rheinische ART
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rheinische ART 04/2019

FOTO-DOKUMENTATION
Goldsteins Traum


Siebzehn Jahre, von 1936 bis 1953, lebte der Düsseldorfer Facharzt Georg Goldstein in Palästina und dem späteren Israel. Er dokumentierte mit seiner Kamera dort den Alltag. Sein Traum vom gelobten Land erfüllte sich jedoch nicht.

 

Flüchtlingsschiff „Tiger Hill" vor Tel Aviv, 1. September 1939. Emigranten waten durch das Wasser dem Land der Verheißung entgegen. Foto © Salomon Ludwig Steinheim-Institut für deutsch-jüdische Geschichte e.V. Essen

 

In der Düsseldorfer Mahn- und Gedenkstätte an der Mühlenstraße ist eine Foto-Sonderausstellung eröffnet worden, der man das Prädikat „Überraschung“ anheften kann.

     99 Fotografien eines Autodidakten aus der Zeit Palästinas als englisches Mandatsgebiet und ab 1947 als junger, neuer Staat Israel sind an sich schon ungewöhnlich, da sie ein bemerkenswertes historisch-politisches Dokumenten-Konvolut darstellen. Die teils hohe Qualität der Fotografien und die Motivvielfalt, die das Leben während des Zweiten Weltkrieges und in der Nachkriegszeit in diesem jüdischen Staatsgebilde erfahrbar machen, werten diesen Bild-Nachlass weiter auf.

 

Am Strand von Tel Aviv, um 1936, Foto © Salomon Ludwig Steinheim-Institut für deutsch-jüdische Geschichte e.V. Essen

 

"Ruhe! Synagoge", Tel Aviv, 1935, Foto © Salomon Ludwig Steinheim-Institut für deutsch-jüdische Geschichte e.V. Essen

 

Um wen geht es hier? Der 1898 in der heutigen Ukraine geborene Georg „Grischa“ Goldstein kam 1907 mit seinen Eltern nach Nürnberg. Nach dem Abitur studierte er Medizin in Frankfurt/Main und Bonn, wurde 1929 eingebürgert und eröffnete ein Jahr später in Düsseldorf eine Praxis für Innere Medizin.

     Mit der NS-Machtergreifung 1933 änderte sich alles. Am 16. Januar 1934 wurde Goldsteins Einbürgerung zurückgenommen und ihm daraufhin auch seine Kassenzulassung entzogen. Als nun „Staatenloser" war er auf der Suche nach einer neuen Heimat.

     Seine Zukunft sah er als überzeugter Zionist in Palästina und in der Gründung eines Nationalstaates Israel. In Berlin wirkte er kurzzeitig als Vertrauensarzt des „Palästina-Amtes“ und bereitete in dieser Funktion 1936 seine Auswanderung nach Tel Aviv vor.

 

Georg Goldstein war in erster Linie passionierter Hobbyfotograf, der Berufliches und Privates gerne festhielt. Auch seine Suche nach einem Ort der Zuflucht dokumentierte er auf diese Weise.

Eine Zeit lang arbeitete er auch als Pressefotograf für verschiedene Zeitungen. Nach seiner Emigration gelangen ihm in der neuen Heimat Aufnahmen von überraschend herausragender Qualität.

     Goldsteins Fotos sind ein „deutsch-jüdischer Blick auf das Leben und den Alltag in Palästina“, kommentieren die Kuratoren die Fotografien. Zunächst nur als Reisender, später als Bewohner hielt er in privaten Fotos die Jahre bis zur Gründung des Staates Israel fest. Doch die politische und gesellschaftliche Entwicklung entsprach nicht seinen Vorstellungen. Ihm wurde die wachsende Kluft zwischen seinem zionistischen Ideal und der Wirklichkeit des jüdischen Staates immer bewusster.

 

Straßenszene in Tel Aviv, 1939, Foto © Salomon Ludwig Steinheim-Institut für deutsch-jüdische Geschichte e.V. Essen

 

1953 kehrte er schließlich nach Düsseldorf zurück, wo er bis zu seinem Tod im Jahr 1980 lebte. Seine reichhaltige Fotosammlung mit 11.000 Negativen und 4.000 Schwarz-Weiß-Aufnahmen schenkte seine Frau Ilse dem Salomon Ludwig Steinheim-Institut in Essen. Aus diesem Nachlass wurde die Ausstellung bestückt.

     Digital bietet die Sonderschau zudem einen Einblick in Goldsteins frühe Fotografien aus seiner Düsseldorfer Zeit, unter anderem mit Bildern der örtlichen Synagoge oder des Düsseldorfer Karnevals.
K2M


Die Schau ist in Kooperation mit dem Salomon Ludwig Steinheim-Institut für deutsch-jüdische Geschichte e. V. an der Universität Duisburg-Essen entstanden. Sie wird im Rahmen der Jüdischen Kulturtage Rhein-Ruhr 2019 gezeigt und ist durch Unterstützung des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden von Nordrhein, dem Kulturamt der Landeshauptstadt Düsseldorf und des Förderkreises der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf realisiert worden.


Die Ausstellung "Goldsteins Traum. Von Düsseldorf ins gelobte Land - eine fotografische Annäherung" wird bis zum 13. Oktober 2019 gezeigt.
Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf
Mühlenstraße 29
40213 Düsseldorf
Tel. 0211/8996205
Öffnungszeiten
DI – SO 11 – 17 Uhr
SA 13 – 17 Uhr

 

 

 

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