rheinische ART
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rheinische ART 03/2019

KRIEG IM FOKUS

Der Blick der Frauen

 

Kriegsfotografie war und ist keine Männerdomäne. Schon vor über achtzig Jahren waren Frauen von Berufs wegen mit der Kamera an Orten kriegerischen Grauens und dokumentierten das Geschehen.

 

Anja Niedringhaus Afghanische Männer auf einem Motorrad überholen kanadische Soldaten des Royal Canadian Regiment auf einer Patrouille im Bezirk Panjwayi, südwestlich von Kandahar; Salavat, Afghanistan, September 2010 Pigmentdruck auf Barytpapier 29,7 x 42 cm Kunstpalast, Düsseldorf © picture alliance / AP Images

 

Nur wenige von ihnen sind der breiten Öffentlichkeit bekannt. Man ist heute geneigt zu fragen: Wie konnten einige dieser einflussreichen Fotoreporterinnen so in Vergessenheit geraten?

 

 

 Françoise Demulder Die Einnahme von Addis Abeba: ein Partisan der Revolutionären Demokratischen Front der Äthiopischen Völker; Äthiopien, 30. Mai 1991 Pigmentdruck auf Barytpapier 42 x 29,7 cm © Succession Françoise Demulder / Roger-Viollet

 

Gerda Taro Republikanische Milizionärin bei der Ausbildung am Strand bei Barcelona, Spanien, August 1936 Inkjetd Druck 18,4 x 17,8 cm © International Center of Photography, New York

 

Eine überaus beachtenswerte Fotoausstellung im Düsseldorfer Kunstpalast greift derzeit das Thema „Fotografinnen an der Front“ auf und zeigt 140 Arbeiten von acht namhaften Bildreporterinnen. 

     Die eindringlichen Lichtbilder reichen vom Spanischen Bürgerkrieg der Dreißigerjahre über Vietnam, die Balkan-Kämpfe bis zu den aktuellen Konfliktregionen und Schlachtfeldern in Afghanistan und Irak. Acht Jahrzehnte Frontbilder von Frauen, aus acht unterschiedlichen Perspektiven.

     Einige dieser Berufsfotografinnen haben einen sehr hohen Preis - auch mit ihrem Leben - für ihr Engagement an den Kriegsplätzen der Welt bezahlt. Hierzu drei Beispiele.

 

Gerda Taro (1910–1937) Die gebürtig aus Stuttgart stammende deutsch-jüdische Kriegsberichterstatterin hielt den Spanischen Bürgerkrieg in Bildern fest und wurde dabei schwer verletzt. Sie starb in einem Lazarett bei El Escorial.

     Taro, Lebensgefährtin des ungarischen Fotografen Endre Friedmann, der unter dem Pseudonym Robert Capa (mehr) Karriere machte und die Agentur Magnum mitbegründete, gilt als erste Lichtbildnerin, die bei einem Fronteinsatz umkam. Lange war sie so gut wie vergessen und ebenso lange stand sie im Schatten ihres Kollegen, mit dem sie unter dem Namen „Capa & Taro“ Fotografien vermarktete.

     Erst 2007 wurden bei einem Fotofund in Mexiko 800 Negative von ihr sichergestellt. Dabei zeigte sich, dass mehrere dieser Aufnahmen bislang ihrem Lebenspartner Capa zugeschrieben worden waren. Die bei ihrem Tode erst 27-Jährige Fotoreporterin gilt heute als Pionierin der modernen Kriegsreportage.

     Zur Beerdigung der Antifaschistin in Paris auf dem Friedhof Père Lachaise 1937 fanden sich Tausende ein. Taro wird der Satz zugeschrieben: „Wenn man bedenkt, wie viele großartige Menschen, die wir beide kennen, umgekommen sind, kommt einem der absurde Gedanke, dass es irgendwie unfair ist, noch am Leben zu sein.“

 

Lee Miller Befreite Gefangene durchwühlen einen Müllhaufen; Dachau, Deutschland, 1945 Silbergelatineabzug 29,8 x 39,2 cm © Lee Miller Archives


Lee Miller (1907–1977) Die US-amerikanische Militärfotografin galt als Ausnahmeerscheinung. Die attraktive wie schillernde Persönlichkeit arbeitete mit Zwanzig als Fotomodel für die Zeitschrift Vogue. 1942 wurde Miller von der US-Armee als Korrespondentin akkreditiert (mehr).

     Berühmt wurden ihre Fotos von Bombenangriffen auf London und von der alliierten Landung in der Normandie. Vor allem waren es die Momentaufnahmen aus den befreiten Konzentrationslagern in Buchenwald und Dachau, die ihre Fotoarbeiten zu den wichtigsten Bildzeugnissen des 20. Jahrhunderts machten. Lee Miller hat ihre Erlebnisse nie verarbeiten und litt an einer Kriegsneurose, wurde depressiv und zog sich völlig aus der Öffentlichkeit zurück ( Literaturhinweis unten).

 

Susan Meiselas Die traditionelle Tanzmaske der Indios aus der Ortschaft Monimbó wurde im Kampf gegen das Somoza-Regime von den Rebellen genutzt, um ihre Identität zu verbergen; Nicaragua, 1978 Inkjetd Druck 70 x 50 cm © Susan Meiselas/Magnum Photos

 

Anja Niedringhaus (1965–2014) Die mehrfach ausgezeichnete deutsche Fotojournalistin arbeitete vorzugsweise für die US-Agentur Associated Press (AP). Sie berichtete ab den Neunzigerjahren aus so gut wie allen Krisengebieten der Welt.

     2014 wurde sie bei einer Reportage in Afghanistan getötet. Die erfahrene Kriegsfotografin war in der Provinz Khost mit einem Konvoi unterwegs, als sie erschossen wurde.

     Niedringhaus, gebürtig aus Höxter, war dafür bekannt, dass sie sich besonders der Zivilbevölkerung verbunden fühlte und deren zum Teil chaotische Lebensumstände dokumentierte.

     2017 hatten die Freunde des Düsseldorfer Kunstpalastes 74 Aufnahmen von Niedringhaus für die Museumssammlung angekauft.

 

Die von 1936 bis 2011 entstandenen Aufnahmen legen sicherlich auch ein Zeugnis dafür ab, dass die Kriegsreportage keine Männerdomäne war und ist. „Der wesentliche Beitrag von Frauen zur Kriegsfotografie ist bisher nicht ausreichend gewürdigt worden.“, betont Museumsdirektor Felix Krämer.

     Der möchte die Schau noch unter einem anderen Aspekt bemerkt wissen. Die Ausstellung zeige: „ ... dass in der Kriegsberichterstattung, wie in allen anderen Sparten der Fotografie, Bilder von zeitloser Relevanz entstanden sind. Sie liefern nicht nur wichtige Anregungen für vielfältige Diskurse, sondern ihnen gebührt auch eine angemessene museale Anerkennung.“

cpw

 

Die Schau präsentiert Foto-Beiträge von Carolyn Cole (*1961), Françoise Demulder (1947–2008), Catherine Leroy (1944–2006), Susan Meiselas (*1948), Lee Miller (1907–1977), Anja Niedringhaus (1965–2014), Christine Spengler (*1945) und Gerda Taro (1910–1937).

 

Die Ausstellung „Fotografinnen an der Front Von Lee Miller bis Anja Niedringhaus“ wird bis zum 10. Juni 2019 gezeigt.

Kunstpalast
Ehrenhof 4-5
40479 Düsseldorf
Tel. 0211 / 8990200
Öffnungszeiten:
DI/Mi/FR - SO 11 - 18 Uhr
DO 11 - 21 Uhr

 

 

Literaturhinweise:
Richard Bessel: Lee Miller Deutschland 1945. Greven Verlag Köln 2018, 140 Seiten, ISBN 978-3-7743-0698-1 Preis 25 Euro

► Irme Schaber: „Gerda Taro – Fotoreporterin. Mit Robert Capa im Spanischen Bürgerkrieg, Die Biografie", 218 Abbildungen, Jonas Verlag, Marburg 2013.

 

 

 

 

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