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rheinische ART 01/2019

 

Bauhaus Hauptgebäude in Dessau. Der von Walter Gropius entworfene Komplex der berühmten Reformschule wurde 1925-1926 errichtet. Foto © rheinische ART 2019

 

100 JAHRE STILIKONE
Ganz Deutschland ein Bauhaus


Es wird ein wahrer Ausstellungsmarathon. Zum 100. Gründungsjubiläum der Architektur-, Kunst- und Designschule Bauhaus werden 2019 sage und schreibe bundesweit mehr als 650 Veranstaltungen an rund 350 Orten geboten. Im Rheinland hat das NRW-Forum in Düsseldorf den Auftakt mit einer Fotoschau eingeläutet.

 

Ausstellungsansicht Bauhaus und die Fotografie / NRW-Forum Düesseldorf / Douglas Gordon: Play Dead; Real Time, 2003 Courtesy Studio lost but found, Berlin, VG Bild-Kunst, Bonn, 2018 / Foto Katja Illner

 

Ob man will oder nicht: Am Bauhaus kommt man in diesem Jahr nicht vorbei. Das hat auch die Tourismusbranche erkannt. Die hat bereits ausgefeilte Rundreisen zu Wirkungsstätten aller Art arrangiert. Und wenn man nicht wüsste, dass Martin Luther Deutschlands größter Reformator ist, könnte man den Architekten und Bauhausgründer Walter Gropius (1883–1969) dafür halten.

 

László Moholy-Nagy funkturm berlin, 1925 Fotoquelle NRW-Forum Düsseldorf 2019

 

Dominique Teufen Blitzlicht-Skulptur #5, 2013 Lambda Print, 60 x 90cm Bildrechte: Dominique Teufen Courtesy Christophe Guye Galerie, Zürich

 

Unter seiner Leitung wurde das Bauhaus 1919 in Weimar gegründet, ein Jahr nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, es bestand bis 1933. Die Reformschule wurde zu einem Start-up für eine neue Epoche.

     Ihr Ziel war es, die Lebensverhältnisse für alle neu und anders zu gestalten und bei der Lösung der brennenden sozialen Fragen zu helfen. Wesentliches Element war der Zusammenschluss von Kunst und Handwerk. Nicht ein neuer Stil, so Gropius, sollte von der Kunstschule ausgehen, sondern eine „allgemeine große, tragende, geistig-religiöse idee“.

 

Ob daraus etwas wurde, spiegeln nicht nur zahlreiche Gebäude sondern auch die Festivitäten in diesem Jahr. Damit alles in ordentlichen Bahnen verläuft, war eigens der Bauhaus-Verbund gegründet worden, dem elf Bundesländer angehören. In denen wird der runde Geburtstag erstaunlich ausgiebig gefeiert, und zwar mit Kunstausstellungen, Theater, Performances und allerlei Veranstaltungen zur Architektur, Gestaltung, Kunstgeschichte, Bildung und Forschung.

 

Was ist nun im NRW-Forum Düsseldorf aktuell zu sehen? Das Haus war bereits Anfang Dezember 2018 mit der Ausstellung „Bauhaus und die Fotografie – Zum Neuen Sehen in der Gegenwartskunst“ frühzeitig angetreten. Die Schau ist Teil des Jubiläumsprogramms.

     Auch hier setzen die Kuratoren auf den viel strapazierten Begriff Dialog, indem sie der Bauhaus-Fotokunst Arbeiten zeitgenössischer Künstler gegenüberstellt. Ein unspektakuläres weil bewährtes Prinzip, wie es schon die große Bauhaus-Design-Exposition in der Bundesskunsthalle in Bonn 2016 praktizierte (mehr).

 

Walter Funkat Glaskugeln, 1929, Fotoquelle NRW-Forum Düsseldorf 2019

 

Doug Fogelson Forms And Records No 01, 2014, Fotogramm, Leuchtkasten © Doug Fogelson

 

Alt trifft also auch hier wieder einmal auf Neu und die Ausstellungsfragen lauten daher folgerichtig: Wie tragen die Neuerungen durch das Bauhaus auch heute noch zur Weiterentwicklung fotografischer Bildsprachen bei? Welche Rolle spielt die Foto-Avantgarde um 1930 für die zeitgenössische Kunst?

     Antworten bieten Gegenüberstellungen von „Bauhäuslern“ wie dem Klassiker László Moholy-Nagy (mehr), seiner Ehefrau Lucia Moholy, Marianne Brandt, Erich Consemüller und Walter Peterhans mit zeitgenössischen Kunstwerken, zu deren Schöpfern auch Markennamen wie Thomas Ruff und Wolfgang Tillmanns gehören.

 

Historischer Bezugspunkt für die Schau im NRW-Forum ist die berühmte Werkbundausstellung „Film und Foto“, die 1929/30 in Stuttgart, Berlin und Zürich zu sehen war. Die wohl wichtigste Fotoschau der Avantgarde der Zwanzigerjahre, die einen internationalen Querschnitt von sowjetischen Künstlern wie Lissitzky und Rodtschenko bis zum US-Meisterfotografien Eward Weston bot, rückte das Medium Fotografie stärker ins Blickfeld des Werkbundes.

     Der für seine experimentellen Fotoarbeiten bekannte Moholy-Nagy kuratierte damals jeweils einen Raum zur Geschichte und zur Zukunft der Fotografie und untersuchte das Neue Sehen in der Fotografie. Die historische Werkschau, die als eine Art Manifest des Bauhaus-Künstlers zu verstehen ist und sich in die damalige Debatte um den Stellenwert der Fotografie in der Kunst einmischte, wird im NRW-Forum mit über 300 Exponaten virtuell rekonstruiert. Darüber hinaus wird ein Teil der Berliner Station präsentiert.

 

Ausstellungsansicht Bauhaus und die Fotografie / Viviane Sassen / © NRW-Forum Düsseldorf, Foto Katja Illner

 

Da das Bauhausjahr soeben begonnen hat, sei in dieser Sache ein kurzer Blick über die Landesgrenzen erlaubt. Besonders engagiert sind in diesem Jubeljahr die drei Orte mit den eigentlichen Bauhaus-Wirkungsstätten: Weimar, Dessau und Berlin. Alle können sich über neue museale Gebäude freuen und bieten Schauen zur 100-Jahr-Feier.

     ♦ In Weimar, 1919 die Urzelle der kleinen Schule, wird das örtliche Bauhaus-Museum einen Neubau in Form eines Glaskubus beziehen. Dessen Standort ist ein ebenso prominentes wie sensibles Grundstück gegenüber der Herrschaftsarchitektur des ehemaligen NS-„Gauforums“. Ab dem 6. April, mit der Eröffnung des Neubaus, wird die Ausstellung „Das Bauhaus kommt aus Weimar“ präsentiert.

     ♦ Dessau, von 1925 bis 1932 „Bauhaus Hauptstadt“, wird ein völlig neues Museum am Stadtpark nutzen und dort die wertvolle Sammlung der Stiftung Bauhaus aufnehmen. Ab Anfang September sind unter dem Titel „Versuchsstätte Bauhaus. Die Sammlung“ Exponate aus der eigenen Sammlung zu sehen.

     ♦ Schließlich Berlin, letzte Station der interdisziplinären Hochschule, bevor sie 1933 vom NS-Regime geschlossen wurde. Im Frühjahr wird ein dem Bauhaus-Archiv angegliederter Erweiterungsbau eingeweiht, der insgesamt 6.200 Quadratmeter Schau- und Lagerflächen bietet. Das neue Refugium soll „mit dem markanten Bau von Walter Gropius in eine Dialog treten“, wie es in der Hauptstadt heißt. Ab 6. September wird darin „original bauhaus“ gezeigt.

rART


Die Düsseldorfer Ausstellung ist Teil des Bauhaus-Jubiläums „100 jahre bauhaus“ sowie des Bauhaus-Jubiläums in NRW „100 jahre bauhaus im westen“. Letzteres ist ein Projekt des NRW-Ministeriums für Kultur und Wissenschaft und der Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe. Schirmherrin ist Isabel Pfeiffer-Poensgen, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen.

 

Die Ausstellung „Bauhaus und die Fotografie – Zum Neuen Sehen in der Gegenwartskunst“ wird bis zum 10. März 2019 gezeigt.
NRW-Forum Düsseldorf
Ehrenhof 2
40479 Düsseldorf
Tel 0211 – 892660
Öffnungszeiten
MO – SO 11 – 18 Uhr
FR, SA 11 – 20 Uhr

 

 

 

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