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rheinische ART 11/2019

FOTOGRAFIE
China in der Zeitenwende


Reportagen und Fotostrecken aus dem Reich der Mitte füllen die Medien. Seltener zu sehen sind hingegen Schwarz-Weiß-Aufnahmen aus dem chinesischen Alltag der unmittelbaren Nachkriegsjahre.

 

Henri Cartier-Bresson Gold Rausch Am Ende des Tages Balgerei vor einer Bank, um Gold zu kaufen. Letzte Tage von Kuomintang (En fin de journée, bousculades devant une banque pour acheter de l’or. Derniers jours du Kuomintang) Shanghai, 23 décembre 1948. Foto © Fondation Henri Cartier-Bresson / Magnum Photos

 

Fotografien aus dieser Zeit werden aktuell in Paris ausgestellt. Sie stammen von dem berühmten wie legendären französischen Fotografen Henri Cartier-Bresson (1908-2004).

 

Henri Cartier-Bresson Ein Besucher der Verbotenen Stadt Peking (Un visiteur de la Cité Interdite, Pékin) décembre 1948 Foto © Fondation Henri Cartier-Bresson / Magnum Photos

 

Der Meisterfotograf fertigte die ungewöhnlichen Einblicke in das alltägliche Leben der chinesischen Bevölkerung gegen Ende der 40er und Ende 50er Jahren. In jener ungeheuer prägenden Wendezeit also, die den historischen Umbruch des Landes nach dem Bürgerkrieg markierte: seine Entwicklung hin zu der kommunistisch gesteuerten Volksrepublik (VR) China unter Mao Zedong.

     Es sind fotojournalistische Arbeiten der Sonderklasse, die selbst Kenner in der Fülle nicht oft zu Gesicht bekommen, zahlreiche Exponate werden erstmals in der Öffentlichkeit präsentiert. Beeindruckend unter anderen das Foto einer Menschenschlange, die klammernd und balgend vor einer Shanghaier Bank wartet, um Geld in Gold umzutauschen (siehe oben).

     Die Ausstellung „Henri Cartier-Bresson: China 1948 - 1949 | 1958“ besteht aus 114 Originalabzügen mit Motiven aus der vorkommunistischen Zeit 1948 und 1949, sowie aus 40 Abzügen aus dem Jahr 1958 und mehreren Archivdokumenten.

 

Henri Cartier-Bresson Bau des Schwimmbades der Universität Peking durch die Studenten (Construction de la piscine de l’Université de Pékin par les étudiants) juin 1958 Foto © Fondation Henri Cartier-Bresson / Magnum Photos

 

Die Fotoreportagen spiegeln zwei entscheidende politische Phasen Chinas. Am 25. November 1948 wurde Henri Cartier-Bresson von der neuen Agentur Magnum Photos beauftragt, eine Foto-Geschichte über die „letzten Tage von Peking“ vor der Machtübernahme durch die Truppen Maos zu fertigen.

     Nach zwei Wochen reist er weiter nach Shanghai, um den bevorstehenden Fall der Stadt Nanjing und den Rückzug der nationalchinesischen Kuomintang auf die Insel Taiwan mitzuerleben. Das gelang ihm aufgrund der politischen Wirren nicht. Er blieb fast ein Jahr in Shanghai und verließ China erst kurz vor der offiziellen Verkündigung des Landes zur kommunistischen Volksrepublik China (1. Oktober 1949).

 

Henri Cartier-Bresson Kuomintang-Truppen im Hof des Kaiserpalastes, (Troupes du Kuomintang dans la cour du palais impérial) Beijing décembre 1948. Foto © Fondation Henri Cartier-Bresson / Magnum Photos

 

Pünktlich zum 10-jährigen Jubiläum der Volksrepublik 1958 betrat Cartier-Bresson erneut China, wo er vier Monate lang - unter den kritischen Augen eines regimekonformen Aufpassers - Tausende von Kilometern zurücklegte um den Start des sogenannten „Großen Sprung vorwärts“(„Great Leap Forward“), eine Devise Maos, zu verfolgen.

     Cartier-Bresson dokumentierte die Ergebnisse der Revolution und der forcierten Industrialisierung in den ländlichen Gebieten. Vor allem konnte er trotz Aufsicht auch die negativen Seiten der neuen kommunistischen Lebens- und Arbeitswelt jenes Jahres festhalten, einschließlich der Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft und den Einflusses der Miliz. China Insight sozusagen.

     Beide Berichte gelten heute als stilprägend und ebneten den Weg zu einem bahnbrechenden Moment in der Geschichte des Fotojournalismus. Cartier-Bresson trat kurz darauf der später berühmten internationalen Foto-Agentur Magnum Photos bei und begründete mit seiner Arbeit die Voraussetzungen für einen poetischeren und weniger ereignisorientierten Stil in der Reportagefotografie.

cpw

 

 

Die Ausstellung „Henri Cartier-Bresson: China 1948 - 1949 | 1958“ wird bis zum 2. Februar 2020 gezeigt.

Fondation Henri Cartier-Bresson
79 Rue des Archives
75003 Paris
Tel +31 140 61 5050
Öffnungszeiten
DI – SO 11 – 19 Uhr

 

 

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