-Bahnen. Mit der Ausstellung im Josef Albers Museum Quadrat Bottrop kehrt der Fotograf an den Anfangsort seiner internationalen Laufbahn zurück. „Bottrop-Ebel 76“ erlebt im Quadrat Bottrop seine erste öffentliche Premiere.
cpw


In den Hamburger Deichtorhallen endete im „Das Haus der Photographie“ erst Anfang März 2019 die umfassende Werkschau „Michael Wolf − Life in Cities“. Sie umfasste elf Fotoserien und eine riesige Wandinstallation und reichte von Wolfs Anfängen als Dokumentarfotograf bis hin zu den jüngsten Arbeiten.

 

Die Ausstellung „Michael Wolf. Bottrop-Ebel 76" - Bilder von Bottrop-Ebel. Fotografie - wird bis zum 19. Mai 2019 gezeigt.
Josef Albers Museum
Quadrat Bottrop

Im Stadtgarten 20
46236 Bottrop
Tel. 02041 / 372030
Öffnungszeiten
DI – SO 11 – 17 UHR

 

 

 

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