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rheinische ART 09/2019

NACHRUF
Peter Lindbergh verstorben

 

Er war ohne Zweifel einer der einflussreichsten Modefotografen der letzten vier Jahrzehnte. Jetzt ist Peter Lindbergh, eigentlich Peter Brodbeck, im Alter von 74 Jahren verstorben.

 

Stefan Rappo Portrait Peter Lindbergh (1944–2019), Fotoquelle Kunsthal Rotterdam 2016 Peter Lindbergh by Stefan Rappo 2015, Wikipedia Portrait Foto © Peter Lindbergh CC BY-SA 4.0

 

Es gibt Karrieren, die sind es wert, dass man sich ihrer erinnert, sie beschreibt und würdigt. Die des deutschen Fotografen und Filmemachers Peter Lindbergh (1944 – 2019) war so eine. 

     Sein sehr ungewöhnlicher Lebensweg führte ihn von Duisburg-Rheinhausen, dem Ort seiner Jugend, an die Mode-Hotspots in Paris und New York. In Lissa im Wartheland, heute zu Polen gehörend, wurde er geboren. Nach der Vertreibung seiner Eltern wuchs er im Rheinland auf, erlernte den Beruf des Dekorateurs und nahm nach ruhelosen, aufregenden Reisen und Auslandsaufenthalten 1969 ein Malerei-Studium an der Krefelder Kunstschule auf.

 

Peter Lindbergh Model-Quintett mit zeitgenössischen Stars in der Januar-Ausgabe 1990 der Vogue UK. Von links: Naomi Campbell, Linda Evangelista, Tatjana Patitz, Christy Turlington und Cindy Crawford, New York, 1990 Copyright © Peter Lindbergh (Courtesy of Peter Lindbergh, Paris / Gagosian Gallery) Fotoquelle Kunsthal Rotterdam 2016

 

Ab 1971 widmete er sich der Fotografie. Zwei Jahre war Lindbergh Assistent des Düsseldorfer Werbefotografen Hans Lux. Von 1973 an war der Endzwanziger, der sich in dieser Zeit wegen Verwechselungen das Pseudonym Lindbergh zulegte, freischaffender Fotograf in Düsseldorf.
     Seine charakteristische Schwarz-Weiß-Fotografie sei, wie er erklärte, vom frühen deutschen Kino, vom modernen Tanz der Zwischenkriegsjahre, also der 1920er Zeit, und auch der industriellen Umgebung seiner Jugendjahre beeinflusst worden.

 

Der Durchbruch zu einem gefragten Modefotografen gelang ihm 1978 mit einem Mode-Feature für den „Stern“. Es folgten im selben Jahr Arbeiten für die französischen Magazine „Marie Claire“ und „Vogue“ und ein Umzug nach Paris.

     In kurzer Zeit wurde Lindbergh zu einem der bekanntesten Mode- und Portraitfotografen und lichtete auch viele Prominente aus Film und Musik ab, wie unter anderen Mick Jagger, Tina Turner, John Travolta und Madonna. 1992 drehte Lindbergh seinen ersten Dokumentarfilm mit dem Titel „Models – the Film“. Er lebte und arbeitete vorzugsweise in Paris, Arles und New York.

 

Peter Lindbergh Michaela Bercu, Linda Evangelista und Kirsten Owen, Nancy, 1988 Comme des Garçons Werbekampagne S/S 1988 Copyright © Peter Lindbergh (Courtesy of Peter Lindbergh, Paris / Gagosian Gallery) Fotoquelle Kunsthal Rotterdam 2016

 

Fototechnisch gesehen hatte Peter Lindbergh das Traditionelle nie verschmäht, die neuen Entwicklungen, etwa die digitalen, aber auch nie über den Klee gelobt: Seine Fotografien sind bis heute Kunstwerke in Farbe oder bevorzugt schwarz-weiß und unter Modeaspekten oft mit einem Schuss Prȇt-à-Porter-Kleidermode angereichert.

     Das war - eigentlich zufällig - in den Achtzigerjahren so was wie ein Tabubruch und revolutionierte die Modefotografie grundlegend. Der modisch geniale Coup basierte, wie Lindbergh 2011 in einem ZEIT-Interview erklärte, auf der Zusammenarbeit mit der New Yorker „Vogue“-Chefin Anna Wintour. Unten Jeans und oben gehobene Schneiderei der angesagten Modeschöpfer, also „…eine Mischung aus Couture und Straße“ sei das, was Wintour faszinierte, was sie wollte. Lindberghs Mix-Mode-Foto erschien als Cover in Wintours erster US-„Vogue“-Ausgabe 1988 und sorgte fast schlagartig für einen Neubeginn in der Modefotografie.

 

Peter Lindbergh Wild at Heart Street-Style-Fotografie mit acht Supermodels 1991. Von links: Cindy Crawford, Tatjana Patitz, Helena Christensen, Linda Evangelista, Claudia Schiffer, Naomi Campbell, Karen Mulder & Stephanie Seymour, Brooklyn, 1991, Vogue US Copyright © Peter Lindbergh (Courtesy of Peter Lindbergh, Paris / Gagosian Gallery) Fotoquelle Kunsthal Rottderdam 2016

Peter Lindberghs Stil stand für einen neuen Realismus in der Modefotografie. Er schuf so gut wie zeitlose und „wahrhaftige“ Bilder von Supermodels, großen Grazien und wohlgestalteten Beauties der Modewelt, mit denen er neue Standards der Schönheit in der Gattung der Mode-Fotografie definiert hat.     

     Lindbergh machte im Laufe der Jahre eine Reihe junger und neuer Laufsteg-Schönheiten zu Stars der Branche, zu vielgefragten und hochbezahlten Supermodells. Und sein Credo lautete dabei nicht etwa, Modefotos müssten mondän, verklärt, glamourös oder gar laut, schnell, schrill, hip oder crazzy sein. Lindberghs fotografischer Ansatz war minimalistisch - in Ausstattung, Kulissen und Gesichtern. Ein wahrer Könner seines Metiers.
rART


Das Düsseldorfer NRW Forum zeigte Anfang 2017 die Schau „Women on Street“ mit Arbeiten von Peter Lindbergh. Der Kunstpalast Düsseldorf wird ab Februar 2020 „ Peter Lindbergh. Untold Stories“ präsentieren, eine Werkschau des Verstorbenen, die er noch selbst kuratierte.

 

 

 

 

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