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rheinische ART 07/2019

LUBLINER UNION
Der EU voraus


Als Polen sich im Jahre 1569 in der Stadt Lublin mit Litauen zu einem gemeinsamen Staatswesen vereinte, entstand nicht nur ein Vielvölkerstaat, sondern eine der größten Mächte und einer der größten Territorialstaaten Europas.

 

Jan Matejko Lubliner Union von 1569, idealisierendes Historiengemälde, Öl auf Leinwand, 1869, 298 x 512 cm, Standort Lubliner Museum, Foto Wikipedia gemeinfrei

 

Mit der als Lubliner Union bezeichneten Verbindung begann eine Phase, die als das Goldene Zeitalter in die Historie Polens eingegangen ist. Im deutschen Geschichtsbewusstsein ist sie jedoch kaum verankert.
     Anlässlich des 450. Jahrestages der Gründung des Doppelreiches erinnert das Polnische Institut in Düsseldorf mit der Ausstellung „Von der Lubliner Union zur Europäischen Union“ an diese bahnbrechende Adelsrepublik und macht deutlich, dass viele Errungenschaften der heutigen Europäischen Union bereits in dieser frühen politischen Verschmelzung zu finden waren.

 

Der erste gemeinsame Sejm (Reichstag) von Polen und Litauen tagte vom 10. Januar bis zum 12. August 1569 auf der Burg in Lublin und war von König Sigismund II. einberufen worden. Foto © Instytut Polski Düsseldorf 2019

 

Die Lubliner Union vom 1. Juli 1569 wurde zwischen dem Königreich Polen und dem Großfürstentum Litauen geschlossen. Sie sollte auf ewige Zeiten „ein unteilbares und unzertrennliches Ganzes“ unter dem Namen „Rzeczpospolita Obojga Narodów“ (Adelsrepublik beider Nationen) bilden. Mit ihr kam die langwierige Annäherung der zwei Staaten zum Abschluss. Es entstand durch Beschluss des polnischen und litauischen Adels ein einzigartiger, einheitlicher Mehrvölkerstaat, die Republik Polen-Litauen.


Beide Staaten hatten den König, den Reichstag (Sejm) und die Außenpolitik gemeinsam. Jeder für sich besaß zentrale Ämter und Verwaltung, Finanzen, Gesetze und Militär.

     Das Doppelreich, dessen Gebiet das heutige Weißrussland, Litauen, Polen und die Ukraine umfasste, blieb zwei Jahrhunderte hindurch bestehen.

     Die Einwohnerzahl betrug rund 8 Millionen Menschen. Neben Polen, die rund 40 Prozent der Bevölkerung stellten, lebten Ukrainer, Belorussen, Litauer und mehrere Minderheiten wie Tataren, Deutsche, Juden, Armenier in dem neuen Staatengebilde. Bemerkenswert ist: Diese Union ist formal nie aufgelöst worden. Sie wurde hinfällig, als nach Kriegen, innerstaatlichen Problemen, Wirtschaftskrisen und dem Aufstieg eifersüchtiger Nachbarn der Niedergang des Goldenen Zeitalters einsetzte, der frühe Staatenbund zerrieben und zwischen dem Kaiserreich Russland, dem Königreich Preußen und dem Kaisertum Österreich aufgeteilt wurde. Mit der dritten Teilung Polens 1795 verschwand der Zusammenschluss „Gleicher mit Gleichen und Freier mit Freien“ von der Landkarte Europas.

 

1569–2019 Festtagsmotiv der Stadt Lublin anlässlich der Feierlichkeiten. Durch die Union wurde die Stadt zu einem Zentrum politischer und ökonomischer Integration auf halbem Wege zwischen den verbündeten Hauptstädten Krakau und Wilna. Foto © Instytut Polski Düsseldorf 2019


Polen unterzeichnete im Frühjahr 2003 in Athen seinen Beitritt zur EU, der im Jahr darauf in Kraft trat. Für Papst Johannes Paul II. war das ein Anlass, an den historischen Vorläufer in seinem Heimatland zu erinnern.

     Mit den Worten „Von der Lubliner Union zur Europäischen Union“ würdigte der Papst, bürgerlich Karol Józef Wojtyla, das frühe osteuropäische Bundesprojekt, das im 16. Jahrhundert geboren worden war und über 200 Jahre Bestand hatte.

     Die Union von Lublin wird heute als ein einzigartiges Beispiel für den demokratischen Zusammenschluss zweier Staaten gesehen, in denen unterschiedliche ethnische und religiöse Gruppen friedlich und gleichberechtigt miteinander leben konnten.
rART


Die Ausstellung „Von der Lubliner Union zur Europäischen Union“ wurde für das Auswärtige Amt der Republik Polen von der Stadt Lublin konzipiert.
Instytut Polski Polnisches Institut Düsseldorf (Galerie)
Citadellstr. 7
40213 Düsseldorf
Tel. 0211 / 86696-0
Öffnungszeiten
DI, MI 11 – 19 Uhr
DO, FR 11 – 16 Uhr

 
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