rheinische ART
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rheinische ART 07/2019

BILL PERLMUTTER

Erinnerungspuzzle

 

Europa in den Fünfzigerjahren! Ein vom Krieg gezeichneter Kontinent ist auf dem Weg in eine neue Zeit. Ein amerikanischer Soldat hält das Alltagsleben mit seiner 6 x 6 cm Rolleiflex-Kamera fest.

 

Bill Perlmutter: G.I. Cigarettes / G.I. Zigaretten, Germany 1955 © Bill Perlmutter / Courtesy Galerie Hilaneh von Kories

 

Zu sehen sind die schwarz-weißen Zeugnisse aus einem Europa des Aufbruchs und der Neuorientierung in einer Ausstellung in Aachen. Das Centre Charlemagne – Neues Stadtmuseum Aachen präsentiert sie unter dem Titel „Bill Perlmutter: Through a Soldier’s Lens: Europe in the Fifties“.

 

Bill Perlmutter: Souvenir Seller under the Eiffel Tower / Souvenirverkäufer vor dem Eiffelturm, Paris 1955 © Bill Perlmutter / Courtesy Galerie Hilaneh von Kories

 

Bill Perlmutter: Policeman / Polizist, Madrid 1956 © Bill Perlmutter / Courtesy Galerie Hilaneh von Kories

 

Im Dezember 1954 bestieg der erst 22 Jahre alte Bill Perlmutter einen Truppentransporter nach Deutschland, um von dort für US-Armeemagazine zu arbeiten. Zuvor hatte er die Vereinigten Staaten nie verlassen. In Bremerhaven reiste er ein, mit Vorstellungen und Vorurteilen über ein Europa, das er nur aus Filmen und der Literatur kannte.

     Zwar waren die Spuren des verheerenden Krieges noch überall sichtbar. Doch für Perlmutter war das kein Thema. Er interessierte sich in erster Linie für die Menschen, die sich trotz aller Not und Entbehrung wieder in ihrem Alltag eingerichtet hatten.

 

In den rund zwei Jahren seiner Stationierung in Deutschland bereiste der junge Mann voller Neugier und mit großer Empathie die junge Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und Portugal.

     Er hielt Szenen und flüchtige Momente des Alltags fest, alles aus der Welt der Normalbürger: Gleichwohl durch das Foto-Objektiv eines Soldaten. Und er fand, wie er einmal erklärte, die „wunderbaren Orte“, von denen er gelesen hatte. Vor allem aber: „Alle meine Vorurteile wurden erschüttert“, so Perlmutter später im Rückblick auf diese Zeit.

 

Bill Perlmutter: Mothers Helper, Rome / Mutters kleine Gehilfin, Rom 1956 © Bill Perlmutter / Courtesy Galerie Hilaneh von Kories

 

Bill Perlmutter: „Nitrato do Chile“ (Werbung für Chilesalpeter als Düngemittel), Portugal 1956 © Bill Perlmutter / Courtesy Galerie Hilaneh von Kories

 

Bill Perlmutters Werk reflektiert Jahre des Umbruchs, des aufkeimenden Wirtschaftswunders, der neuen kulturellen Impulse mit Hüftschwung und Schmalztolle, aber auch des Beharrens.

     Alles lässt sich in den Gesichtern der Menschen, Hausfrauen wie Kriegsinvaliden, Kleingewerbler wie Beamte, an ihren Gesten und Haltungen ablesen. Besonders in den Kindern fand der GI Perlmutter seine Protagonisten, da sie mit großer Unbefangenheit vor der Kamera agierten.

     Die Bühne aller von ihm dokumentierten Szenen und Augenblicke waren Straßen, Plätze und Parks. Hier stieß der Fotograf auf eine Fülle von Sujets und erlaubte sich in Bildausschnitt und Perspektive bisweilen humorvolle Kommentare.

 

Das Gespür für den richtigen Augenblick zwischen Nähe und Distanz kennzeichnet die Arbeiten auch nach mehr als 60 Jahren seit ihrer Entstehung. Damit stand Bill Perlmutter in der Tradition jener ikonischen Fotografie, die wenige Jahre zuvor in der berühmten MoMA-Schau „The Familiy of Man“ einen weltweiten Expositionsparcours vollzog und die ihn inspiriert hatten. Es waren Bilder aus den Nachkriegsjahren, die viele als das „Golden Age of Photography“ sahen.

 

Vita Bill Perlmutter wurde am 5. September 1932 in New York geboren. Seine Foto- Karriere begann er am City College Film Institut in New York, dort erwarb den Bachelor of Arts in Filmbildtechniken. Es folgte ein Fotografiestudium an der US-Army Signal Corps School in Fort Monmouth (New Jersey). Ab 1954 arbeitete er fast zwei Jahre als Army-Pressefotograf in Deutschland. Perlmutter wurde später freiberuflicher Fotograf. Von 1978 bis 1997 war er Vice President von Rainbow Chromes, einem auf fotografische und digitale Retuschen spezialisierten Unternehmen. Seine Fotos wurden weltweit von Galerien gesammelt und ausgestellt. Foto-Exponate von ihm befinden sich in den ständigen Sammlungen des MoMA, des Whitney Museum of American Art, des Smithsonian und des Museums der Stadt New York.
cpw

 

Through a Soldier´s Lens: Europe in the Fifties zeigt mit 80 Arbeiten eine Auswahl seiner Aufnahmen aus den Jahren 1954-1956.

► Die Aachener Ausstellung ist die erste deutsche Museumsschau des heute in New York lebenden und arbeitenden Fotografen. Die Kollektion war vorher in der Hamburger Galerie Hilaneh von Kories (2013) und in der Stiftung Michael Horbach, Köln (2014) zu sehen.


Die Ausstellung "Bill Perlmutter Through a Soldier’s Lens: Europe in the Fifties" wird bis zum 22. September 2019 gezeigt.
Centre Charlemagne – Neues Stadtmuseum Aachen
Katschhof 1
52062 Aachen
Tel. 0241 / 432 4956
Öffnungszeiten:
DI–SO 10–17 Uhr


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