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rheinische ART 06/2019

REVITALISIERUNG
Edutainment mit M9

 

Die Lagunenstadt Venedig ist bekanntlich eine grandiose Kulturperle. Ihr vor Jahrzehnten eingemeindeter Ortsteil Mestre gegenüber auf dem Festland gilt als unattraktive Industrieansammlung. Jetzt hat diese von Touristen wenig besuchte „Stieftochter“ ein Museum bekommen.

 

Fassade Eine auffällige mehrfarbige Keramikaußenseite bestimmt das Bild des neuen Museums M9 in Mestre. Foto © M9 Museum, Venedig-Mestre, 2018

 

Das Haus mit dem Namen „Museo del Novecento“, oder kurz M9, ist für Italien etwas Besonderes. Es ist landesweit das erste Museum für die Geschichte des 20. Jahrhunderts, dass ausschließlich multimedial präsentiert.

     Genau genommen ist M9 der bildungstechnische Teil eines revitalisierten Stadtquartiers, das auch auf Shopping und andere Vergnügungen ausgelegt ist. Das Zusammenspiel von Bildung und Unterhaltung zu einem unterhaltsamen Lernen („Edutainment“) ist eine Art von Stadterneuerung, die der Industriestandort Mestre mit seinem eher schlechten Ruf gut gebrauchen kann.

     Allein das neue Museum umfasst eine Fläche von rund 10.000 Quadratmetern, darunter einen Klosterbau aus dem 16. Jahrhundert mit der Bezeichnung „Convento delle Grazie“ und ein renoviertes Gebäude aus der 1970er Jahren. Die Schauflächen dienen für Dauer- und Wechselausstellungen sowie für kulturelle Aktivitäten diverser Art.

 

Raum für Edutainment: M9 Museum Venice-Mestre Foto © Alessandra Chemollo, Sauerbruch Hutton 2018


Inhaltliche Schwerpunkte des Museums M9, dessen Kürzel an eine alte Stadtteilbezeichnung erinnert, sind die Industrie-, Sozial- und Stadtbaugeschichte der Hafenkommune und der Region Venezien. Dabei werden auch der italienische Futurismus und andere Stilrichtungen präsentiert. Im Rahmen einer Dauerausstellung kann der Besucher auf informationsreichen „Wanderpfaden“ durch die Moderne Italiens flanieren und Lehrreiches mitnehmen. Dass Multi-Media-Museum erzählt sozusagen mit den Mitteln des 21. Jahrhunderts die Geschichte des 20. Jahrhunderts, natürlich aus italienischer Sicht.

 

Blick in die Ausstellung Foto © M9 Museum, Venedig-Mestre, 2018

 

Mit diesem programmatischen Kniff soll der Gesamtkomplex sowohl die Bewohner der Industriestadt Mestre als auch Tausende Touristen von der „Insel Venedig“ anlocken. Denn unter denen leidet die große und völlig kommerzialisierte Wunderstadt mittlerweile sehr.

     Für die angestrebte Ableitung von Besucherströmen nach Mestre wurde viel Geld in die Hand genommen. Das Investitionsvolumen für das städtebaulich interessant umgestaltete Viertel und das Museum M9 mit seiner Mediathek, dem Auditorium, den Restaurants, Shops, Büros und Konferenzräumen betrug über 110 Millionen Euro.

     Bauherr ist die Stiftung „Fondazione di Venezia“, verbunden mit der Banca Intesa, die sich vorzugsweise um Projekte in den Bereichen Kultur und Forschung kümmert. Die Planungen stammen komplett von dem preisgekrönten Berliner Architekturbüro und Designerstudio Sauerbruch Hutton.
rART

 

► Für die Immanuel-Kirche in Köln-Flittard/Stammheim erhielten Sauerbruch Hutton 2015 den Deutschen Architekturpreis. Das Bauwerk ist eine bemerkenswerte finnische Holz-Kombination aus Fichte (innen) und Lärche (außen).

 

Museo del Novecento M9
Via Giovanni Pascoli 11
30171 Venezia Mestre
Tel +39 041 238 7230


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