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rheinische ART 01/2019

FRANKENSTEIN
Das Monster und das Silicon Valley

 

Vor 200 Jahren erschien, zunächst anonym, der Roman „Frankenstein“. Der Gruselklassiker hat es jetzt unter einem neuen Blick in eine ungewöhnliche Ausstellung geschafft.

 

Frankenstein-Maske, 3D-Druck, Ausstellungsansicht, Foto: Zeljko Gataric, Strauhof 2018

 

Die Horror-Erzählung stammt von der englischen Autorin Mary Wollstonecraft Shelley (1797–1851). Sie rankt sich bekanntlich um einen Wissenschaftler namens Viktor Frankenstein, dem es gelingt, einen künstlichen Menschen zu erschaffen. Forscherneugierde trifft somit auf eine Frühform von KI, also von Künstlicher Intelligenz.

     Frankensteins Monster ist namenlos, anfänglich weder gut noch böse, vielmehr hilflos und naiv. Erst mit der Zeit lernt es und macht Erfahrungen, vor allem feindselige. Die unverstandene Kreatur verselbständigt sich schließlich und jagt ihrem Schöpfer gehörig Angst ein.

     Die Geschichte, so heißt es in der Ausstellung im Züricher Strauhof, warnt vor einer entgrenzten menschlichen Vernunft, die sich selbst zu Gott macht und sich anmaßt, ein lebendes Wesen nach seinem Bild zu schaffen.


Es scheint, so die Kuratoren, dass Shelleys Horror-Klassiker „Frankenstein oder Der moderne Prometheus“ geradezu für die Gegenwart geschrieben sei. Denn die gruselige Erzählung treffe als frühe KI-Form den heutigen Nerv und die aktuellen gesellschaftlichen und technischen Entwicklungen.

     Immer häufiger interagieren und kommunizieren die Menschen mit Künstlichen Intelligenzen und, auf der Basis von Software und Cloud-Diensten in der modernen Werbetechnik, mit Chatbots, als wären sie lebende Wesen. Ohne Zweifel: KI, Digitalwirtschaft und Elektromobilität sind längst die neuen Technologien der Welt.

 

Ausstellungsansicht Foto: Zeljko Gataric, Strauhof 2018

 

Ausgehend von den literarischen Bezügen des Romans folgt die Strauhof-Ausstellung der These: Würde das Werk heute geschrieben, wäre das Monster kein zusammengezimmertes Wesen aus Fleisch und Blut, sondern eine digitale Existenz, eine unkontrollierbare KI, die vor allem als Stimme auftritt.

     Und mit Blick auf die aktuellen Forschungen zur KI etwa im Silicon Valley wirft die Schau die Fragen auf: Welchen Status haben künstliche Wesen überhaupt? Können sie Teil der Gesellschaft werden? Wie autonom dürfen sie sein? Sind Siri, Alexa, Cortana und Co. auch intelligente Wesen – oder bleiben sie letztlich technologische Monstrositäten?

 

Mary Wollstonecraft Shelley, gemalt von Richard Rothwell, Öl auf Leinwand, ausgestellt 1840, NPG 1235, © National Portrait Gallery, London. Fotoquelle Strauhof 2018

 

Erste visuelle Darstellung von Frankenstein und seinem Monster, 1831. London, published by H. Colburn and R. Bentley, 1831, Fotoquelle Strauhof 2018

 

Es fällt auf, dass die „Frankenstein“-Autorin Shelley, die nach dem Schauerroman zur Schriftstellerlegende aufstieg, derzeit eine Art Renaissance erfährt. Die Filmindustrie hat ihre wilden Jugendjahre soeben verarbeitet und in ein zweistündiges und eher herkömmliches Historiendrama gepackt. Pikant: Im Alter von 16 Jahren brannte Mary mit dem noch verheirateten Dichter Percy B. Shelley durch, zog mit ihm durch Halbeuropa und ehelichte ihn mit 19.

 

In Düsseldorf erinnerte das KIT an der Rheinpromenade im Sommer 2016 daran, wie Shelley auf die Idee kam, den Frankenstein in die Welt zu setzen. Auslöser war das Wetter, genau genommen der verheerende Vulkanausbruch des Tambora im heutigen Indonesien.

     Der Ascheausstoß hatte ungeheure Folgen für das Weltklima. Der Sommer 1816 war derart kalt, trübe und verdunkelt, dass er als „Gespenstersommer“ in die Geschichte einging; in Deutschland blieb er als „Achtzehnhundertunderfroren“ im Gedächtnis (mehr).

     Dieses trostlose Jahr ohne Sonne hat Maler wie Literaten inspiriert und künstlerische Prozesse eingeleitet. Shelleys Roman gilt seither als exzellentes Beispiel für den Einfluss von Schauerwetter auf Schauergeschichten.

     Sie verfasste den Beststeller in der Schweiz in der Villa Diodati des skandalumwitterten englischen Aristokraten und Dichters Lord George Gordon Byron (1788-1824), ein Busenfreund ihres Gatten. Die gerade Zwanzigjährige, soviel steht fest, war angeregt durch die düsteren Tage des Gespenstersommers und angeturnt durch vermutlich reichlich Branntwein, Opium und allerlei zwischenmenschliche Trostspenden. Der zwei Jahre später erschienene Roman gehört heute zur Weltliteratur.
rART


Die Ausstellung „Frankenstein. Von Mary Shelley zum Silicon Valley“ wird noch bis zum 20. Januar 2019 gezeigt.
Ausstellungshaus Strauhof
Augustinergasse 9
CH 8001 Zürich
Tel +41 44 221 9351
Öffnungszeiten
DI-FR 12-18 Uhr
DO 12-22 Uhr
SA,SO 11-17 Uhr

 

Kino: Mary Shelley, UK, Luxemburg, USA 2018 Regie: Haifaa Al Mansour. 120 Minuten

 

 

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