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rheinische ART 11/2018

HUMBOLDT-JAHR
Der Forscher und die Fotografie


Der 250. Geburtstag des großen Universalgelehrten wirft seine Schatten voraus. 2019 erinnert die Wissenschafts- und Kulturszene mit zahlreichen Veranstaltungen an Alexander von Humboldt. Absolutes Highlight: die Eröffnung des Humboldt Forums in Berlin im Herbst, zeitnah zum Gedenktag am 14. September.

 

Paul de Rosti Der Riesenbaum Zamang bei Turmero aus dem Album Fotografische Ansichten aus Mexiko und Venezuela 1857–1858; Geschenk an Alexander von Humboldt 1858, © Museum Ludwig, Köln Reproduktion: Rheinisches Bildarchiv Köln

 

In Köln greift das Museum Ludwig im Rahmen des Jubiläumsjahres schon jetzt eine besondere Thematik auf.

 

 

Karl Joseph Stieler Alexander von Humboldt und sein Kosmos, 1843, Öl auf Leinwand, 107 x 87 cm, Standort Schloss Charlottenhof Potsdam Fotoquelle Wikipedia

 

Das Haus zeigt Humboldts Spuren in der Fotografie. Da wird so mancher Kunstkenner stutzen: Alexander von Humboldt (1769–1859) und die Fotografie? Kam die revolutionäre Technik nicht viel später?

     Ohne Zweifel spielten Bilder im Leben des Naturforschers und Weltreisenden, ob gedruckt, gezeichnet oder gemalt, immer eine herausragende Rolle. „Die Leute wollen sehen“, schrieb er einmal und erfasste damit die Freude und Neugier der Massen an bildlichen Darstellungen. Das hat sich bekanntlich bis heute nicht geändert.

     Humboldt nutzte für seine Publikationen „künstlerisch- physiognomische“ Naturbilder, wie er es nannte. Er gab Unsummen für gute Illustrationen aus, so etwa für sein fünfbändiges Werkes "Kosmos. Entwurf einer physischen Weltbeschreibung".

 

Traditionelle Reise-Illustration des Geografen und Forschers Adolf Schlagintweit (1829–1857) Bei Laptél, nördlich des Kiúngar-Passes, Tibet, 14. Juli 1855, 1855, © Museum Ludwig, Köln, Reproduktion: Rheinisches Bildarchiv Köln (siehe unten)

 

Aber Fotos im Zusammenhang mit Alexander von Humboldt? Und doch: Der siebzigjährige Forscher kam erstmals 1839 mit der noch in den Kinderschuhen steckenden Lichtbildkunst in Kontakt. Er war in Paris Mitglied einer dreiköpfigen Kommission, die in jenem Jahr über das frühe Verfahren der Daguerreotypie (mehr) zu befinden hatte. Sie wurde weltweit als erstes fotografisches Verfahren bekannt.

 

 

Paul de Rosti Ein Garten in Cuernavaca aus dem Album Fotografische Ansichten aus Mexiko und Venezuela 1857–1858; Geschenk an Alexander von Humboldt 1858, © Museum Ludwig, Köln Reproduktion: Rheinisches Bildarchiv Köln

 

 

William Henry Fox Talbot Farnblatt  aus dem Geschenkband Talbots an Alexander von Humboldt, 1844, © Museum Ludwig, Köln Reproduktion: Rheinisches Bildarchiv Köln

 

 

Paul de Rosti Kathedrale von Mexiko-Stadt / Hauptportal eines Nebengebäudes aus dem Album Fotografische Ansichten aus Mexiko und Venezuela 1857–1858; Geschenk an Alexander von Humboldt 1858, © Museum Ludwig, Köln Reproduktion: Rheinisches Bildarchiv Köln

 

Humboldt war fasziniert und schrieb geradezu euphorische Briefe über diese ersten Aufnahmen: „Es ist jedenfalls eine der freuendsten und bewunderungswürdigsten Entdeckungen unserer Zeit“ oder: „Die Bilder haben ganz unnachahmlichen Naturcharakter, den die Natur nur selbst hat aufdrücken können.“

     Die Zeit seiner eigenen Reisen war zwar vorüber. Aber in seinen letzten zwei Lebensjahrzehnten umgab er sich mit Fotografien und förderte das Fotografieren auf Expeditionen.

 

Das Kölner Museum Ludwig verfügt über eine gewaltige Fotografie-Sammlung. Darunter befinden sich unter anderem auch zwei spektakuläre Geschenkbände für Humboldt mit frühen Fotografien, beides Unikate.

     Das eine stammt aus dem Jahre 1844 und gilt als eines der ersten Fotobücher überhaupt. Der Erfinder der Fotografie auf Papier, W. H. F. Talbot, hatte es Humboldt gewidmet. Humboldt und Talbot, die ein gemeinsames Interesse an den Naturwissenschaften verband, waren sich erstmals 1827 in Berlin begegnet. Das Album enthält 22 Aufnahmen, darunter das Pflanzenfotogramm eines Farnblattes, also eine Abbildung, die ohne Kamera im Kontaktverfahren hergestellt wurde. So, darf man annehmen, hätte Humboldt sie vielleicht selbst angefertigt, wäre die Fotografie früher erfunden worden.

     Das zweite großformatige Album umfasst 47 Aufnahmen aus Südamerika aus den Jahren 1857 und 1858. Es stammt von dem ungarischen Fotopionier Paul de Rosti, der den Bildband Humboldt 1858 persönlich zum Dank für dessen Reiseunterstützung überreichte. Bei den Aufnahmen handelt es sich teils um die frühesten bekannten Fotografien aus Mexiko, Venezuela und Kuba.
cpw

 

Durch Erich Stenger (1878–1957), einem frühen Erforscher der Rolle Humboldts in der Fotogeschichte, kamen die Alben in die Sammlung des Museum Ludwig. Ihre in der Schau thematisierte Entstehungsgeschichte und ihr Weg in die Sammlung ermöglichen einen Blick weit zurück in die Historie der Fotografie.


► Die Foto-Ausstellung zu Alexander von Humboldt ist die fünfte Präsentation im Fotoraum, in dem seit 2017 wechselnde Ausschnitte der etwa 70.000 Werke umfassenden Sammlung Fotografie des Museum Ludwig gezeigt werden.


► Adolf Schlagintweit (1829–1857) erhielt auf Vermittlung von Humboldts einen Auftrag des Preußen-König Friedrich Wilhelm IV.  und der Britischen Ostindienkompanie zur wissenschaftlichen Erforschung Indiens. Er wurde 1857 nahe Kashgar (Turkmenistan) gefangen genommen, der Spionage für China verdächtigt und enthauptet.

 

Die Ausstellung „Alexander von Humboldt, die Fotografie und sein Erbe“ ist bis zum 23. Januar 2019 geöffnet.

Museum Ludwig
Heinrich-Böll-Platz
50667 Köln
Tel. 0221 / 221 26165
Öffnungszeiten
DI – SO 10 – 18 Uhr
Jeden ersten Donnerstag im Monat 10 – 22 Uhr

 

 

 

                     

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