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rheinische ART 11/2010

Archiv 2010: aus "Übrigens"

Die Cologne Fine Art & Antiques in Köln machte Lust auf Stilmix und spricht somit auch ein junges kunstbegeistertes Publikum an.

 

 

Die richtige Mischung

 

 

Alte Kunst und moderne Kunst, zeitgenössisches Design, Orientalisches und Asiatisches, Textilien und Antiken – die Cologne Fine Art & Antiques bot dem Besucher ein breites Panorama der Welt der schönen Dinge. Die diesjährige Veranstaltung der im Vergleich zur Art Cologne relativ jungen Messe setzte ganz auf Stilmix und versuchte so, das der älteren Kunst sowie den Antiquitäten doch zu Unrecht anhaftende Image, ausschließlich eine Beschäftigung wohlhabender älterer Herren und Damen zu sein, abzuschütteln und auch ein junges Publikum anzusprechen.

 

DAS KONZEPT scheint zu funktionieren. Zwar kann sich die Cologne Fine Art & Antiques nicht in eine Reihe mit der renommierten Pariser Biennale des Antiquaires stellen, die schon seit Jahren einen ähnlichen Ansatz verfolgt und Ausstellungsobjekte an von renommierten Inneneinrichtern gestalteten Ständen präsentiert. Dennoch schienen sich die verschiedensten Altersgruppen, die auf die Messe gefunden hatten, wohlzufühlen. Die positive Grundstimmung, die der Besucher beim Durchwandeln in sich aufsaugte, ist keine Illusion.

 

Impressionen der Cologne Fine Art & Antiques

Fotos (3) Kölnmesse

Auch die Händler zeigten sich zufrieden, ist doch das Geschäft mit der Kunst vor allem im mittleren Preissegment zugleich lukrativ und Publikumsmagnet. Sicherlich trug zum allgemeinen Wohlgefühl mit bei, dass bei einigen innovativen Ausstellern auf eine klassischerweise museale Präsentation zugunsten einer exemplarischen Zurschaustellung von Kunstwerken in einem wohnlichen Umfeld verzichtet wurde. Damit gaben diese Händler mit ihrer Standgestaltung eine Anregung, wie man zeitgemäß alte Meister, eine klassizistische Récamière oder ein römisches Relief in sein Wohnumfeld zu integrieren vermag. So ließ es sich etwa bei Georg Britsch aus Bad Schussenried hervorragend darüber diskutieren, ob der neue Mac nun wirklich auf den englischen Carlton-House-Schreibtisch passt – oder auch nicht.

 

Objekte verschiedener Epochen


Dabei driftete die Schau nicht in einen begehbaren Inneneinrichtungskatalog ab. Ein Teil der Kunsthändler bot Objekte verschiedener Epochen oder Gattungen feil, die Mehrheit legte jedoch spezifischere Schwerpunkte. Auffallend war die Präsenz der auch auf der Art Cologne stets stark vertretenen klassischen Moderne: Ludorff, Beck&Eggeling sowie Utermann bildeten dabei mit Zeichnungen von Kirchner, Macke oder Corinth die Phalanx. Die Galerie Vömel aus Düsseldorf hat sich Ewald Mataré verschrieben und führte eine beeindruckende Vielfalt der Werke dieses Künstlers vor. Elegante Zeichnungen des Symbolisten Franz von Stuck fanden sich bei Konrad Bayer aus München, japanische Farbholzschnitte und Bildrollen des 19. und 20. Jahrhunderts bei Gottfried Ruetz. Die dazu passende Tapisserie ließ sich dann bei dem Textilfachmann Eitzenberger aus Hamburg erwerben.
   Besondere Aufmerksamkeit erheischt natürlich stets das Ungewöhnliche und Kapriziöse. Dies gelang vor allem Händlern, die sich auf ein besonders enges Fachgebiet konzentrieren. Einer von ihnen ist Basedau aus Hamburg, spezialisiert auf antike Spazier-, Flanier-, und Systemstöcke.

 

Spezifisches Sammlergebiet

 

Der im Vergleich kleine Stand zog im Vorbeigehen die Blicke unweigerlich auf sich. Aus Plexiglashaltern ragten dem Besucher die preziosenhaft inszenierten Stöcke entgegen. Tatsächlich handelt es sich hierbei um ein spezifisches Sammlergebiet, auf dem es allerhand zu entdecken gibt. Die Frage, wer dabei noch ernsthaft einen Spazierstock zum Gehen benötigt, beschäftigt Waltraud Basedau dabei weniger. Ihre Schätze sind reine Accessoires und kunsthandwerkliche Objekte par excellence: „Ein Spazierstock – das ist ein Stück Geschichte. Stellen Sie sich vor: Wer hat ihn wohl mit sich geführt? Wer hat wen, den Stock leicht aus dem Handgelenk heraus schwenkend, damit wohl einst becirzt? Wieviel künstlerische Leidenschaft und Mühe ist auf die Verarbeitung eines solchen Stockes verwendet worden?“
   Auch sie ist eine Vertreterin des auf der Messe praktizierten Konzepts der Vermischung verschiedener Stile und Epochen: „Ich möchte nicht so eingerichtet sein wie meine Großmutter“, sagt sie, „aber ich möchte gerne einzelne Stücke von ihr in mein Umfeld integrieren. Meine Spazierstöcke sehen auch in einem modernen Flur oder Wohnraum sehr gut aus und ziehen den Blick auf sich. Es kommt auf die richtige Mischung an!“
   Waltraud Basedaus Ansichten bringen eine grundsätzliche Ambition der Cologne Fine Art & Antiques zum Ausdruck: Das Bestreben, eine junge Käufergeneration für alte Schätze zu begeistern. Ein solches Engagement ist für den Markt mit alter Kunst und Kunsthandwerk nicht nur überlebenswichtig, es ist zugleich ein Angebot an ein von zeitgenössischem Minimalismus gesättigtes Publikum, sich neue Sphären zu erschließen.

Robert Woitschützke

 

Die nächste Cologne Fine Art & Antiques findet im November 2011 statt.

 

 

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