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rheinische ART 12/2010

Archiv 2010: aus "Kultur-Orte"

Nur wenige Gehminuten vom Kölner Dom befindet sich die romanische Kirche St. Ursula, eine der ältesten und mit ihrer barocken „Haube“ markantesten Landmarken in der Kölner Silhouette. Touristenströme verirren sich seltener hierher, dabei ist die ungewöhnliche Hauptsehenswürdigkeit der Kirche kein Geheimnis:

 

Teilansicht der "Goldenen Kammer" in St. Ursula

Foto rArt

DIE GOLDENE KAMMER

 

Am Ursulaplatz lässt sich die kultische Verehrung frühchristlicher Märtyrerinnen bis in römische Zeit zurückverfolgen. Hier gab es schon um das Jahr 400 eine Basilika, die "heiligen Jungfrauen" gewidmet war, die hier ihr Martyrium erlitten haben sollen. Betritt der Besucher die Kirche St. Ursula durch ihr Westportal und wendet sich direkt nach Rechts, gelangt er zu einer beeindruckenden Stahltür, die dem Portal einer Schatzkammer alle Ehre macht. Und ein Schatz wird hier tatsächlich gehütet.

 

DER EINTRITT ist überwältigend wie irritierend. Die Wände des kapellenhaften Raumes sind mit verzierten Regalen aus dunklem Holz bekleidet, in denen sich zahllose Reliquienbüsten und Schädelreliquiare verbergen. Die verbleibenden Wandflächen sind bis hoch zum Deckengewölbe mit mosaikartig angeordneten Menschenknochen verziert.
   Bei einer genauen Betrachtung ist zu erkennen, dass sich aus der Anordnung der Knochen Schriftzüge lesen lassen; etwa: „S. Ursula pro nobis ora.“ Die Erschaffer sind dabei durchaus kreativ gewesen: zur besseren Lesbarkeit wurden die einzelnen Buchstaben aus starken Oberschenkelknochen geformt, den Hintergrund bildet ein Muster aus Rippen und zahlreichen kleinteiligen Knorpeln. Ursprünglich wurden die Gebeine für die sterblichen Überreste der berühmten Kölner Jungfrauen gehalten. Mittlerweile ist erwiesen, dass es sich um Relikte des ehemaligen Friedhofes handelt, der Sankt Ursula umgab.
    Makaber? Für den zeitgenössischen Besucher mit Sicherheit. Erschauern lag jedoch im Sinne der Erbauer, handelt es sich doch um einen Ort der Verehrung der Heiligen Ursula von Köln und ihrer 11 000 Jungfrauen.

 

Eine Schöpfung des Barock

 

   Die Goldene Kammer ist ein Schöpfung des Barock und zeigt sehr deutlich die für diese Epoche typische Kultivierung des Memento-Mori. Ihre Errichtung im Jahr 1643 muss vor dem Hintergrund des allgegenwärtigen Sterbens während des dreißigjährigen Krieges gesehen werden. Nördlich der Alpen ist die Zurschaustellung der Reliquien auf diese Weise einzigartig. Auch kunsthandwerklich ist die Ausschmückung der Goldenen Kammer bemerkenswert. Sie beinhaltet nicht nur die meisten sogenannten Ursulabüsten, typisch kölnische Reliquiare des hohen Mittelalters, sondern auch einige Kopfreliquiare von prominenter Herkunft, etwa aus der Werkstatt Peter Parlers.

rART


St. Ursula
Ursulaplatz 24
50668 Köln
Telefon: 0221 / 133400


Öffnungszeiten
Kirche und Goldene Kammer:
Montag, Dienstag, Donnerstag bis Samstag, 10 bis 12 Uhr und 15 bis 17 Uhr
Mittwoch, 10 bis 12 Uhr und 15 bis 16:30 Uhr

Sonntag, 15 bis 17 Uhr


Die Goldene Kammer wird nur auf Anfrage geöffnet. Eine Anmeldung im Voraus ist nicht notwendig.

 

 

 


 

 

 

 

 

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