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rheinische ART 01/2020

COMIC-KULTUR
Moebius´ Traumwelten

 

Längst sind Comic-Strips auch Kunst. Einer der größten Zeichner und Szenaristen dieses Genres war der Franzose Jean Giraud, international bekannt unter dem Künstlernamen Moebius.
 

Moebius Inside Mœbius, 2007, Seite 82/83, Band 6, 2010, Tusche auf Papier, digital bearbeitet und koloriert © 2019 Moebius Production

 

Jean Henri Gaston Giraud (1938–2012), alias Gir alias Moebius, erforschte die Sphären der Träume und der Science-Fiction.
     Er hatte eine große Fangemeinde in der Film- und Unterhaltungsindustrie und inspirierte zahlreiche Filmregisseure, darunter George Lucas und Ridley Scott sowie den japanischen Anime-Filmschöpfer Hayao Miyazaki. Wie groß sein Einfluss gerade auf den japanischen Zeichentrickfilm war, belegte 2005 eine Ausstellung in der Pariser Fondation Cartier, die Bildreihen von Moebius und Miyazaki präsentierte.

 

Moebius La Chasse au Major, 2009, Acryl auf Leinwand, 90 x 130 cm © 2019 Moebius Production


Moebius war ein Visionär bizarrer Welten. Bei ihm verschwammen die Grenzen zwischen Comicstrip und bildender Kunst. In seinen Geschichten trafen phantastische, utopische Architekturen und futuristische Megametropolen auf Wüstenlandschaften und schamanistische Reisen durch Raum und Zeit. Bereits zu Lebzeiten galt er als Gigant in dieser Zeichenkunst.

 

Moebius Arzak le rocher, 1995, Gouache und Acryl auf Papier, 36 x 24,3 cm © 2019 Moebius Production

 

Porträt Jean Giraud, 2012, Foto: Isabelle Giraud © 2019 Moebius Production

 

Das Brühler Max Ernst Museum zeigt aktuell die bislang umfangreichste Ausstellung zu Moebius in Deutschland. Es ist mit 450 Werken eine außerordentlich große Retrospektive, kuratiert in enger Kooperation mit der Moebius Production. Der begleitende Katalog ist mit 272 Seiten und 240 Abbildungen ebenso opulent ausgefallen.
     Und wer die Kunst von Max Ernst und das Brühler Museum kennt, stellt schnell fest: Es gibt kaum einen passenderen Ort in der deutschen Museumsszenerie, in der Moebius´ fremdartige Welten wirkungsvoller inszeniert werden könnten.
 
Jean Giraud wurde im Mai 1938 in Nogent-sur-Marne bei Paris geboren, „einen Monat bevor Superman in einer kleinen Rakete von einem anderen Planeten auf den Seiten von Action Comics Nr. 1 ankam“, wie die Los Angeles Times einmal schrieb. Die Bildergeschichten in diesem legendären US-Action-Magazin gelten als Beginn des Superhelden-Genres.
     Bereits mit 18 Jahren wurden erste Arbeiten von Giraud, meist aus der Cowboy- und Westernwelt, veröffentlicht. Eine formale Ausbildung zum Zeichner durchlief der junge Mann nicht.
     Er verbrachte eine Zeit als Lehrling bei dem berühmten belgischen Comiczeichner Joseph Gillain („Jijé“), dessen humorvolle frankobelgische Bilderserie „Spirou et Fantasio“ deutlich Einfluss auf Giraud ausübte und dessen spätere Abenteuerfolge „Leutnant Blueberry“ prägte. Diese epochale Westernstory um die Erlebnisse eines US-Kavallerieleutnants debütierte 1963 und wurde bis 2005 veröffentlicht.
 

Moebius Starwatcher, 1985, Tusche und Aquarell auf Papier, ohne Maße © 2019 Moebius Production

 

Giraud war 1975 Mitbegründer des stilbildenden Comic-Magazins "Métal Hurlant" (Schwermetall oder Heavy Metal), für dessen Premiere er erstmals unter dem Pseudonym Moebius drei Beiträge mit Schwerpunkt Science-Fiction lieferte. Das Medium wurde mit seinen phantastischen und surrealistischen Bilderwelten wegweisend für die gesamte Comic-Kunst.
     Der von Jean Giraud gewählte Künstlername Moebius ist übrigens angelehnt an den deutschen Mathematiker und Entdecker der Möbiusschleife, August Ferdinand Möbius.
 
In Europa wurde Jean Giraud vor allem in seinem Heimatland Frankreich ungeheuer populär. Als der Illustrator mit 73 Jahren verstarb, bezeichnete ihn der ehemalige französische Kulturminister Jack Lang als Comic-Ikone und als Aushängeschild dieser einzigartigen Kunstform in Frankreich.
 
Die Brühler Ausstellung widmet sich dem umfangreichen Werk von Moebius in acht thematisch gegliederten Bereichen: Ausgehend von grundlegenden Ideen in seinen Notizbüchern („Carnets") über kolorierte Zeichnungen, szenisch gegliederten Comicfolgen, abstrakte Gemälde bis hin zu Druckgrafiken und Objekten wird das gesamte Spektrum seiner faszinierenden Zeichenkunst ausgebreitet.
     Eine Schau über diesen Visionär kommt zur rechten Zeit. Neuauflagen von Moebius-Arbeiten und eine steigende Beliebtheit von Comics und Graphic Novels im Allgemeinen stehen für einen aktuellen Trend. 
rART

► Was sich aus Moebius-Ideen weiterentwickelte, zeigt sich an dem japanischen Manga-Zeichner Tsutomu Nihei (*1971). Er ist gefeierter Vertreter des Genres Cyberpunk. Eines der ersten und nachhaltigsten Werke unter diesem Begriff war der Film Blade Runner (1982) von Ridley Scott. Der Regisseur, so notierte einmal der Spiegel, hätte erklärt, erst Moebius´ wundervolle Zeichnungen hätten ihn dazu inspiriert, sich Science-Fiction-Themen zuzuwenden.

► Die Ausstellung lässt sich auch digital erleben. Zu den Themen gibt es je ein großformatiges Foto an den Wänden, das sich mit dem Smartphone und der Augmented Reality App Artivive digital animieren lässt. Die interaktive App lässt sich kostenlos im Google Playstore und im Apple iTunes Store downloaden.
 
Die Ausstellung „Moebius“ wird bis zum 16. Februar 2020 gezeigt.
Max Ernst Museum des LVR
Comesstr. 42/ Max-Ernst-Allee 1
50321 Brühl (Rheinland)
Tel 02232 / 5793-0
Öffnungszeiten
DI – SO 11–18 Uhr
 
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