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rheinische ART 12/2018

ZEITREISE DURCH ASIEN

Schädel im Schilf

 

Vierzig Jahre Museum für Ostasiatische Kunst (MOK) am Aachener Weiher in Köln! Dies ist Anlass für das Haus, mit einer Jubiläumsschau das asiatische Kunstuniversum in brillanter Weise zu präsentieren.

 

Katsushika Hokusai (1760‒1849) Zwei abgetrennte Köpfe, Hängerolle, Farbe auf Seide, Japan, datiert 1847, Museum für Ostasiatische Kunst Köln, A 2015,1. Foto © Van Ham Kunstauktionen / Sasa Fuis

 

Im Dezember 1977 wurde der Neubau des Museums an der Universitätsstraße eröffnet. Die Entwürfe lieferte der japanische Architekt Kunio Maekawa (1905–1986), ein Schüler des berühmten Le Corbusier. Mit dem flachen, eingeschossigen und modernen Bau erhielt das traditionsreiche Spezialmuseum nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg eine dauerhafte neue Heimat.

 

Das 1977 eröffnete Museum für Ostasiatische Kunst am Aachener Weiher in Köln. Im Bild der japanische Innengarten. Foto ©RBA

 

Jetzt zeigt es unter anderem, was es an Neuzugängen in den letzten vier Jahrzehnten verbuchen konnte. Der Titel der Schau, Alles unter dem Himmel, spielt dabei auf den vieldeutigen chinesischen Begriff Tianxia an. Ein Terminus aus der Hochsprache des Landes, mit dem allgemein die Welt in ihrer großen Vielfalt und Bandbreite umschrieben wird und der ferner historisch den Herrschaftsanspruch des chinesischen Kaisers umreißt.

 

Lagerndes Kamel, Gebrannte Tonerde mit Resten beige-brauner Bemalung, China, Tang-Dynastie, 7. Jh. Dauerleihgabe Peter und Irene Ludwig Stiftung im Museum für Ostasiatische Kunst Köln, DL 93,6. Foto © RBA

 

Der daoistische Unsterbliche Liu Hai, Bronze, China, Qing-Dynastie, 18. Jh. Sammlung Christel und Dieter Schürzeberg im Museum für Ostasiatische Kunst Köln, C 2018,227. Foto © RBA

 

Inoue Yûichi (1916–1985): Haha (Mutter), Tusche auf Papier, Japan, vor 1965, Museum für Ostasiatische Kunst Köln, A 2006,6. Foto © RBA

 

Das Spektrum an Exponaten ist breit und macht diese Schau so überaus interessant. Vor allem für all jene, die sich einen Einblick in den Kulturraum Ostasiens verschaffen wollen – über seine Gegensätze wie auch seine Parallelen.

     Denn ob es sich um Schreibkunst der japanischen Avantgarde des 20. Jahrhunderts handelt, um buddhistische Skulpturen des 6. bis 16. Jahrhunderts, Gelehrtenmalerei, klassische chinesische Möbel oder ein chinesisches Prinzessinnengewand des 18. Jahrhunderts; zusammen genommen bilden all diese in thematischen Gruppen präsentierten Kunstwerke ein facettenreiches Universum.


Zu den Spitzenstücken dieser Sonderausstellung zählt ohne Zweifel Katsushika Hokusais Malerei „Frisch abgetrennte Köpfe“, die aus den Ohren blutend im Schilf liegen. Leben und Sterben werden mit ihnen gleichzeitig symbolisiert.

     Es handelt sich dabei um ein in Japan höchst populäres Namakubi-Motiv, an dem sich viele namhafte Künstler, so auch die Malerstars Utagawa Kuniyoshi und Kitagawa Utamaro (mehr), bedienten.


Mythos Namakubi oder „frische Köpfe“, wie es wörtlich heißt, werden mit übernatürlichen Kräften in Verbindung gebracht. Sie sollen vor Unfällen, Verletzungen und selbst dem Teufel schützen, für Mut und Respekt vor Feinden stehen. In der traditionellen japanischen Tattoo-Kunst sind sie weit verbreitet, wo sie in unzähligen Varianten gestochen wurden und werden.

 

Der malbessene und enorm produktive Meister Katsushika Hokusai fertigte das Seidengemälde 1847, zwei Jahre vor seinem eigenen Ende. Sein Schädel-Duo im Schilf gilt als Klassiker des Genres: präzise und ungeheuer wirksam gemalt, mit durchdringenden Blicken der Dahingeschiedenen, die ihr trauriges Schicksal mit einer Art grinsender Mimik quittieren.

     Hokusai ist Japans bekanntester Maler und Holzschnittkünstler. Zu seinen Meisterwerken gehören die berühmten „36 Ansichten des Berges Fuji“ sowie das im westlichen Kulturraum höchst geschätzte und sehr bekannte Holzschnittwerk „Große Welle von Kanagawa“ (mehr).

 

Utagawa Hiroshige (1797-1858) „Weißer Regen, Shono“ (shono haku-u) aus der Serie: „53 Station der Tokaido-Straße“ (Tokaido gojusan tsugi no uchi), Museum für Ostasiatische Kunst Köln, Inv. Nr. R 2014,2, Foto © RBA

 

Traditionsmuseum Das rein bürgerlich-initiierte Museum für ostasiatische Kunst gehört zu den ältesten Museen der Stadt Köln. Es wurde bereits 1913 eingeweiht und ist somit über 100 Jahre in der Domstadt ansässig. Es war von Beginn an ein Ausstellungshaus, das sich speziell dem Kulturleben und der Kunst Ostasiens widmete, vor allem der aus Japan, Korea und China.

     Dies war sowohl unter dem Gesichtspunkt der Programmatik als auch der Präsentation seinerzeit in ganz Europa ohne Beispiel. Die ersten Exponate waren von den Sammlern und Museumsgründern, dem Wiener Privatgelehrten und Kunstfreund Adolf Fischer (1856–1914) und seiner Ehefrau, der Berliner Fabrikantentochter und Pädagogin Frieda Bartdorff (1874–1945) zusammengetragen worden (mehr). Spätere Mäzene erweiterten mit ihren Stiftungen die Bestände.
Claus P. Woitschützke


Die Ausstellung feiert nicht nur den Reichtum der Neuzugänge, sie lädt auch ein zu einer Zeitreise durch die Bestandskataloge und Sonderausstellungsplakate der letzten 40 Jahre.


► Dass das MOK seit dem Umzug 1977 zahlreiche hochkarätige Ankäufe durchführen konnte, ist dem finanziellen Engagement der Stadt Köln, des Fördererkreises des Museums sowie der Unterstützung durch die Stiftung Kunst und Kultur des Landes NRW sowie der Kulturstiftung der Länder zu danken. Die Ausstellung präsentiert daneben weitere einzigartige Dauerleihgaben der Peter und Irene Ludwig Stiftung sowie großzügige Schenkungen privater Gönner und Mäzene.

 

Die Ausstellung "Alles unter dem Himmel" wird bis zum 30. Juni 2019 gezeigt.
Museum für Ostasiatische Kunst
Universitätsstraße 100
50674 Köln
Tel. 0221 / 221-28608
Öffnungszeiten
DI – SO 11 – 17 Uhr

 

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