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rheinische ART 06/2019

Archiv 2019

SEBASTIÃO SALGADO

Schwarz-graue Weltansichten


Der brasilianische Fotograf Sebastião Salgado erhält am 20. Oktober in Frankfurt am Main den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Eine Ehrung für einen Großmeister der Branche.

 

Sebastião Salgado Waura-Indianer beim Fischen im See Puilanga in Matto Grosso, Brasilien, 2006, Genesis/ Taschen Verlag Köln Foto © Sebastião Salgado / Amazonas images

 

Salgado ist vieles: Bildkünstler, sozialengagierter Chronist, erfolgreicher Umweltaktivist, promovierter Ökonom – und der erste Preisträger, der als Fotograf die höchst renommierte Auszeichnung des deutschen Buchhandels verliehen bekommt.

 

Sebastião Salgado Sanddüne zwischen Albrg und Tin Merzouga in Algerien, 2009, Genesis/ Taschen Verlag Köln Foto © Sebastião Salgado/ Amazonas images

 

Wie die Jury des Stiftungsrates des Börsenvereins bekannt gab, ehre man eine künstlerische Persönlichkeit, die mit „Fotografien soziale Gerechtigkeit und Frieden fordert und der weltweit geführten Debatte um Natur- und Klimaschutz Dringlichkeit verleiht.“

     Der deutsche Buchhandel vergibt den Friedenspreis seit 1950, er ist mit 25.000 Euro dotiert.

     Es ist nicht die erste Ehrung Salgados in Deutschland. 2007 erhielt er den Fotopreis der Kölner Michael Horbach Stiftung (mehr).

 

Seine wirkmächtigen Foto-Arbeiten wurden in zahlreichen Ausstellungen weltweit gezeigt. Vor allem mit Langzeitprojekten sorgte Salgado für Aufsehen. Hierzu zählen Fotoprojekte wie Workers (Arbeiter, 1993), Migrations (Migration, 2000) oder Genesis (2013).

     Mit seinen Schwarz-Weiß-Fotografien dokumentierte er in diesen Jahre dauernden Projekten Menschen, die durch Kriege, Naturkatastrophen oder Umweltzerstörungen entwurzelt wurden.

 

Durch eindringliche Fotografien gelinge es Sebastião Salgado, "Menschen weltweit für das Schicksal von Arbeitern und Migranten und für die Lebensbedingungen indigener Völker zu sensibilisieren", so die Jurybegründung weiter. In seinen Lichtbildern werde die Größe der Natur wie auch die geschändete Erde ebenso sichtbar wie deren fragile Schönheit.

 

Sebastião Salgado Frauen in dem Zo’é-Dorf Towari Ypy. Pará, Brasilien, 2009, Genesis/ Taschen Verlag Köln Foto © Sebastião Salgado / Amazonas images

 

2014 kam die bewegende Film-Dokumentation „Das Salz der Erde“ in die Kinos. Der 110 Minuten lange Oscar-nominierte Film, den Salgado zusammen mit dem Düsseldorfer Filmregisseur Wim Wenders schuf (mehr), portraitiert den Fotokünstler im Rahmen einer gemeinsamen Weltreise und verdeutlich Salgados Denk- und Arbeitsweise und seine Auffassung von Kunst.

 

Buchcover Lélia Wanick Salgado (Hrsg.), Sebastião Salgado Genesis Foto © Taschen Verlag Köln

 

Sebastião Salgado wurde am 8. Februar 1944 im Bundesstaat Minas Gerais geboren und wuchs auf der elterlichen Farm im Regenwaldgebiet auf. Der studierte Ökonom engagierte sich mit seiner Frau in der linken Oppositionsbewegung gegen die Militärdiktatur in Brasilien; 1969 emigrierten beide nach Paris.           Seit 1973 arbeitet Salgado freiberuflich als Fotograf. 1979 wurde er Mitglied der Agentur Magnum Photos. Gemeinsam mit seiner Frau Lélia Wanick Salgado unterhält er eine eigene Foto-Agentur unter dem Namen Amazonas Images.

     Zeitweise wurde dem Fotografen Salgado immer wieder der Vorwurf gemacht, er ästhetisiere Armut, Flucht, Krieg und die Zerstörung der Natur. Die Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels lässt sich nun auch als eine souveräne Antwort an Salgados Kritiker ansehen. Denn, so ZEIT online anlässlich der Jury-Entscheidung, was seine zweifellos expressiv-elegante Darstellungsweise bis heute auszeichnet, sei gerade die Betonung der Würde.
rART


Literaturhinweise (Auswahl)
► Lélia Wanick Salgado (Hrsg.), Sebastião Salgado Genesis, 517 Seiten, Taschen Verlag Köln 2013, ISBN 978-383654 2609


► Sebastião Salgado Exodus, Neuausgabe zum Thema Exil, Migration und Vertreibung, 432 Seiten, Hardcover mit Begleitheft, Taschen Verlag Köln 2016

 

 

 

 

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