rheinische ART
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rheinische ART 11/2018

MUSIKKULTUR

Kunst im Kleinquadrat

 

Genau genommen auf  31,1 x 31,1 Zentimeter Karton oder Pappe. Das ist das übliche Hüllenmaß bei Langspielplatten. Ob nun LP oder die kleinere Single, ihre Verpackungen waren nie allein nur Schutztaschen.

 

Andy Warhol Plattencover „The Velvet Underground & Nico”, LP, 12” (30 cm), Verve (MGM Records); Offsetlithografie, Collage, Reliefdruck, 31,1 x 31,1 cm, 1967, MAKK © 2018 The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc. / Licensed by Artists Rights Society (ARS), New York (Foto: RBA Köln, Marion Mennicken)

 

Spätestens ab Mitte der Vierzigerjahre wurden die Plattencover auch Gegenstand künstlerischer Gestaltung. Das Kölner Museum für Angewandte Kunst MAKK zeigt zu dieser seltenen Thematik die Schau „Pop goes Art“. Sie widmet sich einem der großen Cover-Gestalter, dem US-amerikanischen Künstler Andy Warhol.

 

Andy Warhol Plattencover „Gioacchino Rossini, William Tell Overture, Semiramide Overture; Arturo Toscanini und das NBC Symphony Orchestra”, LP, 10” (25 cm), RCA Victor-Concert Cameos; Reliefdruck, 26,1 x 26,4 cm, 1954, MAKK © 2018 The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc. / Licensed by Artists Rights Society (ARS), New York (Foto: RBA Köln, Marion Mennicken)

 

Andy Warhol Plattencover Vorderseite „The Rolling Stones, Sticky Fingers”, LP, 12” (30 cm), Rolling Stones-Records; Offsetlithografie und Reißverschluss, 31,1 x 31,1 cm, 1971, MAKK © 2018 The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc. / Licensed by Artists Rights Society (ARS), New York (Foto: RBA Köln, Marion Mennicken)

 

Erstmals sind in Deutschland bislang unveröffentlichte Cover-Exponate zu sehen, die nahezu lückenlos alle von Warhol gestalteten, konzipierten und produzierten Schallplattenhüllen sowie zahlreiche Skizzen und Entwürfe umfassen, erklärt das Museum.

 

Andy Warhol (1928–1987) setzte sich beruflichen stets mit dem Medium Schallplatte auseinander, nicht nur als Grafiker und Künstler, sondern auch als Musik-Produzent. Er gestaltete Plattenhüllen für international renommierte Interpreten wie Diana Ross, John Lennon, Paul Anka, Miguel Bosé oder das NBC Symphony Orchestra und für verschiedene Musikgenres von Jazz, Klassik, Pop, Rock, Punk, New Wave bis hin zu Filmmusik. Berühmt wurde sein skandalumwittertes Album „Sticky Fingers“ für die Rolling Stones.
     Durch Zeichnungen, Siebdrucke, Fotografien, Collagen sowie eigenwillige kalligraphische und dreidimensionale Elemente prägte Warhol die Ästhetik der zeitgenössischen Plattencovergestaltung. Die über einen Zeitraum von rund 40 Jahren entstandenen, zum Teil in sehr hohen Auflagen erschienen Alben stellen heute eindrucksvolle Zeugnisse für Warhols künstlerischen Weg dar, für seine Pop-Philosophie und die für sein Werk prägende Idee der seriellen Kunst. Die Ausstellung, so kann festgehalten werden, ist ein interessanter Blick auf das Zusammenspiel der Medien Kunst und Musik.

 

 

Andy Warhol Plattencover „Count Basie”, LP, 12” (30 cm), RCA Victor-Collectors Issue, LPM-1122; Reliefdruck und Buchdruck, 31,1 x 31,1 cm, 1955, MAKK © 2018 The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc. / Licensed by Artists Rights Society (ARS), New York (Foto: RBA Köln, Marion Mennicken)

 

Gleichzeitig erinnert sie an den 90. Geburtstag des Künstlers Andy Warhol und – dies ist besonders herauszustellen – an den 80. Geburtstag der aus Köln stammenden Musik- und Modeikone Nico. 

     Geboren unter dem bürgerlichen Namen Christa Päffgen (1938–1988) wurde sie unter dem Pseudonym Nico zu einem Superstar ihrer Zeit. Den Weg dorthin ebnete ihr vor allem Warhol.

 

Absoluten Kultstatus hat das Platten-Album „The Velvet Underground & Nico“. Dieses Debütalbum der experimentellen Rockband The Velvet Underground, mit drei Songs der Rheinländerin, wurde von Warhol produziert und 1967 veröffentlicht. Das ebenfalls von ihm konzipierte Plattencover zeigt eine Banane, deren gelbe Schale in Form eines Aufklebers gemäß des Slogans „Peel Slowly and See“ abgezogen werden konnte, so dass das Fruchtfleisch erschien.

 

Christa Päffgen alias Nico in dem Film „Nico Icon“ Foto Film Festival Cologne 2018, Fotoquelle MAKK 2018

 

Christa Päffgen alias Nico war als Warhols Muse Teil der Kreativgesellschaft „The Factory“. Sie spielte in zahlreichen seiner Filmen mit, wie unter anderem in dem Pseudo-Dokumentarstreifen „The Chelsea Girls“. Die Eckdaten eines chaotischen und exzessiven Lebens markieren den rasanten Aufstieg zu einer Kultfigur und zu einer der schönsten Sängerinnen der Pop-Geschichte, gefolgte von einem ebenso rasanten, eigentlich tragischen Absturz.

 

Filmplakat zu „Nico Icon“ (1995) Regie Susanne Ofteringer. Der prämierte Dokumentarfilm ist eine Collage aus Begegnungen, Filmausschnitten und Musik. Er zeigt, wie in den 1970er Jahren aus dem Mädchen Christa die strahlende Ikone NICO wurde und deren Verwandlung in die "düstere" avantgardistische Sängerin. Fotoquelle MAKK 2018

 

1938 in Köln geboren, wuchs sie, nachdem ihre Mutter kriegsbedingt nach Berlin gezogen war, dort auf. Ihr Vater stammte aus der rheinischen Bierbrau-Dynastie Päffgen und kam in den Kriegswirren ums Leben.

     Entdeckt wurde Christa Päffgen quasi im „Kaufhaus des Westens“ (KaDeWe), eine blonde Schönheit, das Ideal jener Jahre. Aus dem Mädchen Christa wurde ein Mannequin, das in Paris für „Vogue“ und Coco Chanel arbeitete und in Fellinis berühmtem Italo-Drama „La dolce Vita“ 1960 eine kleine Nebenrolle spielte.

     Sie kam in Kontakt mit den Rolling Stones und hatte zahlreiche namhafte Bekannte und Liebhaber aus der Rock- und Drogenszene. Die Velvet-Underground-Musiker Lou Reed und John Cale engagieren sie als Sängerin. Mit tiefer und schiefer Stimme, deutschem Akzent und einer schwermütigen Ungerührtheit spielte sie 1967 die drei berühmten Stücke in das Album „Velvet Underground & Nico“ ein – es machte sie endgültig zur Legende. Es folgten später Jahre beruflicher Katastrophen und Drogenabhängigkeit. Im Sommer 1988 fand sie, 49 Jahre alt, bei einem Fahrradunfall auf Ibiza den Tod.

     Heute ist an ihrer Person weder der exzessive Lebensstil noch der tragische Tod von Interesse als vielmehr ihr künstlerisches Schaffen. Sie gilt als der vermutlich erste weibliche Popstar, „der wirklich cool war“, wie das Feuilleton der Tageszeitung Die Welt in einem Rückblick einmal befand. An Nico aus Köln erinnern in der Ausstellung im MAKK Fotografien und Filmausschnitte.
cpw

 


Die Ausstellung "Andy Warhol – Pop goes Art" wird bis zum 24. März 2019 gezeigt.
Museum für Angewandte Kunst Köln MAKK
An der Rechtschule
50667 Köln
Tel 0221 2212 3860
Öffnungszeiten
DI – SO 10 – 18 Uhr

 

 

 

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