rheinische ART
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rheinische ART 01/2019

Archiv 2019

FAST FASHION
Die hässliche Seite der Mode

 

Auch in der Textilindustrie gilt die immer wieder zitierte Binsenweisheit: Alles hat seine zwei Seiten. Die eine ist in dieser Branche der Glamour auf dem Laufsteg und das Modedekor im Schaufenster, die andere der skandalöse Entstehungsprozess von (Massen-) Bekleidung.

 

Helena Waldmann Made in Bangladesh, © Helena Waldmann 2014 Fotoquelle Rautenstrauch-Joest Museum Köln 2018

 

Eine bemerkenswerte Ausstellung unter dem Titel „Fast Fashion. Die Schattenseiten der Mode“ wirft einen detaillierten und kritischen Blick hinter die Kulissen der globalen Textilwirtschaft. Die Schau, so heißt es im Rautenstrauch-Joest-Museum (RJM) in Köln, solle dazu anregen, dass sich Käufer engagiert mit dem Thema Mode-Konsum und seinen sozialen und ökologischen Folgen beschäftigen.

     Die Grundfragen sind so einfach wie frappierend. Zum Beispiel: Wie kann es sein, dass ein T-Shirt heute weniger kostet als ein großer Kaffee, ein Kleid so viel wie ein Eisbecher, eine Hose so viel wie ein Kinoticket? Und was erzählt der Preis über das Leben der Menschen, die diese Kleidung herstellen?

 

Taslima Akhter Rana Plaza Collapse - Death of 13 © Taslima Akhter 2013, Fotoquelle Rautenstrauch-Joest Museum Köln 2018

 

Konzipiert wurde die kritische Schau 2015 vom Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg vor dem Hintergrund der Großbrände in Textilfabriken in Pakistan und Bangladesch. Erst der Tod Hunderter Menschen lenkte den Fokus der Weltöffentlichkeit auf die problematischen Arbeitsbedingungen, unter denen ein großer Teil der Mode in Billiglohnländern entsteht. Gruppen von Brandopfern reichten daraufhin etwa in Deutschland Schadenersatzklagen gegen Textildiscounter ein, die „Fast Fashion“ verkauften.

 

Key Visual © RJM Rautenstrauch-Joest Museum Köln 2018

 

Kantha-Stickerinnen in Marajpur, Indien | Kantha Embroiderer in Marajpur, India © Galerie Morgenland Sabine Heineken Köln 2018, Fotoquelle Rautenstrauch-Joest Museum Köln 2018

 

Herstellung von „Lotos-Seide“ am Inle-See, Myanmar | Lotos-Silk Fabrication at Lake Inle, Myanmar © Canan Kalac Köln 2017, Fotoquelle Rautenstrauch-Joest Museum Köln 2018

 

Der Name sagt alles: „Fast Fashion“ ist eine geradezu rasend schnelle Mode! Von der ersten Produktskizze über den Prototyp bis zur Massenfertigung und Auslieferung vergehen heute nicht einmal mehr zwei Wochen. Und so schnell Entwurf, Produktion und Handel, so rasch auch Gebrauch und Verschleiß – Billigmode heizt den Textilkonsum an und hat den neuen Typus des schnellen Modekonsumenten hervorgebracht.

 

Rein ökonomisch betrachtet, ist „Fast Fashion“ ein Erfolgsmodell global agierender Konzerne und ermöglicht enorme Profite, wie es im RJM heißt. Doch es ist ein monetärer Erfolg Weniger zu Lasten der Menschen in den Produktionsländern – erzielt mit teilweise unwürdigen Arbeitsbedingungen, mit Dumping-Löhnen und einer denkbar schlechten Umweltbilanz.

     Längst gilt die enorm mit Chemie arbeitende Textilindustrie als eine der führenden Umweltbelaster weltweit. Auf der anderen Seite leistet sie als Pionierindustrie in vielen Ländern Aufbauarbeit für einen künftigen Wohlstand: Sie gibt vielen Menschen ohne Ausbildung Arbeit und Einkommen und zieht ohne Zweifel weitere Branchen nach.

 

Als Gegenmodell gewinnt derzeit die „Slow Fashion“-Bewegung zunehmend an Bedeutung. Produzenten und Konsumenten bemühen sich hier um mehr Verantwortung und Respekt gegenüber Menschen, Rohstoffen und Umwelt.

     Doch es geht nicht allein um die schonende Herstellung und Auswahl von teils äußerst seltenen und kostbaren Rohstoffen, um ihre kunstfertige Verarbeitung, um faire Entlohnung und fairen Handel. Es geht auch um kulturelle Identitäten und Traditionen, um selten gewordene Handwerkskunst und um alternative Ansätze für ein sozial nachhaltiges Wirtschaften.

 

Der Parcours im RJM führt die Besucher durch den kompletten Konsumprozess: vom Laufsteg bis zum Fotostudio, vom Schaufenster bis zur Umkleidekabine.

     Videoinstallationen und Fotowände von Dutzenden Künstlern, Infografiken und Schautafeln von Wissenschaftlern, Umweltschützern, Designern und Medienexperten - und natürlich zahlreiche Mode-Artikel - geben einen ebenso aufklärenden wie anschaulichen Einblick in die Schnelllebigkeit einer Branche und ihre globale Vernetzung, durchleuchtet die Lebensverhältnisse der Textilarbeiter einerseits und die Kaufhaltung der Textilkonsumenten andererseits.
K2M


Die Ausstellung „Fast Fashion. Die Schattenseiten der Mode“ geht am 24. Februar 2019 zu Ende.
Rautenstrauch-Joest-Museum – Kulturen der Welt
Cäcilienstrasse 29-33
50667 Köln
Tel. 0221 / 221-31356
Öffnungszeiten
DI - SO 10 - 18 Uhr
DO 10 - 20 Uhr