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rheinische ART 12/2010

 

Archiv 2010: aus "Kunst erleben"

 

Der ganze Mensch ist angesprochen

 

FÜHLEN MIT DEN AUGEN

 

 

Günther Uecker in der Langen Foundation

 

Es muss eine tief empfundene Verbundenheit mit dem belgischen ZERO Künstler Jef Verheyen (1932 - 1984) sein, die Günther Uecker veranlasst, sich auch ein Vierteljahrhundert nach dessen Tod für das Œuvre seines wenig bekannten Künstlerfreundes einzusetzen. Denn Uecker war es, der eine Ausstellung mit Werken Jef Verheyens anlässlich der Quadriennale anregte.

 

 

DIE ZERO FOUNDATION in Düsseldorf fand für ihr ambitioniertes Projekt in der Langen Foundation nicht allein den idealen Ort für die einmalige Präsentation, sondern darüber hinaus auch einen vertrauensvollen Kooperationspartner. Die Langen Foundation sieht sich als Gasthaus für ein Gemeinschaftsprojekt von Freunden, betont denn auch Sabine Langen-Crasemann, das den Titel „Jef Verheyen and Friends“ trägt.
   Irgendwie ist es auch Ueckers Ausstellung. Nicht allein, weil er die in die Gesamtschau integrierte Teilpräsentation der Freunde von Jef Verheyen um eigene Werke bereichert, sondern weil das Werk und der Mensch Verheyen für ihn bedeutend sind. Mit seinem Einsatz holt er Jef Verheyen für ein öffentliches Publikum in die Gegenwart.

 

- EIN KÜNSTLERFREUND -


   Der Künstler stand mit Günther Uecker in freundschaftlichem Kontakt und pflegte mit ihm wie mit anderen darüber hinaus auch einen künstlerischen wie intellektuellen Austausch. Zu diesem Kreis gehörten zum Beispiel Lucio Fontana, Piero Manzoni, Hermann Goepfert und Yves Klein. Dies sind berühmte Namen und die Frage, warum Verheyen in diesem Umfeld außer von Insidern so gut wie nie mit benannt wird, liegt schlicht auch an der Tatsache, dass der Künstler die Zusammenarbeit mit Galeristen für sich nicht akzeptierte. Für diese Form einer nachhaltigen Präsentation, die doch Öffentlichkeit schafft, hatte er wohl wenig Sinn.
   Dabei ist seine Kunst es mehr als Wert, gezeigt zu werden. Verheyens wirkungsstarke Bilder vermitteln eine intensive Auseinandersetzung mit den Phänomenen Licht und Farbe. Sie entstanden in einem Prozess, den Uecker mit „der Leinwand in großem Kampf abgerungen“ beschreibt. Der vielseitig interessierte und philosophisch belesene Verheyen betrachtete Sehen als eine Erfahrung, die nicht nur auf den einen Sinn beschränkt ist: „Sehen, das ist Fühlen mit den Augen“ ist eine seiner bemerkenswerten Äußerungen. Nach Verheyens Schluß ist der ganze Mensch angesprochen und auch in der Lage, in einer offenen Haltung gegenüber Kunst und Natur Erfahrungen zu machen, die ihn mannigfach bereichern. Und deshalb zog es ihn auch immer wieder in die Landschaft.
 

Pressstrohballen mit Kalk, eine Reihe von Holzrahmen, die beim Durchblick die Landschaft in einem Rechteck zeigen und sie so zum Gegenstand der Betrachtung macht. 1967 realisierten Günther Uecker und Jef Verheyen das gemeinsame Projekt "Flämische Landschaft" (Bild oben), woran nicht nur die alten Plakate sondern auch der Nachbau in den Außenanlagen der Langen Foundation (Bild unten) erinnern.

 

- SEH-ERFAHRUNG -

 

Sehen besitzte für ihn eine Schlüsselfunktion zur intensiven Wahrnehmung und in diesem Zusammenhang ist es erstaunlich, zu wissen, dass er selbst nicht mit der besten Sehstärke ausgestattet war, da auf einem Auge fast blind. Doch als philosophisch gebildeter Mensch beschränkte er seine Seherfahrung nicht allein auf die organische Sinnesfunktion, sondern erkannte für sich: „Denken heißt für mich sehen.“ Kunsthistorisch ist Verheyens Œuvre noch nicht aufgearbeitet. Doch darf man vermuten, dass er wohl vor seinem inneren Auge Bilder schuf, die nicht ausschließlich abhängig von der gesehenen Wirklichkeit waren.
   Vielleicht ist dies mit ein Punkt, der ihn seine schwarzen Bilder – Verheyen wird ein melancholischer Charakter nachgesagt - malen ließen. Sie werden auch mit „schwarzes Licht“ beschrieben, denn Verheyen selbst begleitete diese mit Aussagen wie „... es ist immer gut, wenn man denkt, das Licht kommt vom Bild ...“.
   Uecker erinnert sich an gemeinsame Ausflüge in die Weite der flämischen Landschaft, die 1967 in eine künstlerische Aktion als eines der frühesten Landart-Projekte mit dem Titel „Flämische Landschaft“ gipfelten. Dieses Gemeinschaftsprojekt wurde nun auf dem Gelände der Langen Foundation nachgestellt. Wie einflussreich Verheyen für die ZERO-Bewegung und ihre Schlüsselfiguren war, und wie er sie emotional anrührte, wird durch die klare Aussage von Lucio Fontana deutlich: „Er ist wie ein Vater für mich.“
Irmgard Ruhs-Woitschützke

 

 

Die Ausstellung ist bis zum 16. Januar 2011 zu sehen.
Langen Foundation
Raketenstation Hombroich 1
41472 Neuss
Tel. 02182 / 5701-0


Öffnungszeiten
täglich von 10 – 18 Uhr

 

 

Zu den renommierten Leihgebern der Ausstellung zählen die Sammlung Lenz Schönberg, die Rira Sammlung in Köln, die Stiftung museum kunst palast in Düsseldorf und die Hubertus Schoeller Stiftung in Düren. Ein signifikanter Teil der Gemälde kommt von der Vervoordt Foundation.
Kurator der Ausstellung ist Dirk Pörschmann.

 

 

©rheinische-art.de

Fotos: 3 rArt, 1 Langen Foundation

 

                     

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