rheinische ART
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rheinische ART 10/2019

JAINISMUS
Heilige und Asketen

 

Die aus Indien stammende Glaubensgemeinschaft der Jainas vermeidet strikt alles, was anderen Lebewesen – Mensch, Tier, Pflanze – schadet. Ihre Anhänger ernähren sich vegan und leben nach einem disziplinierten Verhaltenskodex.

 

Gläubige am Tempel in Sravanabelagola, Karnataka, Indien. Der in Orange gekleidete Mann ist Gomateshwara, einer der wichtigsten spirituelle Führer der Jaina in Indien. Bild-ID: F2A96F; © Franck METOIS / Alamy Stock Foto

 

Doch was steckt hinter dieser im westlichen Kontext nahezu unbekannten Lehre der Gewaltlosigkeit? Dies fragt das Kölner „Rautenstrauch-Joest-Museum – Kulturen der Welt“ (RJM) in einer neuen Blickpunkt-Ausstellung. Und die Schau „Heilige und Asketen – Miniaturmalerei der Jaina aus Indien“ liefert interessante Erkenntnisse.

 

Ausschnitt einer Kalpasutra-Manuskript-seite Parshvanatha, der 23. Tirthankara Patan, Gujarat, um 1375, RJM 68177 aus der Schenkung Eva und Konrad Seitz. Das Folio stammt aus einer sehr frühen Fassung des Kalpasutras auf Papier. Dargestellt ist Parshvanatha, der unter einer siebenköpfigen Schlangenhaube sitzt. © RJM, Foto: Patrick Schwarz, rba 2019

 

Die Ausstellung basiert im Wesentlichen auf einer Schenkung des Sammlerpaares Eva und Konrad Seitz. Sie überließen dem RJM ein umfangreiches Konvolut indischer Miniaturen der Jaina aus der Zeit zwischen dem Ende des 14. Jahrhunderts und dem Anfang 17. Jahrhunderts.

     Die Jaina-Religion ist sehr alt und bereits seit dem sechsten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung in Indien nachgewiesen. Weltbekannt ist ihr Grundsatz der Gewaltlosigkeit gegenüber Mensch und Tier.

 

Bemerkenswert: Zahlreiche Persönlichkeiten aus der indischen Politik und Wirtschaft gehörten oder gehören dem Jainismus an oder wurden von der Lehre beeinflusst.

     Dazu gehört ohne Zweifel der Rechtsanwalt, Pazifist, Asket und Revolutionär Gandhi (1869 –1948), dessen Philosophie auf den Jain-Prinzipien aufbaute.

     Mehrere indische Wirtschaftsclans wie unter anderen die Familie Sarabhai, die mit der Textilindustrie groß wurde und ferner das indische Raumfahrtprogramm initiierte, gehören der asketischen Religion an.

     Ebenso der britische Manager und Banker indischer Herkunft Anshuman „Anshu“ Jain (*1963). Von dem ehemaligen Co-Chef der Deutschen Bank ist bekannt, dass er die Religion zwar kaum selbst praktiziert, jedoch – wie das Handelsblatt einmal kommentierte – von dessen Werten wie, „Askese, Selbstdisziplin, Strenge“ deutlich geprägt worden sei.

 

Gläubige in einem Jaina-Tempel auf dem Gipfel der Shatrunjaya Hills in Gujarat, Indien. Bild-ID: 463458553; Fotograf Frank Bienewald/Light Rocket Collection © Getty Images

 

Folio aus einer Handschrift des Sangrahanisutra Lokapurusha – das Abbild der Welt, Gujarat, 18. Jh. RJM 68191 Schenkung Eva und Konrad Seitz. Das dreiteilige Universum wird durch die Darstellung des Lokapurusha – des kosmischen Menschen – illustriert. Der Oberkörper enthält eine Abfolge von Himmeln, deren Bewohner, die Götter, ein Leben voller Vergnügungen führen. Unterhalb der Taille sind die sieben Höllen angesiedelt. © RJM, Foto: Patrick Schwarz, rba 2019

Eine wichtige Rolle im religiösen Leben der Jain spielen Manuskripte, die Lehren, kosmologische Vorstellungen sowie Richtlinien für moralisches Verhalten enthalten. Illustriert werden sie durch Miniaturen, die teilweise mit Lapislazuli und Gold ausgemalt wurden.

     Wohlhabende Jainas stifteten die Werke an Tempel und Mönche. Die Regionen der heutigen indischen Bundesstaaten Gujerat und Rajasthan waren im 14. bis 16. Jahrhundert Zentren der jainistischen Manuskriptherstellung.

     Anhand der Miniaturen, so das RJM, lassen sich einige charakteristische Entwicklungen des sogenannten „westindischen Malstils“ darstellen. Er bestimmte zwischen dem 11. bis 16. Jahrhundert vor allem die Malerei in Gujarat und Rajasthan.

     Die zweidimensionale Darstellungsweise zeigt prägnante Konturlinien, übertriebene Körperproportionen und eine spezielle Gestaltung der Gesichtszüge. Besonderes Merkmal ist das zweite Auge, das aus der Kontur des Dreiviertelprofils herausragt.
Die Ausstellung verdeutlich auch: In kaum einer anderen Religion entwickelten sich so detaillierte Vorstellungen des Universums wie im Jainismus. Sie sind geprägt durch die essentielle Idee, dass die Seele einem unendlichen Kreislauf der Wiedergeburten unterworfen ist.

cpw


In der Ausstellung wird der Bereich der Malstile ergänzt durch die Ergebnisse des Cologne Institute of Conservation Sciences (CICS) der Technischen Hochschule Köln. Im Rahmen einer Kooperation unterstützt das CICS den naturwissenschaftlichen Zugang zur Manuskriptsammlung.

 

Die Ausstellung „Heilige und Asketen – Miniaturmalerei der Jaina aus Indien“ wird bis zum 16. Februar 2020 gezeigt.
Rautenstrauch-Joest-Museum - Kulturen der Welt
Cäcilienstraße 29-33
50667 Köln
Tel. 0221 / 221-31356
Öffnungszeiten
DI - SO 10 - 18 Uhr
DO 10 - 20 Uhr

 

 

 

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